Dienstag, 17. Juli 2018

Von A bis O(Bike)


Im Fall von Obike dauerte die Geschichte von A bis O nicht einmal ein Jahr. 
Langsam haben wir uns an die gelb, grauen Fahrräder bei uns im Stadtbild gewöhnt. Sozusagen Übermacht ist München von diesen Fahrrädern überflutet worden. Mir selbst sind sie auf den Weg in den Euro-Industriepark aufgefallen. Da standen sie noch schön sortiert, immer in Fünfergruppen, nebeneinander an den großen Straßenkreuzungen. 

Die Fahrräder gehören Obike, einer Firma aus Singapur. Die meisten der neuen  Leihfahrradanbieter wie Ofo, Yobike oder Mobike kommen aus Fernost und verdrängen Nextbike und Call a Bike, die wir schon kennen. München war eine der zwei Städte die sich Obike als Ziel für den Schritt nach Europa ausgesucht haben. 

Obike am Schild Taxistand Sudetendeutsche
Ob der Radler hier auf das Taxi umgestiegen ist?


Die Mobilität ändert sich, immer weniger fahren mit dem eigenen Auto in die Stadt. Wir als Taxifahrer können davon nur profitieren. Der Leihauto oder -fahrradfahrer steigt auch mal in mein Taxi. Im August letzten Jahres startete Obike mit 500 Rädern in Frankfurt - bei uns waren es 7.000!
Unser Nachbar war ein fleißiger Obike-Kunde. Ich weiß nicht wie er morgens in die Stadt fuhr, wahrscheinlich mit den Öffentlichen, nach Hause gekommen ist er mit dem Fahrrad. Genauer mit einem Obike. Er hat das Obike vor seiner Haustüre abgestellt und kam am nächsten Abend wieder mit einem anderen Obike nach Hause. Mit jedem Werktag wuchs die Obike-Flotte in unserem Hinterhof um mindestens ein Obike. Von Zeit zu Zeit zog er die Räder, entsperren hätte was gekostet, durch den Hof auf die Ingolstädter Straße. Von dort wurden sie auch anfangs immer wieder entfernt und wahrscheinlich neu verteilt. 

Bis letzte Woche, jetzt ist es allen klar, Obike ist pleite  und die Stadt weiß nicht wohin mit den Rädern.

Sonntag, 8. Juli 2018

Kleine Sachen


Mit Akif, meinem langjährigen Kollegen sitze ich auf unserer Sonnenterasse an der AGIP Tankstelle am Flughafen. Die Botanik hat mich erfasst. Zum Bestimmen der Pflanzen brauche ich eine Lupe oder etwas ähnliches. Bei Ebay bestelle ich mir ein Taschenmikroskop und ein Mikroskop das einfach vor die Linse des Handys geklemmt wird. Beides no-name Produkte, die den Namen Mikroskop nicht verdienen. 

Das Taschenmikroskop habe ich schon nach einer Woche. Mit dem sitze ich gebeugt über Thujazweigen und Berberitzenblüten am Küchentisch. Ich ernte dabei Einsichten in den Blütenaufbau und kopfschüttelndes Lächeln meiner Familie. Von dem zweiten Mikroskop habe ich bis jetzt nichts mehr gehört oder gesehen. 

Um meine Ungeduld zu zähmen habe ich bei uns gegenüber beim Media-Markt nach etwas ähnlichem gefragt und nichts gefunden. Die Suche beim Saturn in der Hanauer Straße blieb auch erfolglos. Aber gleich daneben, beim Conrad, bekomme ich ein Päckchen von der Firma HAMA mit drei Linsen zum an-das-Handy-klemmen für 12,-€. Mich interessiert nur die Makro-Linse. Mit der Fischaugen- und Telelinse kann ich nichts anfangen. Sofort reiße ich die Packung auf, Klemme die Makrolinse ans Handy und stürze mich auf den ersten Strauch, einer wilden Rose (Rosa canina), vor dem Elektronik Markt. Die Hagebutte ist gleich fotografiert. 

Marienkäfer auf der Brennnessel durch Vorsatzline Handy
Maikäfer auf Brennessel


Die drei Linsen liegen, verstaut in einem Samtsäckchen, im Armlehnenfach meines Taxis. Wieder an der AGIP, Akif ist diesmal nicht da, fahre ich in das Wäldchen hinter der großen Post. Dort will ich mit meiner Makrolinse die männlichen und weiblichen Blütenstände der Brennessel (Urtica diocia) fotografieren. Eine Stunde vorher wusste ich nicht mal das Brennnesseln zweihäusige Pflanzen sind. Erwischt habe ich dabei einen Marienkäfer mit meiner neuen Makrolinse vor dem Handy.
Ich habe viel Freude an der kleinen, günstigen Linse und den Ergebnissen mit ihr. Angesichts der Beute muß ich sagen, auch kleine Dinge können Freude machen.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Eindruck


Abholung von einem Motel one Hotel im Osten Münchens. Der Kunde steht schon vor dem Gebäude. Nach einem knappen Gruß.

“Zur FHS - Bernd-Eichinger-Platz - die Filmhochschule”

Aha, es ist wieder Filmfest; fällt mir ein. Der -> Bernd-Eichinger-Platz liegt in der Gabelsbergerstraße.  Eine Einbahnstraße in Richtung Osten. Wir kommen von Osten durch den Altstadttunnel. Es gibt zwei Möglichkeiten; rechts Abbiegen, die Türkenstraße entlang, links in die Thersienstraße, von dort die Barer Straße runter bis zur Ecke Gabelsberger oder nach dem Tunnel links abbiegen und über die Briener- und Arcisstraße auf die Gabelsberger.
Ich entscheide mich für die erste, die kürzere Alternative. An der Ecke Gabelsberger/Barer bleibe halte ich an, kassiere. Der Kunde rundet auf den vollen Eurobetrag auf, bezahlt mit seiner ec-Karte.

„Da gibt es doch so eine Vorfahrt ...“

Naja, an der Ecke stehen wir 20 Meter von dem Eingang zur Filmhochschule. Nun gut, fahre ich halt um den Block. Geradeaus weiter bis zur Briener, rechts die Arcisstraße, wieder rechts die Gabelsberger, bis wir direkt vor dem Eingang stehen. 

Taxi München Bahnhof nachts Nordseite
Diesmal kein Foto vom Star - Taxis nachts am Nordbau


Unterwegs habe ich kurz überlegt ob ich erwähnen soll, daß wir auch schwarze Limousinen schicken können. Das würde sich bei der Vorfahrt gut machen. Ich hab’s aber bleiben lassen. Wer kennt schon die Hintergründe. Vielleicht ist es in der Filmbranche wichtig einen erfolgreichen Eindruck zu machen. Kann er haben.
Jetzt bleiben wir 20 Meter weiter westlich an der Bordsteinkante stehen, er steigt aus, schreitet würdevoll auf das Gebäude zu und verschwindet im Eingang.

Dienstag, 3. Juli 2018

Josef-Obenhin-Straße


Zwei Geschäftsleute im Taxi. Ich habe zwei Adressen anzufahren. Der erste steigt in der Walhallastraße aus. Die habe ich richtig im Wagnerviertel, nördlich des Hirschgartens, vermutet.
Der noch im Taxi verbliebene gibt mir, während er telefoniert, die zweite Adresse.

„Jetzt bitte stadteinwärts zur Josef-Obenhin-Straße.“

Mein Kopf beginnt schon zu rattern. Josef-und-noch-irgendwie Straßen gibt es in München genug. Das gleiche gilt für die Max-... Straßen. Sein zweiter Hinweis;

„Bei der Schäringerstraße rechts weg.“

ist mir sehr hilfreich. Die Schäringerstraße geht stadteinwärts rechts und links von der Arnulfstraße ab. In der Schäringerstraße war früher die Einfahrt zu dem Verteilzentrum der Deutschen (Bundes)post. Auf dem Areal, auf dem seit zwei Jahren unübersehbar gebaut wird, standen in langen Reihen nebeneinander die gelben Lieferwagen der Post. Hier wurden die Päckchen und Pakete verteilt und eingeladen.

Josef-Obenhin-Straße Taxi Einfahrt
Rechts in die Josef-Obenhin-Straße, das linke Gebäude ist der Kindergarten


Ich biege in die Schäringerstraße ein. Zuerst kommt die Franziska-Schmitz-Straße. Hier wohnt noch niemand. Im Moment steht da noch ein Putzsilo, die Straße ist noch nicht asphaltiert. Die zweite Straße nach rechts, hinten bei der Richelstraße, die Josef-Obenhin-Straße, ist unser Ziel. Eigentlich ist es keine Straße, sondern vielmehr ein kleiner Platz mit einer umlaufenden Straße. Die  Hausnummern sind wie bei einer Straße vergeben. Rechts die geraden Nummern bis zur Stirnseite, die die Hausnummer 10 ist. Die Hausnummer 1 ist links das erste Haus, eine Kindertagesstätte mit 100 Plätzen. Die Josef-Obenhin-Straße ist eine Einbahnstraße. Wir können den Platz entgegen dem Uhrzeigersinn, startend bei Hausnummer 2 und endend bei der Hausnummer 1, dem Kindergarten, befahren.

Josef-Obenhin-Straße Taxi Karte
Die Josef-Obenhin-Straße geht von der Schäringer ab (OpenStreetMap)


Josef Obenhin war Buchbindermeister und der letzte Bürgermeister Neuhausens, bevor das Dorf Neuhausen 1890 nach München eingemeindet wurde.

Weitere -> neue Strassen in München

Sonntag, 1. Juli 2018

Aufgebockt


Nachdem ich meine -> Kreditkarte vor der -> Fahrt nach Spanien ausgiebig testete, gibt es noch eine Sache, die ich vorher durchspielen muß. Anlaß dazu bietet mir eine Erfahrung als Taxiunternehmer. Es war in den 90ern. Unser Taxibüro war in der Theresienstraße in der Maxvorstadt. Nicht weit davon, in der Käthi-Kobus-Straße war eine bei Taxifahrern beliebte Waschanlage.
 Einer unserer Fahrer hatte ein Reifenpanne. Damals hatten die Taxis alle noch richtige Ersatzreifen in der Mulde des Kofferraums. Irgendwie hat der Fahrer es geschafft sich beim Autowaschen einen platten Reifen einzufangen. Bis heute wissen wir nicht wie sich das zugetragen hat. Jedenfalls hat er versucht mit dem Mercedes-Bordwerkzeug die Radmutter zu lösen. Das Bordwerkzeug, Taxifahrer kennen es, ist ein grießig, gegossenes Werkzeug mit einem Stiel so lange wie ein iPad. Natürlich entwickelt man mit einem derart kurzen Hebel nicht die Kraft eine Schraube zu lösen, die vor Monaten in der Werkstatt auf Brusthöhe mit einem Luftdruck-Schlagschrauber angeknallt wurde. Proaktiv und ergebnisorientiert setzt der pannengeplagte Chauffeur das Spielzeug an, steigt auf das schwindlige Glump, wippt um die Schwerkraft zu erhöhen bis ... das Drum auf den Boden klimpert. Das Resultat ist eine abgedrehte Radmutter.
 Genauso war es an der besagten Waschanlage. Das beste Radkreuz hilft jetzt nicht mehr. Das Taxi ist nicht mehr fahrbereit. Es kann nicht mal mehr abgeschleppt werden. Wir mussten es auf einen Autotransportanhänger zerren und zur Werkstatt bringen. Ein umständliches Verfahren, obwohl der Reservereifen 100.000 Kilometer kreuz und quer durch München gefahren wurde. 

Seitdem lag bei meinen Taxis und Privatwagen (wenn sie mit einem Reserverad ausgerüstet waren) ein gescheiter Schraubenschlüssel zwischen den Küchenrollen im Kofferraum. Das Werkzeug gibt es in jedem Baumarkt, kostet dort um die 10 €, hat einen Knebel zum ausziehen und eine Nuß von Hazet. Das Material ist von hoher Qualität, der verlängerte Hebel schafft auch fest angezogene Schrauben. 

Taxi München Dahiatsu aufgebockt Wagenheber
Mit zwei Holzklötzen reicht es


Geprägt von diesen Erlebnissen, stelle ich mir vor, was passiert wenn ich mutterseelenallein in den Pyrenäen eine Reifenpanne habe. Was bei den Spitzen Steinen auf den Wegen, die ich zu befahren gedenke, durchaus passieren kann. Wie soll ich dem französischen, andorranischen oder spanischen Vertragspartner des ADAC meine Position nennen. Das fiele mir inmitten der Natur schon auf deutsch im Bayerischen Wald schwer. Ich muß mir weitestgehend selbst helfen können, wenn sich das kleine Problem schon in der Maxvorstadt als schwierig herausstellt.
Deshalb der Probereifenwechsel. Sicherstellen, daß alle Schrauben zu lösen sind. Das passende Werkzeug muß dabei sein, und auch zwei Holzklötze um das Auto mit dem kleinen Wagenheber hoch genug aufbocken zu können.