Samstag, 26. Mai 2018

Atlantik schreit

Diese Reise war im August letzten Jahres, mitten in meiner Blog-Pause. Ich will aber unbedingt davon berichten, daher die Zeitverschiebung. Bestimmt funken aktuelle Berichte aus dem Taxi zwichen den Reiseberichten. 

Wie nur kommt ein Taxifahrer auf die Idee mit einem 20 Jahre alten Dahiatsu an den Atlantik zu fahren?
Angefangen hat es noch ganz harmlos. Ich sitze mit meiner Familie im Flugzeug auf dem Rückflug von Barcelona nach München. Auf dem Monitor kann ich, ähnlich wie bei einem Navi, die Flugroute und die aktuelle Position des Flugzeugs sehen. Da fliegt das kleine rote Flugzeug über das Mittelmeer, an den der französischen Küste entlang. In meiner Phantasie stehen jetzt die Wildpferde in der Camargue im knietiefen Wasser, jetzt sind wir schon über Marseille, da unten da ist jetzt schon Saint Tropez, da wirbelt Luis de Funes als Gendarm über den Strand, ... jetzt Monaco, ...  mir tut es leid 30.000 Fuß zu hoch zu sein. Traurig, traurig das alles im wahrsten Sinne des Wortes nur zu überfliegen. Gelandet in München war mir klar, ich muß baldmöglichst wieder zurück. Diesmal aber mit dem Auto, unten am Boden, ich will es schmecken, spüren, erfahren! Das Flugzeug ist mir zu schnell und zu hoch. 

Die Pläne in meinem Kopf werden immer umfangreicher. Die Liste der zu besuchenden Orte immer länger.
Wenn ich schon ein geländegängiges Fahrzeug habe, muß ich es auch benutzen. Das kann ich in den Alpen zwischen Italien und Frankreich und in den Pyrenäen. Besonders die Pyrenäen sind bei den Off-Road-Fahrern sehr beliebt. Auf einer Homepage kann ich mir schon die interessantesten Strecken, gefiltert nach Länge und Schwierigkeitsgrad, aussuchen. Die Pyrenäen müssen auf die Liste. Das passt ja auch mit meinem Spanisch. Im Norden Spaniens kann ich mich ja gleich ein wenig in Spanisch üben. 

Geländewagen Dahiatsu in Andorra
Nicht mehr in Frankreich und noch nicht in Spanien


Und überhaupt, wenn ich die Alpen überquere, dann soll es über den Reschenpaß sein. Graun, Mailand, Turin, Monaco, Saintes-Maries-de-la-Mer, Andorra, San Sebastián im Baskenland und Montségur und Rennes-le-Château will ich unbedingt besuchen. Andorra muß auch sein, wenn ich schon mal in der Nähe bin. Ein detaillierter Plan widerstrebt mir. Grobe Richtung: Südwest - West bis zum Atlantik.

Montag, 21. Mai 2018

Elefantös

Auf Lauerfahrt schleiche ich in meinem Taxi durch die nächtliche Maxvorstadt. Tagsüber ist es während der Pfingstfeiertage eher ruhig in München. Hier in der Maxvorstadt oder im westlichen Schwabing habe ich abends die größte Aussicht auf Erfolg. Die Vermittlungsapp ist offen, jeden Moment kann ein Auftrag erscheinen. 

Schon meldet die App einen Kunden. Er braucht in der Türkenstraße ein Taxi. Vor dem Türkenhof sehe ich schon zwei junge Männer, in meine Richtung blickend, auf dem Gehsteig stehen. Einer winkt mir mit dem beleuchteten Displays seines Handys zu.
 Ach dem Einsteigen drücke ich auf den Button in der App. Das Fahrziel erscheint: Electric Elephant in der Katharina-von-Bora-Straße 8a. Das habe ich noch nie gehört oder gelesen. Ich kann mich aber erinnern, daß ich öfter schon Gäste zu dem Durchgang zum ehemaligen Heizkraftwerk in der Katharina-von-Bora-Straße gebracht habe. Die müssen aber noch zum BoraBeach gewollt haben, denn Google hat mir verraten, daß es den Electric Elephant erst seit Mitte Mai gibt. Der Electric Elephant ist am Tag ein Restaurant/ Café mit Frühstück und Mittagstisch. Die vielen, vegetarischen Gerichte sind indisch zubereitet. Selbstgemachte Limonaden gibt es zu trinken. Abends wird es zu einem Restaurant/Bar mit großer Außenterrasse im Hinterhof. 

Bei der Vorbereitung zur Ortskundeprüfung zum Taxischein 1990 habe ich für diese Straße noch den Namen Meiserstraße gelernt. Die Meiserstraße war nach Hans Meiser, dem ersten Landesbischof der evangelischen Kirche während des Faschismus benannt. Aus jener Zeit stammen auch die antisemitischen Bekenntnisse des Bischofs Meiser. Deshalb wurde die Straße 2008 bis 2010 umbenannt. Zwei Jahre waren nötig, weil ein Enkel Meisers erfolglos gegen die Umbenennung geklagt hatte. Den neuen, inzwischen aktuellen, Namen für die alte Straße, ursprünglich war sie auf den Namen Arcisstraße getauft, durfte sich die evangelische Kirche aussuchen. Das protestantische HQ Bayerns, das Landeskirchenamt, hat sich für die Ehefrau Luthers, Katharina von Bora, entschieden.

Durchfahrt EInfahrt zum Electric Elephant bei Katharina-von-Bora-Strasse
Dahinter wartet der Electric Elephant


Und der Luther, der hat ganz andere Sprüche gegen seine jüdischen Landsleute gerissen. Dagegen sind die Meiserischen Äußerungen ein Schlaflied.
Richtig gepoltert hat er, der Luther, wie ein Elefant in dem bekannten Porzellanladen, nicht wie der elektrische gegenüber - den dürfen wir jetzt erst noch kennenlernen.

Samstag, 19. Mai 2018

Die Esche in Freimann


Eine -> Esche spendet dem Taxifahrer Schatten. Sonst hat die Weltesche viel damit zu tun,  die Erde in ihrer Krone zu tragen. Diese Esche ist ein Naturdenkmal obwohl sie nur eine Gemeine (Fraxinus excelsior) ist. Am Parkplatz Leinthalerstraße, Ecke Sondermeierstraße hat sie sich noch einen idealen Platz für einen Taxifahrerrastplatz gesucht. 

Esche an der Sondermeierstraße

Mittwoch, 16. Mai 2018

Hackerbrücke 4

“Das musst du schreiben, wie du von hier zum ZOB fährst!”

Mein Kollege aus Ungarn kommt lachend auf mich zu. Ich bin erster am Bahnhof Nord und mein Gast sitzt schon im Taxi. Der ZOB, der Zentrale Omnibus Bahnhof, ist vom Bahnhof keine 800 Meter entfernt und deswegen bei den Kollegen nicht sehr beliebt. Neben den weiten Fahrten, von denen ich hier berichte, bleiben wir reihum, ohne Ausnahme, nicht von den Fahrten zum ZOB verschont. 

“Schreib mal wie du von hier zum ZOB fährst. Das muß du mal schreiben!”

Das war am Sonntag Nachmittag und siehe da, am Montag früh, keine 24 Stunden später, bietet sich schon die Gelegenheit.

“Zum Busbahnhof, zum Busbahnhof, ...” laut kündigt sich die Dame schon von weitem an.

Sommerlich, bunt gekleidet, zieht sie geschäftig einen Schalenkoffer hinter sich her.

“Ich muß zum Busbahnhof, zum ZOB, der muß hier in der Nähe sein. In der Hackerbrücke 4.”

Sie ist aufgeregt und redet gerne.

“Zum Perón 5. Zum Bus nach Assisi. Zum Perón 5 muß ich. Wissen Sie wo das ist?”

Mein entspanntes;  “Jetzt schaun wir mal.” kann sie nicht beruhigen.

“Der Busbahnhof ist nicht weit von hier. O Gott, o Gott, o Gott! Hoffentlich gibt’s keine Baustelle. In einer halben Stunde fährt mein Bus. In München gibt’s jetzt viele Baustellen, hat man mir gesagt. Wann werden wir da sein? Hackerbrücke 4. Ich muß zum Perón 5, nach Assisi. ...”

“ Glei sama do, schaun’s do is scho da Busbahnhof”

“Fünf, Bussteig 5, ...”

“Da, hier da ist der Bussteig 5.” ; ich deute auf einen noch freien Busparkplatz im Parkdeck hinter der Rolltreppe neben dem Taxi.

“Woher wissen Sie den das?”

“Ich hab einfach die Zahlen gelesen.”

Taxi am ZOB Taxameter Busbahnhof München
6,30 € - bringt die Fahrt incl. einem Gepäckstück zum ZOB


Meine Beruhigung bringt mir 70 Cent Trinkgeld. Die Dame rundet den Fahrpreis auf 7,- € auf. Zufrieden kann nich zurück zum Bahnhof fahren. Die Dame hat ihren Bus nach Assisi und Gabor seinen Bericht.

Sonntag, 13. Mai 2018

Die Esche, die Gemeine


Früchte der Fraxinus excelsior
Früchte der Fraxinus excelsior

Die Gemeine Esche ist mit einer Wuchshöhe bis zu 40 Metern eine der höchsten heimischen Laubbäume. Die Äste setzen oft schon am unteren Stamm an, sind licht, und wie der Stamm selbst, ziemlich geradlienig. So entsteht der typische, schirmförmige Habitus. 

Blätter der Fraxinus excelsior Gemeine Esche
Gefiederte Blätter der Esche


Die 20 cm langen Blätter sind gefiedert. Das Blatt besteht aus 9-13 Fiederblättchen.  Die einzelnen Blättchen sind oval-länglich, vorne spitz und gezähnt.Leider kann ich mit meinem Handy keine gelungenen Aufnahmen aus kürzester Entfernung machen. Hildegard von Bingen braute aus diesen Blättern harntreibende Tees. 

Leicht erkennbar - Knospen der Gemeinen Esche


Zur Freude der angehenden Gärtner, Naturpfleger, Jäger, Baumschuler, ... ist die Fraxinus excelsior ganz leicht  an ihren tiefschwarzen gegenständigen Knospen zu bestimmen. Die Endknospe ist pyramidenförmig und deutlich breiter als die halbkugeligen Seitenknospen. Weil wir die Bäume ohne Laub erkennen sollen, will ich noch die deutlichen, halbkreisförmigen Blattnarben erwähnen. Bis zu 300 Jahren kann sich die Esche mit ihren Senkwurzeln im Boden halten.