Für die MAN fahren wir schon seit Jahren. Von den Managern,
die wir zum Flughafen München bringen oder dort abholen, habe ich mir schon
vieles über die Motoren erzählen lassen. Besonders die gewaltigen Schiffsdiesel
haben mir es angetan. Ich konnte mir die Motoren nur in meiner Phantasie
vorstellen. Als ich einen MAN-Manager vor zwei Jahren nach Augsburg brachte zeigte er mir die Halle
in der große Schiffsmotoren verschiedenster Bauart stehen. An diesen Motoren
werden die Mechaniker der Kunden ausgebildet damit sie ihren Motor später
fachgerecht warten können. Die Motoren haben mich schon beeindruckt, aber von
dem was ich letzte Woche mit MAN – Kunden gesehen habe, bin ich schlichtweg
überwältigt.
| MAN in Augsburg |
Ich hätte die Kunden eigentlich nur zum Truck-Forum nach Karlsfeld
bringen sollen. Danach zum Tryp-Hotel in München. Am nächsten Tag dann gleich
wieder zum Truck-Forum und am Nachmittag von dort zum Flughafen. Am ersten Tag nützen
wir, -> Volkmar und ich, die Zeit und Gelegenheit, uns die ausgestellten
Oldtimer-Laster und die futuristischen Fahrzeuge eingehend anzuschauen.
Am Abend, als ich mit einem anderen Kollegen die Gruppe zum
Hotel bringe, avisiere ich, dass ich sie morgen früh wieder abhole und zum
Truck-Forum bringe.
“Wieso? Wir müssen doch nach Augsburg. „
Oh, für Augsburg sind andere zuständig. Nur selten fahren
wir die Strecke München – Augsburg. Unterwegs rufe ich den Fahrdienst an und
informiere ihn über den Fehler. Natürlich biete ich mich an die Fahrt nach
Augsburg zu übernehmen. Mein bestes
Argument ist mein guter Preis und ich bekomme den Zuschlag.
Wie besprochen stehe ich am nächsten Morgen vor dem Hotel,
das Fahrziel ist Augsburg. Dort empfängt uns ein älterer sehr freundlicher Herr
im MAN-Museum. Er hat früher für die MAN in den Comecon Staaten (Совет экономической
взаимопомощи) verkauft und kann mit interessanten Geschichten
über Kraftwerke und Gasmotoren in der Sowjetunion aufwarten. Die MAN hat in
Kiev 1904, damals noch im zaristischen Russland, ein Kraftwerk gebaut, dass
noch bis in die 60er des letzten Jahrhunderts lief.
Auf dem Weg zu dem Schiffsmotor überqueren wir das
Werksgelände. Vor dem Gebäude in dem die Arbeit geplant wird steht ein Denkmal.
Ein überlebensgroßer Schmied mit Schlapphut, Lederschürze und Holzschuhen.
„Für unsere Gefallenen“ steht auf dem Sockel. Einer meiner
Gäste fragte wie viele MAN – Mitarbeiter den gefallen wären, antwortete der MAN.
„Ich schätze mal so zwischen fünf- und
sechshundert.“
Er erzählt uns von den Bombenangriffen auf das Werk während
des zweiten Weltkriegs. Das Werk ist von oben leicht zu finden. Es liegt nahe
dem Zusammenfluss der beiden Flüsse Wertach und Lech. Die Flugzeuge sind den
Lech lange unentdeckt den Lech flussaufwärts geflogen. Nur um die Bomben
abzuwerfen mussten die Bomber an Höhe gewinnen. Bei einem solchen Bombenangriff
ist auch sein einziger Bruder, ebenfalls ein MANler, gefallen. Etwas nachdenklicher
gehen wir weiter. Wir gehen an einem Gestell
vorbei. Darauf werden die Zylinder des Motors montiert. In dem Gestell läuft
später die in Japan gefertigte Kurbelwelle. Ich schätze die Länge des Gestells
auf ungefähr 12 Meter. Beim Gewicht gibt es nichts zu schätzen, das erfragen wir; 80 Tonnen!
Gegossen wurde das Werkstück in zwei Minuten. Das Metall wurde in drei Öfen, mit
jeweils 50 Tonnen Fassungsvermögen, erhitzt.
Im Werk darf ich nicht fotografieren. Aber wenn ich Zahlen
nenne, kann sich jeder was vorstellen (oder auch nicht ;-)): Kolbendurchmesser 98
cm, Hub 3,2 Meter, Kaufpreis des Motors 4.000.000 €, Leistung 50.000 KW, …
Wir kommen langsam zu dem Motor, der auf dem Teststand in
der Halle im Probelauf wummert. Ohrenstöpsel schützen uns vor dem Lärm. Der
Hallenboden bebt. Der Motor stampft in langsamer Drehzahl vor sich her. Der
Auf- und Abbau des Motors zum Testlauf dauert zwei Tage. Unser Begleiter warnt
uns nicht zu nahe an den laufenden Motor zu treten. Sein Vater sei bei einem
Testlauf ums Leben gekommen. Wir sind noch mehr betroffen und fragen nach den
näheren Umständen. Es sei bei einem U-Boot-Motor passiert, antwortete der
MANler.
Die Schiffsmotoren sind die wahren Schwergewichte unter den
Dieselmotoren. Wir haben auch einen Motor gesehen, bei dem das Leistungsgewicht
entscheidenden ist. Der rechts abgebildete Motor war in einem Luftschiff
eingebaut. Hier war das Entscheidende die KW Leistung pro KG Motormasse.
Luftschiffe, U-Boote, Kraftwerke, Lastkraftwagen, Busse,
Containerschiffe … - Dieselmotoren tun nicht nur in unseren Taxis ihren Dienst.
Bei unserem anschließenden Besuch im Wirtshaus am Lech, kann
ich unseren Gästen etwas zeigen, was sie noch nicht kannten -
Holundersaftschorle. Erst blickten sie neugierig auf das im Weinkelch servierte
Getränk. Ich ließ das Getränk kreisen. Die Verkostung hat bei der nächsten
Getränkerunde voll durchgeschlagen.



