Donnerstag, 19. Juli 2018

Familiensachen


Ich will mir ein Pflanzenbestimmungsbuch kaufen. Von meiner Ausbildung kenne ich noch die zwei Standardwerke im deutschsprachigen Raum. Es gibt den Rothmaler und den Schmeil-Fitschen. Beides unhandliche Schmöker mit knapp 1000 Seiten, aber beide decken die heimische Flora weitestgehend ab. Wer glaubt, daß wären Bücher mit unzähligen, bunten Fotos, irrt. Wider erwarten sind das Bleiwüsten, selten sind in diesen Büchern Zeichnungen in schwarz-weiß, Farbtafeln oder Fotoseiten zu finden. Es gibt einen ausgeklügelten Bestimmungsschlüssel. Es wird nach der Eigenschaft einer Pflanze gefragt, und je nach der Antwort wird auf -> 17, -> 4 oder nach ein paar Bestimmungen gleich direkt auf eine Pflanzenfamilie verwiesen.

Begonnen wird, wie immer ganz am Anfang; Ist die Pflanze einkeimblättrig? Ist es ein Bedecktsamer? Später; Ist der Fruchtknoten unterständig? Ist das ein Korbblütler mit ausschließlich Röhrenblüten? 

Kurz, um mit diesen Büchern zurecht zu kommen, ist botanisches Grundwissen erforderlich. Der Vorteil dabei aber ist, daß sich bei dem Umgang mit den Büchern eine strukturierte Herangehensweise  und eine detaillierte Beobachtung einschleift. Die botanische Systematik wird im Vorbeigehen gelernt. 

Von Rita Lüders gibt es einen Grundkurs zur Pflanzenbestimmung, abgestimmt auf den Schmeil-Fitschen. Quasi eine 450seitige Bedienungsanleitung für das dicke Standardwerk, die seit 14 Tagen bei mir im Taxi mitfährt. 

Der Kurs der Volkshochschule München mit dem Thema ; Überblick über die heimische Pflanzenwelt, kommt mir gerade gelegen. Am Samstag um 10 Uhr komme ich in das ÖBZ, das Ökologische Bildungszentrum, in der Engelschalkingerstraße. Auf den Tischen stehen schon Binokulare bereit. Bestimmungsbücher und Zeichenblätter sind vorbereitet. Der Referent, ein habilitierter Biologe, stellt sich vor und erklärt kurz den zeitlichen Ablauf des Kurses. Wir werden heute acht der wichtigsten Pflanzenfamilien kennenlernen. Wie erkennen wir zu welcher Familie die Pflanze in unseren Händen gehört? Wichtig für die Bestimmung der einzelnen Pflanze und für den groben Überblick der botanischen Systematik. Wir teilen uns in vier Gruppen mit jeweils zwei Partnern auf. Vormittags und nachmittags befassen wir uns mit jeweils vier Pflanzenfamilien. Jede Gruppe seziert, beobachtet, skizziert und notiert eine Pflanze und trägt die Ergebnisse dem gesamten Kurs vor. Danach gibt es einen Theorieteil in dem wir unsere neuen Erkenntnisse vertiefen.
Wir beginnen spielerisch. Jede Gruppe bekommt eine Blütenfarbe zugeteilt. Blau, gelb und rot sind gleich vergeben. Wir sammeln rund um das ÖBZ Pflanzen mit weißen und grünen Blüten. Nach 20Minuten breiten wir unsere Ernte auf einem großen Tisch im Unterrichtsraum, sortiert nach Farben, aus. Die Pflanzen bleiben dort zunächst liegen. 

Pflanzen nach Blütenfarben geordnet.
Noch nur nach Farben geordnet


Wir gehen an unsere Plätze zu den optischen Geräten. Der Referent teilt jeder Gruppe eine Pflanze zu. Wir beginnen mit der Untersuchung der unseren. Unsere Pflanze hat violette Röhrenblüten in einer Kapsel, wir finden weibliche und männliche Blüten in einem Blütenstand. Die ganz leicht gezähnten, verzweigt nervigen  Blätter sitzen ohne Stiel nicht gegenständig an dem pelzigen, gekanteten Stängel. Schließlich bestimmen wir unsere Pflanze als eine Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea). Bevor wir unsere Ergebnisse vortragen, bekommt jeder Teilnehmer ein Exemplar der Wiesen-Flockenblume um unsere Ausführungen am Objekt zu verfolgen. Der Biologe ergänzt unsere Beobachtungen, beantwortet Fragen und weist auf die typischen Merkmale der Pflanzenfamilie, dessen Vertreter wir in den Händen halten. Diesmal haben wir einen Korbblütler (Asteraceae) erwischt. 

Die anderen drei Gruppen waren mit Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae), Lippenblütlern (Lamiaceae) und Liliengewächsen (Liliaceae) beschäftigt. Das besondere an unserer Wiesen-Flockenblume ist ihre dreihäusigkeit. Wir haben unter dem Bionuklear einen zwittrigen Blütenstand gefunden. 

Im zweiten Durchgang bekommen wir eine Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum) zugeteilt. Sie muß als Beispiel der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae) herhalten. Das auffällige an dieser Pflanze sind die knäueligen Blütenstände und der einzigartige, rosarote Farbton der Blütenblätter.  
Binokulare stehen auf dem Tisch vor Tafel
Binokulare stehen bereit

Die Schmetterlingsblüttler (Fabaceae)-Gruppe untersuchte den Gewöhnlichen Hornklee (Lotus corniculatus). Zum ersten Mal kann ich die sehr unterschiedlichen Blütenblätter am Blütenstand des Hornklees unterscheiden; das Schiffchen, die Fahne und die Flügel.
Zwei alltägliche Pflanzen, die Brombeeren (Rubus) und der Raps (Brassica napus) dienen jeweils als Vertreter der Rosengewächse (Rosaceae) und der Kreuzblütler (Brassicaceae).
Der Tag vergeht wie im Flug. Schließlich liegen noch die am Morgen gesammelten Pflanzen nach Blütefarben sortiert auf dem Tisch. Wir sortieren jetzt die Pflanzen nach Familien, dabei können wir das frisch gelernte vertiefen. Etwa 70% der Pflanzen finden einen Platz in einem Fach der acht Pflanzenfamilien. Noch eine Bestätigung, daß mit der Auswahl der heute behandelten Familien eine weites Feld der Blütenpflanzen abgedeckt ist.

Dienstag, 17. Juli 2018

Von A bis O(Bike)


Im Fall von Obike dauerte die Geschichte von A bis O nicht einmal ein Jahr. 
Langsam haben wir uns an die gelb, grauen Fahrräder bei uns im Stadtbild gewöhnt. Sozusagen Übermacht ist München von diesen Fahrrädern überflutet worden. Mir selbst sind sie auf den Weg in den Euro-Industriepark aufgefallen. Da standen sie noch schön sortiert, immer in Fünfergruppen, nebeneinander an den großen Straßenkreuzungen. 

Die Fahrräder gehören Obike, einer Firma aus Singapur. Die meisten der neuen  Leihfahrradanbieter wie Ofo, Yobike oder Mobike kommen aus Fernost und verdrängen Nextbike und Call a Bike, die wir schon kennen. München war eine der zwei Städte die sich Obike als Ziel für den Schritt nach Europa ausgesucht haben. 

Obike am Schild Taxistand Sudetendeutsche
Ob der Radler hier auf das Taxi umgestiegen ist?


Die Mobilität ändert sich, immer weniger fahren mit dem eigenen Auto in die Stadt. Wir als Taxifahrer können davon nur profitieren. Der Leihauto oder -fahrradfahrer steigt auch mal in mein Taxi. Im August letzten Jahres startete Obike mit 500 Rädern in Frankfurt - bei uns waren es 7.000!
Unser Nachbar war ein fleißiger Obike-Kunde. Ich weiß nicht wie er morgens in die Stadt fuhr, wahrscheinlich mit den Öffentlichen, nach Hause gekommen ist er mit dem Fahrrad. Genauer mit einem Obike. Er hat das Obike vor seiner Haustüre abgestellt und kam am nächsten Abend wieder mit einem anderen Obike nach Hause. Mit jedem Werktag wuchs die Obike-Flotte in unserem Hinterhof um mindestens ein Obike. Von Zeit zu Zeit zog er die Räder, entsperren hätte was gekostet, durch den Hof auf die Ingolstädter Straße. Von dort wurden sie auch anfangs immer wieder entfernt und wahrscheinlich neu verteilt. 

Bis letzte Woche, jetzt ist es allen klar, Obike ist pleite  und die Stadt weiß nicht wohin mit den Rädern.

Sonntag, 8. Juli 2018

Kleine Sachen


Mit Akif, meinem langjährigen Kollegen sitze ich auf unserer Sonnenterasse an der AGIP Tankstelle am Flughafen. Die Botanik hat mich erfasst. Zum Bestimmen der Pflanzen brauche ich eine Lupe oder etwas ähnliches. Bei Ebay bestelle ich mir ein Taschenmikroskop und ein Mikroskop das einfach vor die Linse des Handys geklemmt wird. Beides no-name Produkte, die den Namen Mikroskop nicht verdienen. 

Das Taschenmikroskop habe ich schon nach einer Woche. Mit dem sitze ich gebeugt über Thujazweigen und Berberitzenblüten am Küchentisch. Ich ernte dabei Einsichten in den Blütenaufbau und kopfschüttelndes Lächeln meiner Familie. Von dem zweiten Mikroskop habe ich bis jetzt nichts mehr gehört oder gesehen. 

Um meine Ungeduld zu zähmen habe ich bei uns gegenüber beim Media-Markt nach etwas ähnlichem gefragt und nichts gefunden. Die Suche beim Saturn in der Hanauer Straße blieb auch erfolglos. Aber gleich daneben, beim Conrad, bekomme ich ein Päckchen von der Firma HAMA mit drei Linsen zum an-das-Handy-klemmen für 12,-€. Mich interessiert nur die Makro-Linse. Mit der Fischaugen- und Telelinse kann ich nichts anfangen. Sofort reiße ich die Packung auf, Klemme die Makrolinse ans Handy und stürze mich auf den ersten Strauch, einer wilden Rose (Rosa canina), vor dem Elektronik Markt. Die Hagebutte ist gleich fotografiert. 

Marienkäfer auf der Brennnessel durch Vorsatzline Handy
Maikäfer auf Brennessel


Die drei Linsen liegen, verstaut in einem Samtsäckchen, im Armlehnenfach meines Taxis. Wieder an der AGIP, Akif ist diesmal nicht da, fahre ich in das Wäldchen hinter der großen Post. Dort will ich mit meiner Makrolinse die männlichen und weiblichen Blütenstände der Brennessel (Urtica diocia) fotografieren. Eine Stunde vorher wusste ich nicht mal das Brennnesseln zweihäusige Pflanzen sind. Erwischt habe ich dabei einen Marienkäfer mit meiner neuen Makrolinse vor dem Handy.
Ich habe viel Freude an der kleinen, günstigen Linse und den Ergebnissen mit ihr. Angesichts der Beute muß ich sagen, auch kleine Dinge können Freude machen.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Eindruck


Abholung von einem Motel one Hotel im Osten Münchens. Der Kunde steht schon vor dem Gebäude. Nach einem knappen Gruß.

“Zur FHS - Bernd-Eichinger-Platz - die Filmhochschule”

Aha, es ist wieder Filmfest; fällt mir ein. Der -> Bernd-Eichinger-Platz liegt in der Gabelsbergerstraße.  Eine Einbahnstraße in Richtung Osten. Wir kommen von Osten durch den Altstadttunnel. Es gibt zwei Möglichkeiten; rechts Abbiegen, die Türkenstraße entlang, links in die Thersienstraße, von dort die Barer Straße runter bis zur Ecke Gabelsberger oder nach dem Tunnel links abbiegen und über die Briener- und Arcisstraße auf die Gabelsberger.
Ich entscheide mich für die erste, die kürzere Alternative. An der Ecke Gabelsberger/Barer bleibe halte ich an, kassiere. Der Kunde rundet auf den vollen Eurobetrag auf, bezahlt mit seiner ec-Karte.

„Da gibt es doch so eine Vorfahrt ...“

Naja, an der Ecke stehen wir 20 Meter von dem Eingang zur Filmhochschule. Nun gut, fahre ich halt um den Block. Geradeaus weiter bis zur Briener, rechts die Arcisstraße, wieder rechts die Gabelsberger, bis wir direkt vor dem Eingang stehen. 

Taxi München Bahnhof nachts Nordseite
Diesmal kein Foto vom Star - Taxis nachts am Nordbau


Unterwegs habe ich kurz überlegt ob ich erwähnen soll, daß wir auch schwarze Limousinen schicken können. Das würde sich bei der Vorfahrt gut machen. Ich hab’s aber bleiben lassen. Wer kennt schon die Hintergründe. Vielleicht ist es in der Filmbranche wichtig einen erfolgreichen Eindruck zu machen. Kann er haben.
Jetzt bleiben wir 20 Meter weiter westlich an der Bordsteinkante stehen, er steigt aus, schreitet würdevoll auf das Gebäude zu und verschwindet im Eingang.

Dienstag, 3. Juli 2018

Josef-Obenhin-Straße


Zwei Geschäftsleute im Taxi. Ich habe zwei Adressen anzufahren. Der erste steigt in der Walhallastraße aus. Die habe ich richtig im Wagnerviertel, nördlich des Hirschgartens, vermutet.
Der noch im Taxi verbliebene gibt mir, während er telefoniert, die zweite Adresse.

„Jetzt bitte stadteinwärts zur Josef-Obenhin-Straße.“

Mein Kopf beginnt schon zu rattern. Josef-und-noch-irgendwie Straßen gibt es in München genug. Das gleiche gilt für die Max-... Straßen. Sein zweiter Hinweis;

„Bei der Schäringerstraße rechts weg.“

ist mir sehr hilfreich. Die Schäringerstraße geht stadteinwärts rechts und links von der Arnulfstraße ab. In der Schäringerstraße war früher die Einfahrt zu dem Verteilzentrum der Deutschen (Bundes)post. Auf dem Areal, auf dem seit zwei Jahren unübersehbar gebaut wird, standen in langen Reihen nebeneinander die gelben Lieferwagen der Post. Hier wurden die Päckchen und Pakete verteilt und eingeladen.

Josef-Obenhin-Straße Taxi Einfahrt
Rechts in die Josef-Obenhin-Straße, das linke Gebäude ist der Kindergarten


Ich biege in die Schäringerstraße ein. Zuerst kommt die Franziska-Schmitz-Straße. Hier wohnt noch niemand. Im Moment steht da noch ein Putzsilo, die Straße ist noch nicht asphaltiert. Die zweite Straße nach rechts, hinten bei der Richelstraße, die Josef-Obenhin-Straße, ist unser Ziel. Eigentlich ist es keine Straße, sondern vielmehr ein kleiner Platz mit einer umlaufenden Straße. Die  Hausnummern sind wie bei einer Straße vergeben. Rechts die geraden Nummern bis zur Stirnseite, die die Hausnummer 10 ist. Die Hausnummer 1 ist links das erste Haus, eine Kindertagesstätte mit 100 Plätzen. Die Josef-Obenhin-Straße ist eine Einbahnstraße. Wir können den Platz entgegen dem Uhrzeigersinn, startend bei Hausnummer 2 und endend bei der Hausnummer 1, dem Kindergarten, befahren.

Josef-Obenhin-Straße Taxi Karte
Die Josef-Obenhin-Straße geht von der Schäringer ab (OpenStreetMap)


Josef Obenhin war Buchbindermeister und der letzte Bürgermeister Neuhausens, bevor das Dorf Neuhausen 1890 nach München eingemeindet wurde.

Weitere -> neue Strassen in München