Freitag, 20. März 2015

By the way



Was soll man machen, wenn man als Taxifahrer an einem schwachen Tag, wie an diesem Märzdonnerstag, und dann auch noch zur Mittagszeit, besetzt zum Flughafen kommt. Das Geschäft in der Stadt verspricht keine Erfolge und so bleibt man am Hafen stehen in der Hoffnung wieder besetzt zurück in die Stadt zu kommen. 

So will auch ich mein Glück wieder einmal versuchen. Mein Einsatz gestern war etwas über vier Stunden Wartezeit bis ich endlich Erster bin. Eine Dame steigt mir zu und nennt mir ihr Fahrziel. Es geht zum Mercure-Hotel nach Aufkirchen. Aufkirchen ist eine kleine Gemeinde östlich des Flughafens. Es gibt dort nur eine Adresse, die die Flughafenfahrer anfahren und fürchten. Eben das erwähnte Mercure-Hotel in der Dorfstraße 15. Die Fahrt dorthin bringt mir mit Trinkgeld 27,-. Eine gute Fahrt - wären inzwischen nicht über fünf Stunden vergangen und stünde ich nicht im Erdinger Moos. Anstatt zurück nach München, bin ich jetzt noch weiter entfernt von meiner Möglichkeit Umsatz zu machen. An diesem Punkt angelangt, bleibt mir nichts anderes übrig als den ganzen Tag auf die Flughafenkarte zu setzen.
Also mache ich mich auf den Rückweg zum Hafen um mich ein zweites Mal anzustellen. Diesmal will ich eine Fahrt nach München. 

Ich komme aber nicht weit. Nur nach wenigen Kilometern auf der Bundesstraße winkt mir ein Kleiner mit schwarzer Baseballcap aufgeregt zu. Hier habe ich mit allem gerechnet, mit langsam vor mir her fahrenden Bulldogs, mit entlaufenen Hunden, mit Krähenschwärmen, aber nicht mit einem Aufhalter.
Obwohl ich sehr ungünstig für den nachfolgenden Verkehr halte, macht er keine Anstalten einzusteigen. Der Erstkontakt läuft über die geöffnete Seitenscheibe. Der erste Hinweis - ein Amerikaner! Wie kommt der jetzt hier her? 

Er ist froh, daß er ein Taxicab gefunden hat, ob ich frei wäre, wie weit Erding entfernt sei, wie viel das in Meilen sei, wie viel die Fahrt kostet, ob er von da wieder zurückkäme, ob er sich da ein Hemd kaufen könne, ...
Ich dränge zur Eile, lasse ihn schnell einsteigen um die Verkehrssituation zu entschärfen. Jetzt, da er neben mir sitzt kann ich alles abklären; ich bin frei, ich kann ihn auch fahren, nach Erding sind es  sieben Kilometer, das sind fünf Meilen, die Fahrt kostet ungefähr 20,-und er kann sich dort auch ein Hemd kaufen.
Unterwegs erklärt er mir, by the way, er ist der Peter aus Washington D.C., wie er in die Situation kommt.
Wegen des Lufthansa -Streiks ist er am Münchner Flughafen gestrandet. Die Lufthansa hat ihm mit einem Voucher für Transfer, Diner und Übernachtung in das gleich neben dem Flughafen, in Schwaig, befindliche Hotel Holiday Inn Express, verfrachtet. Gleich hat wer erkannt, daß in Schwaig der Hund begraben liegt, er kein Department Store findet, niemand Englisch spricht, und ihm das Hotel-Dinner gestohlen bleiben kann. Also macht er sich auf den Weg in die nächste Stadt. Das sei Erding, hat man ihm gesagt. Zu dem Behufe folgt er einfach den Schildern die in Deutschland so groß und zahlreich anzufinden sind. By the way die Beschilderung in Deutschland findet er great. Wie er so den Schildern folgend auf die Bundesstraße einbiegt, lässt er sich anfangs von dem Verkehr nicht beeinflussen. 

Nach einem kleinen Fußmarsch neben der stark befahrenen Straße und nachdem die Schilder seltener werden, gerät er in Zweifel, welcher der vielen Kirchtürme, die er am Horizont über den brachen Äckern, sieht, zu Erding gehört. 

Aber jetzt ist er happy, ich, der local cabdriver habe ihm seinen Tag gerettet. By the way, im Mörsides fühle er sich save und comofortable.
Auf dem Weg nach Erding empfehle ich ihm noch das Erdinger Weißbier. Unterwegs kann ich ihm sogar die Brauerei zeigen. Am Schrannenplatz, im Zentrum Erdings, deute ich auf einen Bekleidungsladen für seinen Hemdenkauf, auf ein Gasthaus für seinen Durst und auf den Taxistand für seinen Rückweg.
Nachdem er 17,30 bezahlt hat, lasse ich ihn am Marktplatz aussteigen. Nach dem Wenden komme ich wieder an ihm vorbei. Inzwischen fotografiert er mit seinem Handy die Erdinger Stadtsparkasse.
An meiner Situation hat sich nichts Wesentliches geändert. Anstatt in Aufkirchen, stehe ich jetzt in Erding. Also geht es westwärts, der untergehenden Sonne entgegen, zum Flughafen. Bei der Gelegenheit kann ich gleich noch ein Foto von der Stelle machen, von der ich in etwa Peter aufgegabelt habe. 

Go West


Nach weiteren drei Stunden anstehen bin ich wieder Erster. Diesmal geht die Fahrt zu einem Hotel in Schwabing. Jetzt hab ich ihn -  den Heimatstich. (So sagt der Taxler wenn er zur passenden Zeit eine besetzte Fahrt in die Nähe seiner Wohnung bekommt. Sozusagen ein Signal aufzuhören.) Aber wenn ich schon mal in Schwabing bin, kann ich ja, so ganz by the way, bei der ESSO in der Dietlindenstraße auf einen Kaffee vorbeischauen.

Kommentare:

  1. Euer Flughafen wäre für mich der Horror! Statt 3 Stunden auf eine 60€-Tour zu warten und dabei adlig zu werden, fahre ich lieber jede Stunde einmal für 20€.

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    1. Drei Stunden Wartezeit ist ja noch gut. Üblich sind vier Stunden und mehr. Ich stelle mich da nur an, wenn ich besetzt rauskomme.
      Adelig kann man dabei nicht werden, höchstens Schneider.

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