Dienstag, 4. November 2014

Verkehr



In der Hotellobby des Novotel am Willy-Brand-Platz in Riem hole ich die Araberin ab. Ganz in schwarz gekleidet, nur das Gesicht ist frei, sitzt sie auf dem Polstermöbel gegenüber der Rezeption und wartet auf mich. Die Rezeptionistin deutet auf die Dame und nennt mir das Fahrziel; Krankenkenhaus Barmherzige Brüder, Romanstraße.

Ich gehe voraus zum Taxi. Als ich mich beim Öffnen der hinteren Türe umdrehe, um sie einsteigen zu lassen, sehe ich sie langsam mit wankenden Tippelschritten auf mich zukommen.

“Hast du Probleme mit deinen Hüften?“ 

 frage ich sie. Überrascht hält sie inne und bejaht meine Frage. Ich bin keine medizinische Koryphäe. Die Barmherzigen Brüder sind eine der zwei führenden Adressen beim Einsetzten von Hüftprothesen in Bayern. Natürlich suchen Patientinnen dieser Art nur die Kliniken mit dem besten Ruf auf. So war es für mich nicht schwer, ihr Problem zu erraten. 

Der Ring ist zu!

Auf dem Weg zur Autobahn erzähle ich ihr, daß ich heuer auch dort in der Klinik war, um mir eine Titanhüfte einsetzen zu lassen. Interessiert hört sie mir zu und betrachtet mein Röntgenbild, daß ich ihr auf meinem Smartphone zeige.
Die Stadt ist voll, es ist 16 Uhr, der Bahnstreik und ein Brand in der U-Bahn verdichten den Verkehr noch mehr.
Der kürzeste Weg von der Messe zu den  Barmherzigen Brüdern in der Romanstraße führt über die A 94, Vogelweideplatz, Prinzregentenstraße, Europaplatz, Luitpoldbrücke, Altstadtringtunnel, Briener Straße, Nymphenburger Straße, Romanstraße. Würde man auf dem Stadtplan mit dem Lineal einen Strich zwischen den  beiden Adressen ziehen, kämme meine Strecke ziemlich nahe an diese Linie.

Zwei Kilometer vor der Klinik, wir sind schon von der Nymphenburger Straße nach links in die Romanstraße abgebogen, fragt sie mich;

“Weißt du wo die Klinik ist!?“

Jetzt fahre ich den kürzesten, und zu dieser Zeit auch den schnellsten, Weg durch die Stadt, dann kommt so eine Frage. Nur weil sie  vielleicht mit dem einen  oder anderen Kollegen über den Ring gefahren ist. Nachts, oder während der Mittagszeit,  mag die Fahrzeit über den Petuelring kürzer sein. Die Strecke ist aber niemals kürzer. Hätte ich den Ring gewählt, stände ich bei der Einmündung der Ifflandstraße im isarring, oder bei der Abfahrt zur Landshuter Allee, oder in der Menzinger Straße im Stau.
Habe ich ihr nicht vor 15 Minuten erklärt, daß ich selbst dort im Krankenhaus war?! Ich schüttle alles von mir ab und antworte mit einem knappen;

“Ja!“

Keine zwei Minuten später kassiere ich 35,- € für die Fahrt und wünsche ihr, inschallah, viel Glück für ihre bevorstehende Operation.  

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