Sonntag, 6. Mai 2018

Off - On The - Road 2

Die Reifenluftdruckanzeige meldet sich nicht mehr - -> Vorerst! Überraschend fit wechsle ich von der A1 auf die A21. Aus den Augenwinkeln erkenne ich auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn, in Fahrtrichtung von Wien nach München, eine große Landzeit Raststation. Auf dem Hinweisschild zu dieser Raststation in unserer Fahrtrichtung ist auch ein Bettensymbol. Das wäre eine Möglichkeit. Raststation Steinhäusl kann ich mir noch schnell merken. Inzwischen habe ich kurz mit dem Gedanken gespielt, das Wochenende in Wien zu verbringen. Mit dem Taxi könnte ich den Thomas, -> Taxikollege in Wien, der im wahrsten Sinne des Wortes saubere Arbeit leistet, besuchen. Aber was soll ich wie ein fader Schluck Wasser in Wien. Der erste Tag wäre verloren.

Bei Alland verlassen wir die Autobahn. Ab hier wird es ländlich. Mein Beifahrer, inzwischen wieder aufgewacht, lotst mich. Über gewundene Straßen geht es durch das Helenental. Wir passieren ein Hotel, beim Vorbeifahren erkennen wir noch Licht im Eingangsbereich. Die nächste größere Ortschaft ist Baden. Bevor wir nach Baden kommen, durqueren wir einen kurzen, aus dem Fels geschlagenen Tunnel. Diesen Tunnel präge ich mir ein. Auf dem Rückweg werde ich nach dem Tunnel das Hotel im Tal und meinen nötigen Schlaf finden.
Links neben der Straße, selbst im Dunkel erkennbar, ein Aquädukt aus Ziegeln, eine der Wasserversorgungen für Wien. 

"Der kommt noch aus der Kaiserzeit." ; informiert mich mein Gast. 

Nicht mehr weit vom Ziel, fahren wir durch Bad Vöslau. Hier wird das, inzwischen auch in Bayern langsam bekannte, Mineralwasser Vöslauer abgefüllt. In den Hallen herrscht noch oder eher schon wieder Betrieb. 

Endlich am Ziel laden wir das Gepäck in seinen Jeep. Jetzt kann ich den Geländewagen in voller Größe sehen. Über der Windschutzscheibe ist eine Lichtleiste angebracht. Auch die Halterungen dazu hat er selbst gemacht. Nach der Verabschiedung mache ich mich auf den circa 500 Kilometer weiten Rückweg. Ich befolge seinen letzten Rat und orientiere mich nach Alland. Dort muß ich wieder auf die Autobahn. Ab jetzt spule ich die Stationen der Anfahrt rückwärts ab. Bad Vöslau - die Abfüllanlagen links vor der Unterführung. Die große Molkerei, die den dazugekauften Baumarkt als Lager nutzt, Baden, danach der beleuchtete Tunnel, der mir bei dieser ansonsten stockfinsteren Fahrt, ein willkommenes Fotomotiv bietet. 

Beleuchteter Tunnel bei Nacht bei Baden Niederösterreich
Zwischen Baden und Alland im Helenental


Noch zwei Nächte, dann haben wir Vollmond. Im Mondlicht erscheint die Fahrt durch das Helenental romantisch. Endlich schält sich das Hotel, das wir bei der Hinfahrt schon sahen, aus der Dunkelheit. Froh rolle ich auf den Parkplatz. Bald werde ich wohlig in einem kuscheligen Bett liegen und einschlafen. Die Glastür ist verschlossen. Dahinter steht ein großes Schild auf dem Boden:

Die Rezeption ist zwischen 23:00 Uhr und 6:30 Uhr nicht besetzt.

Enttäuscht drehe ich mich um. Setze mich ins Taxi, überschlage kurz, 21 Stunden bin ich jetzt unterwegs. Ich orientiere mich nach den Schildern die nach Alland weisen. Mein nächstes Etappenziel, der Rasthof Steinhäusel, ist nicht mehr weit. Mit letzten Reserven fahre ich vor den Rasthof. Aber auch hier ist die Rezeption nicht besetzt. Es gibt nur einen Automaten. Ich will mit einen Menschen sprechen, der dafür sorgt, daß ich mindestens bis Mittag schlafen kann. Sinnlos um 6 Uhr morgens ein Zimmer zu buchen, um es um 10 Uhr verschlafen wieder zu räumen. Trotzdem stecke ich meine Kreditkarte in den Schlitz des elektronischen Portiers. Der will 104,00 € für ein Einzelzimmer abbuchen. 104,00 Euro und im Osten, über Wien, geht schon die Sonne auf?!
Trotzig drehe ich im Taxi die Lehne des Fahrersitzes ganz zurück und lege mich nieder. Nach nur zwei Minuten bin ich eingeschlafen. 

Eine Stunde später wache ich wieder auf. Ausgeschlafen bin ich nicht, aber wieder fit für die nächsten 250 Kilometer. Ich muß es bis nach Salzburg schaffen. Mit circa 90 km/h schleiche ich hinter den LKWs auf der rechten Spur. Für höhere Geschwindigkeiten reicht meine Aufmerksamkeit nicht mehr. 

Strecke von Salzburg über Alland, Helenental, Salzburg, Untersberg
Der Weg zurück (mit einen kleinen Schlenker über den Untersberg)


Dort am Untersberg bin ich während meiner umtriebigen Beschäftigung auf einen Ort gestoßen, an dem ich Kraft  tanken kann. In Bad Reichenhall fülle ich noch einmal meinen Tank. Die Vorsteuer, bezahlt an einer deutschen Tankstelle kann ich leichter mit der Umsatzsteuer verrechen. 

Energiegeladen und aufgetankt ist es vom Untersberg nach München nur noch ein Katzensprung. So endet eine Taxischicht nach 1220 Kilometern. Begonnen hat sie am -> Vortag mit einer Tour vom Pullman Hotel in die Schellingstraße - 3,5 Kilometer durch Schwabing. 

Kommentare:

  1. Das ist ja wirklich mal eine coole aber auch krasse Geschichte

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  2. Wow, meinen Respekt krass das Du so lange am Stück wach bleiben kannst und dir dann noch das Autofahren zutraust.
    Für mich wäre das nichts.

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    1. Ohne die Schlafpause hätte ich es nicht geschafft.

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  3. Meinen größten Respekt, kenne das selber weil ich mal eine Zeitlang beruflich viel fahren musste aber das ist schon außergewöhnlich

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    1. Das kommt auch nicht so oft vor. In der Regel werden die weiten Touren vorbestellt, dann kann ich mich darauf einstellen.

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  4. Wie hast du es denn geschafft dich so lange wach zu halten und dabei noch so konzentriert zu sein? Respekt

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    1. Ich habe schon vieles probiert um bei langen Strecken wach zu bleiben; Kaffee, Energie Drinks, Sauerstoff, ... Das Einzige was mir bei großer Müdigkiet hilft, ist schlafen. Sei es nur eine halbe Stunde.

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  5. Krasse Geschichte und auch wenn du es geschafft hast war das bestimmt auch nicht so ungefährlich

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    1. Stimmt. An der Grenze zur Verantwortungslosigkeit. Ich fahre dabie aber keine hohen Geschwindigkeiten mehr. Wenn es nötig ist, mache ich auch noch eine zweite, oder dritte Pause.

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  6. Versteh mich bitte nicht falsch und das ist auch echt nicht böse gemeint aber es ist für mich schon mehr als an der Grenze zur Verantwortungslosigkeit. Ich finde es auch respektabel das du das so durchgezogen hast und es ist schön das dir und niemand anderem etwas passiert ist aber warst du dir während der Fahrt eigentlich der Gefahr bewusst (Sekundenschlaf usw) oder ist dir das erst später bewusst geworden wie böse das hätte enden können?

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    1. Kein Problem, ich verstehe es schon richtig. Darum gebe ich jedem den Rat zu schlafen wenn es nicht mehr geht. Kein Kaffee, kein um das Auto herumlaufen, kein Energy Drink hilft, ... Wenn die Müdigkeit überhand nimmt, hilft nur schlafen! Wir haben ja Glück, daß wir Pause machen können. Das können manche LKW Fahrer nicht. Ich habe in Ulm einen guten Kunden verloren, weil ich bei einem Auftrag eine kurze Fahrt um zwei Uhr morgens nicht gemacht habe, weil ich Schlaf brauche. Da verzichte ich lieber auf das Geld.

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  7. Die Geschichte ist schon echt Hammer und auch meinen Respekt für deinen Einsatz hast du. Ich war eine Zeit im Außendienst und musste da teilweise nach einer Woche Nachtschicht, morgens nach der letzten Schicht nach Hause fahren und das teilweise auch über 200 bis 300 Kilometer. Ich habe auch immer gesagt das ich das ohne Probleme schaffe und mir Energys usw reingezogen. In einer Woche musste ich Samstags von Trier zurück an den Niederrhein und da hatte ich einen Sekundenschlaf und bin fast mit ca 160 km/h auf ein Stauende aufgefahren. Nur eine Vollbremsung und das "rechzeitige" Aufwachen hat eine Katastrophe verhindert. Seit dem fahre ich regelmäßig Rastplätze an und schlafe für eine halbe Stunde, diese Erfahrung möchte ich nicht noch mal machen. Ich kann jetzt noch das Kennzeichen von dem Wagen nennen auf den ich fast aufgefahren bin, so sehr hat sich das bei mir eingebrannt.

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    1. Ich denke daß schon einige Berufskraftfahrer einen „Schuß vor den Bug“ bekommen haben. Ich auch. Das Beste ist daraus zu lernen und Schlafpausen einzulegen.

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  8. Mein Respekt an alle Taxifahrer was die sich manchmal antun müssen für meiner Meinung nach einen "Hungerlohn". Ich kann mir vorstellen wie groß der Druck in diesem Job ist. Aber ist es letztendlich Wert wenn etwas passiert ?

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    1. Die Alternative ist nicht zu fahren. Ich kannte zwei Gastwirte in München. Die haben viel Geld in die Ausstattung ihres Lokals gesteckt. Obwohl ich mich auch als Wirt vorstellen könnte, wäre mir das Risiko zu groß.

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  9. Da muss ich Christian auf jeden Fall Recht geben wenn etwas passiert wird man nicht mehr glücklich. Dan doch lieber nicht fahren !!

    Lg Finn

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  10. Stimmt wenn etwas passiert würde man sich selbst nicht verzeihen. Deswegen im Zweifelsfall lieber Auto stehen lassen !!
    danke für den Bericht Reinhold

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