Mittwoch, 15. Juli 2015

Taler, Taler, ...



Die Fahrt zum Flughafen passt mir ganz gut ins Konzept. In Ingolstadt versteigert ein Pfandleihhaus seine nicht ausgelösten Pfänder. In München könnte ich jede Woche auf eine Versteigerung gehen, aber in Ingolstadt gibt es nur ein Pfandleihhaus und dieses versteigert vier Mal im Jahr die nicht ausgelösten Pfänder.
Eine Stunde vor Beginn schaue ich mir die Waren in der Werkstattbühne des Stadttheaters Ingolstadt an. Anders als bei der Versteigerung in München, sind hier die 170 Pfänder, meist Schmuckstücke, sortiert und ordentlich beschriftet hinter Glas in Fächern anzusehen. Die einzelnen Stücke werden auch zur näheren Begutachtung ausgehändigt.

Nachdem ich mir einen kurzen Überblick verschafft habe, gehe ich wieder zurück auf den Schloßplatz. Samstags ist hier Markt. Zwischen Kartoffeln, Obst, Gemüse, Käse und Fleisch genieße ich mit einem kühlen Wasser die Sonnenstrahlen. 

Pünktlich, zur Versteigerung des ersten Stücks, verschwinde ich wieder in den kühlen, dunklen Vorraum der Ingolstädter Werkstattbühne. Auf einem Zettel habe ich mir die Nummern der für mich interessanten Stücke notiert. Wir sind ca. 30 Kunden. Mein erstes Stück, ein Bayerischer Silbertaler aus dem Jahr 1815 wird aufgerufen. Ich hebe die Hand und beobachte das Publikum. Ich sehe keine weitere Hand. 

"Zum ersten, zum zweiten ... Niiieeemand mehr? ... zum dritten. Der Herr an der Säule."
 
Der Auktionator senkt seinen Arm, verharrt in der Waagrechten, deutet auf mich. Ich habe den Zuschlag. In dem Moment taucht neben mir schon eine junge Dame mit einem kleinen weißen Papiertütchen auf. Ich gebe ihr den genannten Preis, sie übergibt mir den 200 Jahre alten Taler in der Tüte, den ich gleich in meine Hosentasche stecke.

Anders als in München, senkt der Auktionator hier nicht einmal den Aufrufpreis. Er lässt sich auch  auf kein Gebot aus dem Publikum ein. Wenn sich beim dritten Aufruf niemand meldet, geht er ruck zuck zum nächsten Stück. Ich ersteigere noch einen Zehntel Krügerrand. Im Krügerrand ist eine Unze Gold enthalten. Rand habe ich heuer erst als Trinkgeld von -> Hotelgästen aus Südafrika bekommen. Mein erster Krügerrand ist mit 1/10 oz auch der Kleinste den es gibt. In dem Papiertütchen ist er kaum zu spüren.
Bei dieser Auktion finden viele Stücke keine Käufer. Die Angestellten, die die Vitrinen zusammenpacken erkundige ich mich was mit den übrigen Stücken passiert. Die gehen in den Verkauf in den Laden. Selbstverständlich kommt dann bei den Schmuckstücken mindestens noch die Mehrwertsteuer dazu. Da denke ich bei mir, daß das jetzt die passende Gelegenheit wäre noch ein Geschenk für meine Frau zu kaufen. Ich frage ob ich denn die Ware noch zum Aufrufpreis kaufen könne.

"Jetzt schon noch ... " bekomme ich zur Antwort.

Ich habe am Vormittag schon ein Armband von Jette aus fast reinem Silber ins Auge gefasst. Jetzt ist es allerdings schon verräumt. Zum Glück habe ich noch den Notizzettel mit den Nummern bei mir. So muß die Dame nicht lange suchen. Ein Griff und schon hat sie die Papiertüte mit dem Armband in der Hand. Sie verkauft mir noch schnell, zwischen dem Wegräumen zweier Kisten, das Armband zum Aufrufpreis.
Auf dem Rückweg von Ingolstadt, stelle ich mich noch am Flughafen an. Es bietet sich an, vom Norden her kommend, die letzten Kilometer nach München noch einen Fahrgast mitzunehmen. Fünf Stunden Wartezeit habe ich um meinen Freunden unter den Kollegen meine drei neuen Schätze in den Papiertütchen in meiner Hosentasche zu zeigen, bis mir eine Frau nach Moosach zusteigt. Die Einnahme für die Fahrt verringern meine Ausgaben um 68,-

Rand und Taler

Für das Foto habe ich die Münzen auf die Tastatur des Computers gelegt, damit man sich die Größe besser vorstellen kann. Ich zeige die Rückseiten, Schwert, Zepter und Springbock sind mir sympathischer als König Maximilian I. oder Krüger. 

Taler, Taler, du mußt wandern, von einer Hand zur andern ... So beginnt das Lied zu dem bekannten Kinderspiel. Ich werde aber den Springbock des Krügerrands auf Reisen schicken. Das Armand ziert inzwischen den linken Arm meiner Frau und der Taler darf sich ausruhen - das hat er sich mit seinen 200 Jahren auch verdient.   

Kommentare:

  1. Folgst du dem Link, mußt du GENAU hinhören! "...niemand darf den Taler seh´n.", heißt es da. Und was machst du?! ;-)

    https://www.youtube.com/watch?v=3iT1MVpIgqA

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    1. Ich muß ihn einfach zeigen. Den Taler kenne ich schon aus den Kindermärchen, hatte aber bis jetzt keine Vorstellung von dieser Münze. Wobei es aber bestimmt noch hundert andere Taler gibt.

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  2. Also, falls du noch die Adresse für den TAler brauchst, frag mich einfach ... ;)

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    1. Noch ruht er sich bei mir aus. Der würde gut als Schmuckstück, z.b. Anhänger an Charivari, passen.

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