Mittwoch, 11. März 2015

Verloren im Funbüro



Es hat lange gedauert, bis ich mich für ein iPad entschieden habe. Ich war auf kleine Laptops eingeschworen, weil mich die Tastatur der der Tabletts nicht überzeugt hat.

Letzten Oktober war es dann doch soweit. Unzufrieden mit meinem Mannesmann / Vodafone-Flatrate-Vertrag, will ich noch eine Flatrate von dem anderen großen Netzbetreiber, der Telekom. Bei Abschluß des Vertrages, bekomme ich noch ein Tablett dazu. Es dauerte nicht lange und ich war der größte Fan von meinem neuen Begleiter. Im Nu bin ich im Internet, die Verbindung ist stabil, ich kann den Namen meiner Gäste anzeigen lassen(wenn ich sie am Terminal erwarte), ich habe einen digitalen Kalender,... selbst an die Tastatur habe ich mich gewöhnt. Einige Artikel für diesen Blog sind darauf entstanden. Ich habe meinem kleinen Liebling eine Lederhülle von Samsonite gekauft und verstaue ihn sicher, trocken und beschützt im Mittelfach meines Taxis. Tagsüber vergehen keine zwei Stunden ohne daß ich den edlen Lederdeckel aufklappe und meine Finger über den Bildschirm streichen lasse. Nachts liegt mein Schmuckstück, näher als der Revolver, angehängt am weißen Ladekabel in Griffweite neben mir auf dem Nachttisch. Umso schlimmer war dann für mich der folgende Vorfall:

Ich hole meine Gäste ab. Sie landen mit den Emirates aus Dubai. Die Maschine dockt am Modul C im Terminal 1 am Flughafen an. Bei den Business-Tickets dieser Fluggesellschaft ist der Transfer zum oder vom Flughafen mit einer Limousine schon inbegriffen. Bis ich endlich von der AGIP-Tankstelle zum Modul C hochfahre sind dort schon alle Parkplätze belegt. Die privaten genauso wie die, die für die Transferdienstleister reserviert sind. Überall schwarze Sixt-Limousinen. Ich finde keinen Platz, weiche auf den Transferparkplatz am Modul D, gleich daneben aus. Um meinen Gästen den nun weiteren Weg zu vereinfachen, nehme ich einen Gepäckwagen mit. Ich will damit das Gepäck meiner Fluggäste zum Wagen bringen.
Am Ausgang des Moduls C stehe ich neben mindestens 25 Sixt-Fahrern in einer Reihe. Meinen Gepäckwagen habe ich hinter mir geparkt. Den Namen meiner Gäste habe ich, wie inzwischen viele meiner Kollegen in mein iPad eingegeben und stehe mit meinem elektronischen Helfer vor dem Bauch in der Flughafenhalle. Meine Gäste kommen an. Ich klappe das iPad zu, lege es in den Korb des Gepäckwagens, lade die zwei Koffer auf den Gepäckwagen und gehe, gefolgt von den Ankömmlingen, auf den Transferparkplatz zum Nachbarmodul. Dort angekommen verstaue ich die Koffer in den Kofferraum und fahre über die Autobahn nach Großhadern. Auf Höhe der Ausfahrt Garching taste ich im Dunkeln in das Mittelfach. Ich spüre kein iPad. Ich schalte die Innenbeleuchtung an, ich sehe kein iPad. Mir wird es fast schwindelig. Mein Kleinod ist nicht da! Hoffentlich habe ich es, bevor ich die Koffer verstaute, in meine Computertasche in den Kofferraum  gepackt. 

Am Ziel in Großhadern haste ich sofort zum Kofferraum und reiße meine Tasche auf. Nichts drin, nur Stifte, ein Schreibblock, Ladekabel, Magazine ... Mein letzter Hoffnungsschimmer erlischt. Nach dem Kassieren fahre ich um die Ecke und rufe die Flugauskunft an. Ich lasse mich an das Fundbüro am Flughafen vermitteln. Die habe bis 23 Uhr geöffnet. Nach ein paar Mal klingeln schaltet sich das Band ein "Alle unsere Mitarbeiter sind im Gespräch..." ich könnte eine e-Mail schicken. Ich rufe noch ein Mal die Flugauskunft an und lasse mir die Durchwahl zum Fundbüro geben, damit ich direkt dort anrufen kann. Sofort versuche ich es, die Antwort ist; "Alle unsere Mitarbeiter sind im Gespräch..."
Ich habe schon fast aufgegeben. Es ist nicht nur das iPad, das verloren ist. Darauf ist der Kalender mit den Terminen und Fahrten bis zum Dezember 2015, Fotos, und auch noch der letzte -> Artikel zu Berlin , der noch in diesem Blog erscheinen soll. Es ist 21:30 Uhr das Fundbüro hat noch über eine Stunde geöffnet. Ich will es wagen und zurück zum Flughafen fahren. Verzweifelt rufe ich wiederholt beim Fundbüro am Flughafen an, mindestens vier Mal. Immer wieder höre ich über die Freisprechanlage die gleiche Ansage;
"Alle unsere Mitarbeiter sind im Gespräch..."
Unterwegs versuche ich es mit NLP. Ich stelle mir vor, wie ich auf das Modul D fahre, und wieder mein iPad finde. In meinem Handyspeicher habe ich die Nummer der Gepäckträger am Flughafen. Wenn die die Wagen wieder zurück in die Reihe bringen, könnten sie mein iPad entdeckt haben.  Bei diesem Anruf bekomme ich sofort einen Gepäckträger an die Strippe. Ich schildere ihm, daß mein iPad verlassen im Korb eines Gepäckwagens vor dem Terminal D liegt. 

"Wenn wir was finden, bringen wir das ins Fundbüro."; bekomme ich zur Antwort. 

Also wieder ein Versuch beim Fundbüro - nach warten schaltet sich wieder das Band ein;
"Alle unsere Mitarbeiter sind im Gespräch..."

Es bleibt mir nichts anderes übrig als Gas zu geben und möglichst schnell zum Flughafen zu fahren. Auf dem Flughafengelände angekommen fällt es mir schwer mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten. Zu groß wird meine Ungeduld. Mit meiner Magnetkarte öffne ich die Zufahrtsschranke zum Transferparkplatz am Modul D. Jetzt sehe ich schon den Wagen einsam im Licht der Neonlampen stehen. Ich fahre mit dem Auto möglichst nahe an den Wagen und erspähe zwischen den Gittern des Korbes einen flachen, in braunes Leder geschlagenen Gegenstand. Welch Glück! Da liegt mein geliebtes iPad nach über ein und eine halbe Stunde unberührt im Korb des Wagens. Glücklich mache ich schnell zwei Fotos mit meinem Handy und nehme die schrecklich vermisste Elektronik wieder in meine Obhut.

Einsam steht da noch der Wagen

Glücklich! Damit habe ich nicht gerechnet

Jetzt bleibt nur noch das Fundbüro. Im letzten Moment entschließe ich mich mal dort vorbeizuschauen. Das Fundbüro ist nicht weit. Ein Stockwerk tiefer im Zentralbereich auf Modul C. Ich stehe vor der großen Fensterfront des Servicecenters. Dort steht eine Dame hinter einem Monitor. Ein junger Mann, ebenfalls in der Dunkel- hellblauen Dienstkleidung der FMG, der Flughafenbetreibergesellschaft, steht neben ihr. Durch das Fenster rechts neben dem Servicecenter kann ich in das hell erleuchtete Fundbüro blicken. Noch einmal wähle ich die Nummer des Fundbüros. Es klingelt und nach einer Zeit schaltet sich das Band ein; 

"Alle unsere Mitarbeiter sind im Gespräch..."

Ich beende das mißglückte Telefonat und gehe in das Servicecenter. 

"Grüß Gott. Ich wollte in das Fundbüro ..."  

"Da nebenan ist es."; der junge Mann weist zu dem Büro neben dem Servicecenter.

Ich komme von vorne in das Büro. Er betritt das Büro von hinten. Vor seinem Computer am Schreibtisch beginne ich meine Erlebnisse der vergangenen Stunde zu schildern. Von meinem verlorenen iPad, wo ich es vergessen hätte, das ich versucht habe ihn zu erreichen, u.s.w. ... Bis zu der Autobahnfahrt während der ich mindestens viermal angerufen habe und nur das Tonband an den Apparat bekommen hätte.
Wir waren beim Thema. Er verteidigt sich, er hätte viel zu tun gehabt, und er müsse sich nicht vor mir rechtfertigen. Ich griff vor und erwähnte, daß ich soeben vor zwei Minuten vor der Türe stand, anrief, und sich wieder das Band einschaltete. Er erwähnte, daß er alleine sei und sich nicht rechtfertigen muss, wenn er mal zwei Minuten bei seiner Kollegin sei.
Er schlägt den Ordner auf, der vor ihm auf dem Tisch liegt; 

"Schauen Sie mal was heute alles los war ... " und wie er so durch die spärlichen einzelnen Seiten blättert erkennt er selbst die Peinlichkeit seiner Vorstellung und fügt bei;

"Heute ist Sonntag, da ist nicht so viel los. Hier, 20:15 Uhr ein Anruf, ... 18:35 wieder einer, ... und hier 15:10 noch einer, ... Rückwärts führt er alle an diesem Tag entgegengenommenen Anrufe auf. Ich zähle mit, als er um 11 Uhr Vormittag angelangt ist, hat er acht (!!!) Telefonate geführt. Damit konfrontiert beschwert er sich, daß er ja alleine sei und er kein anderes Fundbüro kenne, das bis um 23 Uhr geöffnet hat. Immer wieder erwähnt er, daß er sich nicht zu rechtfertigen hätte, tut es aber trotzdem. Ich wollte ihm Gelegenheit geben sich zu seiner Praxis zu äußern.

Enttäuschende Leistung des Fundbüros am Flughafen München. Die Geschichte beschäftigt mich noch den ganzen Abend und den nächsten Tag. Ich bin unschlüssig ob ich den zweiten Teil der Geschichte schreiben oder vergessen soll. Ich habe sechs Personen, die mir über den Weg liefen, zwei Fahrgäste und vier Taxifahrer, gefragt ob ich den Vorfall erwähnen soll. Einhellige Meinung - ein klares Ja! Man stelle sich vor ein Fluggast bemerkt den Verlust in seinem Hotelzimmer in München oder kurz vor dem Abflug. Er wendet sich telefonisch oder persönlich an das Flughafenpersonal, den Taxifahrer, an die Rezeption und wird dann an das Fundbüro des Münchner Flughafens verwiesen. Der Termin oder der Abflug lässt sich nicht verschieben, die Zeit läuft und der einzige Mitarbeiter des Fundbüros nimmt den Anruf nicht entgegen. Ein Taxifahrer und ein Fahrgast haben mich sogar ermuntert, den Vorfall an die Serviceleitung des Flughafens zu berichten. Bis jetzt habe ich es noch nicht getan.

Kommentare:

  1. An deiner Stelle würde ich den Vorfall melden.Nur so kommt man solchen Stümpern bei.Ein gutes Beispiel,wer den Mindestlohn nicht verdient hat.Gruss Frank

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  2. Ich glaube auch, der junge Mann hat noch nicht den richtigen Plan, für wen er eigentlich da ist. Auf eurem Flughafen scheinen die Jobs ZU sicher zu sein.

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  3. (hatte eigentlich einen Kommentar geschrieben, wo ist er hin???)

    Reinhold, bitte melde es!!! Ich hatte auch mal das Vergnügen, ständig an die Warteschlange zu geraten. Das ist eines Flughafens absolut unwürdig!! Als ich mit meinem Fahrgast, der öfters am Flughafen ankam und abflog, an den (leeren) Schalter kam, wurden wir sehr nett bedient. Aber bei einem Anruf ständig in der Warteschlange zu landen, ist eine Zumutung!!

    Man könnte ja mal....: Einer steht am Schalter, ein anderer ruft aus der Nähe an und filmt auch noch das Ganze.... Dann hätte man einennt Beweis.

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  4. Danke für euere Meinung. Ich habe den Post auch auf Facebook verlinkt. Dort waren die Kommentare ähnlich. Ich werde jetzt mal die richtige e-Mail Adresse ausfindig machen.

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  5. Och,
    bitte doch einfach mal die Flughafenleitung um eine Stellungnahme zu diesem Post. Ich vermute, das reicht dann schon.

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