Montag, 5. März 2012

taxinewstom


In einem Hotel in Königswinter lernen wir ihn kennen. Wir; meine Frau Vesna und ich, ihn - Tom. Ich weiß nicht wer sich zu wem gesetzt hat. Aber auf alle Fälle saßen wir zu  Dritt am Frühstückstisch und tauschten uns aus. Was wir von der Messe halten, was von unseren Testautos. Die Messe war die Europäische Taximesse die alle zwei Jahre in Köln stattfindet. Jürgen von Taxi-heute hatte eine Testfahrt mit den Taximodellen verschiedener Fahrzeughersteller organisiert.
Er begleitete uns Testfahrer um von der Testfahrt zu berichten. Gleich danach sahen wir ihn auch schon in Aktion, als wir paarweise neben unseren Testwagen von ihm fotografiert wurden. Jetzt war  es allen klar - ein Schreiberling. Damals viel mir zum ersten Mal sein Schieberkäppi auf.

Jetzt kennen ihn schon mehr Taxler. Sein Konterfei grüsst von jeder dritten Seite der Isarfunknews. Zuerst kollegial, lässig den Arm auf die Fensterkante des Taxis gelegt, das Käppi auf  dem Kopf, später dann seriös mit Sakko und weißem Hemd, das Käppi hat er abgelegt. Kein Wunder ist er doch deren Chefredakteur. Schau, Schau der Hofberichtserstatter des Isarfunks. Jeder Kontakt mit ihm wurde argwöhnisch beäugt. Er wurde der taxinewstom. Und als taxinewstom  schreibt er jetzt einen Blog. Er hat mich mal gefragt wie ich seinen Blog finde, er hätte besser fragen sollen; wo ich die einzelnen Posts finde. Als ich mal reingeschaut habe war alles wie durcheinandergewürfelt. Jetzt mit dem wordpress-Template ist alles schön übersichtlich.  Er ist Bloggerkollege und Münchener Taxifahrer, nicht nur deshalb findet ihr seinen Blog ab heute in meiner Blog-Liste.

Der taxinewsalfred oder die taxinewsmonika hätten auch aus dem Gewerbe berichten können. Hinter jedem Newsman steckt auch ein Mensch. Wenn wir taxinews einmal für einen Augenblick vergessen bleibt noch der Tom.

Eine seiner Faibles ist der Balkan. In dem Gemisch von Nationalitäten und noch mehr Staatsangehörigkeiten, einer handvoll Religionen und noch mehr Glaubensbekenntnissen, inmitten der gelebten Kulturen fühlt er sich zuhause. Das hört man wenn man mit ihm spricht, das sieht man wenn man seine Texte kennt und das richt man wenn er seinen Knaster raucht. Ich weiß nicht woher seine exotischen Zigaretten kommen, aus Bosnien oder aus Herzegowina, aber ganz sicher von irgendwoher aus dem Balkan. Zwischen den tatsächlichen Minenfeldern und den Minenfeldern aus Fettnäpfchen, in die jeder zumindest das erste Mal  stolpert, wenn er nicht mindestens sechs Semester Slawistik in Wien studiert hat, fühlt er sich wohl.

Tom fliegt dabei nicht mit der Lufthansa oder JAT, sichert sich kein Basishotel, akkreditiert sich nicht  mit seinem neuen Presseausweis bei der deutschen Botschaft, wendet sich nicht an den Local Support – nein, Tom mag es nicht so einfach. Kompliziert, sich nicht auf den ersten Blick erschließend muß es sein, wie der Balkan eben. Er reist mit Bus und Zug, vertraut sich unseren Taxikollegen an. Und das kann uns nur gefallen, denn so findet er das, auf das wir neugierig sind.  
Ich sehe ihn im Geiste vor mir. Er sitzt am Tisch im Schatten eines Kaffees im Hof eines Busbahnhofs in Bosnien. Genausogut könnte es auch in Serbien, Herzegowina oder Montenegro sein. Vor ihm steht ein Mokka in einer kleinen Tasse mit verwaschenem Aufdruck. Er raucht seine exotischen, in diesem Falle, heimischen, Zigaretten. Welche verschlungenen Wege seine Zigarettenpackungen wohl gegangen sind, bis er sie in München in seiner Jackentasche findet. Er blickt auf die bunten Busse mit  kyrillischen oder lateinischen Buchstaben. Sein typisches Käppi hat er jetzt wieder auf. Hier spürt er seine nächste Story auf. Und wir wollen sie lesen. Nicht nur im Blog.


  

1 Kommentare:

  1. Ja, lieber Reinhold, Du hast mich gut getroffen! Auch ich erinnere mich an die Reise zur Taximesse Köln. Damals war ich noch der TaxiTom. Ich hatte wenige Woche vorher wieder mit dem Schreiben angefangen und mir in den Kopf gesetzt noch im zarten Alter von 40 Jahren Journalist zu werden.

    Inzwischen hat sich viel geändert. Vor zwei Jahren habe ich die Chefredaktion der IsarFunk News übernommen und Ende Oktober das Taxifahren - vorerst - aufgehört. Dabei habe ich immer neidisch auf den Block von meinem Kollegen Reinhold geschielt. Und wann immer ich Zeit fand habe ich mir durchgelesen, was ihm wieder aus der Feder geflossen ist. Aber das war nicht alles, was mich mit dem Reinhold verbindet. Ich habe in ihm einen Kollegen gefunden, der weiß, wie das Geschäft funktioniert, der vielleicht wie kaum ein anderer unsere Branche durchschaut. Ich hatte auch als IsarFunker nie das Gefühl mich mit einem von der gegnerischen Seite zu unterhalten, sondern mit einem Kollegen und Freund.

    Als ich Anfang 2010 das erste Redaktionsfrühstück veranstaltete war der Reinhold natürlich mit dabei - was mich sehr gefreut hat. Nach Veröffentlichung des Gruppenfotos mussten wir uns beide Vorhaltungen machen lassen, also entweder: "Was machst du denn bei einem von IsarFunk?", oder "Was hat den der EG-ler da zum suchen?". Das der Reinhold nie viel für dieses Zwei-Lager-Denken übrig hatte, hat mich schon immer für ihn eingenommen.

    Eines Tages wurde ich in den Kommentaren zu seinem Block regelrecht angegriffen. Prompt kam ein Anruf von ihm: "Du Tom, soll ich das löschen?" Es wäre ihm sichtlich schwer gefallen, da er seine Blog-Kommentare sonst nie zensiert. Ich habe dann auch auf die Löschung verzichtet. Das Beispiel zeigt aber, dass dem guten Reinhold Fairness über alles geht.

    Lieber Reinhold, Dein Blog-Eintrag hat mich sehr gefreut und ich wünsche mir noch sehr, sehr lange Deine Geschichten aus dem Taxialltag lesen zu dürfen. Und: bleib so, wie Du bist. Ein richtiger Taxler halt, der mit beiden Beinen fest im Leben steht, der genau weiß wie der Hase läuft, der aber vor allem Mensch geblieben ist.

    Dein

    Tom

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