Donnerstag, 3. August 2017

International Business



Gerade sind wir in Barcelona gelandet. Es ist für uns alle das erste Mal. Wir sind zu dritt, meine Frau Vesna, meine kleine Tochter und ich. Selten, daß wir Urlaub zusammen machen, nur zu den höchsten Feiertagen sind wir dann einmal alle vier komplett. Aber jetzt sind wir zu dritt, was auch schon mal ein kleiner Erfolg ist. 

Barcelona ist ein Kompromiß. Ich bemühte mich ein Ziel zu finden, das uns allen etwas bietet. Ein Strand für meine Frau, ein Swimmingpool auf dem Dach des Hotels und WLAN für meine Tochter und etwas zum Anschauen für mich. Spanien war klar - ich möchte die Sprache lernen. Für uns alle drei  sind Touristen in bunten T-Shirts, Gummibadelatschen, Strandhotel, Büffet, ... ein Ausschlußkriterium. Das mag überheblich klingen, ja - snobistisch, will ich es in meinen Fall nicht nennen.  Würde mir das Geld nur so zu fliegen, säße ich nicht morgens um 4:30 Uhr im Taxi. Ich bin eng eingespannt und meine Zeit ist sehr wertvoll.

 Wertvoller als bei manchen Geschäftsleuten  im Taxifond. Jede freie Minute wird genutzt, sofort der Laptop aufgeklappt, wichtige Telefonate geführt,  ... und wenn ich dann den Output, die Performance oder das Betriebsergebnis anschaue, denke ich mir im Stillen, daß es besser gewesen wäre, wenn wir alle zuhause geblieben wären. 

Ich muß mich zusammenreißen, ich schweife ab. Im Grunde kann ich heilfroh sein, letztlich sind es die Söldner des Kapitals, die die Immobilienpreise steigen, das Fiatgeld international und national rotieren, und den Euro noch bestehen lassen. Tacheles;  wir machen Reibach wenn ich sie zur Maloche kutschiere, und das lass ich mir noch bezahlen.

Auch in Barcelona

Lange Rede, kurzer Sinn; lieber kürzer Urlaub, aber gscheid. Und so sind wir für sechs Tage in Barcelona gelandet. Raus aus dem Flughafen und rein ins Taxi. Es kommt mir so vor, daß in Spanien die Reihenfolge an den Taxistandplätzen strikter eingehalten wird als bei uns. Es soll in Spanien, anders als hier in Deutschland, nicht möglich sein, sich ein Taxi aus der Reihe auszusuchen.
Zumindest in Madrid bezahlt der Fahrgast, wenn er am Flughafen einsteigt, einen Zuschlag von 5,00 € auf den Tarif. Beim Zusteigen an einem der vier Bahnhöfe Madrids beträgt der Zuschlag 2,50 €. Das ist die Erklärung für meine Beobachtung an der Estación de Atocha. Direkt vor dem Bahnhof stehen im Verhältnis zu seiner Bedeutung nur wenige Taxis. Ein Bahnhofsviaker schaut sich das natürlich mit anderen Augen an als ein Fliesenleger. An der gegenüberliegenden Straßenseite, tummeln sich, immer langsam rollend, zum Bahnhof spähend, eine Menge Madrilenischer Kollegen. Die Einheimischen sind dort rege zugestiegen. Zunächst dachte ich, das hätte was mit dem fürchterlichen Anschlag 2004 (ich war das erste Mal 2008 da) zu tun. Act as the Locals und schwupps springe ich auch auf die Rückbank des Kollegen gegenüber des Bahnhofs. Ich deute auf die Taxis am Bahnhof und frage;

"Warum steigt da niemand ein?" 

Der Kollege informiert mich über die Bahnhofsgebühr. Die Flughafengebühr kannte ich schon. In Barcelona erwischen wir einen marokkanischen Kollegen. Er bekommt auch Aufträge über Mytaxi. Auf dem Kofferraum seines Toyotas steht der Schriftzug. Nachdem wir die ersten Worte gewechselt haben, vertrauen wir ihm an, daß wir Taxifahrer in München sind. Ich öffne meine Mytaxi Fahrer App, die er sofort erkennt. Mein Fahrertemplate funktioniert auch in Barcelona. Die Aufträge schneien nur so herein. Ununterbrochen klingelt mein Handy. Fahrtangebote über Fahrtangebote brechen herein. Ich unterstelle ihm, daß er ja reich sein müsste bei dem Geschäftsgang.  Er winkt ab, das seien nur sieben, acht Euro Fahrten. Höchstens zwölf Euro. Er stellt sich lieber an den Flughafen, da bekommt er eine 25 oder 30 Euro Fahrt. Wie wir so radebrechen, versuche ich mein Mytaxi zu schließen. Es will mir kaum gelingen. Kaum habe ich einen Auftrag weggeklickt, poppt schon der Nächste auf. Wie ich so auf mein iPhone herumhacke, passiert was wohl passieren muss. Ich nehme einen Auftrag an. Beide Taxifahrer werden augenblicklich still. Mein marokkanischer Freund und Mytaxikollege weis genau was ich  angestellt habe. Irgendwo im Passeig de Sant Antoni wartet jetzt ein Señor auf eine S-Klasse mit dem Kennzeichen M-VR-511 und einem Reinhold Franz Siegel hinter dem Steuer. Was tun? Würde ich das Drehbuch für eine Komödie schreiben, hätte ich schon eine Lösung. Ich bitte den Taxifahrer mir sein Taxi zu leihen, lasse ihn mit meiner Familie als Pfand in einem Kaffeehaus, fahre, Mytaxi zeigt mir ja den Weg zum Kunden, in den Passeig de Sant Antoni und der Spaß beginnt. In dem Moment war uns aber nicht nach Gaudi. Ich storniere, wissend daß man das nicht tun soll, mit hochrotem Kopf den Auftrag.

In fremden Taxis - nichts annehmen
    
Mit uns hat der Kollege Flughafenfahrer Glück gehabt. Unser Hotel liegt, am Berg, nahe des Park Güell, das bringt ihm 40 Euro mit Trinkgeld. Trotz der profitablen Gewinnaussichten im Iberischen Ausland öffnen wir dort nur noch die Fahrgast App von Mytaxi. Is gscheider.

Kommentare:

  1. Sehr schöne Geschichte! :-D

    Und vor allen Dingen, das ist der Hauptgrund meines Kommentars: Sehr schön, dass du wieder regelmäßig schreibst. Dafür ein dickes Dankeschön, bevor du denkst, es interessiert niemanden und die Lust verlierst.

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    1. Hoffentlich hält meine Schreibmuse diesmal länger.

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  2. Ich hab auch schon lange gewartet! Danke��

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    1. Und dann ist es auch noch so ein langer Beitrag - wie du ihn gerne hast.

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  3. Hallo netter Artikel. Barcelona da war ich noch nicht. Spanien ist mir als Urlaubziel bekannt und auch auf Mallorca fühle ich mich wohl.

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    1. Auf Mallorca war ich noch nicht. Vor 14 Tagen war ich in Katalonien - in Balaguer. Von dort bin ich bis nach San Sebastian gefahren.

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