Freitag, 15. Juli 2016

Eigenlob



 Am Flughafen steigen mir zwei Herren ein. Artig halte ich, nachdem ich die zwei Koffer in den Kofferraum geladen habe, dem Fahrgast, der sich hinter den Fahrersitz setzt die Türe auf.
"Zum Bader Hotel in Vaterstetten, bitte." 
 kam schon die Ansage. Der Zufall wollte es, daß ich am Tag vorher einem Kollegen ausgeholfen hatte, und schon zweimal die Strecke vom Flughafen München zum Hotel Bader gefahren bin. Ansonsten, muß ich zugeben, hätte ich das kleine, noch nicht ganz eingeführte Hotel im Osten von München nicht gekannt. 
Das wäre kein Weltuntergang gewesen. Ich hätte einfach den Namen und den Ort des Hotels in mein Handy diktiert und Google verrät mir die Adresse. Auf dem Weg dorthin noch diskret das Navi aktivieren und der Job wäre erledigt. So aber mime ich den Profi. Ohne zu zögern  nehme ich die Abkürzung über Ismaning, brause souverän durch den starken Regen und die Gischt über die Autobahn, und durchkurve gekonnt die Kreisverkehre in Parsdorf. Schon von weitem deute ich auf das Hotel;

"Das da hinten ist Ihr Hotel. Das mit den Holzlatten und den langen schmalen Fenstern."

Sie recken die Köpfe um ihr Hotel zwischen den Bau- und Möbelmärkten zu finden.
  
"Sagen Sie, ein Restaurant gibt es hier nicht, oder?" 

"Doch! Gleich hinter dem Hotel gibt es einen guten Italiener. Al Borgo heißt das Restaurant. Zwischen dem Maibaum und der Kirche. Der hat gute Steinofenpizzas. Keine 200 Meter vom Hotel entfernt." 

Hotel Bader Parsdorf Vaterstetten
Hotel Bader Parsdorf

Ich rolle vor die Türe des Hotels. Mit zwei Zuschlägen für die Koffer zeigt das Taxameter 64,90€. Ich schalte das Taxameter aus. Im letzten Augenblick frage ich; 

"Soll ich Sie zu dem Italiener bringen?" 

"Ja, gerne. Wir bringen nur schnell unsere Koffer in die Zimmer, sind in fünf Minuten wieder hier." 

Gestern kannte ich Al Borgo noch nicht. Aber einer der Gäste meines Kollegen war spät dran und so hat er sich anstatt zum Hotel gleich zu dem Italiener fahren lassen, in dem die anderen Mitarbeiter der Firma zum Abendessen verabredet waren. Bei der Gelegenheit habe ich das Schild auf dem die Steinofenpizza angeboten wird gesehen. Das Taxameter war schon ausgeschaltet. Die 64,90 € habe ich schon genannt. Wartend vor dem Hotel erwäge ich auf den Fahrpreis noch fünf Euro für das Warten und die kurze Fahrt draufzuschlagen. Stelle ich das Taxameter wieder an, sind gleich wieder die 3,70 € Mindestfahrpreis drauf.  Nachdem mir meine Gäste schon eine 65,- € Fahrt zukommen haben lassen, will ich nicht so gschert sein.
Tatsächlich, keine fünf Minuten später sind wir zu dritt auf dem Weg zum Al Borgo. Ich zeige aus dem Fahrerfenster. 

"Hier können Sie heute Abend zurück zum Hotel gehen. Hier den Weg entlang, dann kommen Sie zum Parkplatz des Hotels." 

Es regnet, ich fahre so nah wie es geht an die Tür des Restaurants. Ich komme gar nicht dazu den Fahrpreis zu nennen, da streckt mir einer der Gäste seine Kreditkarte zu.
"85."
"85!?" will ich mich vergewissern. 

"Ja, 85! Sie haben es verstanden. Nicht so wie, entschuldigen Sie wenn ich es sagen muß, die ... Sie haben Service verstanden." 

Während ich seine Kreditkarte durchziehe, bedanke ich mich für das Lob und das Trinkgeld.
Gestank gehört zum Eigenlob wie Glück zum Geschäft. Die 20 Euro Trinkgeld betrachte ich als Geburtstagsgeschenk. Ich könnte sie ja bei Gelegenheit in eine Steinofenpizza im Al Borgo anlegen. Natürlich nur um die nächsten Kunden noch besser zu beraten.  


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