Montag, 5. November 2018

The Other Way Round


Einen Tag haben die Gäste ohne mich verbracht. Am Montag früh um 8 Uhr komme ich zum LeMeridien Hotel, an dem ich sie zwei Tage vorher -> aussteigen ließ. Das Programm der Agentur sieht vor; Schloß Neuschwanstein, Schloß Linderhof, Spaziergang in den Bergen und schließlich Transfer zum Sheraton Hotel in Salzburg. Dafür sind zehn Stunden veranschlagt, die gleiche Zeit bin ich auch gebucht.

Nur für die Fahrt von Neuschwanstein, teilweise über die Alpenstraße, dauert ohne Zwischenstopp zweieinhalb Stunden. Obwohl ich in diesem Fall meine Gäste schon kenne, habe ich vor solchen Fahrten immer noch ein kleines angespanntes Gefühl in der Magengegend.

August 2018 - eine Prügelhitze. Die jüngste der Gruppe, die kleinere der beiden Töchter, ist knapp drei Jahre, und der Grandpa hinter seiner Fotokamera, ist 74 Jahre alt. Was mache ich mit meiner an Lebensjahren breit gestreuten Familie, daß jeder zufrieden am Abend um 18 Uhr im Salzburger Sheraton ankommt?



Ich muß den Besuch des Schlosses Linderhof streichen. Auf dem Weg über Linderhof kommen wir noch weiter von Salzburg weg, als wir ohnehin schon in Hohenschwangau sind. Knapp zwei Stunden kostet uns die Fahrt von München über Landsberg nach Hohenschwangau.

Unterwegs, nachdem wir den Lech bei Peiting überquerten, sehen wir zwei Hinweisschilder zu einem Märchenwald. Die Schilder sind der Auslöser für einen Hinweis auf die Gebrüder Grimm. Die sind nach der gleichnamigen Netflix-Serie auch dem einen oder anderem Amerikaner ein Begriff. Ich zähle Märchen auf, die die Gebrüder gesammelt haben. Ich erwähne Hänsel und Gretel, Schneewittchen (Snowwhite) und Aschenputtel (Cinderella).



„Aber sind die nicht von Walt Disney!?“; wirft eines der kleinen Mädchen ein. Ich bin kurz davor mich zu bekreuzigen! Zum Glück springt mir Grandma zur Seite;



„Andersrum (The other way round)“; korrigiert sie ihre Enkel.



 Walt Disney ist mir wiederrum ein willkommenes Stichwort. Hat doch das Schloß Neuschwanstein als Vorbild für sein Logo gedient. 

Snowwhite Costume Shop Neuschwanstein
Walt Disneys Snowwhite Kostüm im Laden 



Genau mittags um 12 Uhr bekommen wir eine englischsprachige Führung im Schloß. Vorher können wir uns noch am Anblick des Alpsees ergötzen – außer Grandpa, er knallt die Speicherkarte seines Fotoapparates mit Schwanenbilder voll.

Wir nehmen den Bus zur Marienbrücke. Von hier sind es nur etwa 15 Minuten bergab bis um Schloß. Der Kinderwagen bleibt im Van. Im Schloß sind mehr als 200 Stufen zu bewältigen. Dabei wäre der Wagen, ansonsten sehr hilfreich, mehr Last als Erleichterung. Als Papa habe ich schon geahnt was passieren wird. Die Kleine muß schon nach den ersten Stufen von ihrem Vater getragen werden. Der kommt dabei mächtig ins Schwitzen.

Nach der Tour durch das Schloß biete ich an, mit der Pferdekutsche ins Tal, zu unserem Parkplatz, zu fahren. Ich wollte testen, ob sich der Programmpunkt `hiking in the mountains´ schon erledigt hat. Hat er – definitiv! Erleichtert fallen meine Gäste auf die Bänke der Kutsche und freun sich auf den bevorstehenden Lunch. 


Lange fahren wir nicht, nur bis nach Halblech, hie kenne ich eine passende Gaststätte. Hier gibt es fast keine Touristen, von denen wir jetzt alle die Nase voll haben, trotzdem eine englische Karte,  lokale Spezialitäten und ein vom Biergarten einsehbarer Kinderspielplatz.  

Zügig geht es weiter. Opa will jetzt unbedingt die Wieskirche sehen, von der ich schon am Flughafen erzählt habe. Vorher habe ich mich im Internet informiert, wenn wir in der Kirche sind, ist dort keine Messe. Er kann dort fotografieren bis die Linse glüht. Für ihn ist das, nach dem Fotografieverbot im Schloß eine wahre Freude. 


Eigentlich bleibt uns nach der Wieskirche kaum mehr Zeit , aber ich will noch das Walchenseekraftwerk zeigen. Waren doch die alternativen Energien erst Thema bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt. Nach dem sehenswerten Kraftwerk schlafen meine Gäste erschöpft im Kleinbus ein. Leider entgeht ihnen so der Anblick der Landschaft und der Dörfer neben der Alpenstraße. Über die B 472 geht es durch Bad Tölz und Miesbach Richtung Osten. Am Irschenberg fahren wir auf die Autobahn A8 nach Salzburg. 


Mercedes V-Klasse vor dem Sheraton Hotel in Salzburg
Vor dem Sheraton Salzburg 


Als ich sie auf den Chiemsee hinweise, öffnen sie nur müde kurz die Augen. Um mir das Pickerl zu sparen, verlasse ich noch vor der Grenze zu Österreich bei Bad Reichenhall die Autobahn. Übe den Walserberg und Himmelreich (so heißt der Ort tatsächlich), kommen wir mit nur einer halben Stunde Verspätung um Sheraton in Salzburg.   

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