Sonntag, 20. November 2011

Wie im Kino


Altägyptisches im Museum des Louvre
Sakrileg hieß der Roman von Dan Brown, den wir alle kurz nachdem er erschienen ist verschlungen haben. Der Roman, in dem Robert Langdon, ein Kryptologe, auf der Jagd nach  dem Geheimnis des Grals, die Hauptfigur darstellt, wurde 2006 unter dem Titel Der Da Vinci Code verfilmt. Gleich zu Beginn des Romans wird der Museumsdirektor des Museums im Louvre, ein Großmeister des Ordens Priuiré de Sion im Louvre ermordet. Der Mörder ist ein wahnsinniger Mönch des Opus Dei.
Morgen wollen wir in das Museum des Louvre. Meinen Laptop habe ich dabei und unser Hotel bietet WLAN. Mein Freu hat eine Idee; wir könnten uns doch den Film in dem doch auch der Louvre eine Rolle spielt im Internet anschauen.
Der Louvre erscheint gleich in den ersten Szenen. Wir richten unser Augenmerk auf Details des Museums die gezeigt oder erwähnt werden.
Das Museum ist mit einem modernen Diebstahlschutz ausgestattet. Wird eines der wertvollen Gemälde von der Wand entfernt, löst sich ein Kontakt. Daraufhin werden alle Türen und großen Durchgänge in Sekunden verschlossen. Der Dieb sitzt dann mit seinem Diebesgut in der Mausefalle und kann auf die alarmierte Polizei warten.
Im Film läuft das Opfer gehetzt durch das nächtliche Museum. Verfolgt wird der Museumsdirektor von einem humpelnden Albino-Mönch. Während einer Verfolgungsszene kann ich bei einer Kameraeinstellung das Glasdach der großen Galerie erkennen. Der Museumsdirektor im Film hat keine Chance seinem Mörder in der Kutte zu entkommen. In seiner Not nimmt er ein Gemälde von der Wand. In dieser Sekunde rauscht ein Metallgitter aus dem Dach der Galerie und trennt das Opfer von seinem unheimlichen Verfolger. Dem  Mönch bliebt nichts mehr als seine Pistole zu  ziehen und auf den Museumsdirektor zu schießen.

Minuten später im Film: Der Kommissar der französischen Polizei zeigt Langdon, der als Hauptverdächtiger gilt, eine Foto der Leiche des Museumsdirektors. Der Kryptologie – Professor bemerkt sofort, dass der Mord im Louvre verübt wurde. Der Polizist horcht auf, er denkt jetzt hätte er den Verdächtigen entführt. Doch Langdon bemerkt, er hätte auf dem Foto das Parkett erkannt. Dieses einzigartige Parkett gäbe es nur im Louvre.

Der Kommissar führt Langdon an den Ort des Verbrechens. Das Museum betreten sie über die Pyramide im Hof des Louvre. Gleich hinter dem Eingang gehen die beiden Schauspieler in einen kreisrunden Aufzug ohne Dach. Wie von Geisterhand schweben die Beiden in die unterste Ebene des Eingangsbereichs. 


Meine Frau und meine Tochter merken sich noch jeweils ein Bild, das man im Film erkennt und dann schlafen wir einer nach dem anderen ein. Am nächsten Morgen, der Laptop liegt noch auf dem Bett machen wir uns auf den Weg in den Louvre. Vorher müssen wir aber noch bequeme Schuhe für meine bessere Hälfte kaufen. Auf unserem Weg zum ersten Mal zu Chartier habe wir uns verlaufen. Dabei, so kann ich mich erinnern, habe ich einen Boulevard mit mehreren Schuhgeschäften entdeckt. Zum Glück gibt’s die Metró, schnell sind wir bei den Schuhgeschäften. Es mag sich aber kein Paar Schuhe finden, das gefällt. Vesna gibt auf, mit enttäuschter Miene will sie sich mit ihren unbequemen Schuhen das Museum antun. Ohne Schuhe fahren wir zum Louvre.

 Da stehe ich in Paris, habe den Kopf  voller Gemälde die ich bald sehen werde, voller Erwartung auf die versteckten Botschaften die ich dort zu entdecken glaube, Freimaurer, Verschwörungstheorien, Hollywood – Filme, geheime Bruderschaften, Weltherrschaft … das lässt sich nicht mit einer unzufriedenen Ehefrau an meiner Seite bewältigen. So will es der Zufall oder die Vorhersehung, dass in der Rue de Rivoli Adidas einen Store unterhält. Dort stattet sich Vesna mit bequemen Schuhen aus, die ihr auch gefallen.



Speissesaal Napoleon III.
So gerüstet können wir auf Entdeckungstour gehen. Groß nach Kultur ist mir nicht zumute. In meinem Kopf nehmen die eher profaneren, technischen  Interessen überhand. Mich interessiert der Aufzug, das Glasdach, das Parkett und das Alarmsystem mit den herunterrauschenden Gittern.
Vor der Pyramide hat sich eine Schlange von Besuchern gebildet. Sie stehen vor einem Röntgengerät, das im inneren der Pyramide steht. Wie auch beim Eifelturm werden die Taschen der Besucher durchleuchtet und die Besucher selbst durchsucht. Während wir in der zweiten Schlange vor einer der Kassen anstehen, kann ich den Aufzug in Aktion beobachten. Der runde Aufzug ist nichts anderes, als ein großer Zylinder, der in den Boden versinkt. Der Aufzug ist reserviert für gehbehinderte Personen, die die Treppe vom Eingang in das Untergeschoß zu den Kassen nicht benützen können. Um den ausgefahrenen Zylinder ist noch eine Wendeltreppe gebaut. Die Personen im Aufzug können sozusagen in der Wendeltreppe nach unten oder oben fahren. Ich kann noch drei Aufzugsfahrten sehen, bis wir an der Kasse sind. Erfreulich ist, daß Kinder freien Eintritt haben. Ebenso ist jeden ersten Sonntag im Monat der Eintritt für jeden Besucher frei.
Die drei Bereiche des Museums sind nach Richelieu (der Flügel an der Rue de Rivoli, dort wo das Adidas-Geschäft ist ;-)), Sully (der zentrale Bereich) und Denon (der Flügel an der Seine) benannt. Ganz unten, auf der gleichen Ebene wie die Kassen, gehen wir in den Sully-Bereich. Hier sind Teile der Grundmauern des Louvre freigelegt. Wir erkennen die ursprüngliche Funktion des Louvre im Mittelalter – eine Festungsanlage. Von dort gehen wir in die altägyptische Abteilung. Wir sind überrascht von der Vielzahl der Ausstellungsstücke. Neben einem Treppenaufgang stehen zwölf Sarkophage. Zahlreiche Büsten und Gebrauchsgegenstände vervollständigen die ägyptische Abteilung. Treppe rauf, Treppe runter, rüber hinüber unser Ziel ist der Denon – Flügel. Im Erdgeschoß nehmen wir noch die bekannte Skulptur Borghese Gladiator mit. Eine kleine Kopie davon habe ich als Jugendlicher bei einer Tombola gewonnen. Die Figur stand jahrelang in meinem Jugendzimmer und hieß bei mir einfach und politisch korrekt; Spartacus. Der Gladiator teilt sich das gleiche Stockwerk mit der überlebensgroßen, sitzenden Skulptur von Ramses dem II. und der Venus von Milo ( eigentlich ist es ja die Aphrodite). Immer wieder wandern unsere Augen auf das Parkett. Es gibt verschiedene. Längs oder quer, in der Sully- Abteilung finde ich eine nicht so gewöhnliche Anordnung der Parkettstreifen.
In Denon, im 1.Stock, isst auch die große Galerie. Hier hängen die  für uns meist bedeutenden Gemälde der italienischen Meister des 17. und 18. Jahrhunderts. Hier finden wir auch in einem Querbau der großen Galerie die Mona Lisa.


Meistfotografiertes Model in Paris, die Mona Lisa

Vor dem Gemälde drängen sich hundert Besucher. Aus der anderen Richtung kommt eine Gruppe aus den USA. Ein Mann stellt sich neben dem Gemälde unseres verehrten Meisters  Leonardo da Vinci und klappt ein DINA 3 Poster auf. Auf dem Poster ist die Mona Lisa mit dem Konterfei Alfred E. Neumanns abgedruckt. Alfred E. Neumann ist die Titelfigur der MAD – Comic – Hefte. Seine Ehefrau zückt ihren Fotoapparat um den Frevel noch zu dokumentieren. Ich stelle mir das fertige Foto vor; ihr Gatte hält das Poster mit dem pickelnarbigen, zahnlückigen Alfred neben sein Angesicht, während im Hintergrund die Mona Lisa zu erkennen ist.
Absperrgitter in der Decke

Jetzt kommt einer der seltenen Momente, in denen ich mich als Europäer fühle. Französische, spanische, italienische und meine strafenden Blicke treffen das Paar aus der neuen Welt. Wenigstens ist es ihnen ­peinlich; die Frau lächelt verlegen und der Mann zuckt mit den Schultern und meinte er wäre ein großer Fan von ihm. Damit meint er nicht unseren Meister Leonardo, nein, er deutet dabei auf die lächerliche Comicfigur aus dem MAD – Magazin.
Zugegebenerweise habe ich auch nicht nur die Kunst im Sinn, meine Aufmerksamkeit richtet sich auf die Gitter die im Ernstfall die Museumsräume abriegeln. Und tatsächlich, ich entdecke die Gitter in der Decke über den Durchlässen hängend. Da hat der Film gestern Abend doch nicht gelogen.
Hier in der großen Galerie finden meine Frau und Tochter noch die Gemälde, die sie sich gestern Abend gemerkt haben. 


Im Untergeschoß des Richelieu – Flügel stehen die großen Skulpturen. Davor sitzen die Studenten mit ihren Skizzenblöcken und Bleistiften auf dem Boden. Drei Stockwerke darüber erinnern die Gemächer Napoleons des III. an die ursprüngliche Verwendung des Louvre als Herrschaftssitz. Noch ein Stockwerk höher, in der zweiten Etage, besuchen wir noch die Rubens Abteilung. Vesnas Ehrgeiz und ihre neuen Schuhe  zwingen uns dann noch bis vor die letzte verschlossene Türe zu gehen.
Wir verlassen das Museum wie wir es betraten, durch die Pyramide. Jetzt noch zu Fuß zur Kirche Notre Dame. Nach den ausgiebigen Märschen steht für mich schon den ganzen Tag über fest wo der Abend endet; bei -> Chartier Chartier. Dort besprechen wir bei einem schönen Abendessen das Ergebnis unserer cineastischen Ermittlungen.


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3 Kommentare:

  1. "Da stehe ich in Paris, habe den Kopf voller Gemälde die ich bald sehen werde, voller Erwartung auf die versteckten Botschaften die ich dort zu entdecken glaube, Freimaurer, Verschwörungstheorien, Hollywood – Filme, geheime Bruderschaften, Weltherrschaft … das lässt sich nicht mit einer unzufriedenen Ehefrau an meiner Seite bewältigen."

    LOL!

    Aber Du hast vergessen zu schreiben was denn nun aus Deiner Weltverschwörung geworden ist? Hast Du wegen der guten Schuhe endlich dem greisiliche Despotenpack auf die Schliche, und der Unterdrückung der Menschheit glorreich ein Ende setzen können?

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  2. Noch nicht ganz! Aber wir haben im Louvre weitere Hinweise entdeckt… Mich führt die Spur nach Jerusalem, London, Madrid und Ingolstadt. Vesna führt die Spur hingegen nach London, Rom, Venedig und Mailland.
    Es bleibt nur noch die Priorität zu klären; Schuhgeschäfte oder das Geheimnis der Weltverschwörung. Adam Weishaupt sei Dank gibt es eine Übereinstimmung – LONDON!
    Da wir Venedig, Madrid und Rom schon durchstöbert haben. (Du wirst es nicht glauben, wir haben da überall auch Schuhe gekauft), steht das nächste Ziel so gut wie fest. Jetzt sind die Angelsachsen dran. Schade, dass der 5.11. erst vorbei ist.

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  3. Das ist mal was Neues: Der Weltverschwörung mit Schuhkäufen auf die Schliche zu kommen. Aber warum nicht. Zumindest ist es nicht unplausibler als so manches, das ich aus diversen Hollywood-Werken kenne. ;o) Vielleicht ist das sowieso ein neues Genre von Heldenfilmen, die auch mal Der FRAU gerecht werden: Bisher war es ja immer so, daß nur der Mann im Vordergrund stand. Er durfte sich mit diversen Dingen, die ihm ohnehin Spaß machen amüsieren (böse Übeltäter zammkloppen, in halsbrecherischen Manövern Flugzeuge fliegen, schnell mit unfassbar teuren Autos durch die Gegend heizen) - und das wurde einem so verkauft, daß es am Ende doch alles nur dem guten Zweck dient (wer´s glaubt).
    Nun also endlich die Gerechtigkeit: Die Heldin kauft Schuhe in den schönen Metropolen dieser Welt (und findet auf den Schuhschachteln "Symbole"), ratscht vielleicht bei erlesensten Kuchen und schmackhaftem Latte Macchiato mit ihren Freundinnen (und erhält dabei wichtige Hinweise auf den Aufenthaltsort des Übeltäters und Weltverschwörers), und genießt am Ende eine mehrtägige Kur in einem luxuriös ausgestatteten Spa, wo sie allerlei angenehme Anwendungen in Anspruch nimmt. Aber natürlich nur, weil sich in den Katakomben des Kurpalastes die Weltverschwörer treffen - denen sie am Ende grausam den Garaus macht. ^^

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