Montag, 18. Mai 2015

Maybe


Meine letzte Abfahrt

Das ich lange nichts mehr von mir hören ließ, liegt nicht an meiner Faulheit - ganz im Gegenteil! Während der letzten 14 Tage gab es für uns sehr viel zu tun. Schon seit vier Jahren fahren wir die Künstler des Dance Festivals zwischen dem Flughafen und ihren Hotels in der Innenstadt. Die ersten verlassen die Stadt teilweise schon um vier Uhr Morgens und die letzten kommen manchmal erst nach 22 Uhr am Flughafen München an. Der Auftragsregen kommt noch zu dem laufenden Geschäft dazu und so wird es knapp noch zwischen den Fahrten ein paar Zeilen für den Blog zu schreiben. Eine große Hilfe bei diesem Auftrag waren die Betreuer, die für die einzelnen Künstler oder Gruppen zuständig waren. Oft haben sie die Gäste schon direkt am Flughafen in Empfang genommen und uns so die Arbeit erleichtert. Während der Fahrt in die Stadt wurden die Künstler gleich über München, das Festival und die weiteren Mitglieder des Ensembles informiert.

"Bist du das erste Mal in München?" 

Diese Frage fällt gleich nach der Begrüßung, gestellt von der Begleiterin. Anfangs waren wir Beide über die Antwort überrascht. Er weiß es nämlich nicht. Wer kann nicht wissen, ob er schon mal in einer Stadt war, oder nicht. Im Laufe des Festivals lernen wir noch viele Choreografen, Tänzer und Musiker kennen, die einen erfüllten Einsatz haben, und das über die ganze Welt.

Gleich am zweiten Tag hatte ich einen bekannten, jungen Pianisten im Auto der mit seinen 35 Jahren schon in Moskau, London, Paris, .... gelebt hat. Am Telefon spricht er Englisch, mit uns unterhält er sich in nahezu perfektem Deutsch. Als ich, unterwegs mit ihm zum Flughafen, seine Managerin im Charles Hotel aufnehme, parliert er mit ihr in seiner Muttersprache - Französisch.
Um 4:30 stehe ich vor dem Hotel in der Rablstrasse. Ich bringe eine Japanerin zu ihrem Abflug. Gestern war noch im Müllerschen Volksbad ein kleines Get Together und noch später die Eröffnung des Dance Festivals mit Ansprachen der Sponsoren. Die Höflichkeit gebat es für meinen Fahrgast dort bis zum Ende anwesend zu sein. Nach nur ein paar wenigen Stunden Schlaf sitzt sie auf der Rückbank meines Taxis auf dem Weg zu Ihrem Flug nach Ungarn. 

Ich frage sie, ob sie denn nicht auch müde sei, nach dem frühen Aufstehen um halb vier. Sie bejaht, bedauert zugleich, daß sie auf dem kurzen Flug von München nach Budapest keinen Schlaf finden wird. Aber im Hotel wird sie etwas schlafen, denn sie muß fit sein. Am Abend hat sie schon die nächste Performance in Budapest. Nach den Einblicken wird mir einiges klar.
Und wieder frage ich meinen nächsten Fahrgast, ob er das erste Mal in München sei. Zur Antwort zuckt er hilflos mit den Schultern und blickt mir entschuldigend ins Gesicht; 

"Maybe ... I can't remember." 

Kommentare:

  1. Oh man,
    eigentlich könnten sie einem ja leid tun, wenn sie schon nicht mehr mitbekommen, wann und wo sie sind ...

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    1. Die toppen sogar noch die Geschäftsleute. Von derer Um-die-Welt-Fliegerei bin ich schon beeindruckt. Es gibt Menschen, die leben in München und arbeiten in London. Montags über den Kanal, freitags zurück ... Wie andere Leute mit dem Bus in die Arbeit fahren. Irre! Aber die Künstler setzen noch eins drauf.

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