In der Theodor-Dombart-Straße auf dem Weg zu dem Taxistand, der sich während der
letzten Jahre zu einem meiner Lieblingsstände entwickelt hat, werfe ich einen
Blick auf die Anzeige meines Datenfunkgerätes. Ich bin dem Renaissance Hotel
schon ziemlich nahe und auf dem Display müsste hinter dem blauen Balken die Anzahl
der dort am Datenfunk angemeldeten Taxis erscheinen.
Nur suche ich vergeblich nach der Aufschrift
RENAISSANCE auf dem Display. Mir fällt die neue Bezeichnung
THEODOR – DOMBART auf. Ich fahre vor der Hotelpforte vorbei
und der Theodor – Dombart – Balken wird dunkel. Ein Zeichen, daß das jetzt der neue Namen für den Standplatz ist.
Die Hotellobby ist verlassen, die Rezeption ist leer. Die
Türen sind abgeschlossen. Von den Doormen,
mit denen ich mich während der letzten Jahre mehr oder weniger angefreundet
habe, ist niemand mehr da. Von den Doormen wusste ich schon seit Monaten, daß
das Hotel verkauft wurde und aufwändig renoviert wird. So richtig bewusst wird
mir das aber erst jetzt, wo ich vor den verschlossenen Türen stehe. Letztes
Jahr standen hier noch tage- und nächtelang Mitarbeiter eines
Sicherheitsdienstes.
Der Stand hatte wie jeder andere Taxistand seine
Eigenheiten; da war die ältere Dame aus dem Wohngebiet gegenüber. Mal war ihr
das Taxi zu klein, mal war es ihr zu groß. Oft wollte sie nur mit deutschen
Fahrern fahren. Mit dem oder jenen Fahrer hat sie sich zerstritten. Sie
humpelte um die Ecke und inspizierte ein Taxi und dessen Fahrer der Reihe nach
am Taxistand. Wir beobachteten und kommentierten die Inspektion hinter den
Glasscheiben aus der Hotelhalle. Am Ende der Taxireihe wäägte sie ab und stieg
in das Taxi mit dem sie fahren wollte. Ich hatte Glück. Mit meinem Taxibus
blieb ich verschont, bis ich eines Tages vom Renaissance einen Funkauftrag
bekam. Ich fuhr zu der nahen Adresse in
das Wohngebiet gegenüber. Ich ahnte schon was passiert. Tatsächlich, die
bekannte Dame stand vor der Tiefgarageneinfahrt. Als sie meinen Bus sah, winkte
sie schon ab. Ich muß gestehen; ich war darüber nicht sehr unglücklich. Wenn
ich schon für ein Butterbrot unterwegs bin, möchte ich wenigstens meinen
Frieden haben. Ich sage ihr, daß ich ihr über unsere Zentrale ein PKW Taxi
bestelle und schärfe ihr ein dort zu bleiben, das bestellte Taxi kämme sofort.
In München ist das nur eine Minutengeschichte. Auf dem Weg zurück zum
Renaissancestand ordere ich ein PKW Taxi (den
geforderten deutschen Fahrer vergesse ich) an die Adresse. Kaum stehe
ich wieder alleine am Standplatz – wen sehe ich da um die Ecke auf mich
zuhumpeln? Genau die Dame, auf die der von mir bestellte und vergeblich
angefahrene Taxifahrer um die Ecke
wartet. In dem Moment hält ein weiters Taxi vor dem Hotel um einen Fahrgast
aussteigen zu lassen. Die Dame setzt sich in das soeben freigewordene Taxi. Ich
kläre den Fahrer auf, daß ich für die Dame ein Taxi bestellt hätte.
Die Dame nennt mich vor dem Fahrer unverschämt, und herrscht
ihn an er solle losfahren. Der Fahrer wendet und braust davon. Schnell melde
ich mich über Funk und bestelle das Taxi wieder ab. Hoffentlich hat der Kollege
nicht so lange am Taxistand gewartet.
Aber der Stand hatte auch seine guten Seiten und Zeiten.
Während der Messe bekam ich morgens oft Touren zum Messegelände. Und -> Hasan,
mein arabischer Fahrgast, der mich diesen Sommer eine Woche lang beschäftigte,
war auch Gast in diesem Hotel. Flughafenfahrten bekam überdurchschnittlich oft
von diesem Standplatz.
Jetzt muß ich mich nach etwas neuem umschauen, heute war ich
schon zweimal am Marriot, dem Schwesterhotel in der Berliner Straße. Mit der
Zeit werde ich auch die Eigenheiten dieses Standplatzes erfahren oder besser –
erstehen.
Reinhold OHNE seinen Renaissance-Stand?
AntwortenLöschenHeimatlosigkeit pur!
Dann wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben, als daß ich mir im neuen Jahr einen neuen Job suche.
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