Donnerstag, 12. Januar 2017

Feuerwerk



Ruhig ist das Taxigeschäft zwischen den Jahren. München scheint sich Urlaub genommen zu haben. Die langen Wartezeiten am Standplatz stehen in keinem Verhältnis mit dem Umsatz. Meine Kunden sind mit dem Rest der Stadt in den Urlaub gefahren. Angesichts des schwachen zu erwartenden Umsatzes hält sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen wenn ich jetzt einfach aus dem hellelfenbeinernen Taxi in meinem grünen Hennasprenger umsteige.
Das Ziel meiner diesmaligen Standplatzflucht habe ich mir am Engelschalkinger-Taxistand einfallen lassen. Während der Sylvesternacht ist ein Lagerfeuer, das zwei Münchner am Jochberg angezündet haben, außer Kontrolle geraten und hat sich in steilem Gelände auf einer Fläche von 100 Hektar ausgebreitet. Einige Feuerwehrmänner mussten beim Löschen von der Bergwacht gesichert werden. Hubschrauber der Bayerischen Polizei, der Bundeswehr und aus Tirol waren im Einsatz. Mit faltbaren Wannen haben sie Wasser aus dem Walchensee geschöpft und über die Glut ausgekippt. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar aus welchem Grund die Beiden das Feuer entfacht haben. Haben die Männer das Feuer als Not- und Signalfeuer nach dem Unfall des Einen angezündet, oder war es nur ein Lagerfeuer? Wahrscheinlich ist, daß zuerst das Lagerfeuer ausgebrochen ist, und erst bei den verzweifelten Löschversuchen einer der Unglücksraben abgestürzt ist, und sich dabei ein Bein gebrochen hat. 

Mit Selbstauslöser

Die Route über die B11 durch Kochel, Krün, Mittenwald und Seefeld wähle ich gerne für die Fahrten nach Tirol. Aber genau diese Strecke war wegen der noch immer andauernden Löscharbeiten noch am 2.Januar gesperrt, als ich mit einer Familie aus Kaliningrad auf dem Weg nach Ischgl war.
Mein Entschluß war gefasst; ab nach Hause, Taxi abstellen, umziehen und umsteigen. 45 Minuten später rattere ich schon auf der Autobahn Richtung Garmisch nach Kochel. Die Kesselbergstraße ist wieder frei befahrbar. Ich parke auf dem höheren der Parkplätze vor Urfeld am Walchensee. Leider ist es schon halb Drei als ich mich auf den Weg mache. Neben mir steht nur noch ein weiteres Auto auf dem Parkplatz des sonst so beliebten Wanderwegs. Gleich zu Beginn des Aufstiegs kommt mir eine Frau mit zwei Stöcken entgegen. Das war dann auch der einzige Mensch den ich diesen Nachmittag gesehen habe. Ich stapfe weiter bergauf. Der Steig ist richtig steil. Es beginnt zu leicht zu schneien. Der verschneite Winterwald verschluckt die Geräusche. Ich genieße die Anstrengung in der Einsamkeit. Die Brandstelle kann ich nicht finden. Ich habe mich vorher nicht ausreichend informiert. Der Schneefall wird dichter. Wahrscheinlich gäbe es sowieso nichts zu sehen. Gebrannt hat am 1.Januar hauptsächlich das Gras. Bis dahin gab es diesen Winter noch keinen Schneefall. Das Gras war trockener als im Sommer, als es im grün im Saft stand. Die Brandflächen sind inzwischen vom Schnee bedeckt. Es bleibt spannend welchen Schaden der Berg- und Schutzwald genommen hat. Wenn Sie die Hitze überstanden haben, gibt es Überlebenschancen für viele der Bäume. Die Dunkelheit setzt ein. Die Tage sind im Januar noch kurz. Obwohl ich mit starken Lampen ausgerüstet bin, entschließe ich mich zur Umkehr. Genug Kalorien, um die kürzlich gefassten Neujahrsvorsätze zu erfüllen, habe ich verbrannt. Ein Feuerzeug habe ich natürlich auch im Rucksack. Zur Not könnte ich mich an einem Feuer wärmen und die Ursache des Jochbergbrandes 2.0 werden. Nein, besser ist es umzudrehen. Ich kann ja wieder kommen. Ich muss nur früher mit dem Aufstieg beginnen. Auf dem Rückweg kann ich meine eigenen Spuren nicht mehr im Schnee erkennen. Bei Einbruch der Dunkelheit komme ich wieder zurück zum Parkplatz zu meinem verwaisten Auto. 

Übriggeblieben

Ausgelaugt und hungrig halte auf dem Rückweg Ausschau nach einem Gasthaus mit bayerischer Küche. In der Wirtschaft bei der Heimatbühne in Kochel ist mir zu wenig los. Der Graue Bär und der Gasthof zur Post in Kochel sind mir zu fein, genauso wie der Klosterbräu in Schlehdorf. Fröhlichs Wirtshaus in Großweil hat geschlossen. So hat es mich bis nach Murnau abgetrieben. Zum Glück, denn dort habe ich das Augustiner Bräustüberl am Untermarkt gefunden. In dem Wirtshaus waren zehn Gäste anwesend. Aus der Karte mit den heimischen Gerichten wähle ich den Bauernteller. Verschiedene kleine Stücke Fleisch, darunter ein Wammerl auf Kraut und jeweils ein feiner Kartoffel- und ein Semmelknödel. Damit war mein noch frischer, zweiter Neujahrsvorsatz beim Teufel. Später habe ich im Internet das Gasthaus gegoogelt und dabei herausgefunden, daß das Augustiner Bräustüberl ehemals Pantlbräu hieß, weiters hätte sich mit dem Pächterwechsel die Küche stark verbessert, was ich, als Ergebnis meines bisher einmaligen Versuches, auch bestätigen kann.
Es gibt Tage im Taxigeschäft, bei denen es besser mal für ein paar Stunden ausgesetzt wird. Bei mir sind diese Tage eher selten. Es gibt immer auch an den ruhigsten Tagen einen oder zwei Kunden zum Flughafen gebracht werden wollen. 
Umso mehr freut es mich dann, wenn es mir gelingt, die faden Stunden sinnvoll zu füllen - jetzt habe ich schon den dritten Vorsatz für das noch junge Jahr.

Den Vorsatz habe ich im Herbst dann auch -> erfüllt .

Kommentare:

  1. Hallo liebes Blogspot Team!

    http://taxi-online.blogspot.de konnte ich gestern nicht erreichen. Woran lag das? o.o

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  2. HTTPS://taxi-online.blogspot.de nicht http <- S

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