Montag, 12. Dezember 2011

Milchmädchen


In so ziemlich genau einem Jahr, im November oder Dezember 2012, geht die Welt unter, prophezien die Maya. In unserem Sonnensystem gibt es eine Planetenkonstellation wie während der letzten 12.000 Jahre nicht mehr. Der Polsprung löst auf unserer Erde ungeahnte Katastrophen aus.
In zwei Jahren, 2013, crasht unser Euro, prophezeien  Wirtschafter. Die Nachrichten aus der Finanzwelt bedeuten nichts Gutes. Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler an der Nymphenburger Straße tickt bedrohlich.
Als ich mein Taxigeschäft verkaufte, gab es einen Stichtag an dem die Außenstände und die Verbindlichkeiten verrechnet wurden. Dieser Stichtag war der 31.12.2001, der letzte DM – Tag! Ich erinnere mich noch an das ungläubige Gesicht meines Bankers, der mir von den Einzahlungen aus dem Taxiunternehmen vertraut war;

“Jetzt wo der Euro kommt willst du verkaufen???“  



Ja, genau jetzt. Die fünf Taxigenehmigungen wurden mit 100.000,- DM bewertet. Der Euro kam, das Geschäft brach ein. Sieben Monate später gingen wieder fünf Taxigenehmigungen über den Tisch, für 25.000,-€.
Was mache ich jetzt - wenn der Euro geht? Vorausgesetzt das Magnetfeld der Erde bleibt im nächsten Jahr stabil, könnte es 2013 für den Euro eng werden.
Immobilien fallen mir als erstes ein. Jeder spricht von Betongold in München. Das wäre eine sichere Geldanlage. Zugegeben ich habe mir bis jetzt wenig Gedanken über meine Zukunft gemacht, aber jetzt sind wir eine Familie und es geht nicht nur um mein Leben, sondern um unsere Sicherheit. Ein kleines Appartement in München könnten wir uns schon leisten. Als erste Informationsquelle nutze ich wie immer das Internet. Die Immobilienportale sind schick aufgemacht. Es gibt sinnvolle Filter mit denen ich die Suche verfeinern kann. Ich stelle ein Kaufpreis 100.000 € in München, vermietet – daraufhin bekomme ich über 40 Angebote. Ich entscheide mich für eine 1-Zimmer Wohnung, 46 qm, in München/Hadern Kaufpreis mit Nebenkosten 106.000,- €. Praktischerweise ist bei jedem Angebot gleich ein Finanzierungsrechner drangehängt. Als einzige Variable kann man nur das Eigenkapital eingeben. Natürlich muss ich das gleich ausprobieren. Als Eigenkapital gebe ich 50.000,- € ein und blicke auf die monatliche Rate, die mir die Software ausspuckt. 223,- € monatliche Rate stehen auf meinem Bildschirm. Die Software rechnet voreingestellt mit 3,9 % Zinsen und 1% Tilgung. Die Laufzeit der Finanzierung spuckt der Rechner nicht aus.
Ich überschlage: Der Mieter bezahlt 430,- € Miete, davon gehen 150,- € Hausgeld ab, mir bleiben 280,- € monatlich. Davon bezahle ich 223,-€ monatlich für die Finnanzierung. Bei 1% iger Tilgung haben wir nach 100 Monaten (das wären etwas über 8 Jahre) die Wohnung bezahlt. Ich hätte dann aus meinen 50.000 in unter 9 Jahren 100.000 € gemacht. 


Was man gerne hört, das glaubt man auch. Das diese Rechnung nach der Zinsrechnung nicht aufgehen kann, negiere ich in meiner Euphorie. Wie kann ich denn nur Taxifahren bei solchen Gewinnaussichten im Immobilienbereich.
Gestern, bei einer Fahrt zum Flughafen kommen mir erste Zweifel. Mit 100 x 223,-€ können keine 56.000,- € zurückbezahlt werden. Am Terminal 2 gibt es einen gut sortierten Zeitschriftenhandel. Die haben am Flughafen auch sonntags geöffnet. Aus der Fachpresse fische ich mir ein Heftchen mit dem Titel Immobilienverkauf. Am nächsten Stand in der Stadt wird es gleich studiert. In einem Artikel wird davon geschrieben, daß bei dieser historisch tiefen Zinslage, bei  1% Tilgung, die Immobile nach schon 35 Jahren abbezahlt sei.
Schon! nach 35 Jahren. Das ist viel, viel mehr als meine höchstens 9 Jahre. Ich bin jetzt 43 in 35 Jahren bin ich 78 Jahre alt, ich könnte mich dann nur noch die restlichen 30 Jahre meines Lebens über eine bezahlte Immobilie freuen.
Ernüchtert blättere ich durch mein Magazin, im Internet recherchiere ich genauer, dort bestelle ich mir bei Amazon gleich ein Büchlein über Immobilienfinanzierung. Inzwischen weiß ich was ein Annuitätendarlehen ist und was 1% Tilgung bedeutet.
Trotzdem bin ich zuversichtlich, daß wir es innerhalb von 10 Jahren schaffen.
 

Heute früh vor dem Rilano
Heute früh habe ich um 7.00 Uhr vier Engländer vom Rilano – Hotel zum Flughafen gebracht. Am Freitag fuhren sie mit mir vom Hauptbahnhof zu dem Hotel in der Domagkstraße auf der Fahrt dahin haben wir die heutige Fahrt vereinbart. Ich war pünktlich vor dem Hotel. Die Engländer waren auch da. Zumindest die Rechnung ist aufgegangen.                

1 Kommentare:

  1. ich hab auch ne milchmädchenrechnung gemacht. ich zählte ein paar tage nach deinem letzten posting und erwartete neues von dir. und - :-(((

    auf und drauf auf die tastatur. gruß robert

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