Gleich um 5.45 Uhr heute früh ging es in der Nordheide los.
Die erste Fahrt zum Flughafen. Meine nächste Fahrt ist eine Abholung vom
Flughafen nach Baldham. Der Kontakt zum Auftraggeber war nur zwischen Tür und
Angel. Auf dem letzten Sprung knallte ich die Bestätigung über E-Mail nach
Berlin. Ich hatte weder den Namen, noch die Telefonnummer des Gastes, den ich
am Flughafen erwarten sollte. Die Maschine landete planmäßig um 8.20 Uhr und
ich stand mit einem Täfelchen mit dem Namen der Firma (das Einzige das
ich hatte) unter 100 anderen Abholern am Terminal 2. Jetzt dacht ich
mir wäre es eine günstige Zeit die Sekretärin in Berlin anzurufen. Name und
Handynummer wären bei dem Andrang sehr hilfreich. ALs ich mit Telefon,
Kugelschreiber, Abholschildchen und Papier jonglierte kam schon mein Kunde auf
mich zu.
Über Fischerhäuser bringe ich meinen Kunden nach Baldham.
Seinen Namen und Handynummer für den morgigen Zurückweg kann ich mir direkt von
ihm geben lassen. Das war meine letzte Vorbestellung für heute. Die Pflicht war
getan – jetzt kam die Kür.
Die Route für die Fahrt in die Stadt lege ich so, dass ich
in Feldkirchen bei der -> Landesjagdschule Bayern des BJVvorbeikomme. Ich war hier schon mal vor drei
Wochen. Da wollte ich mir nach einer Fahrt zur Messe Anstecker und Aufkleber
des BJV kaufen. Wo ich doch als Mitglied der Deutschen Waidmannsgilde auch
Mitglied im Bayerischen Jagdverband e.V. bin. Vor drei Wochen stand ich vor
verschlossenen Türen. Nur für Autoaufkleber wollte ich niemanden aus dem Büro
klingeln.
Heute rüttele ich wieder an der Tür, aber in der Sekunde
höre ich leises Summen. Die Empfangsdame hat den Türöffner betätigt und stehe
in dem großen Vorraum. Zuletzt stand ich hier vor meiner mündlichen
Jägerprüfung. Damals hatte ich keine Augen für die Bücher, Ferngläser,
Broschüren, CDs, Abzeichen, … in dem kleinen Shop. Heute aber weiß ich gleich
wohin ich muss. Ich genieße die Situation vor den Jagdlehrbüchern zu stehen und
nicht zittern zu müssen ob deren Inhalt abfragebereit in meinem Kopf verankert
ist. Völlig unbefangen blicke ich in die Vitrinen. Meine Abzeichen habe ich mir
ausgesucht. Ich wähle zwei kleine Anstecknadeln für das Revers, zwei kleine
Hutnadeln und zwei Autoaufkleber.
Nach meinem Stopp in Feldkirchen stelle ich mich zufrieden mit
der Welt an unseren ICM Stand an der neuen Münchener Messe. Stolz wie Oskar
hefte ich mir die kleine Anstecknadel an die Brust meines Trachtenjankers. Die
Hutnadel klemme ich zwischen Taxameter und Taxischildtaste an das
Armaturenbrett meines Taxis. Den Autoaufkleber klebe ich von innen an die
hinterste linke Scheibe meines Taxibusses. Den Gedanken, das dies eine
unerlaubte Kenntlichmachung (das Wort gibt es tatsächlich)
meines öffentlichen Verkehrsmittels ist, verwerfe ich angesichts der Bedeutung
des BJV sofort. Der Bayerische Jagdverband liegt irgendwo zwischen der
UN-Vollversammlung und dem Europaparlament – für mich jedenfalls!
Mein Taxi, das Geschäft und das Radio laufen. Gut gelaunt
putze ich mein Fahrzeug. Die Türholme, den Kofferraum, den Boden, bis ich einen
Auftrag bekomme. Von der Astrid-Lindgren-Straße fahre ich zum Käfer in die
Prinzregentenstraße. Inzwischen ruft Vesna an. Den Auftrag um 13.30 Uhr, den
wir von einem Kollegen angenommen hatten, kann Sie nicht fahren, weil sie was
Weitereshat. Kein Problem ich kann ja
noch in aller Ruhe einen Fahrgast vom Bahnhof Nord schnappen, bis ich mich dann
wieder auf dem Weg zum Münchener Osten machen muß, von wo ich den Stammgast
meines Kollegen aufnehmen kann. Immer noch gut gelaunt stelle ich mich an die
lange Reihe des Taxistandes am Bahnhof. Unter den potentiellen Fahrgästen auf
dem Bürgersteig am Kopf des Bahnhofs winkt mir eine fünfköpfige Gruppe zu. Sie
brauchen mich und meinen Taxibus. Immer noch gutgelaunt kläre ich meine
Nachfolge und fahre an die Spitze des Standes. Fröhlichreiße ich die Schiebetüre auf, und bitte
meine Fahrgäste einzusteigen. Fahrziel;
Domagkstraße (im Norden Münchens) zu einem dieser Büros in
dem neuen Areal zwischen Domagkstraße und Schenkendorfstraße, das Parkstadt
Schwabing genannt wird.
Ich biege gerade auf die Arnulfstraße als ich meinen Augen
nicht trauen will was ich in meinem Tachofeld sehe. Das Motorsymbol leuchtet
auf. Das MOTORSYMBOL !!! Am Freitag war ich bei VW wegen des Stellmotors, davor
am Donnerstag habe ich es nach einer Woche aus der Werkstatt geholt, einen
Monat davor war es 11 Tage in der Werkstatt. Wie soll ich die Rechnungen
zahlen, wenn ich nicht arbeiten kann? Und der große Kunde hat immer noch nicht
seine fällige Rechnung überwiesen.
Ich brauche Trost und Zuspruch. Die Opfer finde ich im
Telefonnummernspeicher meines Handys. Eine/r nach dem/r Andere/n werden
angerufen und zugetextet. Meine Fahrgäste sind mir egal. Auch die beiden
Polizisten im Streifenwagen, die an der roten Ampel am Oskar-von-Miller-Ring
neben mir zu stehen kommen. Sollen sie mich doch am Anfang der Ludwigstraße
standrechtlich erschießen, weil ich mit dem Handy in der Hand Auto fahre. So
schnell hat sich meine Stimmung geändert. Vor dem Siegestor versuche ich einen
Reset. Ich ziehe den Schlüssel aus dem Zündschloss, verschließe das Auto, öffne
es wieder und starte erneut. Erfolglos – alle Anzeigen auf dem Tachoblatt
verlöschen, nur das gelbeMotorsymbol
verhöhnt mich weiterhin. Nachdem meine Gäste ausgestiegen sind, fahre ich
schnell noch vor Mittag zum -> Stimmer.
Ein Mechaniker steckt das Diagnosegerät an und
diagnostiziert, das der Partikelfilter zu ist. Er bestellt sofort eine neue
Sonde. Ich bekomme gleich einen Termin morgen Vormittag. Das Motorsymbol ist erloschen
und ich kann den Kunden meines Kollegen zum Flughafen bringen.
Irgendwie wird mir langsam klar, dass ein Volkswagen kein
geeignetes Auto zum Geldverdienen ist.
Ich war nicht wenig froh, dass meine Heizung im Fahrgastraum
wieder funktionierte. Wir fahren für Spielmotor, die Auftrag der
Landeshauptstadt München und BMW ein Theaterfestival veranstalten. Die
Künstler, die im Rahmen dieses Festivals im Gasteig oder in der
Muffathalleauftreten, kommen aus der
ganzen Welt. Im Einsatz ist natürlich unser Taxibus. Die Gruppe die ich als
erstes mit meinem frisch reparierten Taxi fahren durfte, kam aus Kolumbien.
“Kalt, Kalt, Kalt, …“
waren die ersten Worte unserer Gäste, von denen ein Großteil
das erste Mal in Europa ist. Der neue Stellmotor wurde gleich richtig
gefordert.
Muffatthalle und Gasteig - Austragungsorte des Festivals
Heute in der Früh habe ich gleich um 8 Uhr eine GruppeFranzosen vom Hotel in Haidhausen zum
Flughafen zu bringen. Die nächste Fahrt habe ich wieder um 9 Uhr von Schwabing
zum Flughafen. Mir bleibt also eine Stunde die Franzosen einzuladen, zum
Flughafen zu bringen, umzudrehen, knapp 40 Kilometer zurück nach München zu
fahren und dort die zweite Tour aufzunehmen.
Bevor ich losfahre, fotografiere ich das Taxi und stelle es
mit dem Text: Und looos geht’s. Zweimal Flughafen in einer Stunde.
Die Latitude Freunde kriegen was zu sehen auf Facebook ein.
Ob ich es schaffe hängt zum großen Teil davon ab, wie
pünktlich ich von dem Hotel in Haidhausen wegkomme. Ich überlege mir schon
während der Fahrt wie ich acht französische Künstler freundlich und höflich zur
Eile treiben könnte.
Um fünf vor acht rolle ich vor das Hotel. Ich habe schon
vorher gewendet und bleibe abfahrtsbereit in der korrekten Richtung stehen. Vor
dem Hotel sitzt auf steinernen Blumenkübeln rauchend ein junges Pärchen. Ich
erkundige mich, jawohl, das sind die ersten Zwei meiner acht Fahrgäste. Ich
gehe in die Hotelhalle, die ist menschenleer. Außer dem Rezeptionisten ist niemand
da. Aus dem Frühstücksraum höre ich Geräusche aber von meinen weiteren sechs
Fahrgästen fehlt bis jetzt noch jede Spur. Ich geselle mich wieder zuden zwei Rauchern vor dem Hotel und grüble
wie ich hier pünktlich wegkomme. Jetztliefert mir die Frau eine Steilvorlage:
“Passen wir alle Acht in das Auto?“ fragt
sie, und deutet dabei auf -> mein Taxi. Ich habe gleich die richtige Antwort
parat.
“ Ob überhaupt alle Acht mitfahren ist ja noch
nicht sicher. Oft kommen Gäste zu spät und dann können wir bequemzu fünft oder zu sechst fahren.“
Das hat gesessen, ich habe freundlich mein Ziel erreicht.
Die junge Frau steht auf, drückt ihre Zigarette aus und verschwindet im Hotel.
Im Minutentakt kommen die Mitglieder des Ensembles aus dem
Hotel und nehmen nacheinander im Taxi Platz. Um 8.05 Uhr sind wir schon auf dem
Weg zum Münchener Flughafen.
Mit 175 km/h, das ist die absolute
Geschwindigkeitsobergrenze für meinen VW, brause ich über die Autobahn.
“Ping.“ meldet sich mein Telefon. Ich fische es aus meiner
Hemdtasche und blicke auf den Monitor. Es ist ein Kommentar von Wolfram von
-> Taunustaxi auf meinen Post von heute Morgen.
“Flieg nicht so tief mein kleiner Freund
…“ kommentiert er. Als ich das lese muß ich lächeln. Ich bemerke die fragenden
Blicke meiner Gäste und übersetze Wolframs Nachricht.
„Wieso? Können die uns sehen?“ fragt
lachend einer meiner Künstler. Wir anderen müssen jetzt auch lachen. Wolframs
Kommentar hat uns genau passend erreicht. Der zweit passende Spruch schon so
früh am Morgen.
Vor dem Verabschieden habe ich mich noch bei meinen Gästen
für ihre Pünktlichkeit bedankt und zügig zurück nach München gerast. Bei meinem
nächsten Gast in Schwabing war ich dann sogar schon um 8.55 Uhr. Ich konnte
noch zu meinem eigenen Post einen Kommentar abgeben, bevor ich dann pünktlich
um 9 Uhr auf den Klingelknopf drückte.
Wäre heute nicht Sonntag hätte ich die beiden Touren in der
Zeit nicht geschafft.
Das ist zum verzweifeln. Erst hatte ich im September mein
Taxi in der Reparatur. So um die 3.000,- € sind fällig. Die Nockenwelle war
eingelaufen und der Zylinderkopf musste gewechselt werden. Zur Werkstatt bin
ich gefahren weil der Auspuff so ein paffendes Geräusch machte. Man glaubt
gerne was man glauben möchte, und ich hoffte, dass nur der Auspuff undicht sei.
Genau so hat sich das angehört. Auf dem Hof der Werkstatt war der erste Blick
des Mechanikers und des Meisters zum Auspuff.
Aber die tatsächliche Diagnose warf mich schon um. Es ist
bei uns Taxifahrern nicht nur die Reparatur die wir bezahlen müssen, nein, auf
der anderen Seite steht unser Produktionsmittel in der Werkstatt. Tag für Tag
sind wir zur Untätigkeit gezwungen und hoffen, daß das lang ersehnte Ersatzteil
bald eintrifft und eingebaut wird. Wenn man dazu noch Stammkunden zu bedienen
hat, muß man eine nach der anderen Fahrt abgeben. Dringend benötigtes Geld wird
unter den Kollegen aufgeteilt. Der einzige Trost dabei ist, daß das Geld in der
Taxifamilie bleibt.
Gut, die dicke Reparatur im September ist vorbei. Mein Taxi
fährt wieder. Ein Stammkunde überweist endlich das Geld für seine Fahrten.
Immerhin eine mittlere vierstellige Summe. Sogar eine Reise nach Paris ist
drin.
Hochmotiviert sitze ich auf dem Bock meines
hellelfenbeinweißen Wagens. Bin mit der Welt zufrieden, bediene die Kunden, bin
fleißig und eifrig am Datenfunk und myTaxi. Die Einnahmen beginnen zu tröpfeln.
Ich kann den einen oder anderen Fünfziger zur Seite legen.
Bis ich dann am Flughafen in der PKW-Reihe stehe. Der Laptop
hängt über den Zigarettenanzünder an der Stromversorgung des Taxis. Beim
Nachrücken springt der Motor nicht wie gewohnt beim ersten Drehen des
Zündschlüssels an. Ich muss 20 Sekunden den Schlüssel gedreht halten bis der
Motor startet. Dabei macht aber der Anlasser kein orgelndes Geräusch, wie wir
alle erwarten. Nein, 20 Sekunden lang dreht der Anlasser kräftig durch bis der
Motor startet.
Aha, denke ich mir, da war wohl der Strom knapp. Die
Batterie ist neu, deshalb hat sie auch die Kraft zum Durchstarten. Es kann nur
der Generator sein. Der Lädt die Batterie nicht mehr auf und dann geht auch der
allerneueste, stärkste Akku in die Knie.
Das ist einmal passiert und ich hatte den Vorfall beinahe
vergessen. Beim Renaissance-Stand lade ich mein iPhone über das Bordnetz auf.
Vorne angekommen passiert mir das gleiche wie Tags zuvor am Flughafen. Durch
kräftiges Orgeln springt der Motor an und ich mache mich auf dem Weg zum
Kunden, den ich über Funk bekommen habe. Während der Fahrt stirbt mir der Motor
ab. Ich versuche mich rollend von der Soxhletstraße auf den Parkplatz des
Ungererbades zu retten. Ein Dieselmotor der während der Fahrt abstirbt. So
etwas hatte ich noch nie. Ich erinnerte mich an unsere alten 124er Taxis.
Fremdstarten und ohne Batterie mit Warndreieck im Heckfenster zur Werkstatt
fahren. Ich war verwirrt, wieso braucht ein Dieselmotor Strom wenn es doch ein
Selbstzünder ist. Auf dem Parkplatz des Ungerebads habe ich inzwischen den
Motor wieder zum Laufen gebracht. Am nächsten Tag, ich stehe wieder am
Flughafen, wieder hängt mein Laptop an dem 12 Volt des Taxis und wieder springt
der Motor nur nach 20 Sekunden anlassen an. Für mich war jetzt der Kas bissn,
es muß doch was mit dem Strom zu tun haben. Vielleicht kann man so ein
hochkompliziertes, modernes Dieselaggregat in einem VW Bus T5 Caravelle nicht
mit einem Benz Saugdiesel im 124 vergleichen. Lief doch der Zweite sogar
zuverlässig mit Heizölbeimischung und Falschtanker-Abfällen eines bekannten
Münchener Autovermieters – theoretisch! So ein moderner Dieselmotor hat
bestimmt eine elektrisch betriebene Einspritzanlage. Wenn der Generator kein
Strom bringt, hat die Batterie keinen Saft mehr, die Einspritzanlage spritzt
keinen Diesel mehr ein, der Motor stirbt ab. So schlussfolgere ich laienhaft
als Gärtnergeselle und tröste mich selbst;
“Es ist ja nur die Lichtmaschine. Vielleicht sogar
nur die Kohlen.“
Ich lasse während des Vorrückens in der Taxireihe den Motor
laufen, damit ich für die Fahrt in die Stadt genug Strom habe. Als erster in
der Reihe steigt mir ein Amerikaner ein, er will zum City Hilton am Rosenheimer
Platz. Eine Tour wie ich sie mir vorgestellt habe. Hinter mir rattert der
Dieselmotor in meinem Taxi, er rattert zwar bedenklich, aber er läuft und das
beruhigt. Kaum ist der Kunde eingestiegen und ich losgefahren, bleibt mir nach
nur 50 Meter der Motor stehen und das Taxi rollt zwischen die anderen Taxis auf
den Parkplatz. Es ist mir schon etwas peinlich als ich den Motor wieder starte.
Dabei zucke ich harmlos tuend mit den Schultern. Die Fahrt verläuft ohne
Zwischenfälle aber mir ist klar – das Taxi muß in die Werkstatt.
Am nächsten Tag habe ich erst mittags eine vorbestellte
Fahrt, bei der ich das Taxi brauche. Also mach ich mich auf den Weg zur
Werkstatt Nummer 2 in Neuried. Bis auf das beunruhigende Stottern läuft alles
ruhig. Ich kämpfe mich über den Mittleren Ring von Norden her kommend Richtung
Neuried. Wenn ich in der Reihe zum langsam rollen oder sogar zum stehen
komme, versuche ich durch Spielen mit
Brems- und Gaspedal den Motor auf Drehzahl zu halten. Das gelingt mir auch bis
zum Luise-Kisselbach-Platz. Dort an dem Platz ist eine große Baustelle. Hier
wird der dritte Tunnel nach dem Petuel- und Richard-Strauß-Tunnel gebaut. Täglich,
nun schon seit Jahren quält sich der dichte Verkehr durch die Legionen von
rot-weiß-roten Baken. Ich mittendrin, schwitzend, betend, fluchend, mit den
Pedalen jonglierend. Jetzt habe ich es geschafft! Die letzte Ampel ist
überfahren. Nur noch eine Rechts-Links-Kombination und ich habe die Autobahn
Richtung Garmisch vor mir.
Jetzt passiert es. Es
hilft alles nichts. Der Motor stirbt ab. Ich versuche nun von der linken Spur
auf die rechte zu kommen. Ich kann nicht einfach nach rechts lenken, von dort überholen
mich schon die ersten Fahrzeuge. Jetzt ist hinter mir rechts frei, aber mein
Taxi hat keinen Schub mehr. Auf der Mittellinie rolle ich aus und bleibe
stehen. Ich blockiere in dem engen Straßenabschnitt beide Spuren. Im
Rückspiegel kann ich in den Gesichtern der nachfolgenden Autofahrer deutlich;
“Schleich di, Taxler „
lesen. Das Hupkonzert hat auch schon begonnen. Unter Stress
gelingt es mir den Motor zu starten und auf den Hof der Werkstatt zu kommen.
Der Mechaniker öffnet die Motorhaube und leuchtet mit der
Taschenlampe in den Motorraum. Ich hänge an seinen Lippen. Mit dem Lichtkegel
zeigt er auf die Kraftstoffpumpe;
“Da ist es! Die Kraftstoffpumpe ist undicht. Zu 80%
ist es die Kraftstoffpumpe.“
„ Aha, deswegen stinkt es auch nach Diesel im
Fahrgastraum. Wieviel kostet den so eine Kraftstoffpumpe?“
“360,- € plus Märchensteuer“
Er ruft gleich an. Im Lager der nahen VW-Werkstatt ist das
Ersatzteil auch da. Er kann es holen, einbauen und am Nachmittag ist das Taxi
fertig. Natürlich freue ich mich nicht über so
eine Diagnose, aber damit kann man leben. 360,- € Teile, 100,-€ Arbeit
und am Abend des gleichen Tages habe ich das Taxi zur Arbeit. Abends dann, ich
erledige die Aufträge mit -> Vesnas Chrysler-, fahren meine Frau und große
Tochter zur Werkstatt um das Taxi abzuholen. Der Mechaniker hat angerufen, die
Kraftstoffpumpe ist ausgetauscht und das Taxi wieder einsatzbereit. Vesna kommt
mit dem Taxi bis zur Kreuzung, dort stirbt der Motor an der roten Ampel wieder
ab. Also umgedreht und zurück zur Werkstatt. An diesem Montag wird nichts aus
meinem Taxi. Am Dienstag tauscht der Mechaniker den Spannungswandler unter der
Batterie und den Kraftstofffilter aus. Er macht eine Probefahrt von 20
Kilometer, lässt das Taxi im Hof laufen. Nach einer halben Stunde stirbt der
laufende Motor wieder ab. Der Kraftstofffilter ist nur halb voll mit Diesel.
Inzwischen ist der Dienstag auch vorbei. Langsam wird es eng, wir können uns
meine Untätigkeit nicht mehr leisten.
Es rattert, schnattert und klackert - so klingt kein "gesunder" Diesel:
Vesna hat noch eine Mietwagengenehmigung in der Schublade.
Wir haben Aufträge für ein Theaterfestival der Stadt München, bei der wir
unbedingt einen Bus brauchen. Mit der S-Bahn fahre ich zu einem mir gut
bekannten Autovermieter. Er leiht mir einen Bus aus. Das KVR, unser
Kreisverwaltungsreferat, trägt das Fahrzeug auf unsere Reservegenehmigung ein.
Am Mittwoch vermittle ich zwischen den Werkstätten, Nummer 1
sagt dies, Nummer 2 sagt jenes. Nummer 2;
„Das können nur die Dichtungen der
Pumpe-Düse-Einheiten sein. Zu 80% sind das die Dichtungen.“
Ich rechne mir in meiner Verzweiflung aus: Die 80% von der
Kraftstoffpumpe hinterlassen ein Risiko von 20%. Nun die Pumpe ist gewechselt.
Es bleiben dann noch 80% Sicherheit von den 20% das ergibt dann eine Sicherheit
von 96%, dass nach dem Austausch der
Dichtungen der Fehler behoben ist. Ich stimme zu. Der Dichtungstausch dauerte
bis Donnerstag Nachmittag. Nach ausgiebigem Probelauf ruft mich der Mechaniker
an; der Fehler ist erkannt und behoben. Es waren tatsächlich die Dichtungen.
Druckluft, durch die undichten Dichtungen strömend, hat den Diesel aus der Leitung und dem Filter geblasen.
Deswegen ist der Motor abgestorben. Als ich das Taxi abhole präsentiert er mir
die Rechnung von 1040,-€ brutto.
Egal, was sein muß, muß sein. Ich bin froh wieder arbeiten
zu können. Ich habe auch schon einen Auftrag. Eine Abholung vom Flughafen, die
schaffe ich locker. Die Gäste steigen ein. Nach nur kurzer Fahrt auf der
Autobahn sehe ich wie die Hände in die Höhe gehen. Die Gäste versuchen an dem
Drehleger in der Decke des Fahrgastraums die Temperatureinstellung zu
verändern. Es passiert gar nichts. Egal auf welcher Stufe der Temperaturregler
steht, aus den Lüftungsdüsen kommt nur kalte Luft. Der Regler für die Stärke
des Luftstroms funktioniert. So kann man wenigstens die Menge der kalten Luft
begrenzen. So kann ich bei den herrschenden Temperaturen keine Gäste befördern.
Äußerst unzufrieden lege ich mich am Donnerstag Abend ins Bett. Komme ich doch
soeben aus der Werkstatt, kann ich schon wieder in die nächste. Wann kann ich
endlich anfangen Geld einzunehmen. Die meisten unserer Stammkunden fahren auf
Rechnung. Ein großer Kunde hat bei uns noch fast 10.000,- € offen. Davon sind
4.000,- € scharf. „Scharf“ nenne ich Rechnungen bei denen das Zahlungsziel
überschritten ist. Auf der anderen Seite will ich die Kollegen, denen ich den
einen oder anderen Auftrag weitergebe, bezahlen.
Nach einer unruhigen Nacht stehe ich am Freitag um 4 Uhr
auf, Flughafenfahrt um 5 Uhr. Obwohl es eine gute Zeit zum Stehenbleiben ist,
muß ich nach Hause. Um 7 Uhr wecke ich meine Tochter auf, mache Frühstück und
Pausenbrot, bringe sie in die Schule.
Jetzt fahre ich zu meiner VW-Werkstatt in Unterschleißheim,
bei deren Autohaus ich mein Taxi gekauft habe. Gleich morgens bin ich einer der
Ersten. Ich schildere mein Problem.
“Da müssen wir einen Termin machen“
Ich stehe mit dem Rücken zur Wand. Ich muß und will
arbeiten. Ich habe hier in der Firma viel Geld gelassen. Ich wundere mich
selbst über mich, als ich entschlossen sage;
“Nein, wir machen keinen Termin! Sie schauen jetzt
bitte was fehlt. Wahrscheinlich ist es nur eine Kleinigkeit. Wenn wir heute
nicht fertig werden, fällt das Taxi wieder fünf Tage aus, und das wird nicht
passieren.“
Ich und die Werkstatt hatten Glück, meine Anweisungen werden
befolgt. Ein Mechaniker holt das Taxi in
die Halle. Nach nur 10 Minuten ist der Fehler gefunden. Ein Stellmotor ist
kaputt. Der Mechaniker hat auch gleich eine Lösung parat. Er befestigt die
Klappe auf der Stellung heiß mit einem Kabelbinder. Es wird wohl keiner meiner
Fahrgäste während es Novembers kalte Luft brauchen. Ich kann die nächste Fahrt
machen. Inzwischen wird der Stellmotor bestellt. Wenn der Motor da ist, so wird
mir versichert, kann ich kommen und während des Einbaus auf das Taxi warten.
Tatsächlich ist das so auch passiert. Um 13 Uhr bekomme ich
den Anruf aus der Werkstatt. Eine halbe Stunde später bin ich da und nach
weiteren 25 Minuten fahre ich mit einer regulierbaren Heizung vom Hof.
Temperraturregler im Dach der Fahrgastkabine
Die Rechnung, 186,- € brutto, habe ich mit meinem letzten
Bargeld bezahlt. Aber jetzt kann es nur noch aufwärts gehen.
Wenigstens die Tendenz über die Werkstattaufenthalte ist
positiv. Elf Tage Ausfall - 3.000,- €, vier Tage Ausfall- 1040,- € und
schließlich eine Stunde Ausfall und 186,- €.
Während bei uns um die Farbfreigabe gekämpft wird,bemüht sich die Präfektur in Paris um ein
einheitliches Erscheinungsbild der 17.200 Taxis im Großraum Paris.
Vorgeschrieben wird ein schwarzes Dach. Zweifarbige Taxis,
wie z.b. in Portugal, sieht man kaum. Wenn die Taxifahrer neue Autos bestellen,
bestellen sie sie gleich schwarzeFahrzeuge. Die neueren Fahrzeuge sind alle schwarz. Früher oder später
wird die gesamte Pariser Taxiflotte einheitlich in schwarz erscheinen.
Es gibt drei verschiedene Tarife; A,B, oder C. Zu welchem
Tarif gefahren wird, ist abhängig von der Uhrzeit, vom Gebiet und ob Feiertag
ist oder nicht.
Der Taxameter zählt die Zeit bis zur Überholgeschwindigkeit,
und ab dort zählt er die Kilometer. Der Zeittarif liegt je nach Tarifstufe zwischen
29,25 und 30,90 € /Stunde und der besetzt gefahrene Kilometer kostet zwischen
0,92 und 1,42 €. Die Grundgebühr sind günstige 2,30 €, der Mindestfahrpreis
beträgt 6,20 €. Ab dem vierten Fahrgast wird ein Zuschlag von 3,- € fällig. Die
Münchener Spezialität, den Gepäckzuschlag, gibt es hier auch. Für jedes
Gepäckstück über 5 Kilogrammberechnet
der Pariser Taxifahrer einen Euro.
Im Taxi auf dem Quai Branly
Unter dem weißen
Taxischild sind drei kleine Lämpchen, die anzeigen welcher Tarif eingeschaltet
ist. So kann die Tarifstufeauch von
außen kontrolliert werden. Jeder Fahrer darf höchstens10 Stunden täglich fahren, auch dass kann von
außen kontrolliert werden. Im Heckfenster eines jeden Taxis ist eine Digitaluhr
die abläuft. Bis in sechs Wochen, bis zum 01.01.2012 muß jedes der 50.000 Taxis
in Frankreich mit dem neuen Taxidachzeichen ausgestattet werden. Die neuen
Dachzeichen leuchten grün wenn frei und rot wenn besetzt. Die Taxis stehen unter der direkten Kontrolle
der Polizei (Préfecture de Police de Paris)
Ähnlich wie bei uns, braucht der zukünftige Pariser
Taxifahrer zwei Jahre Fahrpraxis, Vorstrafenfreiheit, körperliche und geistige
Gesundheit und eine zweiteilige Prüfung bevor er ein Taxi fahren darf.
Im ersten, nationalen, Teil der Prüfung werden die
Sprachkenntnisse überprüft. Grundkenntnisse im Steuer- und Verwaltungsrecht
gehören ebenso zum nationalen Teil. Weiters gibt es da noch Verkehr und
Sicherheit als Prüfungsfächer.
Zu demnationalen
Teil, der in ganz Frankreich gilt, gibt es noch einen lokalen Teil, der ist
vergleichbar mit unserem Ortskenntnisnachweis. Hier muss der Fahrer beweisen,
dass er sich in Paris auskennt. Geprüft werden verschieden Fahrrouten und
Adressen von Sehenswürdigkeiten, Ämtern, Hotels, Firmen, Behörden …
Der erste Teil der Prüfung gilt in ganz Frankreich, will der
Taxifahrer in einer anderen französischen Stadt fahren, muss er dort nur
nochden zweiten Teilder Prüfung ablegen.
Die Vorbereitung zur Prüfung dauert drei Monate und kostet
je nach Schule zwischen 1300,- und 2500,- €.
Taxi am Charles de Gaulle Aéroport
Dann kommt schon die größte Hürde zum Einstieg in das
Gewerbe - die Konzession! Zur Zeit kostet die Taxigenehmigung in Paris um die
175.000,- €. Die Übertragung der Genehmigung ist ähnlich kompliziert und zeitaufwändig.
Schon wenn der neue und der alte Taxifahrer bei der Polizeipräfektur den Antrag
auf Übertragung stellen, sind 15.000,- € zu hinterlegen. Der Kaufpreis, oft
durch Bankkredite finanziert, wird dann bei der Übertragung der Lizenz fällig.
Der Alte übergibt dann dem Neuen das sein Taxameter und eine Plakette. Die
Metallplakette wird an den rechten, vorderen Kotflügel des Taxis genietet.
Für viele Pariser Taxifahrer ist die Genehmigung auch die
Altersvorsorge. Fährt der Eigentümer selbst nicht mehr, kann er die Genehmigung
und sein Taxi an einen anderen Taxifahrer verpachten. Die Pacht bringt täglich
zwischen 100,- und 130,- €. Abgerechnet wird traditionell alle 10 Tage oder
neuerdings auch wöchentlich. Die Höhe der pacht richtet sich nach dem
eingesetzten Fahrzeug und wie weit der Taxifahrer an den Reparaturkosten
beteiligt ist.
Wie ein Damoklesschwert schwebt die Déréglementation,
die Freigabe der Konzessionen, über das Pariser Taxigewerbe. Man stelle sich
nur die Auswirkungen vor. Ein Taxifahrer nimmt einen Kredit über 175.000,- €
auf, übernimmt seine Lizenz, die über Nacht nichts mehr wert wäre. Zugleich
drängen viele frische Taxifahrer auf den Markt, die die finanzielle Belastung
durch den Kauf der teueren Lizenz nicht haben. Die können das Geld in ihre
Fahrzeuge oder Werbung finanzieren. Unser armer Taxifahrer müsste in diesem
Fall unter verstärktem Konkurrenzdruck einen Kredit bedienen, der ihm nichts
mehr bringt.
"Modernes" Pariser Taxi
Zu deren Segen sind die Pariser Kollegen straff organisiert
und ihre Arme reichen weit in die Politik. Ihre Aktionen, sie nennen sie
Manifestationen, sind bei den Politikern gefürchtet. Ich durfte die
französische Streikkultur vor Jahren schon mal hautnah erleben. Die Taxifahrer
blockieren organisiertwichtige Straßen
in der Hauptstadt. Die Mehrheit der Franzosen stellt sich hinter die Taxifahrer(im
wahrste Sinne des Wortes), erkundigen sich nach der Ursache und
schimpfen gemeinsam auf die Zustände. Die Polizei agiert sehr zurückhaltend.
Die verschiedenen Ansichten über das Kontingent an
zollfreiem Treibstoff für die Taxis waren nach einer solchen
Manifestation in Stundenfrist geklärt.
Bei solch hohen Zugangsvoraussetzungen gibt es natürlich
viele Alternativen zum klassischen Taxi Parisien. Vor diesen
wird aber schon bei der Ankunft am Gepäckband des Flughafens gewarnt.
Es gäbe noch einiges aus Paris zu schreiben, Galeries
Lafayette, der Eifelturm, Montmartre, Sacre Coeur, Notre Dame … aber mit dem
Taxi in Paris – Thema bin ich wieder zum einem Taxi-Blog
zurückgekehrt. Vielleicht kann ich die Paris Erlebnisse, oder Taxifahrten in
Madrid, Rom, Palermo … später beschreiben.
Noch etwas habe ich an denPariser Kollegen bemerkt – oder besser, etwas ist mir nicht aufgefallen.
Keiner der Fahrer, Fahrerinnen haben wir keine gesehen, trug Jeans, Turnschuhe,
Sweat- oder T-Shirt. Alle Taxifahrer, mit denen wir Kontakt hatten, trugen
Stoffhosen, Lederschuhe und Hemden. Das ist zwar nichts Besonderes, aber
immerhin ein Standard.
Sakrileg hieß der Roman von Dan Brown,
den wir alle kurz nachdem er erschienen ist verschlungen haben. Der Roman, in
dem Robert Langdon, ein Kryptologe, auf der Jagd nachdem Geheimnis des Grals, die Hauptfigur
darstellt, wurde 2006 unter dem Titel Der Da Vinci Code
verfilmt. Gleich zu Beginn des Romans wird der Museumsdirektor des Museums im
Louvre, ein Großmeister des Ordens Priuiré de Sion im Louvre ermordet. Der
Mörder ist ein wahnsinniger Mönch des Opus Dei.
Morgen wollen wir in das Museum des Louvre. Meinen Laptop
habe ich dabei und unser Hotel bietet WLAN. Mein Freu hat eine Idee; wir
könnten uns doch den Film in dem doch auch der Louvre eine Rolle spielt im
Internet anschauen.
Der Louvre erscheint gleich in den ersten Szenen. Wir richten
unser Augenmerk auf Details des Museums die gezeigt oder erwähnt werden.
Das Museum ist mit einem modernen Diebstahlschutz
ausgestattet. Wird eines der wertvollen Gemälde von der Wand entfernt, löst
sich ein Kontakt. Daraufhin werden alle Türen und großen Durchgänge in Sekunden
verschlossen. Der Dieb sitzt dann mit seinem Diebesgut in der Mausefalle und
kann auf die alarmierte Polizei warten.
Im Film läuft das Opfer gehetzt durch das nächtliche Museum.
Verfolgt wird der Museumsdirektor von einem humpelnden Albino-Mönch. Während
einer Verfolgungsszene kann ich bei einer Kameraeinstellung das Glasdach der
großen Galerie erkennen. Der Museumsdirektor im Film hat keine Chance seinem
Mörder in der Kutte zu entkommen. In seiner Not nimmt er ein Gemälde von der
Wand. In dieser Sekunde rauscht ein Metallgitter aus dem Dach der Galerie und
trennt das Opfer von seinem unheimlichen Verfolger. Dem Mönch bliebt nichts mehr als seine Pistole
zuziehen und auf den Museumsdirektor zu
schießen.
Minuten später im Film: Der Kommissar der französischen
Polizei zeigt Langdon, der als Hauptverdächtiger gilt, eine Foto der Leiche des
Museumsdirektors. Der Kryptologie – Professor bemerkt sofort, dass der Mord im
Louvre verübt wurde. Der Polizist horcht auf, er denkt jetzt hätte er den
Verdächtigen entführt. Doch Langdon bemerkt, er hätte auf dem Foto das Parkett
erkannt. Dieses einzigartige Parkett gäbe es nur im Louvre.
Der Kommissar führt Langdon an den Ort des Verbrechens. Das
Museum betreten sie über die Pyramide im Hof des Louvre. Gleich hinter dem
Eingang gehen die beiden Schauspieler in einen kreisrunden Aufzug ohne Dach.
Wie von Geisterhand schweben die Beiden in die unterste Ebene des
Eingangsbereichs.
Meine Frau und meine Tochter merken sich noch jeweils ein Bild,
das man im Film erkennt und dann schlafen wir einer nach dem anderen ein. Am
nächsten Morgen, der Laptop liegt noch auf dem Bett machen wir uns auf den Weg
in den Louvre. Vorher müssen wir aber noch bequeme Schuhe für meine bessere
Hälfte kaufen. Auf unserem Weg zum ersten Mal zu Chartier habe wir uns
verlaufen. Dabei, so kann ich mich erinnern, habe ich einen Boulevard mit
mehreren Schuhgeschäften entdeckt. Zum Glück gibt’s die Metró, schnell sind wir
bei den Schuhgeschäften. Es mag sich aber kein Paar Schuhe finden, das gefällt.
Vesna gibt auf, mit enttäuschter Miene will sie sich mit ihren unbequemen
Schuhen das Museum antun. Ohne Schuhe fahren wir zum Louvre.
Da stehe ich in
Paris, habe den Kopfvoller Gemälde die
ich bald sehen werde, voller Erwartung auf die versteckten Botschaften die ich
dort zu entdecken glaube, Freimaurer, Verschwörungstheorien, Hollywood – Filme,
geheime Bruderschaften, Weltherrschaft … das lässt sich nicht mit einer
unzufriedenen Ehefrau an meiner Seite bewältigen. So will es der Zufall oder
die Vorhersehung, dass in der Rue de Rivoli Adidas einen Store unterhält. Dort
stattet sich Vesna mit bequemen Schuhen aus, die ihr auch gefallen.
Speissesaal Napoleon III.
So gerüstet können wir auf Entdeckungstour gehen. Groß nach
Kultur ist mir nicht zumute. In meinem Kopf nehmen die eher profaneren,
technischenInteressen überhand. Mich
interessiert der Aufzug, das Glasdach, das Parkett und das Alarmsystem mit den
herunterrauschenden Gittern.
Vor der Pyramide hat sich eine Schlange von Besuchern
gebildet. Sie stehen vor einem Röntgengerät, das im inneren der Pyramide steht.
Wie auch beim Eifelturm werden die Taschen der Besucher durchleuchtet und die
Besucher selbst durchsucht. Während wir in der zweiten Schlange vor einer der
Kassen anstehen, kann ich den Aufzug in Aktion beobachten. Der runde Aufzug ist
nichts anderes, als ein großer Zylinder, der in den Boden versinkt. Der Aufzug
ist reserviert für gehbehinderte Personen, die die Treppe vom Eingang in das
Untergeschoß zu den Kassen nicht benützen können. Um den ausgefahrenen Zylinder
ist noch eine Wendeltreppe gebaut. Die Personen im Aufzug können sozusagen in
der Wendeltreppe nach unten oder oben fahren. Ich kann noch drei Aufzugsfahrten
sehen, bis wir an der Kasse sind. Erfreulich ist, daß Kinder freien Eintritt
haben. Ebenso ist jeden ersten Sonntag im Monat der Eintritt für jeden Besucher
frei.
Die drei Bereiche des Museums sind nach Richelieu
(der Flügel an der Rue de Rivoli, dort wo das Adidas-Geschäft ist
;-)), Sully (der zentrale Bereich) und Denon
(der Flügel an der Seine) benannt. Ganz unten, auf der
gleichen Ebene wie die Kassen, gehen wir in den Sully-Bereich. Hier sind Teile
der Grundmauern des Louvre freigelegt. Wir erkennen die ursprüngliche Funktion
des Louvre im Mittelalter – eine Festungsanlage. Von dort gehen wir in die
altägyptische Abteilung. Wir sind überrascht von der Vielzahl der
Ausstellungsstücke. Neben einem Treppenaufgang stehen zwölf Sarkophage.
Zahlreiche Büsten und Gebrauchsgegenstände vervollständigen die ägyptische
Abteilung. Treppe rauf, Treppe runter, rüber hinüber unser Ziel ist der Denon –
Flügel. Im Erdgeschoß nehmen wir noch die bekannte Skulptur Borghese
Gladiator mit. Eine kleine Kopie davon habe ich als Jugendlicher bei
einer Tombola gewonnen. Die Figur stand jahrelang in meinem Jugendzimmer und
hieß bei mir einfach und politisch korrekt; Spartacus. Der Gladiator teilt sich
das gleiche Stockwerk mit der überlebensgroßen, sitzenden Skulptur von Ramses
dem II. und der Venus von Milo ( eigentlich ist es ja die Aphrodite).
Immer wieder wandern unsere Augen auf das Parkett. Es gibt verschiedene. Längs
oder quer, in der Sully- Abteilung finde ich eine nicht so gewöhnliche
Anordnung der Parkettstreifen.
In Denon, im 1.Stock, isst auch die große Galerie. Hier
hängen diefür uns meist bedeutenden
Gemälde der italienischen Meister des 17. und 18. Jahrhunderts. Hier finden wir
auch in einem Querbau der großen Galerie die Mona Lisa.
Meistfotografiertes Model in Paris, die Mona Lisa
Vor dem Gemälde drängen sich hundert Besucher. Aus der anderen
Richtung kommt eine Gruppe aus den USA. Ein Mann stellt sich neben dem Gemälde
unseres verehrten MeistersLeonardo da
Vinci und klappt ein DINA 3 Poster auf. Auf dem Poster ist die Mona Lisa mit
dem Konterfei Alfred E. Neumanns abgedruckt. Alfred E. Neumann ist die
Titelfigur der MAD – Comic – Hefte. Seine Ehefrau zückt ihren Fotoapparat um
den Frevel noch zu dokumentieren. Ich stelle mir das fertige Foto vor; ihr
Gatte hält das Poster mit dem pickelnarbigen, zahnlückigen Alfred neben sein
Angesicht, während im Hintergrund die Mona Lisa zu erkennen ist.
Absperrgitter in der Decke
Jetzt kommt einer der seltenen Momente, in denen ich mich
als Europäer fühle. Französische, spanische, italienische und meine strafenden
Blicke treffen das Paar aus der neuen Welt. Wenigstens ist es ihnen peinlich;
die Frau lächelt verlegen und der Mann zuckt mit den Schultern und meinte er
wäre ein großer Fan von ihm. Damit meint er nicht unseren Meister Leonardo,
nein, er deutet dabei auf die lächerliche Comicfigur aus dem MAD – Magazin.
Zugegebenerweise habe ich auch nicht nur die Kunst im Sinn,
meine Aufmerksamkeit richtet sich auf die Gitter die im Ernstfall die
Museumsräume abriegeln. Und tatsächlich, ich entdecke die Gitter in der Decke
über den Durchlässen hängend. Da hat der Film gestern Abend doch nicht gelogen.
Hier in der großen Galerie finden meine Frau und Tochter
noch die Gemälde, die sie sich gestern Abend gemerkt haben.
Im Untergeschoß des Richelieu – Flügel stehen die großen
Skulpturen. Davor sitzen die Studenten mit ihren Skizzenblöcken und Bleistiften
auf dem Boden. Drei Stockwerke darüber erinnern die Gemächer Napoleons des III.
an die ursprüngliche Verwendung des Louvre als Herrschaftssitz. Noch ein
Stockwerk höher, in der zweiten Etage, besuchen wir noch die Rubens Abteilung.
Vesnas Ehrgeiz und ihre neuen Schuhezwingen uns dann noch bis vor die letzte verschlossene Türe zu gehen.
Wir verlassen das Museum wie wir es betraten, durch die
Pyramide. Jetzt noch zu Fuß zur Kirche Notre Dame. Nach den ausgiebigen
Märschen steht für mich schon den ganzen Tag über fest wo der Abend endet; bei -> Chartier Chartier. Dort besprechen wir bei einem schönen Abendessen das Ergebnis
unserer cineastischen Ermittlungen.
Essen in Paris ist eine teuere aber gute Angelegenheit. Die
Sitzplätze in den wirklich guten
Restaurants sind schon zehn Tage vorher zu bestellen. Ich bin froh, dass ich im
Internet ein bekanntes Restaurant fand, bei dem nicht vorbestellt werden muss.
Jawohl, ich gehöre zu den Leuten, die bevor sie in unbekannte Gefilde fahren,
sich vorher über die Restaurants informieren. Leider sieht man mir das auch an
;-).
Mein Fundstück in Paris ist das Bouillon Chartier
in 7 rue de Faubourg Montmarte. Gleich am Abend unseres ersten Tages
in Paris, nach dem Besuch der -> Cité , kann ich meine Neugierde nicht mehr im Zaum
halten und bringe uns ins Chartier. In der Metrostation habe
ich mich verlaufen, den falschen Ausgang benützt. Es regnete den ganzen Tag, ich
bin pudelnass und schön langsam habe ich die Nase voll. Plötzlich in einer
Seitenstraße sehe ich die grelle Leuchtreklame des Restaurants. Nun kann mich
nichts mehr bremsen. Frau und Kind im Schlepptau gehe ich mit großen Schritten
durch die Pfützen der Pariser Straße. Die Leuchtreklame zeigt auf einen
Durchgang. In dem Durchgang sind Bänder gespannt, die sonst immer da sind
wo Warteschlangen geordnet werden
müssen. Jetzt ist aber niemand da. Wir
stehen jetzt allein im Hinterhof und ich erhasche den ersten Blick auf die
Drehtüre in der Front der Bouillon.
Seit ich weiß, daß ich nach Paris komme, studiere ich im
Internet die -> täglich wechselnde Karte.
Zwei Favoriten habe ich mir schon ausgesucht; den Gurkensalt als Vorspeise und
etwas mit grüner Pfeffersoße.
Wozu sind diese Schubladen in der Wand?
Kaum lasse ich die Drehtür hinter mir, betreten wir ein
Paradies. Draußen, im Dunkeln, prasselt der Regen. Drinnen beleuchten unzählige
gelbliche Kugellampen eine Belle-Epoque-Kulisse. Ein Kellner, so wie er sein
muss, in schwarzer Weste und langer weißer Schürze, begrüßt uns und bringt uns
durch den Speisesaal an unseren Tisch. An der Wand neben uns sind viele kleine
Schubfächer. Die einzelnen Schubläden sind nummeriert. So ähnlich wie bei uns
in Deutschland die Fächer der Sparvereine. Wir können uns den Zweck dieser
kleinen Schubfächer nicht erklären.
Ich entdecke Salade de concombre, meinen
Gurkensalat, auf der gedruckten Tageskarte. Sofort bestelle ich die ersehnte
Vorspeise. Der Kellner enttäuscht mich; er streicht den Salat aus dem Menü. Als
Ersatzvorspeise wähle ich Salade d´endives roquefort und als
Hauptgericht Steack hache sauce poivre vert frites . So
bekomme ich meine grüne Pfeffersoße. Der Kellner, ich weiß von meiner Frau, daß
man den in Frankreich immer mit „Monsieur“ anspricht, kritzelt unsere
Bestellung auf die Papiertischdecke. Meine Frau nimmt ein Steak und meine
Tochter entscheidet sich für das Hühnchen.
Das Bouillon Chartier wurde 1896 als
Restaurant für die Arbeiter und Angestellten von zwei Brüdern mit eben jenem Namen
Chartier gegründet. Nach eigenen Angaben bemüht sich das
Team darum, und jetzt habe ich meine Übersetzungskünste bemüht, eine
Mahlzeit, die den Namen verdient, für bescheidenes Geld anzubieten.
Und ich kann bestätigen, dass ihnen das gelungen ist. Zumindest bei meinem
Menü. Meine Vorspeise bestand nicht nur wie der Name verrät, aus Endiviensalat
und Roquefortkäse, das Ganze war noch mit einer äußerst feinen Senfsoße
angerichtet. Mein Hacksteak war noch fast roh, aber genauso mag ich es. Die
Pfeffersoße war, wie erwartet, alleine schon die Reise nach Paris wert. Die
Sauce war ausgesprochen mild. Der Koch verwendet frischen, grünen Pfeffer. In
Karthago rupfte ich frischen Pfeffer von einem Strauch und kostete mit spitzer
Zunge – davon kenne ich den Geschmack, den ich jetzt wieder erleben darf. Das unverwechselbare, unerwartet feine Aroma
von Pfeffer, ganz ohne Schärfe. Es bedarf eines gewissen kulinarischen Könnens
diesen Geschmack auf den Teller zu bringen. Ich bin wieder mal froh vor sieben
Monaten das Rauchen aufgehört zu haben, sonst hätte ich diese Feinheiten nicht
geschmeckt. Frau und Kind hatten mit ihrem Menü nicht soviel Glück. Das Steak
war meiner froh zu roh. Das ist eine Eigenheit der französischen Küche; bei
Fleisch ist der Teller immer blutig. Die Frage des Monsieurs, wie das Fleisch
zubereitet werden soll, ist eher als Freundlichkeit zu verstehen. Well done
bedeutet halb roh.
Die Drehtüre im Hinterhof
Die Dreifaltigkeit des französischen Desserts; Käse, Süßes
und Obst, setze ich wie folgt um:
Fromage
blanc de campagne, Mousse chocolat und Ananas. Alles Drei mehr
als zufriedenstellend. Der Käse auf den Punkt gereift, das Mousse in der
richtigen Konsistenz und nicht zu süß. Süß war die Ananas – und so ist es
richtig.
Der Kellner macht die Rechnung, indem er alles auf der
Papiertischdecke addiert. Wir bezahlen für drei Personen und eine Flasche
Vin du moment mit Trinkgeld 72,- €. Das ist mehr als
günstig.
Als wir nach draußen gehen, sind wir ganz überrascht. In dem
Durchgang stehen vor dem Regen geschützt ca. 70 Gäste und warten auf Einlass.
Bei mir stellt sich die Frage; was ist dieses Bouillon Chartier
eigentlich? Für einen Gourmettempel, besonders in Paris, ist es
nicht gut genug. Der Preis ist sehr gut – aber sich dafür anstellen? Das Flair
ist sehr von Touristen geprägt, die nehmen viel von dem Pariser Gefühl im
Restaurant…
William Lesourd, ein französischer Bloger, schreibt in
seinem -> Périblog über das Chartier. Er bedauert, daß
Paris immer mehr und mehr zu einem Ausstellungsstück wird. Daß immer mehr
Touristen alleine durch ihre Anwesenheit den Pariser Esprit verwässern.
Beim Bouillon Chartier allerdings schaffen es nicht mal die
Américains mit ihrem Geschrei (genau so schreibt Lesourd)
die authenticité zu vernichten. Die geschichtsträchtige Bouillon
sei zu sehr mit den Wurzeln Paris
verstrickt. Ich glaube William Lesourd kann nur zu gut verstehen wie mir beim
Oktoberfest zumute ist.
Ich stelle fest; solange das Chartier so
bleibt wie es ist komme ich wieder. Und keine 48 Stunden später stehen wir wieder vor der
Türe. Diesmal kommen wir vom Louvre. Wieder bekommen wir einen Platz ohne
warten. Wieder steht der Vin du moment auf dem Tisch. Wieder halte ich die Speisekarte
in der Hand. Diesmal wähle ich das Steak. Ich denke, ich brauche nicht zu
schreiben welche Soße ich dazu will! Nur
diesmal hat sich das Schicksal gedreht. Der Ober hat diesmal gleich als er uns die Karte überreichte den Gurkensalat gestrichen. Bis auf zwei Bissen bin ich mit meinem Fleisch nicht
zufrieden. Zufrieden macht mich allerdings meine Ehefrau. Es ist mir eine
Freude mit welchem Genuß sie ihr Confit de canard pommes grenailles
verzehrt.
Köstliches Vanilledessert
Heute ist nicht mein Tag. Beim Dessert greife ich wieder
daneben. Meine Creme de marron entpuppt sich als zuckersüße
Pampe. Vesna hat mit ihrem Vanillesouffle die eindeutig bessere Wahl getroffen.
Für unsere kleine Tochter hat der Kellner eigens ein Apfeleis gebracht, das
nicht auf der Karte stand.
Leider, leider werden
sicherlich mehr als 48 Stunden vergehen bis ich wieder in Paris bin und
das Chartier genießen kann. Meinen Gust können mir die
Touristen nicht rauben, sind wir doch selbst welche.
Lesourd hat auch beschrieben welchen Zweck die kleinen
Schubfächer an den Wänden haben. In ihnen wurden die Servietten der Stammgäste
verstaut.
In Paris wird Métro gefahren, und Taxi natürlich! In der
ansonsten etwas teueren Stadt sind Taxis eher günstig, aber es hat keinen Sinn
im Stau dahinzukriechen, während fünf Meter unter dem Asphalt die Métro
dahinbraust.
Unsere Métrostation Brochant der Linie 13
ist von unserem Hotel ca. 600 Meter entfernt. Das ist eine Ausnahme, ansonsten
sind die meisten Plätze in Paris nicht weiter als 500 Meter von der nächsten
Metrostation entfernt. Die Entfernungen zwischen den Stationen sind im
Vergleich zu den U-Bahnen in deutschen Städten sehr gering. Die Métro bildet
zusammen mit der RER (eine Art S-Bahn) eines der dichtesten
U-Bahnnetze der Welt. Täglich fahren über 3 Millionen (!) Fahrgäste durch die
über 200 Kilometer weiten Tunnel unter Paris.
Wir kaufen uns ein Carnet. Das ist das
praktischste. Ein Carnet kostet 12,50 € für Erwachsene und
besteht aus 10 Einzelfahrkarten. Das Tarifsystem ist einfach. Mit einer
Fahrkarte darf man 1,5 Stunden mit jeder Métro und jedem RER-Zug fahren. Egal
ob man nur eine Station fährt oder mit dreimal umsteigen durch ganz Paris
reist. Das Ticket wird mit dem Magnetstreifen nach unten in einen Schlitz
eingeführt. Daraufhin öffnet sich eine Klapptür und gibt den Durchgang frei.
Verlässt man eine Station geht man durch ein Drehkreuz, das nur das Verlassen
der Station zulässt. Die Pariser haben eine aufladbare Magnetkarte. Wir sehen
wie sie ihre Geldbörse (in der wohl die Magnetkarte steckt)
auf einen Leser legen und die Klapptür öffnet sich.
Das war es dann auch schon. Ich bin in den letzten Jahren in
Rom, London, Madrid und jetzt wieder in Paris U-Bahn gefahren. Die Städte sind
größer als München und haben alle, ohne Ausnahme, ein einfacheres
durchsichtigeres Tarifsystem. In München habe ich immer das Gefühl zuviel oder
zuwenig bezahlt zu haben. Warum kriegen die es bei uns nicht auf die Reihe ein
verständliches Tarifsystem zu einzuführen?
Wir haben unsere Tickets nachdem wir in der Métro waren
einfach weggeschmissen. Bis wir eine Kontrolle beobachteten. Obwohl der Zugang
ohne zu bezahlen technisch schwer Möglich ist, gibt es uniformierte
Kontrolleure. Das die Tickets nur 1,5 Stunden nach dem ersten Entwerten gültig
sind haben wir erst später erfahren.
Auf die Métro kann ich nur Loblieder singen. Es gibt keinen
Fahrplan. Ab 5 Uhr morgens bis 0.30 Uhr fahren die Züge in engen Taktzeiten. Wir
haben nie länger als vier Minuten auf die nächste Bahn gewartet. Die Waggons
sind kleiner und enger als die Münchener U-Bahn-Waggons. In den
Einstiegsbereichen sind Klappsitze. Bei großem Andrang wird erwartet von den
Klappsitzen aufzustehen um mehr Platz zu schaffen. Sitzenbleiben gilt als
unhöflich.
Eine Besonderheit sind die gummibereiften Waggons einiger
Linien. Das System wurde von Michelin entwickelt. Fährt man mit einer
MP (Métro Pneu) kommt man in den Genuß einer
erschütterungsfreien, leisen Fahrt durch den Untergrund. Die
MF (Métro Fer) sind die eisenbereiften Waggons, die man von
überall sonst her kennt. Die Stationen der luftbereiften Linien erkennt man
sofort am Geruch der durch den Gummiabrieb entsteht.
Wir haben uns an größeren Stationen mit Fahrkarten
eingedeckt. Nicht an jeder Station ist ein mit Personal besetzter Schalter
zufinden.
Als wir am Seineufer vom Louvre zur Insel auf der Seine
gingen, habe ich mir LKWs und Busse gemerkt, die neben uns im dichten Verkehr
mehr standen als fuhren – wir waren zu Fuß schneller.
Auf der Seineinsel finden wir eine der schönsten
Métrostationen. Die Station Cité liegt tief unter der Erde
weil die Bahn und somit auch die Station unter dem Fluß liegt. Wir gingen über
100 Jahre alte Metalltreppen durch ein großes senkrechtes Rohr nach unten. An
den Wänden des Rohrs erkennt man die Metallplatten die an den Rändern vernietet
sind. Die Station erinnerte mich an den alten schwarz-weiß Film
Metropolis von Fritz Lang aus den 20iger Jahren.
PS
Wenn ihr Stalingrad vergebens auf der Landkarte sucht– das ist jetzt in Paris! Die zugehörige
Métrostation haben wir schon gefunden.
erzähle ich meinen Fahrgästen in München, wenn ich sie über die
Ludwigsbrücke fahre und zeige dabei auf das Deutsche Museum. Ein technisches
Museum, so was gibt es auch in Paris, dort heißt es ->Cité des sciences et de l´industrie.
Im Reiseführer werden die Kinderabteilungen
angepriesen. Dort gibt es eine Vielzahl von Hebeln, Schrauben, Seilen an denen
die Kleinen drücken, drehen oder ziehen können.
Es gibt für die Kinder und Jugendlichen zwei nach Alter
getrennte Abteilungen. Wir schließen uns der Gruppe der 5-12jährigen an. Der
Andrang ist so groß, dass alle 1,5 Stunden gewechselt wird. Jeweils ca. 200
Mamas, Papas und Kinder sind in der Abteilung. Nachdem die Zeit abgelaufen ist,
fordert eine freundliche Stimme alle enfants auf den Bereich zu verlassen.
Die Kinder der neuen Gruppe stehen schon erwartungsvoll an
der Schranke. Der zweite Gongschlag läutet den Sturm auf die Geräte ein. Die
Kinder teilen sich auf die verschiedenen Bereiche auf. Es gibt Kommunikation,
Fabrikation, Wasser, Umwelt … und sogar ein kleines Filmstudio.
Für mich ist es eine Freude zu sehen wie die Kleinen, trotz
verschiedenster Muttersprachen, zurechtkommen. Der Höhepunkt in der Fabrikation
ist ein Roboterarm, der in einem Glaskasten umherwirbelt. Zunächst entwerfen
die Kleinen auf einem Touch Screen einen fünf einfache Häuschen. Der Roboterarm
greift sich daraufhin aus einem Lager die entsprechenden Bausteine und stellt
schnell die Bausteine in der richtigen Position aufeinander.
Bei der Kommunikation sind an den beiden Enden der Abteilung
riesige Schalltrichter (Durchmesser ca. 3 Meter) aufgebaut.
Im Brennpunkt der konkaven Fläche sind Gestänge an denen der Kopf fixiert
werden kann. Trotz der lärmenden Rasselbande zwischen den Trichtern ist eine
Verständigung zwischen den beiden Teilnehmern möglich.
Geschickt dränge ich unsere Familie in den
Umweltbereich. Er ist mit Jardin überschrieben und
schließlich war ich doch auch als „Jardinier“ in Frankreich. Hier ist die
Attraktion ein kleines Gewächshaus voller Schmetterlingen. So kann man die
kleinen bunten Insekten aus allernächster Nähe betrachten. Jedes Kind muss auch
durch einen Ameisenhaufen mit echten Ameisen krabbeln.
Im Filmstudio ist eine Bühne aufgebaut. Auf der Bühne stehen
Fake-Instrumente, drei Gitarren und zwei Keyboards bereit. Die Kinder spielen,
singen und tanzen wie die Popstars. Am Rand der Bühne stehen zwei Kameras mit
einfachen Bedienelementen. An jeder Kamera ist ein Monitor. Die Kamerafrauen
und –männer verfolgen mit ernsten Gesichtern das Geschehen auf der Bühne und
fangen die interessantesten Bilder ein. Auf einem Mischpult kann der Regisseur
beobachten was jede einzelne Kamera aufzeichnet. Er wählt aus welches Bild auf
dem großen Bildschirm erscheint. Das Ergebnis kann von jedem Zuschauer auf
einem großen Monitor über der Bühne bewundert werden.
In einer anderen Ecke des Filmstudios sitzen die Kinder auf
einem Teppich vor einem Green Screen. In einem Monitor sieht man die kleinen
Schauspieler umgeben von grün. IN einem anderen Monitor rauscht der Himmel oder
eine Landschaft vorbei. Im zentralen Monitor kann man dann seien Nachwuchs auf
einem fliegenden Teppich durch die Luft rauschen sehen.
Im Hof des Museums,
oder vielmehr der Museumsstadt, dominiert eine riesengroße verspiegelte
Kugel. Vor 20 Jahren war in dieser Kugel ein 3-D-Kino. Um herauszufinden
was heute darin ist, bleibt mir keine Zeit. Wir müssen zu -> Chartier, nicht dem
Schmuckhändler, sondern dem Restaurant. Wäre es der Juwelier, wüsste ich was in
der Kugel ist.
Wohin in Paris? Zum
Eifelturm! Gleich nach dem Frühstück, einem Croissant, machen wir uns auf den Weg. Wir fahren mit der
Metro von unserer Station Brochant zur Station
École Militaire. Über das Marsfeld geht es zum Eifelturm, an
jedem Pfeiler steht eine Traube von Touristen. Die Spitze des Turms hüllt sich
in Nebel. Wir belassen es heute dabei zwischen den Menschen unter dem Eifelturm
durchzugehen. Das schlechte Wetter macht sich auch am Taxistand an der
Seineseite bemerkbar. An der Spitze des Taxistandes warten schon die Gäste und
belegen die ankommenden Taxis.
Wir wollen um 11 Uhr an der
Pyramide im Hof des Louvres sein. Wir haben keine Zeit zu warten und ich entere
eines der Taxis das am Ende des Standes die Gäste aussteigen lässt,die zum Eifelturm wollen.
Unser Taxi bringt uns
pünktlich in das Carrousel du Louvre, von hier sehen
wir schon die Pyramide. Der Louvre ist heute wie jeden Dienstag geschlossen. Es
sind nur Wenige, die am ersten Tag des elften Monats im elften Jahr den Weg zur
Pyramide finden.
Die
Pyramide wurde von dem chinesisch-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei auf
Initiative von Francois Mitterrand geplant und 1989 beendet. Im Internet
(auf mancher katholischen Seite) kursiert das Gerücht, dass die Pyramide aus
666 Glasscheiben bestehen würde. Mit oder ohne den dreieckigen Scheiben an der
Basis, ergibt die Summe nie 666. Das Gerücht ist nur eine Hoax, von Leuten ins
Leben gerufen, die die Pyramide dem Teufel zuschreiben wollen.
Nicht aus dem Reich der Märchen ist die Tatsache,
das die Anfangsbuchstaben von Égalité, Liberté
und Fraternité – elf ergeben.
Das habe ich während des Sommersmeiner kleinen Tochter versprochen. Die Tage
vergehen, und aus Tagen wird eine Woche und aus Wochen werden Monate…
Bis mir siedend heiß einfällt; die Herbstferien sind ja
schon in der nächsten Woche. Drei Tage Paris, das lassen der Etat und die
Kunden zu. Drei volle Tage sollen es aber schon sein. Am Montagvormittag habe
ich noch im KVR zu tun. Am Nachmittag dann noch ein Auftrag. Freitagmittag
wollen wir wieder in München sein. Wir sind spät dran und die Flüge werden
knapp. Am Freitagvormittag kann ich noch Air France Flüge am Montagabend von
München nach Paris und am Freitag früh zurück von Paris nach München buchen.
Soweit so gut! Jetzt noch das Hotel. Ich wähle aus dem Angebot
im Internet aus, zeige die Bilder meiner kleinen Tochter, wir wägen ab und
buchen. Es klappt alles Ein Drei-Bett-Zimmer ist auch frei, Preis, Lage und
Ausstattung passt auch – jetzt nur noch der endgültige Klick zur
Buchungsbestätigung und es kommt die Anzeige das Hotel sei belegt.
Also wieder von vorne. Wir suchen ein neues Hotel. Die Zeit
drängt. Ich muss zu meinem nächsten Termin. Ich will zuhause buchen. Da habe
ich die Familie als Mitentscheider und einen Drucker zum Ausdruckender Buchungsbestätigung. Also ein zweites
Hotel ist gefunden. Wieder das gleiche, kurz vor der endgültigen Buchung kommt
die Nachricht, dass das Hotel zudieser
Zeit belegt sei. Jetzt habe ich keine Geduld mehr. In einem Hotelbuchungsportal
lasse ich mir die Hotels nach Preis und Nähe zum Stadtzentrum anzeigen. Das
erste Freie wird genommen.
So landen wir im Hotel de Roi René 2,2
Kilometer vom Arc
de Triomphe am Place du Dr. Felix
Lobligeois. Die -> Bewertungen des Hotels auf tripadvisor negiere ich, ich bin
froh ein Hotel gefunden zu haben.
Vier Stunden nach der Buchung bekomme ich eine
E-Mail von Air France; das Kabinenpersonal der Fluggesellschaft befindet sich
bis zum 2. November im Streik. In der E-Mail ist ein Link der auf eine
Air-France-Seite führt auf der aktuellalle gestrichenen Flüge angezeigt werden. Mit Spannung verfolge ich,
dass täglich ein Flug von München nach Paris gestrichen wird. Am Abflugtag habe
ich endlich Gewissheit – wir fliegen heute Abend um 20.35 Uhr in die Hauptstadt
Frankreichs.
Nach einer guten Stunde landen wir am Charlesde Gaulle Airport. Die letzten Male war ich
hier beim Umsteigen bei den Flügen zwischen München und Havanna. Heute gibt es
günstigeDirektflüge zwischen München und Havanna. Bei einer solchen
Gelegenheit kaufte ich eine Flasche Champagner. Damit wollte ich einer von mir
angebeteten Frau beeindrucken. Alleine die Tatsache dass wir jetztals Ehepaar, das neunjährige Ergebnis unserer
Liebe an der Hand,nebeneinander am
Gepäckband stehen, zeigt, dass mein damaliges Werben erfolgreich war.
Über dem Gepäckband ist auch gleich einziemlich eindeutigesHinweisschild woden die lizenzierten Taxis zufinden seien. Keine fünf Meter weiter werden
wir auch schon umworben. Junge Männer bieten uns mit den Worten;
„Nice car, nice car, …”
ihre Fahrdienste an. Das habe ich in keiner westeuropäischen
Stadt erwartet. Ich bin mit Familie unterwegs, wir sind müde, ich habe keine
Lust auf Verhandlungen, ich lebe seit über 20 Jahren vom Taxifahren. Ich werfe
uns vertrauensvoll in die Hände eines richtigen Taxifahrers. Den bekommen wir
auch, nachdemeine Einweiserin mit
gelber Warnweste in ihr Funkgerät genuschelt hat. Sekunden später kam ein
Peugeot aus dem Untergrund hochgefahren und blieb vor uns stehen. Der Fahrer,
ein Asiate, so um die 55, steigt sofort aus und lädt unser Gepäck ein. Er
akzeptiert auch meine Kreditkarte. Den Namen und die Adresse des Hotels habe
ich vorsorglich groß auf ein Blatt Papier geschrieben, das er während der Fahrt
behalten kann. Wir drängen uns zu dritt auf die enge Rückbank des Taxis. Früher
hatte so mancher französische Taxifahrer in Paris zur Sicherheit einen Hund im
Fußraum des Beifahrers sitzen. Heute habe ich dort keine Hunde mehr gesehen.
Auf dem Beifahrersitz eines jeden Taxisstapeln sich Zeitungen, eine Jacke, ein kleines Fernsehgerät, eine
Flasche Wasser, ein Laptop, CD, Bücher, Plastikboxen, allerlei Utensilien… In
französischen Städten ist es nicht üblich neben dem Fahrer zu sitzen. Wir
bleiben um diese Zeit bleiben von dem berüchtigten Pariser Verkehr verschont.
Wir drei kauderwelschen auf der Rückbank. Der Fahrer schnappt wohl mal einen
deutschen, spanischen oder serbischen Sprachfetzen auf, kann aber mit uns drei
nichts anfangen. Nachdem er die Adresse unseres Hotels in sein Navigationsgerät
eingegeben hat, fixiert er uns im Rückspiegel. Dort treffen sich unsere Blicke.
Die Neugierde siegt.
“Where are you from?“
Aus Deutschland, aus München, antworten wir ihm. Wir
offenbaren uns als Kollegen. Sofort ist das Thema gefunden. Wie weit ist der
Flughafen München von der Stadt entfernt, wie lange wartest du da, welches Auto
fährst du, wie läuft das Geschäft? Ich genieße den Rollenwechsel. Nach einer
halben Stunde bleiben wir vor unserem kleinen Hotel stehen. Ich zücke meine Kreditkarte.
Als der Fahrer sein Kreditkartengerät heraussucht, hupt der Fahrer hinter uns,
den wir in der engen Gasse blockieren. Unser Taxifahrer lässt sofort von seinem
Vorhaben ab, steigt aus dreht sich nach hinten, fixiert den gegnerischen
Fahrer, fängt an zu schimpfen und zu fluchen. Der blockierte Fahrer antwortet
mit weiterem Gehupe.
Es ist Mitternacht, wir sind in einer Wohngegend, ich will
nicht, dass der ganze Straßenzug von unserer Ankunft erfährt. Ich bedeute dem
Fahrer, dass er uns auch an der nächsten Kreuzung aussteigen lassen kann, es
ist für uns kein Problem die 20 Meter zum Hotel zurückzugehen. Zu dem Fahrpreis
von 45,-€, den ich mit Kreditkarte bezahle, stecke ich ihm noch fünf Euro
Trinkgeld in bar zu und verabschiede mich.
Im Hotel müssen wir feststellen, dass die Bewertungen
stimmen. In unser enges Zweibettzimmer wurde noch ein drittes Bett gestellt.
Die Türe zum Bad (von der Größe her eher ein Badeschrank)
kann nicht mehr geschlossen werden. Die Tapete löst sich von den Wänden. Es ist
laut. Wie in einem amerikanischen Klischeefilm über Paris!
Nach der ersten Nacht, in aller Frühe, muss ich sofort auf
die Straße. Die Gegend erkunden. Ich liebe das, überall wenn ich neu ankomme,
wird sofort beim ersten Tageslicht die Gegend erkundet. Meine Tochter begleitet
mich. Spielerisch weise ich sie in die „Nahaufklärung“ ein, dabei entdecken wir
den absoluten Pluspunktunseres Hotels –
die Lage. Wir liegen zentral, doch fernab von den Touristen, hier in der Gegend
wohnen nur Einheimische, um uns herum ein Bäcker, ein Metzger, eine Trafik, …
Für den Abend gibt es Bars jeder Couleur. Die Metrostation Brochant
ist zehn Gehminuten von uns entfernt. Dort liegt auch der Taxistand.
Die Bushaltestelle ist eine Minute vom Hotelentfernt. Wir haben den Bus beim An- und Abfahren beobachtet. Die Namen
an den Klingelschildern überflogen. Welche Zeitung am meisten gelesen wird…
Obwohl es nicht regnet, fließt Wasser durch die Rinnsteine
auf der Straße. Ich erinnere mich daran, dass Paris jeden Morgen gespült wird.
Wir suchen und finden die Wasserquelle. Aus einem Bordstein quellen zwei
armdicke Wasserstrahlen. Das ist genau wie unser Viertel für die nächsten drei
Tage – typisch Paris.