Mittwoch, 28. Dezember 2011

Renaissance ... vorbei


In der Theodor-Dombart-Straße auf dem Weg  zu dem Taxistand, der sich während der letzten Jahre zu einem meiner Lieblingsstände entwickelt hat, werfe ich einen Blick auf die Anzeige meines Datenfunkgerätes. Ich bin dem Renaissance Hotel schon ziemlich nahe und auf dem Display müsste hinter dem blauen Balken die Anzahl der dort am Datenfunk angemeldeten Taxis erscheinen.
Nur suche ich vergeblich nach der Aufschrift RENAISSANCE auf dem Display. Mir fällt die neue Bezeichnung THEODOR – DOMBART auf. Ich fahre vor der Hotelpforte vorbei und der Theodor – Dombart – Balken wird dunkel. Ein Zeichen, daß das jetzt  der neue Namen für den Standplatz ist. 


Die Hotellobby ist verlassen, die Rezeption ist leer. Die Türen sind abgeschlossen.  Von den Doormen, mit denen ich mich während der letzten Jahre mehr oder weniger angefreundet habe, ist niemand mehr da. Von den Doormen wusste ich schon seit Monaten, daß das Hotel verkauft wurde und aufwändig renoviert wird. So richtig bewusst wird mir das aber erst jetzt, wo ich vor den verschlossenen Türen stehe. Letztes Jahr standen hier noch tage- und nächtelang Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.
Der Stand hatte wie jeder andere Taxistand seine Eigenheiten; da war die ältere Dame aus dem Wohngebiet gegenüber. Mal war ihr das Taxi zu klein, mal war es ihr zu groß. Oft wollte sie nur mit deutschen Fahrern fahren. Mit dem oder jenen Fahrer hat sie sich zerstritten. Sie humpelte um die Ecke und inspizierte ein Taxi und dessen Fahrer der Reihe nach am Taxistand. Wir beobachteten und kommentierten die Inspektion hinter den Glasscheiben aus der Hotelhalle. Am Ende der Taxireihe wäägte sie ab und stieg in das Taxi mit dem sie fahren wollte. Ich hatte Glück. Mit meinem Taxibus blieb ich verschont, bis ich eines Tages vom Renaissance einen Funkauftrag bekam. Ich fuhr zu  der nahen Adresse in das Wohngebiet gegenüber. Ich ahnte schon was passiert. Tatsächlich, die bekannte Dame stand vor der Tiefgarageneinfahrt. Als sie meinen Bus sah, winkte sie schon ab. Ich muß gestehen; ich war darüber nicht sehr unglücklich. Wenn ich schon für ein Butterbrot unterwegs bin, möchte ich wenigstens meinen Frieden haben. Ich sage ihr, daß ich ihr über unsere Zentrale ein PKW Taxi bestelle und schärfe ihr ein dort zu bleiben, das bestellte Taxi kämme sofort. In München ist das nur eine Minutengeschichte. Auf dem Weg zurück zum Renaissancestand ordere ich ein PKW Taxi (den geforderten deutschen Fahrer vergesse ich) an die Adresse. Kaum stehe ich wieder alleine am Standplatz – wen sehe ich da um die Ecke auf mich zuhumpeln? Genau die Dame, auf die der von mir bestellte und vergeblich angefahrene  Taxifahrer um die Ecke wartet. In dem Moment hält ein weiters Taxi vor dem Hotel um einen Fahrgast aussteigen zu lassen. Die Dame setzt sich in das soeben freigewordene Taxi. Ich kläre den Fahrer auf, daß ich für die Dame ein Taxi bestellt hätte. 

Die Dame nennt mich vor dem Fahrer unverschämt, und herrscht ihn an er solle losfahren. Der Fahrer wendet und braust davon. Schnell melde ich mich über Funk und bestelle das Taxi wieder ab. Hoffentlich hat der Kollege nicht so lange am Taxistand gewartet.
Aber der Stand hatte auch seine guten Seiten und Zeiten. Während der Messe bekam ich morgens oft Touren zum Messegelände. Und -> Hasan, mein arabischer Fahrgast, der mich diesen Sommer eine Woche lang beschäftigte, war auch Gast in diesem Hotel. Flughafenfahrten bekam überdurchschnittlich oft von diesem Standplatz. 

Jetzt muß ich mich nach etwas neuem umschauen, heute war ich schon zweimal am Marriot, dem Schwesterhotel in der Berliner Straße. Mit der Zeit werde ich auch die Eigenheiten dieses Standplatzes erfahren oder besser – erstehen.
     

2 Kommentare:

  1. Reinhold OHNE seinen Renaissance-Stand?
    Heimatlosigkeit pur!

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  2. Dann wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben, als daß ich mir im neuen Jahr einen neuen Job suche.

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