Samstag, 4. Februar 2017

Einsteigergebühr



Am Freitag Nachmittag, ich habe soeben meinen Kunden am Pflanzeltplatz aussteigen lassen, bekomme ich eine Einladung zu einer WhatsApp-Gruppe. Das Thema der Gruppe war der Boykott von Mytaxi. Die Gruppe wuchs ziemlich schnell. In weniger als einer Stunde waren wir schon knapp 100 Mitglieder. Aus einem der ersten Beiträge erfahre ich was der Auslöser zu dieser Aktion war.
Mytaxi hat erst in dieser Woche das Prio-Fahrer System eingeführt. Die Mytaxifahrer, die während der Stoßzeiten drei Fahrten von Mytaxi annehmen, werden auch während der umsatzschwachen Zeit bei der Vergabe der Angebote bevorzugt. In München sind die Stoßzeiten an den Wochentagen von 6:00 bis 9:00 und von 17:00 bis 19:00 Uhr: Am Samstag und Sonntag sind die Stoßzeiten von 00:00 bis 05:00 Uhr, allerdings müssen während der fünf Stunden mindestens fünf Fahrten angenommen werden. Aber darum ging es (diesmal) nicht. 

Vielmehr um eine Gebühr in Höhe von 3% des Umsatzes, die bei Einsteigertouren angezeigt wurde. Wir Taxifahrer bezahlen für jede von Mytaxi vermittelte Fahrt 7% vom Bruttoumsatz an Mytaxi. Bezahlt ein Fahrgast, ein Stammgast etwa, der seinen Taxifahrer direkt bestellt, mit der App, so war das bisher mit keinen weiteren Kosten für Fahrer oder Fahrgast verbunden.
Jetzt tauchten auf den Abrechnungen auch bei Einsteigertouren plötzlich 3% Gebühr auf. Erwähnen muß ich für die Branchenfremden, daß jede andere Art von bargeldlosen Zahlungsverkehr zu Lasten von uns Taxifahrern geht. Wir bezahlen zwischen 4 und 0,95% an unsere Anbieter wie zum Beispiel die Taxigenossenschaft, Sumup, iZettle, ... Diese Anbieter müssen aber wieder auf andere Dienstleister, wie die Kreditkartenunternehmen oder Abrechnungszentren, zugreifen und dafür einen Teil ihrer, von uns Taxifahrern generierten, Einnahmen weiterleiten. Inwieweit und ob Mytaxi auf solche Anbieter zugreifen muss weiß ich nicht. Ein Fahrgast, der die Bezahlfunktion der Mytaxi-App nutzt, muß dazu vorher seine Paypal- oder Kreditkartendaten angeben. 

Ein Kollege hat in unsere taufrische App-Gruppe einen Screenshot von seinem Smartphone gestellt, auf dem die 3% Gebühr bei einer Einsteigerfahrt  ganz klar ausgewiesen sind.
Obwohl ich inzwischen mit Freunden, die keine Taxifahrer sind, am Sendlinger Tor in einem Càfe sitze, verfolge ich verstohlen unter dem Tisch die rasante Entwicklung in der Whatsapp-Gruppe. Da meine Tischgenossen allesamt politisch interessiert sind, belasse ich es bei den Berichten über Das was es da Interessantes unter dem Tisch auf meinem Handy gäbe, bei einer Bemerkung zu dem Wort Boykott, das in dem Titel der Gruppe erscheint. Boykott ist das treffende Wort. Oft war, wenn sich Taxifahrer verweigerten, von Streik die Rede. Viele der Taxifahrer sind Selbstständige, Unternehmer oder Arbeitgeber. Sie streiken nicht, sie stellen ihre Arbeit nicht ein. Wir finden uns in einem Geflecht von Verträgen die mündlich oder schriftlich geschlossen wurden. Werksverträge, Kreditverträge, Beförderungsverträge, ... und auch Vermittlungsverträge aus denen uns Rechte und Pflichte entstehen. Taxifahrer könnten auf ihr Recht bestimmte Vermittlungsangebote anzunehmen, verzichten und so ein Hotel, einen Flughafen, einen Vermittler boykottieren aber nicht bestreiken.

Nach dem Kaffee gehen wir ins Kino. Ich muß mein Handy ausschalten. Ja, auch das soll es geben; daß ich Freunde habe, die nichts mit dem Taxi zu tun habe und daß ich ins Kino gehe. Nach dem Film, es war LaLaLand, öffne ich sofort die WhatsApp-Gruppe. Ich bin überwältigt von dem was sich in so kurzer Zeit ergeben hat. Haroun hat schnon eine kleine Internetseite mit dem Titel -> Münchner Taxifahrer  zu dem Thema ersstellt. Und das wesentlichste Mytaxi hat die 3% Gebühr wieder eingestellt. Auf einem weiteren Screenshot eines Kollegen fehlt bereits die Gebühr. In einer Nachricht von Mytaxi mit dem Titel; Feedback Anzeigenfehler, spricht Mytaxi von einem Anzeigenfehler, der inzwischen wieder behoben wurde. Von dem wir uns auch überzogen konnten.
Taxifahrer united

In der Gruppe kam der Verdacht auf, daß ein Mitglied Mytaxi über eventuelle bevorstehende Aktionen informiert hätte. Es kann aber auch sein, daß ein Kollege einfach bei Mytaxi angerufen hat um sich zu vergewissern. Ob jetzt die 3% ein Anzeigefehler waren, oder ein Test wie weit man gehen könne, bleibt für viele Taxikollegen offen. Ich, für meinen Teil, bin beeindruckt von dem was am 3.Februar unter uns Kollegen geschah. Ja - es erfüllt mich mit Stolz und Freude. Stolz Teil einer solchen Kollegenschaft zu sein. 

Wenn ich es mir aber genau überlege, mit dem Boykott und die entscheidende Frage nach dem Eigentümer der Produktionsmittel stelle, kommen mir Zweifel. Wenn wir einen Kreditvertrag mit Mercedes haben. Die also bis zur vollständigen Bezahlung die Eigentümer unserer Fahrzeuge sind. Gehören doch die Produktionsmittel denen, die uns auch die Fahrten über Mytaxi (-Mercedes Benz) vermitteln. Könnte es dann nicht doch ein Streik .... Diesen Diskurs spare ich mir für den nächsten Kaffeetisch mit euch auf - und das ist meine Freude.  
 

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