Freitag, 22. September 2017

Hofbräuzelt, die Erste



Ganz hastig kommt er die Treppe aus dem Bahnhof. Ich bin von hier, vom Bahnhof Nord, schon vier Mal zur Wiesn gestochen. Langsam hab ich schon am ersten Wiesnsonntag die Nase voll. Jetzt steh ich schon an dem des Oktoberfestes weitesten entferntesten Ausgang das Bahnhofs und trotzdem steigen mir die Gäste zur Wiesn hier zu. Würden die am Südausgang rausgehen wären sie schneller im Bierzelt als sich im Taxi in den Stau zu setzen. 

Obwohl die meisten Fahrgäste 10,-€ geben, ist die Fahrt zur Wiesn kein Vergnügen. Kaum sind wir aus dem Taxistandplatz, stehen wir schon in der Arnulfstraße. Am Bahnhofsplatz fahren die Straßenbahnfahrer in die blockierte Kreuzung und sperren den Querverkehr. Der nächste Stopp erwartet uns in der Paul-Heyse-Unterführung. So stehen sich die Fahrer bis zum Oktoberfest. Auf dem Rückweg das gleiche Spiel. Immer wieder fahre ich den Bahnhof Nord an, in der nicht abwegigen Hoffnung eine Fahrt in Richtung Norden, nach Schwabing oder sonstwo hin, Hauptsache weg von dem Spektakel, zu ergattern. Nach vier Fahrten scheint es mir endlich zu gelingen. Mein Fahrgast, ein Asiate im Geschäftsanzug, einen Rollkoffer hinter sich herziehend ist. Kleinster Weise verdächtig aufs Oktoberfest zu wollen. 

Wortlos kommt er auf mich zu. Mein Gruß wird nicht erwidert. Das würde ihm auch schwerfallen, denn auf dem Kopf hat er Kopfhörer. Nicht die Stöpsel vom Handy im Ohr, sondern richtige Kopfhörer, die die ganze Ohrmuschel abdecken. Er fischt einen Zettel aus seiner Hose. Immer noch wortlos zeigt er ihn mir. Hofbräufestzelt steht drauf. Na klar, Freilich, Sicherheitsring um die Wiesen. Drei Ausstiegsplätze und der nennt mir auch noch das Zelt.
Die Fahrt geht wie oben schon beschrieben. Am Taxistandplatz, der in der Schwanthalerstraße eingerichtet ist, lasse ich ihn hinten aussteigen. Die angezeigten 7,60 € zahlt  er blank. Eine Quittung bekommt er auch noch. Ich weiss ihm noch die Richtung zum Hofbräufestzelt; geradeaus und dann links. 
Ganz eilig - bis zum ersten Kontrollpunkt

Wenn er nur einen Moment seine Kopfhörer abgenommen hätte, hätte ich ihm verraten können, daß da vorne links, zwischen den bepflanzten Betonblockaden und der Polizei, eine Kette von Ordnern steht, die ihn mit seinem Rollkoffer bestimmt nicht zum Hofbräufestzelt lassen. Wenn er seinen Kopfhörer abnimmt kann er vielleicht hören, wie ihm die Ordner empfehlen, seinen Koffer in eines der Schließfächer zu verstauen. Die nächsten sind am Hauptbahnhof, da wo auch die Taxis stehen. Obwohl er es eilig hat, hat er anscheinend genug Zeit, wie wir Taxler, zum Hauptbahnhof und dann wieder zurück zur Wiesn zu fahren. Er könnte aber auch mit sich reden lassen.

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