“Wie soll ich nur fahren?“
Samstag Bettenwechsel in den Alpen. Jetzt sind wir froh,
dass die Straßenverhältnisse besser geworden sind. Es hat getaut, die
Hauptstrassen sind alle frei. Das tagelange Tauwetter hat aber die Lawinen auf
den Plan gerufen. Mein Frau muß mit ihren Gästen ins Ötztal. Kurzfristig kam
der Auftrag rein. Ich war schon auf dem Weg zum Flughafen um mit meinen Gästen
zum Glück nur nach Garmisch ins Hotel zu fahren.
Wir müssen Beide in die gleiche Richtung, nur ich bin mit
meinem Taxi 20 Minuten voraus. Auf der Autobahn A9 einwärts stauen sich schon
auf den beiden Spuren die zunächst nach rechts ausschwenken um dann über die
Ostumgehung und die Salzburger Autobahn auf die Inntal Autobahn führen, in
Massen die Autos. Am meisten leuchten die gelben Nummernschilder der Holländer
hervor. Auf vielen Autodächern sind Skiboxen montiert. Ich warne sofort meine
Frau, die 10 Kilometer hinter mir fährt und sie entschließt sich die Strecke
über Garmisch ins Ötztal zu nehmen.
Kaum bin ich durch München durch, die freie Garmischer
Autobahn liegt vor mir, bekomme ich die Information, daß eine Lawine bei
Mittenwald die B11 versperrt. Die Weiterfahrt von Garmisch über Mittenwald,
Scharnitz, -> Seefeld ist nicht möglich. Kurzer Informationsaustausch mit
Renate von -> Hofmann Taxi; es bleibt für Vesna nur der Fernpass. Vesna kennt den
Fernpass noch nicht. Es wäre ihre Premiere und noch dazu bei der Verkehrs- und
Wetterlage. Um das Faß vollzumachen, ist sie auch noch mit dem Chrysler
unterwegs –Heckantrieb und breite Reifen. Daß die Reifen Top-Winterreifen sind,
ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ich habe vor 14 Tagen am eigenen Leib
gespürt, wie schwer kontrollierbar das Fahrzeug auf Schnee und Eis ist.
Der Straßenbelag ist aber nicht das Problem, die Straße ist
sauber, man kann den Asphalt sehen, vielmehr ist es der dichte Verkehr. Die
Blechlawine hat keine andere Möglichkeit nach Österreich zu kommen als über den
Fernpass. Auf der Fernpassstrecke gibt es nach Leermoos einen fünf Kilometer
langen Tunnel. Bei Kolonnenverkehr in zwei Richtungen schafft es die beste
Lüftungsanlage nicht den Tunnel CO2-frei zu halten. So ist es auch heute, um
die Vergiftungsgefahr zu vermeiden ist im Leermooser Tunnel Blockabfertigung.
Das macht die Situation noch verfahrener.
Nachdem ich meine Fahrgäste in Garmisch abgeladen habe,
biete ich an Vesnas Gäste zu übernehmen. Mit meinem frontgetrieben VW-Bus Taxi
habe ich im Winter bessere Karten. Wer weiß welche Umwege unsere Gäste noch in
Kauf nehmen müssen um ins Ötztal zu gelangen.
Auf Radio Tirol kommt die nächste Info: Auf die Ötztalstraße
ist eine Lawine ausgerechnet auf ein Taxi niedergegangen. Der Fahrgast ist
verletzt. Es gibt Tage, da passt eines zum anderen. Vesna ist mutig und startet
durch.
Ein schlechtes Gewissen habe ich schon, daß meine Frau die
Tour übernimmt, während ich mich im Gasthaus am Pflegersee zum Mittagessen
treffe. Auf dem Weg durch Garmisch kommen mir Fahrzeugkolonnen im
Schneckentempo entgegen. Auch hier wieder; gelbe Nummernschilder Skiboxen auf
dem Dach, nur die Gesichter der Insassen, besonders der Fahrer wirken nicht
mehr so entspannt. Wie würden die erst schauen, wenn die wüssten was sich noch
vor sich haben.
| Blechlawine durch Garmisch |
Vesna ist gut mit
Renates Tipps ausgestattet und findet den Weg über die Berge auch ohne den
verflixten Tunnel. Ich habe wieder einen Mordsrespekt vor meiner Frau, mit dem
Auto in einer fremden Gegend, mit Fahrgästen an Bord. Autofahren kann sie – Hut
ab.
Auf dem Rückweg im Ötztal, auf der engen Straße über der Ötz
kommt sie noch an einem Schneebruch vorbei. Die Schneelast hat Tannen, und die
wiederum Schnee auf die Straße gerissen. Der Bruch war ziemlich frisch, es war
noch keine Polizei da, die die Straße hätte sperren können.
Vesna zwängt sich an den Bäumen und Schnee vorbei. Sie will,
wer will es ihr verdenken, an so einem Tag nur noch nach Hause.
Ich kann ihr nur noch die Information weitergeben, daß
Scharnitz wieder offen ist. Auf der Strecke ist die Heimfahrt ein Heimspiel.
Da werden Kindheitserinnerungen wach. Ich erinnere mich an die Staus in Richtung Heimat von Mayrhofen, Galtür/Ischgl und Seefeld. Schön, dass die Alpenländler immer noch der anachronistischen Tradition des Bettenwechsels folgen...
AntwortenLöschenEs gibt ihn wahrscheinlich noch in 100 Jahren, den Samstagsstau auf der Autobahn Salzburg. Außer der Klimawandel beschert uns schneelose Winter…
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