Sonntag, 27. November 2011

Zweimal passend


Ich war nicht wenig froh, dass meine Heizung im Fahrgastraum wieder funktionierte. Wir fahren für Spielmotor, die Auftrag der Landeshauptstadt München und BMW ein Theaterfestival veranstalten. Die Künstler, die im Rahmen dieses Festivals im Gasteig oder in der Muffathalle  auftreten, kommen aus der ganzen Welt. Im Einsatz ist natürlich unser Taxibus. Die Gruppe die ich als erstes mit meinem frisch reparierten Taxi fahren durfte, kam aus Kolumbien.

“Kalt, Kalt, Kalt, …“

waren die ersten Worte unserer Gäste, von denen ein Großteil das erste Mal in Europa ist. Der neue Stellmotor wurde gleich richtig gefordert.

Muffatthalle und Gasteig - Austragungsorte des Festivals


Heute in der Früh habe ich gleich um 8 Uhr eine Gruppe  Franzosen vom Hotel in Haidhausen zum Flughafen zu bringen. Die nächste Fahrt habe ich wieder um 9 Uhr von Schwabing zum Flughafen. Mir bleibt also eine Stunde die Franzosen einzuladen, zum Flughafen zu bringen, umzudrehen, knapp 40 Kilometer zurück nach München zu fahren und dort die zweite Tour aufzunehmen.
Bevor ich losfahre, fotografiere ich das Taxi und stelle es mit dem Text: Und looos geht’s. Zweimal Flughafen in einer Stunde. Die Latitude Freunde kriegen was zu sehen auf Facebook ein.

Ob ich es schaffe hängt zum großen Teil davon ab, wie pünktlich ich von dem Hotel in Haidhausen wegkomme. Ich überlege mir schon während der Fahrt wie ich acht französische Künstler freundlich und höflich zur Eile treiben könnte.
Um fünf vor acht rolle ich vor das Hotel. Ich habe schon vorher gewendet und bleibe abfahrtsbereit in der korrekten Richtung stehen. Vor dem Hotel sitzt auf steinernen Blumenkübeln rauchend ein junges Pärchen. Ich erkundige mich, jawohl, das sind die ersten Zwei meiner acht Fahrgäste. Ich gehe in die Hotelhalle, die ist menschenleer. Außer dem Rezeptionisten ist niemand da. Aus dem Frühstücksraum höre ich Geräusche aber von meinen weiteren sechs Fahrgästen fehlt bis jetzt noch jede Spur. Ich geselle mich wieder zu  den zwei Rauchern vor dem Hotel und grüble wie ich hier pünktlich wegkomme. Jetzt  liefert mir die Frau eine Steilvorlage:

“Passen wir alle Acht in das Auto?“ fragt sie, und deutet dabei auf -> mein Taxi. Ich habe gleich die richtige Antwort parat.

“ Ob überhaupt alle Acht mitfahren ist ja noch nicht sicher. Oft kommen Gäste zu spät und dann können wir bequem  zu fünft oder zu sechst fahren.“

Das hat gesessen, ich habe freundlich mein Ziel erreicht. Die junge Frau steht auf, drückt ihre Zigarette aus und verschwindet im Hotel.
Im Minutentakt kommen die Mitglieder des Ensembles aus dem Hotel und nehmen nacheinander im Taxi Platz. Um 8.05 Uhr sind wir schon auf dem Weg zum Münchener Flughafen.
Mit 175 km/h, das ist die absolute Geschwindigkeitsobergrenze für meinen VW, brause ich über die Autobahn. “Ping.“ meldet sich mein Telefon. Ich fische es aus meiner Hemdtasche und blicke auf den Monitor. Es ist ein Kommentar von Wolfram von -> Taunustaxi auf meinen Post von heute Morgen.

“Flieg nicht so tief mein kleiner Freund …“ kommentiert er. Als ich das lese muß ich lächeln. Ich bemerke die fragenden Blicke meiner Gäste und übersetze Wolframs Nachricht.

„Wieso? Können die uns sehen?“ fragt lachend einer meiner Künstler. Wir anderen müssen jetzt auch lachen. Wolframs Kommentar hat uns genau passend erreicht. Der zweit passende Spruch schon so früh am Morgen.
Vor dem Verabschieden habe ich mich noch bei meinen Gästen für ihre Pünktlichkeit bedankt und zügig zurück nach München gerast. Bei meinem nächsten Gast in Schwabing war ich dann sogar schon um 8.55 Uhr. Ich konnte noch zu meinem eigenen Post einen Kommentar abgeben, bevor ich dann pünktlich um 9 Uhr auf den Klingelknopf drückte.
Wäre heute nicht Sonntag hätte ich die beiden Touren in der Zeit nicht geschafft.

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