Samstag, 4. August 2018

Gscheider Schwede


Nur ein kleiner Auftrag von -> Taunustaxi - aber ein angenehmer, den mir der Vorfall am Münchner Flughafen letztes Wochenende beschert hat.
Ein schwedisches Ehepaar, beide über 80 Jahre, fahren um seinen 82igsten Geburtstag zu feiern nach Italien. Die Reise beginnt in Göteborg. Von hier fliegen die Beiden zum Flughafen München. Den letzten Teil der Reise, von München nach Italien, fahren sie mit dem Bus. 

Zurück wieder mit dem Bus von Italien zum Flughafen München und von hier wollen sie mit dem Flugzeug wieder zurück zu ihrem Heimatflughafen nach Göteborg. Das alles ist auch soweit gelungen, bis sie am Flughafen in München ihr Gepäck nach Göteborg aufgaben. 

Genau in diesem Moment wird der Alarm ausgelöst. Meine zwei schwedischen, betagten Gäste bleiben am Flughafen stecken. Bis die Umstände geklärt werden, bleiben die Passagiere außerhalb der Sicherheitszone. Die Passagiere in der Sicherheitszone müssen diese verlassen. Es ist unklar welcher Flug, oder ob überhaupt noch ein Flug, abgefertigt wird. Während die Schweden in der Halle warten, verlässt ein Flugzeug mit dem Gepäck an Bord unseren Hafen  in Richtung Göteborg.
Die gestrandeten Passagiere werden immer mehr. Die Hitze immer größer und die Luft immer stickiger. Die Feuerwehr bläst -> mit einer Windmaschine Frischluft in die Halle. Zu spät für die Ehefrau des Geburtstagskindes, sie kollabiert mit den Gepäckscheinen in der Hand. Ein Krankenwagen bringt sie in das nächstgelegene Krankenhaus nach Freising. Dort erholt sie sich, und wird bald wieder entlassen. Die letzte Nacht verbringt sie bei ihrem Ehemann im Marriott Hotel, gleich neben dem Krankenhaus. 

Jetzt komme ich ins Spiel. Ich soll sie am Mittwoch früh dort abholen und zum Flughafen bringen. Ihnen wurde ein Flug nach Kopenhagen organisiert. Ich habe die Buchungsnummer bei mir. Mit ihren Reisepässen können wir die Bordkarten am Flughafen abholen. Zehn Minuten bevor ich an das Hotel komme, rufe ich an um mich anzukündigen. Sie erwarten mich mit ihrem einzigen noch verbliebenem Gepäck, einer Tasche voller Papiere in Klarsichthüllen vor dem Hotel. Unterwegs erzählen sie mir von ihrer Odyssee, die zum Glück bald zu Ende sein wird. Im weiteren Gespräch stellt sich heraus, daß auch er Jäger ist und früher in seiner Heimat Elche gejagt hat. Jetzt aber, auch aufgrund seines Alters, interessieren ihn die Pflanzen, die er gerne fotografiert. Ja, und er hat schon mein Pflanzenbestimmungsbuch im Taxi entdeckt. Ich reiche es ihm nach hinten, sofort fängt er interessiert an zu blättern. Ich zeige ihm Pflanzenbilder von meinem Handy. Ein Foto habe ich einfach mit dem Handy durch das Okular meines Binokulars gemacht. 

„Ein Mikroskop, das brauchst du, ...“; erklärt er mir wissend. 

Schnell schaue ich in den Rückspiegel. Der Blick seiner Frau ist der gleiche den ich von meiner Frau geerntet habe, als sie mich das erste Mal mit meinem Mikroskop gesehen hat. 

„Unbedingt. Es geht gar nicht ohne.“;  bestätige ich ihn. 

„Die anderen geben viel Geld für Schnaps und Fußball aus.“
Ich könnte ihn küssen. 

„Genau meine Worte.“ 

Unser botanisches Vokabular kommt zum Einsatz. Jeder nennt eine Pflanze, von der er glaubt, daß es sie auch bei dem Partner wächst. 

Pflanzenbestimmungsbuch Taxi München Flughafen
Pflanzenbestimmung und Völkerverständigung


Seine Frau schaut nur noch resignierend durch die Fensterscheibe auf das Erdinger Moos. Da haben sich zwei gefunden, wird sie sich denken.  Jetzt kann ich auch ein klein wenig verstehen, warum er mit dem Bus von München nach Italien gefahren ist, um seinen Geburtstag zu feiern. Das sind schon coole Hunde, unsere skandinavischen Nachbarn.
Leider ist die Fahrt von Freising zum Flughafen nicht so weit. Aber ich weiche Ihnen nicht von der Seite, bis sie ein Lufthansa-Mitarbeiter übernimmt und in den Sicherheitsbereich führt. Zum Abschied winken wir uns noch zu.
  

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