Sonntag, 24. September 2017

Hofbräuzelt, die Zweite



Von Andreas, -> Sightseeing - Taxi bekomme ich weite und schöne Aufträge. Mit seinen Gästen war ich sogar schon in der Schweiz. Oft sind es wie auch diesmal Amerikaner. Ein männliches Paar erwarte ich am Flughafen. Auf dem Weg zum Hotel, LeMeridien kann ich mich etwas mit Ihnen unterhalten. Der eine war noch nie in Europa. Der andere vor Jahrzehnten während seiner Zeit bei der Navy. Bei solch interessierten Gästen macht es mir richtig Spaß einen groben, ersten Überblick zu bieten. Zum Glück habe ich erst für einen Blogbeitrag zum Thema Eching recherchiert und konnte die Frage; 

What's the meaning of Eching? 

ausführlich beantworten. Beim Abliefern im Hotel erinnere ich sie noch daran, daß morgen um 10 Uhr ein Stadtführer kommt, der sie auf eine Walking Tour durch München führt. Ich komme dann abends um 18:00 Uhr und bringe sie  auf die Wiesn, genauer ins Hofbräuzelt zu ihren reservierten Plätzen. 

Pünktlich, am ersten Tag, bin ich im LeMeridien um die beiden Amerikaner abzuholen. Ich habe tatsächlich einen Parkplatz in der Mittererstraße, ums Eck vom Hotel, gefunden. Vom Hotel zur Wiesn sind es vielleicht vierhundert Meter. Mit dem Auto zu fahren wäre unsinnig. Nirgends gibt es Parkmöglichkeiten. Das Parkhaus in der Schwanthalerstraße, hohe Hausnummer, ist nicht mehr öffentlich. Ich lasse meine Kunden entscheiden; 

„Entweder ich bringe auch direkt zu eueren Plätzen, dann sollten wir aber zu Fuß gehen, oder ich fahre euch mit dem Taxi, es parkt gleich hier um die Ecke, soweit wir fahren können und muß euch dann allein weiterschicken… „ 

Die Entscheidung war schnell getroffen; 

„Gehen wir, wir folgen dir … „ 

15 Minuten später stehen wir vor dem Hofbräuzelt. Ich bitte meine Gäste um die Reservierung, die  an der Hotelrezeption hinterlegt war. Die Reservierung über 20 Plätze lautet auf den Namen einer Dame. Ich versuche das noch schnell telefonisch abzuklären, erreiche aber niemanden. Wir versuchen unser Glück. Auf dem Reservierungsplan finde ich den Namen und führe die Zwei, die aus dem Staunen nicht mehr herauskommen in den richtigen Bereich. Die ersten tanzen schon auf den Tischen. Das Geschrei und der säuerliche Gestank ist nüchtern schwer zu ertragen. Im Bereich lese ich alle Reservierungen an den Biertischen, finde aber ums Verrecken nicht den Namen auf den reserviert sein soll. Ein Platz für 20 Leute sollte doch zu finden sein. Ich wundere mich nur auf was ich mich da eingelassen habe, stocknüchtern lasse ich mich von den Besoffenen anrempeln, hätte ich nicht die zwei Amis, die keinen Ton mehr sagen, im Schlepptau, wäre ich schon lange auf und davon. Einer hilfsbereiten, zuständigen Kellnerin kann ich mein Anliegen ins Gesicht brüllen. Sie richtet es schon irgendwie ein, sie bringt uns einen Gang weiter, fragt bei einer Gruppe die an den reservierten Tischen einer Softwarefirma sitzen. Der Charme der Kellnerin, die wie eine richtige Wiesnbedienung Ihre Gäste im Griff hat, und mein strenger Blick veranlassen die Softwareentwickler zusammenzurutschen. Schnell wischt meine Retterin noch die Ecke des Biertisches sauber und ich platziere dort meine Wiesnneulinge. Den schon Anwesenden, im Biergenuss schon Fortgeschrittenen, stelle ich die neuen Tischgenossen vor. Ich gebe noch jedem meiner Schützlinge Marken für drei Maß Bier und ein halbes Hendl. Ich gebe ihnen noch den Tipp, die erste Maß schnell zu trinken, das begünstigt die Sozialisierung und macht es erträglicher. Zuletzt werfe ich noch einen Blick über die Schulter, die Beiden sitzen da wie zwei neue Schüler in einer Schulklasse. Stumm, bewegungslos machen sie sich ganz schmal. Es kann ja gut gehen, wen die jetzt schnell nachziehen, die Blaskapelle ein Prosit der Gemütlichkeit spielt, anstoßen, werden sie schon ins Gespräch kommen. An dem Tisch sprechen bestimmt alle Englisch. Morgen sehe ich sie wieder, da werde ich sie fragen.
So habe ich als Taxifahrer Geld verdient ohne einen Meter gefahren zu sein. Ich werde den Posten in der Rechnung als Gästebetreuung deklarieren. 

Zu Fuß ist manchmal besser

Am nächsten Tag soll ich wieder um 18:00 Uhr im Hotel sein. Am zweiten Tag wollen sie in ein anderes Bierzelt, ins Winzerer Fandl. Durch unglückliche Umstände und eine Panne komme ich zwanzig Minuten zu spät. Als ich im Hotel ankomme, sind sie schon losgegangen. Am nächsten Tag habe ich ja noch Gelegenheit mich zu entschuldigen. 

Am vierten und letzten Tag ihres Münchenbesuches sehe ich sie wieder. Sie fahren mit dem Zug nach Köln. Ich werde sie zum Bahnsteig bringen. Das LeMeridien liegt genau gegenüber des Südausgangs des Hauptbahnhofs. Diesmal werde ich wieder kein Fahrzeug für meinen Auftrag brauchen. Diesmal parke ich mein Taxi auf einen der beiden, extra für diese Fälle angemieteten Plätze, am Bahnhof Nord. Beim Durchqueren des Bahnhofs werfe ich einen Blick auf den Abfahrtsplan damit ich weiß von welchem Bahnsteig der Zug abfährt. Ich habe die Zug-, Waggon- und Sitzplatznummern. Eine Stunde vor der Abfahrt  in ich im Hotel. Ich entschuldige mich noch einmal für den gestrigen Vorfall. Wir verbringen noch ein paar Minuten in der Lobby, bevor wir mit dem Gepäck einfach über die Bayerstraße in den Hauptbahnhof gehen. Der ICE steht schon bereit, wird aber noch gereinigt. Ich kann Ihnen noch die letzten Fragen beantworten. Zuletzt setze ich sie wieder auf ihre Plätze. Stelle die Koffer in das Gepäckabteil und wünsche eine gute Fahrt. Selbst auf ihre allerallerletzte Frage, wann sie den aussteigen sollen weiß ich eine Antwort; um 14:41 Uhr nach der Station Frankfurt/Flughafen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen