Freitag, 29. Juni 2018

Yee-haw


Am Bahnhof Nord steigen Sie mir ein. Ein Ehepaar mit großen Koffern, Heimat Texas. Die Adresse, Mercure Hotel Olympia, Leonrodstraße 79, hatten sie ausgedruckt.
 Das all the cabs am Bahnhof Mörsides sind, finden sie great. Sie sind das erste Mal in München, sie kommen mit dem Zug aus Frankfurt. Sie sind mit dem Eis gefahren. Das habe ich jetzt schon öfter von Amerikanern gehört; sie sprechen den ICE in einem Wort aus. Noch dazu hat das dann im Englischen noch eine Bedeutung. Und überhaupt ist das railway system in Germany great. Die Dienstkleidung der Schaffner und Angestellten am Bahnhof. Mit ihren blauen und roten caps - awsome. They look so official. - Great. 

Taxi München Trinkgeld Texas Aufkleber Schlüsselanhänger Dont mess with Texas
Trinkgeld von und für Cowboys


Inzwischen fahren wir, um die Baustelle und die Ampeln am Stiglmairplatz zu umgehen, durch die Sandstraße. An der Ecke zur Nymphenburger Straße, zeige ich Ihnen die großen, glänzenden Kupferkessel des Löwenbräus - awesome!
Wir sprechen von Fredericksburg, New Braunfels und kommen so auf die Texas - German. Die Dame nennt mir ihren deutschen Geburtsnamen, den ich mit welcome home quittiere.
Am Ziel, in der Leonrodstraße, bezahlt er die 13,30 € in bar mit 15,-€. Da hat er sich schon angepasst. Zum Abschluß legt er noch zwei Aufkleber und einen Schlüßelanhänger drauf - sauber.

Mittwoch, 27. Juni 2018

Nicht nur gelbe Engel

Aus der Paul-Heyse-Unterführung kommend biege ich nach rechts auf die Arnulfstraße einwärts ab. Ich will zum Nordbau, unserm Taxistand auf der Nordseite des Bahnhofs. Just in diesem Moment leuchtet die Kontrollleuchte Kühler auf. Das ist mir schon vor über einem Jahr passiert. Auch da leuchtete die Kontrolllampe auf wenn ich mit dem Taxi eine Rechtskurve durchfuhr. Bei der Rechtskurve am Ende der A9, wenn es beim Marriott-Hotel auf den Mittleren Ring ging, merkte der Sensor und ich es als erstes, daß es Zeit war die Kühlflüssigkeit zu kontrollieren. Damals war die Wasserpumpe undicht. Ich musste nur einen halben Liter Wasser nachfüllen und dann war wieder Ruhe bis zur endgültigen Reparatur. Nach dieser Erfahrung hätte ich mir am Taxistand keinen Kopf machen müssen. Zudem wollte ich hier meine letzte Fahrt in Richtung Heimat fangen. 

Nur zu gerne hätte ich es dabei belassen und am nächsten Morgen einfach an der Tankstelle einen halben Liter Wasser nachgefüllt. Aber das Schicksal meint es gut mit mir und gibt mir einen Wink. Irgendwie will ich es diesmal genau wissen. Ich steige aus, öffne die Motorhaube und ... der Ausgleichsbehälter für die Kühlflüssigkeit ist leer, die Hitze des Motors hat ihn sogar getrocknet. Mit wechselnden Gefühlen stehe ich inmitten der Taxis. Einerseits bin ich enttäuscht, daß sich mein Feierabend anders gestaltet als ich es mir vorgenommen hatte. Andererseits war ich froh, es genauer gewusst haben zu wollen.
Im Kofferraum habe ich immer drei oder vier kleine Fläschchen mit Mineralwasser für die Fahrgäste. Ich opfere eines davon um Wasser nachzufüllen. Noch während die letzten Tropfen durch die Leitung gluckern, höre ich ein leises Plätschern aus dem Bereich des Kühlers. Jetzt kommt die Taschenlampe zum Einsatz. Ich schütte einen kleinen Schluck nach, wechsle die Position, leuchte an die Rückseite des Kühlers und finde sofort die Ursache. Der Schlauch vom Ausgleichsbehälter hat sich am Kühler gelöst. Das Ende des Schlauchs hängt frei in der Luft. Ich kann ihn aber nicht erreichen um ihn wieder aufzustecken und zu befestigen. 

Beruhigt ob der Lappalie rufe ich beim ADAC an. Ich kann der Dame auch gleich das Problem genau schildern und daß ich weiter keine große Hilfe brauche. 

„In zwei Stunden ist dann der gelbe Engel bei Ihnen. Zehn Minuten bevor er ankommt, ruft er Sie an. Bleiben Sie bitte erreichbar.“ 

Genau so haben wir es, bis auf die zwei Stunden Wartezeit, abgesprochen. Und so habe ich mir das auch vorgestellt; da kommt ein Mechaniker mit einem kleinen, gelben Auto, löst zwei größere Schläuche, schraubt den kleinen Schlauch wieder an den Stutzen des Kühlers. Inzwischen fülle ich das Wasser mit Hilfe der leeren Flaschen aus meinem Kofferraum und dem Waschbecken in der Bahnhofstoilette wieder auf. 

Es vergeht eine gute Stunde bis der Anruf des gelben Engels kam. Er wäre jetzt da. Ich blicke um mich. Hinten am Taxistand steht ein gelb-schwarzes, 10-Tonnen Autotransporterungetüm mit Kran und blinkenden Lichtern auf dem Dach. Ich winke dem Fahrer zu, er kommt zu meinem Taxi. Ich will ihm, genauso wie den 20 Taxikollegen davor, das Malheur zeigen. 

„Ich repariere nichts, nix repariere ich. Ich habe nur einen kleinen Schraubenzieher dabei. Wir bringen denn jetzt zu Mercedes in die Landsberger Straße.“;
 
sagt der Abschleppwagenfahrer und fährt schon die hydraulischen Stützen seiner Arbeitsplattform aus. 

„Aber schaun‘s mal. Hier - da läuft das Wasser raus. Und hier, der Schlauch, der müsste da drauf, ...“ 

„Nein, nix wird repariert. In die Landsberger Straße zu Mercedes. In die Landsberger Straße, Mercedes, zu Mercedes, Taxi-Service, ...“ 

Und während ich noch in den Motor schaue, schwebt schon der Kran mit den vier Schlingen über dem Taxi. Ich kann gerade noch die Motorhaube schließen, da wieselt der stämmige Fahrer in seiner Latzhose flink um das Taxi und hängt einen nach den anderen Reifen ein.
Es vergehen keine zwei Minuten, da steht mein Taxi schon auf dem LKW.
Im Führerhaus stellt sich heraus, daß der Fahrer ein Landsmann meiner Frau ist. Ich kann ihn erfolgreich zu Mercedes in der Ingolstädter Straße umleiten. Von dort ist es nicht mehr weit zu meinem eigentlichen Ziel dem Stimmer in der Lilienthalallee. 

Wir sind noch keine 100 Meter unterwegs, da kommt an der nächsten roten Ampel am Bahnhofsplatz meine Kollegin Christine neben uns zu stehen. Schnell drehe ich das Beifahrerfenster des Abschleppwagens herunter. Schnell tauschen wir uns aus. Christine will vorausfahren um sicherzugehen daß der Stimmer wegen des Brückentags geöffnet hat. 

Über Handy informiert sie mich, daß an der Werkstatt kein Zettel hängt, der informiert ob sie am nächsten Tag geschlossen hat. Vor dem Tor erkennt Christine aber ein Taxi eines weiteren Kollegens. Sie ruft ihn an, und er kann ihr, und somit auch uns im Abschleppen, bestätigen daß die Mechaniker auch am nächsten Brückentag arbeiten. 

Taxi von der Ladebrücke mit Kran vom ADAC LKW abgeladen
Vor der Werkstatt wird abgeladen


Sie wartet noch bis wir mit dem LKW ein paar Minuten später eintreffen. Im Hof der Werkstatt erledigt der Abschleppwagenfahrer noch die Papiere mit Hilfe eines der 12 Kugelschreiber die in der Brusttasche seiner Hose stecken. Ich werfe nur noch eine kurze Nachricht und den Schlüssel in das Fach im Büro der Werkstatt. Die letzte Taxifahrt dieses Tages genieße ich dann noch als Beifahrer.
Noch am frühen Vormittag bekomme ich einen Anruf von der Werkstatt. Die Reparatur des Taxis ist fertig. Es musste nur der Schlauch wieder an dem Kühler befestigt und die Kühlflüssigkeit aufgefüllt werden. Ich bin überzeugt, die Reparatur hat nur einen Bruchteil der Zeit benötigt, die ich am Vorabend gewartet habe und unterwegs gewesen bin.

Montag, 25. Juni 2018

Samstag, 23. Juni 2018

So ein Kreuz ...


So, seit Anfang dieses Monats hängt jetzt ein Kreuz in unseren bayerischen Behörden. Halleluja, ab jetzt sind wir gesegnet. Wie ein Fegefeuer brennt die Neugier in mir, um festzustellen, wie sich unsere Landesbediensteten in Zukunft läutern werden. 

Das würde unsere historischen Werte ausdrücken, unsere Kultur - höre ich von Fahrgästen und Kollegen. Feige und bequem, eine fruchtlose Diskussion vermeidend wollend, habe ich nur kopfnickend zugestimmt. Ich will mit einem Kunden, der seine Nase nicht vom Smartphone wendet, zwischen Mittagessen und Geschäftstermin, zwischen Giesing und Neuperlach, keine Grundsatzdiskussion über die Werte des christlichen Abendlandes im Allgemeinen,  und im Besonderen unter Bezugnahme der Entwicklung der Stämme nach der Völkerwanderung nördlich der Alpen, führen. 

Aber jetzt, jetzt da die Legionen von Haustechnikern in ihren grauen Kitteln, bewaffnet mit Staffelei  und Schlagbohrmaschine, das Symbol der Unterdrückung, zwischen Glastüren und Schmutzfängermatten manifestieren, möcht ich unserer Regierung zuschreien; „Ja, geht’s no!“
Uns Bajuwaren gibt’s noch nicht so lang in der bunten Völkerfamilie. Hauptsächlich in der Donauebene, bis ins Chiemgau und im Voralpenland haben wir uns erst im achten Jahrhundert aus Kelten, zurückgebliebenen Römern, verschleppten Franken, abgespaltenen Merowingern und ein paar weiteren Verlaufenen, gebildet. In Religionsfragen tolerant, waren alle Göttinnen und Götter geduldet. Du host recht - und i mei Ruah; schwebte über den Natursteinhäuschen im Voralpenland und den Weiden/Lehmhütten im Donaumoos.

Bis dem Bischof von Rom einfiel, uns Bayern zu bekehren. Zu dem Behufe hat er die Iren losgeschickt. Die kamen dann auch mit Esel, Leinensack, und eben zum ersten Mal mit dem Kreuz, gerannt, um ihre heidnischen Mitkelten im Süden zu bekehren. Im Gegensatz zu vielen der Haustechniker heute, hatten die Wanderprediger damals noch einen Bezug zu ihrem Kreuz. Ganz neue Töne spuckten die Verkünder. Ihr eifersüchtiger Gott, von dem sie unentwegt zeugten, duldet keine anderen neben sich. Das war unseren alten Bayern suspekt. Auf Teufel-komm-raus mußten unsere Vorfahren bekehrt werden. Willkommen waren sie mit ihren römischen Kreuzen schon damals nicht. Spätestens als die christlichen Prediger in ihrem Allmachtswahn damit begonnen die verehrten Linden zu fällen, jagten sie unsere Bajuwaren unter Fußtritten und Knüppelschlägen davon. Ihre Kreuze, die man Ihnen hinterherwarf, landeten im frühmittelalterlichen, bajuwarischen Eichenmischwald. 

Holzkreuz an Fichte geschalgen im Wald
Ich glaub er hängt im Wald


Es kann sein, daß ihr mich, zum Entsetzen der Katholiken, mit einem Rosenkranz um den Hals oder beim Bekreuzigen mit Weihwasser erwischt. Wenn ich mit einem Vers aus dem Koran Trost spenden kann, so werde ich das auch tun. Wenn mir danach ist, küsse ich die Mesusa am Flemings Hotel in der Leopoldstraße. Und ich darf das! Auch wenn alle Er- und Durchlauchten es sich mit ihrer Logik nicht erklären können. Religion, welche auch immer, als Form der Magie wird angewandt wenn es Menschen nutzt - sonst nicht. Um mit dem Schöpfer in Kontakt zu treten braucht niemand eine Kirche, Synagoge, Moschee oder den Eingangsbereich einer bayerischen Behörde.
Unsere Bayerische Verfassung, die auch die Religions- und Kreuzfreiheit garantiert, wurde wesentlich von Wilhelm Högner geprägt. Die Mehrheit der verfassungsgebenden Versammlung hatte mit dem Kreuz wenig am Hut. Kurt Eisner, der den Freistaat Bayern auf den Stufen zur Bavaria proklamierte, war alles andere als ein Christ. 

Wehende Fahnen, Frauen und Männer in Tracht marschieren bedächtig hinter einem Baldachin. Darunter ein Pfaff, eine Monstranz vor sich. Angeführt wird der Zug von einer Gruppe Ministranten in weißen Kitteln, von denen einer auf einer langen Stange ein Kreuz trägt. Eine saftige, grüne Wiese unter den Haferl- und Burschenschuhen, eingerahmt vom Alpenpanorama - so weit unser Bayernklischee. Besonders aber diese Volksfrömmigkeit hat ihre Wurzeln weit vor Jesus, Kirche und Kreuz. 

Das Kreuz ist ein römisches Machtinstrument. Damit haben die Herrscher ihre Untertanen in Zaum gehalten. An seine Balken wurden Rebellen, Sklaven und Freiheitskämpfer geschlagen. Es ist kein Zeichen eines Volkes, weder des Bayerischen noch eines anderen. Durch Anordnung aufgehängt im Eingangsbereich wird es wieder zum Symbol der Imperatoren - der dunklen Seite der Macht.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Alles in Butter


Am Taxistand am Isartor schaut Jack durch das Seitenfenster in mein Taxi. Jack-by-the-hedge ist der englische Name der Knoblauchsrauke, Alliaria petiolatta (von Allium lat. Knoblauch). Ihren Namen verdankt die Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler dem Knoblauchgeruch der beim Zerreiben ihrer Blätter entsteht. 

Alliaria petiolata Knoblauchsrauke durch das Taxifenster am Standplatz Isartor
Hello Jack! Do yo want a ride?


Im Mittelalter war die Pflanze mehr verbreitet. Die Blätter sind essbar. Selten aber doch werden die Blätter einem Salat beigefügt oder landen in einem Sandwich. In der Kräuterbutter sind sie häufiger zu finden. Rupft mal ein Blatt und probiert es. Bis der Fahrgast einsteigt spürt ihr einen würzigen, leicht scharfen Geschmack im Mund. 

Die Blätter immer frisch verwenden. Selbst der Tee, wegen der antiseptischen und wundheilenden Wirkung, nicht nur zum Trinken, wird mit frischen, klein geschnittenen Blättern aufgebrüht.
Münchner kennen die Bedeutung des weißen Goldes für ihre Stadt. Nicht nur Salz, auch Pfeffer war jahrhundertelang eine Kostbarkeit die sich nicht Jedermann leisten konnte. Gut, daß es die Knoblauchsrauke gibt. Die Samenkörner in den auffälligen, aufrecht stehenden Schoten dienten als Pfefferersatz. Poor-man’s-mustard; ein weiterer englischer Name der Pflanze.
So verliebt waren die Europäer in ihre Knoblauchsrauke, daß sie sie schon mit den ersten Auswandererschiffen in der Neuen Welt als Neophyten einführten. 

Alliaria petiolata Knoblauchsrauke Taxi im Hintergrund
Bleib da wo der Pfeffer wächst.


Ein Bündel des Krauts, in der Hosen- oder Handtasche, bannt den Leibhaftigen. Die richtigen Vampire allerdings, lassen sich von der Knoblauchsrauke nicht beeindrucken. Denen müssen wir mit richtigem Knoblauch entgegentreten.