Frühlingsgefühle werden wach. Wenn man unter
Frühlingsgefühle das Wechselbad der Stimmungen versteht, dann bin ich in der
richtigen Verfassung.
Gestern Abend habe
ich noch zwei Aufträge abgelehnt. Zwei Personen mit einem Surfbrett hätten zum
Flughafen gemusst – den Kollegen musste ich leider enttäuschen. Und dann noch
ein Anruf um 22.00 Uhr Abends ein Auftrag für heute früh zum Hafen. Auch die
Kunden konnte ich nicht bedienen. Ich wollte einfach heute früh nicht vor
meiner Familie aufstehen, sondern Frau und Kinder wenigstens ein paar Minuten
sehen. Gestern musste ich für den ersten Auftrag um 4:30 Uhr aufstehen und kam
kurz vor 22.00 Uhr nach Hause – da hebe ich kein großes Ohr mehr für Aufträge. Mir
ist sehr wohl bewusst, daß das ein großer Luxus ist, Kunden abzulehnen aber ich
will und kann nicht rund um die Uhr am Mobiltelefon hängen.
| Frühlingssonne am Sonnen-/Waldbarth |
So komme ich heute ausgeschlafen, geschneuzt und gekampet
und gut gefrühstückt auf die Straße. Um 9:00 Uhr komme ich nach Gröbenzell zu
einem anberaumten Maklertreffen, nur um festzustellen, daß es abgesagt wurde.
Ohne Zögern setze ich mich in mein Taxi, drehe um und fahre in die Stadt
zurück. Am ersten Taxistand auf meinem Weg, dem Schirmmer (liegt an
der Verdistraße bei Schloß Blutenburg), steht kein Taxi. Ich aber in
meinem Drang, das zu tun was ich will, mich nicht vom Ruach (bayr. für
Geiz und Raffsucht) überwältigen zu lassen, fahre fröhlich und
erhoben Hauptes vorbei, um dann am Bahnhof Nord festzustellen, daß die Reihe
der wartenden Taxis weit bis in die Arnulfstraße reicht. Recht so! Das
Schicksal will mich also herausfordern! Gerne – ich biege um die Ecke um mich
am Bahnhof Mitte anzustellen. Und prombt werde ich belohnt. Ein warmer Luftzug
umschmeichelt mich. Ich blinzle in die Sonne und begrüße mir unbekannte
Kollegen.
Sorgen macht mir nur mein Taxi aus dem Hause Volkswagen,
dessen Automatikgetriebe beunruhigend spät erst in den nächsthöheren Gang
schaltet. Ich tröste mich mit der verwegenen Hoffnung, daß ich bei der morgigen
Inspektion das Automatiköl prüfen lasse und damit alles wieder in Ordnung wäre.
Zudem habe ich gestern noch ein kleines Loch in der Windschutzscheibe, nicht
groß, aber genau in der Mitte. Die Scheibe wurde zuletzt im November getauscht.
Nach nur 15 Minuten
bin ich mit einer Dame auf dem Weg in die Frauenklinik in der Maistrasse. Mit
Trinkgeld bekomme ich 8,- €. Gleich dann am Sonnen/ Waldbarth Stand gönne ich
mir einen Kaffee im Becher und die Zeitung. So warte ich lesend und genießend
nach Taxifahrermanier auf das was da kommen mag. Loch in der Scheibe und
Getriebe sind vergessen bis mich ein Fahrgast zum Maximilianeum bucht.
| Maximiliansbrücke vom Maximilianeum |
Bei der
steilen Auffahrt zum bayerischen Parlament steigt die hörbar Drehzahl meines
VW-Motors.
Zum Glück drehen wir nicht durch, jetzt wo wir vor dem
Landtag stehen.
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