Ich war nicht wenig froh, dass meine Heizung im Fahrgastraum
wieder funktionierte. Wir fahren für Spielmotor, die Auftrag der
Landeshauptstadt München und BMW ein Theaterfestival veranstalten. Die
Künstler, die im Rahmen dieses Festivals im Gasteig oder in der
Muffathalle auftreten, kommen aus der
ganzen Welt. Im Einsatz ist natürlich unser Taxibus. Die Gruppe die ich als
erstes mit meinem frisch reparierten Taxi fahren durfte, kam aus Kolumbien.
“Kalt, Kalt, Kalt, …“
waren die ersten Worte unserer Gäste, von denen ein Großteil
das erste Mal in Europa ist. Der neue Stellmotor wurde gleich richtig
gefordert.
| Muffatthalle und Gasteig - Austragungsorte des Festivals |
Heute in der Früh habe ich gleich um 8 Uhr eine Gruppe Franzosen vom Hotel in Haidhausen zum
Flughafen zu bringen. Die nächste Fahrt habe ich wieder um 9 Uhr von Schwabing
zum Flughafen. Mir bleibt also eine Stunde die Franzosen einzuladen, zum
Flughafen zu bringen, umzudrehen, knapp 40 Kilometer zurück nach München zu
fahren und dort die zweite Tour aufzunehmen.
Bevor ich losfahre, fotografiere ich das Taxi und stelle es
mit dem Text: Und looos geht’s. Zweimal Flughafen in einer Stunde.
Die Latitude Freunde kriegen was zu sehen auf Facebook ein.
Ob ich es schaffe hängt zum großen Teil davon ab, wie
pünktlich ich von dem Hotel in Haidhausen wegkomme. Ich überlege mir schon
während der Fahrt wie ich acht französische Künstler freundlich und höflich zur
Eile treiben könnte.
Um fünf vor acht rolle ich vor das Hotel. Ich habe schon
vorher gewendet und bleibe abfahrtsbereit in der korrekten Richtung stehen. Vor
dem Hotel sitzt auf steinernen Blumenkübeln rauchend ein junges Pärchen. Ich
erkundige mich, jawohl, das sind die ersten Zwei meiner acht Fahrgäste. Ich
gehe in die Hotelhalle, die ist menschenleer. Außer dem Rezeptionisten ist niemand
da. Aus dem Frühstücksraum höre ich Geräusche aber von meinen weiteren sechs
Fahrgästen fehlt bis jetzt noch jede Spur. Ich geselle mich wieder zu den zwei Rauchern vor dem Hotel und grüble
wie ich hier pünktlich wegkomme. Jetzt
liefert mir die Frau eine Steilvorlage:
“Passen wir alle Acht in das Auto?“ fragt
sie, und deutet dabei auf -> mein Taxi. Ich habe gleich die richtige Antwort
parat.
“ Ob überhaupt alle Acht mitfahren ist ja noch
nicht sicher. Oft kommen Gäste zu spät und dann können wir bequem zu fünft oder zu sechst fahren.“
Das hat gesessen, ich habe freundlich mein Ziel erreicht.
Die junge Frau steht auf, drückt ihre Zigarette aus und verschwindet im Hotel.
Im Minutentakt kommen die Mitglieder des Ensembles aus dem
Hotel und nehmen nacheinander im Taxi Platz. Um 8.05 Uhr sind wir schon auf dem
Weg zum Münchener Flughafen.
Mit 175 km/h, das ist die absolute
Geschwindigkeitsobergrenze für meinen VW, brause ich über die Autobahn.
“Ping.“ meldet sich mein Telefon. Ich fische es aus meiner
Hemdtasche und blicke auf den Monitor. Es ist ein Kommentar von Wolfram von
-> Taunustaxi auf meinen Post von heute Morgen.
“Flieg nicht so tief mein kleiner Freund
…“ kommentiert er. Als ich das lese muß ich lächeln. Ich bemerke die fragenden
Blicke meiner Gäste und übersetze Wolframs Nachricht.
„Wieso? Können die uns sehen?“ fragt
lachend einer meiner Künstler. Wir anderen müssen jetzt auch lachen. Wolframs
Kommentar hat uns genau passend erreicht. Der zweit passende Spruch schon so
früh am Morgen.
Vor dem Verabschieden habe ich mich noch bei meinen Gästen
für ihre Pünktlichkeit bedankt und zügig zurück nach München gerast. Bei meinem
nächsten Gast in Schwabing war ich dann sogar schon um 8.55 Uhr. Ich konnte
noch zu meinem eigenen Post einen Kommentar abgeben, bevor ich dann pünktlich
um 9 Uhr auf den Klingelknopf drückte.
Wäre heute nicht Sonntag hätte ich die beiden Touren in der
Zeit nicht geschafft.
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