Montag, 18. Juli 2016

Schlaf



Zwei Abholungen vom Flughafen standen am gestrigen Sonntag auf dem Plan. Die erste Maschine aus Shanghai landet planmäßig um 5:35 Uhr und die zweite aus Detroit planmäßig um 8:00 Uhr.
Das bescherte mir ausgerechnet am Wochenende eine kurze Nacht und die Hoffnung am Sonnntag ausschlafen zu können ist gestorben. Bei den Fernflügen kommt noch hinzu, daß  sie oft früher ankommen. Ich kann also meinen Wecker nicht zu knapp stellen. Nichts Schlimmeres als nach dem Aufwachen festzustellen,  daß die Maschine, von der der Gast abzuholen ist, in 20 Minuten landet.
Diesmal war es wieder so, die Shanghai landete eine halbe Stunde früher. Mit meinem Fahrgast kam ich um 7:00 Uhr nach Bogenhausen. Meine nächste Maschine landet nach Plan in Zweieinhalb Stunden.
 Bogenhausen um frühen Sonntagmorgen ist ruhig. Einen kurzen Augenblick überlege ich mir meinen Freund an seinem Karussell im Englischen Garten zu besuchen. Heute ist Kocherlball, eine alte Tradition, die Dienstboten, also unter anderem auch die Kocherl, hatten keine andere Gelegenheit, sich, außer am frühsten Sonntagmorgen, zu treffen.  Zu dieser Zeit wurden sie von der Herrschaft am wenigsten benötigt.
In München wird jede Tradition beerdigt und aus allem ein Event gemacht. Jetzt verkleiden sich die Bürgerlichen als Kutscher, Dienstmagd oder Dorfdepp und belagern zur unchristlichen Zeit den Biergarten am Chinesischen Turm.

Taxistand Prinzregentenplatz
Taxistand Prinzregentenplatz - selten so leer
Am Prinzregentenplatz komme ich an dem verwaisten Taxistandplatz vorbei. Der leere Prinze, so wurde der Platz unter den modernen Kutschern genannt, bietet ein seltenes Bild.
Im Nu war ich dort der Erste und Einzige. Es dauert keine drei Minuten bis mir Mytaxi einen Auftrag beschert. Eine junge Dame will aus der Nähe des Ostbahnhofs ins Schlachthofviertel. Unterwegs torkeln uns Nachtschwärmer aus der Kultfabrik kommend über die Straße. Das bietet uns ANlaß uns über das Thema Schlaf zu unterhalten. Sie erfährt, daß ich schon seit halb Fünf wach bin und meine letzte Fahrt um 21:30 Uhr endet. 

"Da schlafen Sie aber schon dazwischen?"

"Selbstverständlich sonst würde ich das nicht aushalten. Zudem am Montag ganz früh die Konsultantenralley  beginnt." 


"Können Sie den am Nachmittag schlafen?"

Wir sprechen über Schlafzeiten. Ich berichte von meiner Erfahrung, daß eine Stunde Schlaf wenig bringt. Der Wecker reißt mich mitten aus der Tiefschlafphase und ich bin schlafdamisch. Das Gespräch wird immer interessanter und ich lerne dazu REM - Phase, Delta - Phase, ... Bis ich frage woher das profunde Wissen meiner Fahrgästin stammt.

"Ach wissen Sie, ich studiere Psychologie."

Aha, Taxifahrerin ohne Taxi - wollte ich schon einwerfen. Habe es dann aber lieber gelassen und mich über die ausführlichen Informationen über den Schlaf gefreut.
Die Maschine aus Detroit landete dann auch noch früher. Der Besuch am Karussell wird vertagt. Auf dem Weg über die Sonnenstraße sind mir dann noch weitere Nachtschwärmer über den Weg gelaufen. Die liefen zu den bereitstehenden Taxis. Darin sitzen hinter dem Lenkrad die Kutscher. Die Münchner Dienstleistenden stehen im Moment hinter den Tresen in den Bars, an den Empfängen und Küchen der Hotels, kehren die Straßen ... Die sollten doch jetzt im Englischen Garten auf dem Kocherlball sein. Da gibt es doch eine alte Tradition. Feiern tun da inzwischen andere, ist ja ein Event geworden. 





Kommentare:

  1. Antworten
    1. Besonders bei den Fahrten in den frühen Morgenstunden kommst du dir als Fahrer vor wie ein Psychologe - aber eben mit Taxi.

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