Samstag, 31. Januar 2015

Goldrausch



Das Paar steht unter dem Dach des Einganges des Marriott Hotels. Beide rauchen. Ich bin soeben auf das Rondell vor dem Hotel gefahren und das erste und einzige Taxi weit und breit.
Vorsichtig kommt er an das Beifahrerfenster.

"Are you available?" 

Ja das bin ich. Kaum sitzen sie im Fond, zeigt er mir einen kleine handgeschriebene Notiz mit dem Fahrziel, fein säuberlich von der Rezeption, sogar mit vollständiger Adresse, geschrieben. Zum Haxnbauer, Sparkassenstraße 10, 80331 München wollen sie. Offenbar hat der junge Mann an der Rezeption die Anschrift aus dem Internet gefischt und ihnen den Zettel mitgegeben.


Ich frage sie woher sie kämen. Aus den  U.S.A. war die Antwort. Nachdem ich meinen Gästen eröffnete ,daß ich schon einmal in Amerika, auf Kuba, war, wollten sie gleich wissen ob ich da Verwandte hätte.
Wir haben ziemlich viel gesprochen auf dem Weg von Schwabing in die Stadtmitte. Auf meinem iPad habe ich Ihnen das Glockenspiel im Rathausturm gezeigt. Die tanzenden Schäffler habe ich einfach mit barrelmakers übersetzt. Leider können sie es nicht mehr im Original sehen, denn sie sind nur hier auf der Durchreise. Sie sind heute erst aus Salzburg in München angekommen und morgen früh fliegen sie wieder zurück im die Heimat. Um 9:30 Uhr geht der Flug. Sie wollen wissen ab wann sie vom Hotel abfahren müssen. Eine Fahrt zum Flughafen? Start in der Früh gleich vor meiner Haustür? Da frage ich gleich nach und habe Glück. Wir verabreden uns für morgen früh um sieben vor dem Hotel. Zur Sicherheit gebe ich ihnen meine Karte und sie mir ihre Zimmernummer. Am Ziel bekomme für den Fahrpreis von 17Euronochwas einen Zwanziger und zusätzlich noch 6 US$ in zwei Scheinen. 

Am nächsten Morgen komme ich zehn Minuten vor der Zeit vor das Hotel gerollt. Die Dame ist schon zum Rauchen vor die Tür gekommen. Da steht sie nun neben ihrem riesigen Koffer. Ich bedanke mich noch einmal für das fürstliche Trinkgeld und die Dollarscheine. Ich erzähle ihr das ich die Scheine gestern Abend meiner Tochter gezeigt habe, nachdem sie gefragt hat was das sei. Eine weitere Dame, ebenfalls wegen ihrer Zigarette vor der Türe, qVorderseite gesellt sich zu uns und beteiligt sich an unserem Gespräch. Sie kommt aus Südafrika. Nachdem sie erfahren hat, daß meine Gäste jetzt nach den U.S.A. fliegen, zeigt sie sich besorgt, ob den die Flüge überhaupt gehen würden. [ es war Dienstag dieser Woche, der Tag an dem abends der Sturm an der Ostküste angekündigt wurde]


Ich rufe die Fluginformation am Münchener Flughafen an um mir bestätigen zu lassen, daß wir nicht umsonst ins Erdinger Moos fahren. Die Flugausfälle betreffen aber nur Flüge von und zur Ostküste. Mein Ehepaar aus Colorado fliegt mit der United von München nach Houston/Texas. Dieser Flug fliegt wie geplant um 9:30 Uhr ab. Während meines Telefonats verschwindet die Südafrikanerin in der Hotellobby. Als sie wieder zu uns stößt, zeigt sie mir einen Geldschein und eine Münze aus Südafrika. Der Mann auf der Vorderseite des 50 Rand Scheines ist Nelson Mandela, und auf der Rückseite prangt ein ein majestätischer Löwe. Auf der 5 Rand Münze ist ein Büffel eingeprägt. Schließlich steckt sie mir den Schein und die Münze zu. Ich solle sie behalten und meiner kleinen Tochter zeigen. 

Zwei der Taxifahrer, die vor dem Hotel warten, stehen etwas abseits. Als meine Amerikanerin mit dem Koffer vor die Türe kam, hätten sie sie schon gefragt, ob sie zum Flughafen muß. Sie hat, mit dem Hinweis, daß sie schon ein Arrangement hätte, abgelehnt. Die beiden enttäuschten Kollegen waren jetzt natürlich neugierig, wer da als Abholer kommt. 

Endlich kommt der Ehemann durch die Tür, er befreit mich aus der etwas peinlichen Situation. Ich erkenne, daß ich noch an meiner falschen Bescheidenheit arbeiten muß. Die Aktion muß mir nicht peinlich sein. Ich hole meine Kunden ab! Schließlich leben wir in der gleichen Welt und es gelten die gleichen Voraussetzungen.

Auf dem Weg zum Flughafen unterhalten wir uns noch gut über den aktuellen Goldpreis, der gerade in die Höhe geschnellt ist und kommen so auf den Goldrausch vor 140 Jahren in Ihrer Heimat Colorado zu sprechen. Am Flughafen, oben am T2, an der Taxianfahrt, nach dem Aussteigen, zünden sich Beide noch vor dem Betreten des Flughafengebäudes eine an. Wir quatschten noch weiter. Ich hole meine Handy aus der Mittelkonsole um Fotos zu zeigen. Fast vergesse ich, daß ich den Vorfahrtsbereich nach zehn Minuten wieder verlassen muß.
Wenn sich die Beiden nicht verabschiedet hätten, hätte ich sogar ruhigen Gewissens eine Parkkarte gelöst. Schließlich haben sie mich um 100,-, 55,- Rand und 6,- US$ reicher gemacht.

Ein halbes Jahr später, halte ich meinen -> ersten Krügerrand in der Hand.

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Kommt in das Kuvert zu den anderen Währungen. Inzwischen liegen dort Geldscheinen von zwei Staaten, die es so gar nicht mehr gibt.

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