Donnerstag, 1. März 2012

Frühling


Frühlingsgefühle werden wach. Wenn man unter Frühlingsgefühle das Wechselbad der Stimmungen versteht, dann bin ich in der richtigen Verfassung.

 Gestern Abend habe ich noch zwei Aufträge abgelehnt. Zwei Personen mit einem Surfbrett hätten zum Flughafen gemusst – den Kollegen musste ich leider enttäuschen. Und dann noch ein Anruf um 22.00 Uhr Abends ein Auftrag für heute früh zum Hafen. Auch die Kunden konnte ich nicht bedienen. Ich wollte einfach heute früh nicht vor meiner Familie aufstehen, sondern Frau und Kinder wenigstens ein paar Minuten sehen. Gestern musste ich für den ersten Auftrag um 4:30 Uhr aufstehen und kam kurz vor 22.00 Uhr nach Hause – da hebe ich kein großes Ohr mehr für Aufträge. Mir ist sehr wohl bewusst, daß das ein großer Luxus ist, Kunden abzulehnen aber ich will und kann nicht rund um die Uhr am Mobiltelefon hängen.

Frühlingssonne am Sonnen-/Waldbarth

So komme ich heute ausgeschlafen, geschneuzt und gekampet und gut gefrühstückt auf die Straße. Um 9:00 Uhr komme ich nach Gröbenzell zu einem anberaumten Maklertreffen, nur um festzustellen, daß es abgesagt wurde. Ohne Zögern setze ich mich in mein Taxi, drehe um und fahre in die Stadt zurück. Am ersten Taxistand auf meinem Weg, dem Schirmmer (liegt an der Verdistraße bei Schloß Blutenburg), steht kein Taxi. Ich aber in meinem Drang, das zu tun was ich will, mich nicht vom Ruach (bayr. für Geiz und Raffsucht) überwältigen zu lassen, fahre fröhlich und erhoben Hauptes vorbei, um dann am Bahnhof Nord festzustellen, daß die Reihe der wartenden Taxis weit bis in die Arnulfstraße reicht. Recht so! Das Schicksal will mich also herausfordern! Gerne – ich biege um die Ecke um mich am Bahnhof Mitte anzustellen. Und prombt werde ich belohnt. Ein warmer Luftzug umschmeichelt mich. Ich blinzle in die Sonne und begrüße mir unbekannte Kollegen.
Sorgen macht mir nur mein Taxi aus dem Hause Volkswagen, dessen Automatikgetriebe beunruhigend spät erst in den nächsthöheren Gang schaltet. Ich tröste mich mit der verwegenen Hoffnung, daß ich bei der morgigen Inspektion das Automatiköl prüfen lasse und damit alles wieder in Ordnung wäre. Zudem habe ich gestern noch ein kleines Loch in der Windschutzscheibe, nicht groß, aber genau in der Mitte. Die Scheibe wurde zuletzt im November getauscht. 

 Nach nur 15 Minuten bin ich mit einer Dame auf dem Weg in die Frauenklinik in der Maistrasse. Mit Trinkgeld bekomme ich 8,- €. Gleich dann am Sonnen/ Waldbarth Stand gönne ich mir einen Kaffee im Becher und die Zeitung. So warte ich lesend und genießend nach Taxifahrermanier auf das was da kommen mag. Loch in der Scheibe und Getriebe sind vergessen bis mich ein Fahrgast zum Maximilianeum bucht.

Maximiliansbrücke vom Maximilianeum

 Bei der steilen Auffahrt zum bayerischen Parlament steigt die hörbar Drehzahl meines VW-Motors.
Zum Glück drehen wir nicht durch, jetzt wo wir vor dem Landtag stehen.     

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