Samstag, 5. August 2017

Grenzwert



Martin hat ein Foto auf Facebook gepostet. Ein Doktor, vielleicht ein Arzt, hat einen Leserbrief zum Thema Stickstoffdioxidgrenzwerte  an eine Zeitung geschickt. Der Leserbrief wurde veröffentlicht, aus der Druckausgabe der Zeitung fotografiert und in Facebook gestellt. Inzwischen bin ich im Internet wiederholt auf das Foto des Artikels gestoßen. 

Der Autor des Leserbriefes weist auf die deutlich verschiedenen Grenzwerte der Stickstoffoxide des Umweltbundesamtes in Bezug auf das Dieselfahrverbot und der MAK, der maximalen Arbeitsplatzkonzentration, hin.

Ich konnte es nicht glauben, aber ich habe die Zahlen auf den Seiten des Umweltbundesamtes und im Ärzteblatt noch einmal gefunden. Es stimmt; der Dieselfahrverbotgrenzwert liegt bei 40 und der Grenzwert für die Dauerbelastung am Arbeitsplatz liegt bei 950 Mikrogramm Stickstoffdioxide auf einen Kubikmeter Luft. 517 Messstellen sind über Deutschland verteilt. An nur 14 Stationen überstieg der Grenzwert im Jahresmittel 60 Mikrogramm/Kubikmeter. 2016 meldeten, jeweils im Jahresmittel, nur 27% der Stationen überhaupt eine Überschreitung. Bei 73% der Stationen blieb der Wert unter den 40 Mikrogramm/Kubikmeter. 

Diesel im Taxi   Wie lange noch?

Stickstoffoxide entstehen bei Verbrennungsprozessen - auch in Kraftwerken. Der meiste Strom wird durch Verbrennung von fossilen Energieträgern gewonnen. Dabei ist es egal ob ich ein Ökostromangebot meines Kraftwerkbetreibers nutze. Nichts ist wie es scheint - es ist so wie es ist! Es gibt nur ein Stromnetz. Regenwald-, Gelbe Sonne oder Grüner Frosch Strom sind die Ergebnisse der des Greenwashing der Marketingagenturen im Auftrag der Energieriesen. 

Die größte Stickstoffoxid-Dreckschleuder Münchens ist das Heizkraftwerk Nord in Unterföhring. Obwohl hier der Müll der Landeshauptstadt verheizt wird, müssen jährlich 800 000 Tonnen (auch eine Zahl, die ich anfangs nicht glauben wollte) Kohle zugeführt. Dabei entstehen zwischen 15 und 20% der gesamten Münchner Stickstoffoxide. Wenn jemand den Auspuff an einem Elektroauto sucht - hier in Unterföhring, die drei Tag und Nacht rauchenden, 120 Meter hohen Kamine des Heizkraftwerks - hier sind sie!
60% der gigantischen Kohlenmenge kommt aus Russland und Nordamerika. In den Motoren der Frachtschiffe, die den Atlantik überqueren, wird HLO verbrannt. Heavy Liquid Oil, die zähflüssige, schwarz schimmernde Pampe mit der Konsistenz von Kartoffelpüree. Schweröl, ein Abfallprodukt der Raffinade, dagegen ist Diesel Wasser aus der jungen Isar.
Angesichts dieser Fakten wird mir bewusst, warum während dieser, zur Zeit alles beherrschenden Dieseldiskussion, im Mainstream nur sehr zurückhaltend mit Zahlen argumentiert wird.
Dem Leserbriefschreiber und Martin sei Dank, daß sich wenigstens eine Handvoll Taxifahrer ein paar Gedanken über die wahren Stinker machen.

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