Dienstag, 10. Oktober 2017

Flughafenfahrt, ausgeweitet



Dem Marathon bin ich entkommen. Am Marriott in der Berliner Straße treffe ich meinen Kunden den ich zum Flughafen nach Memmingen bringen will. Gestern erst habe ich ihn vom Flughafen München aus Bangkok kommend abgeholt. Heute soll die Reise mit seinem alten Freund nach Sardinen weitergehen. Der Flug startet am Allgäu Airport. Ich selbst kenne den Kunden inzwischen auch schon seit zwei Jahren. Das macht die Fahrt angenehm. Man kennt und schätzt sich. Bei der Fahrt über den Mittleren Ring beobachten wir wie die ersten Läufer über die Brücke zur U-Bahn Station bei der BMW gehen. Zu dieser Zeit könnte es gut möglich sein, daß meine drei Fahrgäste aus Schweden von heute Vormittag dabei sind. 

Für mein Abendessen auf dem Rückweg habe ich mir das Gasthaus Krone in Weicht vorgemerkt. Am Flughafen Memmingen ist es aber zu früh. Ich folge einer weiteren Empfehlung des gleichen Kunden, von dem ich den Tipp mit dem Gasthaus Krone habe. Ich besuche die -> Mindelburg (Fotos) auf dem Georgsberg über Mindelheim. Burg und Stadt haben ihren Namen von dem Fluß Mindel, der bei Gundremmingen in die Donau fließt. Die Burg ist gut in Schuß, wurde oft renoviert. Aus der ihrer langen Geschichte, seit dem 12.Jahrhundert, sind mir drei Dinge in Erinnerung geblieben. 

Burgherr war Georg von Frundsberg, der Vater der Landsknechte. Irgendwann habe ich gelesen wie die Landsknechte mit ihren Sarissen und Hellebarden das Ende der Ritter bedeuteten. Von da an hatte ich eine Verbindung zu der Frundsbergstraße in der Nähe des Rotkreuzplatzes, die mir half die Straße ohne Stadtplan zu finden. Navigationsgeräte gab es noch nicht. 

Bis 1941 war auf der Burg die Reichsbauernführerschule des Reichsnährstandes. Das führt mich wieder zum Oktoberfest. Auf der Theresienwiese waren damals schon die landwirtschaftlichen Ausstellungen des RNST, des Reichsnährstandes. Letztes Jahr und nächstes Jahr, immer während der geraden Jahre, 2016, 2018, ... ist dort wieder das zentrale Landwirtschaftsfest. Heuer, im ungeraden Jahr 2017,  war die Oide Wiesn. 

Das Rote Kreuz löste die Reichsschule ab. Hierher kamen bis 1950 die Soldaten der Wehrmacht die bei ihren Einsätzen Gesichtsverletzungen erlitten hatten. In dem Großlazarett wirkte unter anderm Dr. Johannes Müller, der oft während zahlreicher Operationen die Gesichter und die Kiefer der ehemaligen Soldaten wieder herstellte. Besonders entstellte Patienten musste bis zu 20 Operationen ohne Narkose, nur mit örtlicher Betäubung, überstehen. Die dort gewonnen Erkenntnisse werden bis heute in der rekonstruktiven Chirurgie, zum Beispiel nach Verkehrsunfällen, angewandt. 
Bergfried der Mindelburg

Natürlich will ich auf den Bergfried, den 24 Meter hohen Turm. Die moderne Metalltüre ist weit geöffnet. Auf der Schild neben der Tür steht, daß der Turm um 16:30 Uhr geschlossen wird. Es ist 18 Uhr und ich bin alleine. Soll ich noch auf den Turm steigen? Ich wage es, schließlich habe ich mein Handy dabei und würde jemand kommen,  den Turm abzusperren, könnte ich ihn von dort oben schon von der Weite erkennen. Und tatsächlich. Kaum bin ich zehn Minuten auf dem Turm, kommt ein Auto auf den Burghof gefahren. Ein Paar steigt aus, kommt zum Turm. Neugierig spähe ich zwischen den Zinnen nach unten. Sie gehen in den Turm ohne die Türe zu schließen. Fünf Minuten später stehen sie vor mir. Er ist der Turmwärter und will abschließen. Seine Frau arbeitet beim Sachon Verlag, der jetzt in der Burg seine Geschäftsräume hat. Während der Woche ist es von daher kein Problem den Turm abzusperren. Aber während des Wochenendes müssen sie zweimal am Tag hierherkommen nur um auf- und abzuschließen. Bevor er abschließt macht er allerdings immer einen Kontrollgang. Während des Abstiegs erzählt er mir, daß es schon vorgekommen ist, daß sich ein Eingeschlossener mittels Handy meldet. Albern phantasieren wir über einen versehentlich Eingeschlossenen, der keine andere Möglichkeit hat als zu schreien. Worauf die Mindelheimer sich bestätigt fühlen, daß es auf der Mindelburg spukt.
Leider bekomme ich in der Burggaststätte keinen Platz mehr. Was mir aber nicht viel ausmacht, habe ich doch noch die Krone in der Hinterhand.

Über die A96, Irsingen, Stockheim fahre ich die etwa 20 Kilometer nach Weicht. Obwohl die Krone erst vor einer halben Stunde öffnete, ist der Parkplatz schon voller Autos der Gäste. Ich frage nah einem Sitzplatz für mich. Nichts zu machen, die wenigen noch freien Tische sind alle reserviert.
Jetzt lasse ich das Schicksal in Form von Google Maps entscheiden. Das nächste geöffnete Restaurant mit lokaler Küche werde ich aufsuchen. So komme ich zum -> Restaurant Lindenberg . Keine drei Kilometer weiter,  in Lindenberg bei Buchlohe parke ich mein Taxi vor dem Lokal. Gleich nach dem Eingang bemerke ich ein Schildchen, daß auf einen Schießstand im Keller verweist. In der Gaststube hängen zahlreiche Schützenscheibe. Seit ich Gewinner und Stifter von Schützenscheiben bin, erfreue ich mich an dieser Tradition und an den kleinen Kunstwerken. Die Scheiben mit den jagdlichen Motiven hängen alle an der Wand über dem Stammtisch. Kleine geschnitzte Rotwildhirsche zieren diese Scheiben. Die meisten Scheiben haben eine aufgemalte Kirche als Motiv. Es fehlt auch nicht der Klassiker; eine Zielscheibe mit gekreuzten Gewehren. Besonders ins Auge sticht eine große Scheibe, gestiftet von der Stadt Buchloe. Hier gefällt es mir, fühle mich sofort wohl. Der Stammtisch könnte auch in meinem Heimatort sein. 

Ich bestelle meine erste Kürbissuppe dieser Saison. Der Wirt hat sofort mein Taxi auf dem Parkplatz erkannt. Er spricht mich auf das Oktoberfest an. Nach dem Hauptgericht, mit den hier üblichen Käsespätzle bin ich pappsatt. Eine ehrliche Wirtschaft mit freundlichen Wirtsleuten. Hierher komme ich gerne wieder. Bestimmt war das nicht meine letzte Fahrt zum Flughafen nach Memmingen. 

6,5 Liter Verbrauch - selten erreicht
Auf der Autobahn nach München kontrolliere ich meinen Verbrauch. 6,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Sowenig habe ich zuletzt mit meinem E 290 D vor zehn Jahren gebraucht. Zugegeben, an diesem Nachmittag war ich nicht im typischen Taxiverkehr unterwegs. Viel Autobahn und Überland. Aber trotzdem,  schließlich wiegt mein Taxi leer ca. 2 Tonnen.
Zurück in München fahre ich noch Fahrgäste vom Hauptbahnhof durch die nach dem Oktoberfest und der EXPO Real die freien Straßen. Um 22 Uhr beende ich meine -> Sonntagsarbeit die um 4:00 Uhr begonnen hat. 

Ohne meinen Mittagsschlaf während des Marathons, dem Abstecher in die Historie und der Stärkung im Restaurant Lindenberg hätte ich nicht durchgehalten.

Kommentare:

  1. Lauter gute Sachen gibt es auf der Sonntagskarte vom Restaurant Lindenberg... Die andere Karte schaue ich mir so kurz vor Mittag lieber gar nicht erst an. Hoffentlich komme ich auch mal dort hin zum Probieren!

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    1. Das ist eine ehrliche Allgäuer Wirtschaft. Sie liegt auch nicht so weit von der Autobahn zwischen Memmingen und München.

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  2. Hallo,
    vielen lieben Dank für Ihre sehr schönen Zeilen. Es freut uns sehr das Sie zufrieden waren. Freuen uns wieder auf Ihren Besuch. :-)
    Fam.Leipert
    Restaurant Lindenberg bei Buchloe 08241/3434 oder privat 08247/8356
    inkl.Partyservice
    www.restaurant-lindenberg.de

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    1. Ich habe für die Bewirtung zu danken. Hoffentlich erwische ich bald wieder eine Fahrt in eure Nähe.

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