Montag, 2. Oktober 2017

Bügel, Bügel du must wandern ..



Seit Tagen fahre ich schon diesen Kleiderbügel in meinen Taxi durch München. Aus dem Fahrgastraum verstaue ich ihn im Kofferraum, von dort hole ich ihn wieder nach vorne damit ich ja nicht vergesse ihn mit nach oben zu nehmen. Abends bleibt er aber auf dem Beifahrersitz liegen, dort finde ich ihn morgens wieder, packe ihn in den Kofferraum weil es könnte ja ein Fahrgast zusteigen. Vom Kofferraum wieder nach vorne … 

Bis er mich anregt zu schreiben, wie er überhaupt seinen Weg in mein Taxi gefunden hat. Ich stehe am Domagkstand. Eine Amerikanerin kommt mit Gepäck aus dem Hotel. In jeder Hand hält sie einen Koffer. Ich verstaue die beiden Gepäckstücke im Kofferraum, will ihr beim Einsteigen helfen. Sie aber geht wieder zurück ins Hotel, um noch weiteres Gepäck zu holen, wie sie mir mitteilt.
Also warte ich, und warte und warte, … Nachdem ich solange gewartet hatte, bis sie, was auch immer, selbst aus ihrem Zimmer holen hätte können, gehe ich in das Hotel um nach ihr zu suchen.
Gleich hinter dem Eingang finde ich sie. Sie steht mit der Rezeptionistin zwischen Kleiderständern voller Dirndl. Ein findiger Geschäftsmann hat mehrere Münchner Hotels mit Dirndl, Lederhosen, karierten Hemden und anderen Landhaustand ausgestattet. Er spart sich so die Ladenmiete für die Verkaufsfläche, die er sowieso nur zwei Wochen brauchen kann. Hier stoßen die potenziellen Kunden mit der Nase auf ihr Wiesnkostüm. Die Lohnkostenvorteil für die Verkäufer spart er sich auch ein. Den Verkauf übernimmt das Hotelpersonal. Ich kann mir vorstellen, daß das Hotel prozentual an dem Verkaufserlös beteiligt wird. Eine gute Geschäftsidee, der Aufwand und Materialeinsatz hält sich in Grenzen. Zu Beginn des Oktoberfestes muß der Geschäftstüchtige nur mit seinem LKW voller Chinaware die Hotels abtingeln, Kleiderständer aufstellen und bestücken. Natürlich muss das Sortiment ergänzt werden, aber trotzdem eine gute Idee. Etwas ärgere ich mich über mich, da stehe ich jahrelang vor den Hotels, kenne das Oktoberfest in- und auswendig und schaue zu wie andere Geschäft machen. 
Muß gleich wieder in den Kofferraum

Meine Kundin steht zwischen Kleiderständer und Bauernschrank, hält sich ein Dirndl vor. Die Rezeptionistin bekräftigt sie in ihrer Entscheidung; „Das steht Ihnen gut.“ „Eine gute Wahl.“; werfe ich meine modische Kompetenz in den Ring, unterstütze dabei die Hotelangestellte. Sie will zurück hinter ihre Rezeption, vor der schon ungeduldig die nächsten Hotelgäste warten, ich will endlich ich zum Flughafen. 

Am Taxi will sie einen der Koffer, der schon im Kofferraum liegt, mit auf die Rückbank nehmen. Unterwegs faltet sie ihre Dirndl und steckt es in den Koffer. Ich frage, warum sie das Dirndl jetzt, während sie München verlässt, kauft. 

„Als Souvenir oder für nächstes Jahr.“ antwortet sie. 

Beim Aussteigen bleibt der Kleiderbügel auf der Rückbank liegen. Ich packe den Kleiderbügel in den Kofferraum, von dort wandert er am Abend auf den Beifahrersitz, ....

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