Mittwoch, 4. Januar 2012

Russisch

Da muß ich mir jetzt die Zeit an den Taxistandplätzen in München vertreiben, bis 21.40 Uhr, denn da habe ich eine Abholung am Flughafen. Das Geschäft ist mehr als ruhig. Nach einer Stunde am Kurfürstenplatz hole ich einen Patienten in der Mittermayrstraße ab und bringe ihn zum Schwabinger Krankenhaus, kassiere dafür 8,- € incl. Trinkgeld. Am Bahnhof Nord steigt mir eine Dame zu und will in die Diakonissenanstalt, diese Fahrt bringt mir mit Trinkgeld sieben Euro. Die zweite Fahrt vom Kurfürsten zum Bahnhof mit 11,50 € gilt dann schon als weit.
Mein Freund und Kollege, ich habe ihn heute schon zweimal am Standplatz getroffen, ruft mich an;

“Ich habe bis 13:30 Uhr Zeit. Wollen wir was Essen gehen?“

Das war der erlösende Anruf. Auf seinen Vorschlag treffen wir uns beim Wienerwald am Bonner Platz. Unsere Mittagstunde vergeht bei Hendl wie im Flug. Wir tauschen uns über Immobiliengeschäfte aus. Er war früher in der Branche tätig.
Danach stelle ich mich am Kölner Stand auf. Aber nicht lange. Schon nach 10 Minuten bekomme ich einen Auftrag über Datenfunk. Bei der BMW-Welt wird ein Taxi für fünf Personen gebraucht. Ich bringe die fünf jungen Russen zu ihrem Ziel, dem Spatenhaus gegenüber der Oper. Das ist außer der Flughafenfahrt mit 22,-€ die weiteste Fahrt heute.
Wenn ich schon in der Stadtmitte bin, fahre ich gleich in die Stadtbibliothek am Gasteig. Am Gasteig ist die zentrale Bibliothek der Landeshauptstadt München. Hier ist die größte Auswahl an Büchern zu einem Thema zu erwarten.

Nach 15 Jahren betrete ich zum ersten Mal wieder die Bibliothek. Im Gegensatz zu meinen ersten Besuchen kommt mir jetzt alles so klein vor. Ich interessiere mich für Immobilienhandel. An der groben Übersichtstafel finde ich keinen Überbegriff zu diesem Thema. Ich bemühe die Dame an der Information. Auch sie muss in der EDV nachschauen. Ein Teil findet sich bei Wirtschaft, unter der entsprechenden Branche – der andere Teil bei Recht. Sie notiert zwei Buchstabenzahlenkombinationen auf einen Zettel und schickt mich damit auf die Ebene 2.2. Dort kann ich im Regal unter der ersten Kombination gar nichts finden. Nicht ein Fetzen Papier!
In der Rechtsabteilung findet sich zu dem Thema stapelweise Literatur über die Rechte des Mieters und/oder des Vermieters. Alleine 20 Bücher über das neue Eigentümerversammlungsrecht oder Häuserverwaltungsrecht (oder wie das auch immer heißen mag) . Nichts für mich dabei. Wirtschaft und Recht – selbst während dieser ruhigen  Tage sind dort alle Plätze von Stundenten besetzt. Jeder Zweite macht seine Notizen auf einem kleinen Laptop. Ich habe schon in den ersten Tagen des Jahres damit begonnen einen meiner Vorsätze in die Tat umzusetzen und so habe ich in Sachen Immobilien fleißig geemailt und telefoniert.
Ein kleines Apartment, das ich mir im Internet auserkoren hatte, war schon in den ersten Stunden des ersten Arbeitstages verkauft. Das Objekt war in Obergiesing, gut vermietet, 450,- €, plus Nebenkosten für nur 22 qm. Die Miete bezahlt das Amt. Eine sichere, aber besonders in München begehrte, Anlage. Schade, aber der Makler wird mich wieder anrufen wenn er etwas Ähnliches hat. Ich wechsele mit dem Makler noch ein paar aufschlussreiche Worte. Gepackt von dem Fieber etwas Neues in Angriff zu nehmen, lasse ich mir ein Exposé zuschicken und bahne zwei Besichtigungstermine an.

Wegen meiner Schnupperei in Maklerkreisen habe während der nächsten Woche zwei Termine. Am 6.1. treffe ich mich mit einem Top – Entscheider eines großen überregional tätigen Maklerbüros. Wie ich unser Telefonat einschätze, sind wir schon neugierig aufeinender. Das war mit auch der Grund meines Bibliothekbesuches, irgendwie wollte ich auf dem für mich neuen Feld nicht blank dastehen.  
Irgendwie magisch finde ich den Weg in die Landwirtschaftsabteilung, Unterabteilung Jagd. Hier ist deutlich weniger los. Ich nehme mir ein Buch mit Tipps für Jäger aus dem Regal  und stöbere durch das Buch. Wieder ist etwas Zeit vergangen und ich stelle mich vor dem nahen Holiday City auf. Dort steigen mir nach einer knappen Stunde vier Touristen zu und wollen für 7,- € zum Marienplatz. Als Nächstes versuche ich am Sonnen-Waldbarth, am Sendlinger Tor, mein Glück. Dort halten mir dann zwei russische Mädchen einen Zettel unter die Nase. Sie wollen in ein Hotel im Lehel.

Hauptbahnhof - von mir erlösen mich die Innsbrucker
 Von dort ist es nicht mehr weit zu meinem Bahnhof Nord Stand. Ich werde von vier Innsbruckern aus der Reihe gepickt. Morgen fliegen sie nach Afrika in den Urlaub und verbringen noch eine Nacht in einem Flughafenhotel. Für mich ist das ein Glücksfall, komme ich doch so besetzt zum Flughafen und kann nach zwei Stunden meine Gäste aufnehmen und nach München bringen. Ich erwarte die SU 123 aus Moskau – und welche Nationalität haben meine Gäste?
Richtig, Russen.

4 Kommentare:

  1. Für die Imob. brauchst du keine Fachbücher,
    ein kleiner Taschenrechner für 2Euro und ein kühler Kopf reichen.

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  2. Einen Taschenrechner habe ich schon in meinem Telefon. Hoffentlich bleibt mir der Kopf kühl … das ist die größere Herausforderung.

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  3. Ich hab seinerzeit auf den einschlägigen Portalen gesucht, also z.B. Immobilienscout24, wobei es natürlich in München etwas dauern kann. So systematisch wie du bin ich dabei allerdings nicht vorgegangen, bin gespannt ob das was bringt. Also zum Beispiel daß es schneller geht bis du was hast.

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  4. Immobilienscout 24 nutze ich auch. Dort habe ich das Appartement gefunden, an dem ich jetzt dran bin. Wenn alles klappt bekomme ich in den nächsten Tagen die Finanzierung und dann brauche ich nur noch den Notartermin – gebongt.

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