Freitag, 12. Dezember 2014

Von der anderen Seite

“Seid ihr wirklich in Berlin!?“

am Telefon war Klaus, Taxifahrer und Blogger in Berlin. Robert und ich haben uns mit dem Taxi auf den Weg in die Hauptstadt gemacht um dort drei Tage zu verbringen. Unseren ersten Berlin-Tag habe ich gleich verbloggt, der aufmerksame Klaus hat das bemerkt und sofort angerufen.

Sein Anruf hat uns nach dem Frühstück in unserem Hotel weit im Osten der Stadt erreicht. Wir folgten seinem Vorschlag und saßen keine zwei Stunden später mit ihm in einem Kaffee in seinem Kiez, wie er seine Nachbarschaft nannte. Von hier aus zeigte er uns sein Berlin.

Zwei Jahre später kam dann der -> Klaus und Monis Gegenbesuch. Ich habe auch diesmal wieder Robert informiert. Wir konnten die Beiden, diesmal war Moni dabei, bei uns am Münchner Bahnhof abholen und in ihr Hotel bringen. Klaus gestand uns, daß er sich über uns informiert hätte; “denn Systemkritik kann auch von der anderen Seite kommen.“ Und das hätte dem Klaus nicht geschmeckt. Aber wir waren für in Ordnung befunden worden. Danach waren wir mit ihnen im Paulaner – Biergarten. Ich war darüber etwas unglücklich, weil dort die rechte Biergartenstimmung nicht aufkommen wollte.

Jetzt bin ich heilfroh, daß wir nicht aufgegeben haben, und daß Projekt Cottbusserin-Stuttgarter-Berliner-im-Münchner-Biergarten zu einem Erfolg gebracht haben. Zu meiner Freude waren Moni und Klaus vom Hirschgarten begeistert. Moni entdeckte hier ihren besten -> Steckerlfisch und Klaus war von der Tatsache angetan, daß die Gäste hier ihre Maßkrüge selbst spülen. Klaus hatte erst auf dem Rückweg bemerkt, daß er das eigentlich fotografieren wollte.
Als ich mich nach unserem Biergartenbesuch in der Aurbacherstraße verabschiedete, wußte ich nicht, daß das das letzte Mal war, die beiden zu sehen.

Moni und Klaus sind verstorben, Beide innerhalb von elf Tagen, heute werden sie gemeinsam in Cottbus beigesetzt. Ich habe es heute von Andrea am Telefon und aus den Blogs von -> Aro und ->Sash erfahren.
Nach ihrem Münchenbesuch habe ich noch mit Klaus geschrieben. Dabei hat er einmal erwähnt; „wir sind euch noch eine Stadtrundfahrt schuldig.“ Nein, Klaus, ihr seid uns gar nichts schuldig. Die Freid, die i mit eich im Hirschgarten ghabt hob, is mera wert wia ois andere. Dein Spaß mit den Maßkrügen und Monis Genuß mit dem Steckerlfisch ist mir Lohn genug!

Lieber Klaus und Moni, eine Erfahrung seid ihr uns definitiv voraus, ihr wisst jetzt, ob Kritik auch von der anderen Seite geht. Hoffentlich!

Kommentare:

  1. *Pssst: Sash heißt der Gute*

    Ja, irgendwann ist ein Leben zu Ende. Manches Mal schneller, manches Mal langsamer. Nicht immer findet sich die Zeit, vernünftig Abschied zu nehmen. Oder überhaupt zu erahnen, dass es schon der Abschied ist.

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    1. *Pssst schon geändert*

      Da wird uns wieder vor Augen geführt, daß man nichts auf die lange Bank schieben soll. Wer weiß schon was in der Zukunft passiert. Ich war erst heuer bei der Beerding eines Kollegen. Nach dem Friedhof traf ich zufällig in einem Lokal einen Trauergast und Kollegen, den ich schon am Grab bemerkte. Auf meine Frage, warum er so erleichtert wirke; antwortete er mir; er hätte zwei Jahre mit dem Verstorbenen wegen eines eigentlich nichtigen Anlasses kein Wort mehr gesprochen. Erst vor drei Monaten hat er sich wieder versöhnt. Dafür sei er seinem Gott dankbar.

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    2. Oh ja,
      das kann ich nachempfinden.

      Habe vor kurzem 2 Freunde verloren, innerhalb von 10 Tagen, wo ich auch jeweils eine knappe Woche vorher das Gefühl hatte, unbedingt anrufen zu müssen. Und es dann aufgrund von Krankheit verschoben habe.

      Es ist unglaublich, wie man sich grämt. Selbst wenn einem klar ist, dass man nichts mehr ändern kann.

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