Dienstag, 5. September 2017

Patata



Jürgen, mein Freund und Kollege, hat mir auf meinem letzten Besuch in Madrid einen Tipp mit auf den Weg gegeben.
„In Madrid in der Markthalle, da gibt es eine Frau, die macht die beste Tortilla weit und breit. Die kennt da jeder. So eine mit blonden, kurzen Haaren und einer Brille, schon etwas älter, ich glaube sie heißt Pilar. Sie sagt ihr Erfolgsrezept sei; daß sie seit 20 Jahren immer die gleiche Pfanne benutzt.“

Madrid ist die drittgrößte Stadt der EU. Alleine in der Stadt leben 3,5 Millionen Madrilenen und es gibt dort mehr als nur eine Markthalle. Mein Freund gilt als zuverlässig und ich will ihm Erfolg aus Spanien melden. Auf dem Fußweg zwischen dem Königspalast und dem -> Plaza Major streife ich zwei Markthallen. Wenn diese Tortillaköchin so bekannt ist, muß sie auch eine Riesenpfanne haben. Dabei stelle ich mir in etwa  eine Pfanne vor, wie sie bei uns an den Volksfesten zu sehen sind. Die haben einen Durchmesser von mindestens einen Meter, darin warten Schupfnudeln und Sauerkraut auf den Verkauf. Diese Pfannen sind fest installiert. Eine Pfanne dieser Art suche ich in den Markthallen. In beiden konnte ich im öffentlichen erreich nicht fündig werden. Ich frage die Marktleute. Jeder zweite kennt einen Ort an dem es die beste Tortilla gibt. Nur ob es dort DIE Tortilla gibt, bleibt fraglich. Angesichts der Tatsache, daß es in Madrid noch mindestens zwei weitere Markthallen gibt, breche ich die Suche erfolglos ab. Die Kartoffeltortilla gerät in Vergessenheit - vorerst! 

Genau diese Patatas gehören in die Tortilla

Jetzt, ein Jahr später, sitze ich in der Lobby unseres Hotels in Barcelona. Auf den Knien mein iPad, ich will mich informieren was ich heute mir und meiner Familie in Barcelona zeigen will. Die Mutter aller Märkte, der Mercat de la Boquerìa an der Rambla, soll unser Ziel sein. Auf YouTube habe ich eine Dokumentation über die Markthalle auf Deutsch gefunden. Nach zwanzig Minuten tritt eine kleine, ältere Dame mit kurzen, blonden Haaren auf. Sie geht in aller Herrgottsfrühe, um zwei Uhr, nur von der Kamera begleitet zwischen den noch geschlossenen Ständen zu ihrem Geschäft. 
„ Das ist Pilar. Pilar kommt als eine der ersten in den Markt um die  Tortilla für die Marktleute zuzubereiten. … „ Ich spitze die Ohren. Sollte das die Pilar sein, nach der ich in Madrid gesucht habe? Nach weiteren drei Minuten weiß ich es - Sie ist es! Ich habe die beste Kartoffeltortilla gefunden. Die Jungs vom Markt sagen; Pilars Tortilla schmecke besser als die von ihrer Mutter. In der Reportage kommt sie auch selbst zu Wort. Sie erklärt die Zutaten. Kartoffeln der Sorte Mona Lisa und Eier von freilaufenden Hühnern aus den Pyrenäen. Sie verrät auch ihr Geheimnis. Die Pfanne benutzt sie schon seit 20 Jahren. Niemals wurde sie gespült, nur mit einem Tuch ausgewischt. Niemand, außer der Señora, darf die Pfanne anfassen. 

... und diese Eier!

Drei Stunden später springe ich an der Rambla aus dem Taxi. Frau und Kind im Schlepptau. Sie lassen sich von dem bunten Treiben ablenken. Sie glauben, sie wären im Urlaub. Ich drängle. Ich  habe nur eine Ziel. Ich versuche mich anhand der in der Dokumentation gezeigten Marktstände zu orientieren. Im hinteren Teil der Boquerìa finde ich ihren Laden. KIOSKO MODERN steht auf einem großen Schild darüber. Leider ist er schon geschlossen. Schade, Donna Pilars Kartoffeltortilla wäre ein heißer Anwärter für -> Wo gibt es das beste ... Ist ja verständlich, wenn sie schon ab zwei Uhr früh hier ist. Ich kann nur noch die von ihr verwendeten Zutaten fotografieren und Jürgen Erfolg vermelden. Pilar ist gefunden, zwar nicht in Madrid aber in Barcelona. Nach ihrer berühmten Pfanne hätte ich lange suchen können. Die ist nur so groß, daß sie drei Kilo Kartoffeln fasst. Und wenn sie nicht über der einzigen Flamme auf dem Herd steht, ist sie in dem Schrank unter dem Tresen - ausgewischt und nicht gespült!

Kommentare:

  1. Dann würde ich sagen, du weißt, was du morgen zu tun hast...
    Manchmal ist die Welt echt ein Dorf :-)

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    1. Unser Barcelona Urlaub war im Juni. Aber der vergebliche Versuch die beste Kartoffeltortilla zu essen, war nicht unser einziger Aufenthalt in der Markthalle. Eine erfolgreichere Aktion in der Boqueria gibt es noch zu berichten.
      Erst vor 14 Tagen war ich auf meiner Fahrt durch Andorra und Nordspanien wieder in der Nähe von Barcelona. War aber nicht in der Stadt.

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