Dienstag, 23. Dezember 2014

Zehn Stunden zuviel

Das ist jetzt mal ein Negativrekord, den ich noch unter dem alten Jahr abspeichern will. Sieben und eine halbe Stunde Wartezeit an einem Standplatz. Um 12:30 Uhr habe ich, nach vier Stadtfahrten in München, eine Fahrt vom Hotel One in der Rablstraße zum Flughafen bekommen. Am Sonntag bin ich ohne Verkehr schon nach einer halbe Stunde am Hafen. Eine schnelle, weite Fahrt, ein gutes Gespräch, die Kollegen in der Reihe warten. Kann sein, daß ich hier meinen Freund und Schützenkameraden treffe.

Bei der Anfahrt habe ich schon unsere Straßenbahnampel beobachtet. Die Anzeige verrät mir, ob der AGIP -Speicher eröffnet ist, oder ob ich mich gleich oben am Terminal anstellen kann. Diesmal zeigt der Pfeil in der Ampel nach Rechts, d.h. am AGIP-Speicher stehen schon Kollegen. Der Speicher unter der Brücke, direkt am T2 ist schon voll.

Am Speicher steht schon eine Reihe. Zwischen den letzten drei Taxis ist jeweils ein Abstand von zehn Metern. Die Reihe, in die normalerweise 13 Taxis hintereinander passen, ist mit acht Autos schon voll. Ich hätte keinen Platz mehr. Die Kollegen wollen, daß ich eine neue Reihe eröffne. Eine neue Reihe ist die Voraussetzung dafür, daß die alte Reihe nach oben gerufen wird. So können sich die neu ankommenden Kollegen an den bereits Wartenden orientieren. Gleich setze ich meinen Vorsatz für das neue Jahr um, mehr für mich zu tun und antworte nur mit einem knappen;

"Nein!"

Es genügt auf den letzten in der Reihe wartenden Taxifahrer zuzugehen, er startet sein Fahrzeug, schließt auf die anderen vor ihm auf und ich habe ausreichend Platz um auch noch bei der Reihe zu sein. Würde der nächste ankommende Kollege darauf bestehen, daß wir ordentlich aufrücken hätte er auch noch leicht Platz. Aber er zieht es vor eine neue Reihe zu eröffnen. Bis ich mich dann endlich über den AGIP -Speicher, die Brücke, die Schweinebucht, das Modul an die Stelle gewartet habe wo das Foto entstand, sind sieben Stunden vergangen. Insgesamt habe ich sieben und eine halbe Stunde gewartet bis meine Fahrgäste zusteigen. Sie wollen nach Neuhausen, die Fahrt bringt mir mit Trinkgeld 70,-€.

Jetzt will ich nur eine kurze Kontrollfahrt durch die Stadtmitte machen und dabei abchecken ob mir noch ein Kunde vor die Motorhaube springt. Weihnachtliche Stimmung läßt dabei nur die geschmückte Briener Straße aufkommen. Das erinnert mich daran, daß ich für einen zukünftigen Post noch ein Foto von dem beleuchteten Lastwagen vor der MAN - Hauptverwaltung machen will. Die Ungerer Straße liegt ja sozusagen auf dem Nachhauseweg. Genauso wie die ESSO -Tankstelle in Schwabing. Ich hoffe dort Gesellschaft für meinen Feierabend -Espresso zu finden. Bei dem ersten habe ich Glück, ich kann in der Tankstelle gemeinsam mit einem Kollegen einen Kaffee trinken. Bei dem Lastwagen habe ich Pech, er steht nicht mehr da. Schade, dann muß mein Post ohne das Foto auskommen.

Gestern komme ich wieder zum Flughafen. Wieder muß ich mich zuerst bei AGIP anstellen. Oben unter der Brücke, gehe ich zuerst in das Oliva um dort einen Tee zu trinken.

"Du wirst dich doch hier nicht anstellen. Hier warten wir schon teilweise zehn Stunden!"

Zehn Stunden anstellen für eine Fahrt!? Ich beschließe nach dem Tee wieder leer in die Stadt zurückzufahren. Noch eine halbe Stunde quatsche ich mit Robert der während des Tages die gleiche Position erreicht hat, bei der ich am Vortag das Foto geschossen habe.


"Ich warte hier seit heute Früh um halb Neun."; warnt er mich gleich bei der Begrüßung. Hans, fährt mindestens so lange wie es den Flughafen im Erdinger Moos gibt, bestätigt;

"Neun Stunden hab ich schon mal gehabt. Neun Stunden... Ja, das gab's schon mal. Aber Zehn! Zehn Stunden habe ich noch nie gewartet."
 Er kommt gleich auf den neuen Mindestlohn zu sprechen; "Wenn es jetzt den Mindestlohn gäbe, dann müsste ich jetzt mindestens einen 170,-€ -Stich haben. Der Unternehmer will ja auch etwas verdienen,"

Ich erkenne, daß ich mit meinen sieben Stunden am Vortag noch gut bedient war. Zudem ich auch noch besetzt zum Flughafen rausgefahren bin.
So staadt kann die Weihnachtszeit gar nicht sein, daß ich zehn Stunden am Flughafen warten kann. Leer, ganz ohne Fahrgast, mache ich mich auf dem Weg auf die Autobahn Richtung München.

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