![]() |
| Dachzeichen und Eifelturm durch Panoramadach |
Während bei uns um die Farbfreigabe gekämpft wird, bemüht sich die Präfektur in Paris um ein
einheitliches Erscheinungsbild der 17.200 Taxis im Großraum Paris.
Vorgeschrieben wird ein schwarzes Dach. Zweifarbige Taxis,
wie z.b. in Portugal, sieht man kaum. Wenn die Taxifahrer neue Autos bestellen,
bestellen sie sie gleich schwarze
Fahrzeuge. Die neueren Fahrzeuge sind alle schwarz. Früher oder später
wird die gesamte Pariser Taxiflotte einheitlich in schwarz erscheinen.
Es gibt drei verschiedene Tarife; A,B, oder C. Zu welchem
Tarif gefahren wird, ist abhängig von der Uhrzeit, vom Gebiet und ob Feiertag
ist oder nicht.
Der Taxameter zählt die Zeit bis zur Überholgeschwindigkeit,
und ab dort zählt er die Kilometer. Der Zeittarif liegt je nach Tarifstufe zwischen
29,25 und 30,90 € /Stunde und der besetzt gefahrene Kilometer kostet zwischen
0,92 und 1,42 €. Die Grundgebühr sind günstige 2,30 €, der Mindestfahrpreis
beträgt 6,20 €. Ab dem vierten Fahrgast wird ein Zuschlag von 3,- € fällig. Die
Münchener Spezialität, den Gepäckzuschlag, gibt es hier auch. Für jedes
Gepäckstück über 5 Kilogramm berechnet
der Pariser Taxifahrer einen Euro.
| Im Taxi auf dem Quai Branly |
Unter dem weißen
Taxischild sind drei kleine Lämpchen, die anzeigen welcher Tarif eingeschaltet
ist. So kann die Tarifstufe auch von
außen kontrolliert werden. Jeder Fahrer darf höchstens 10 Stunden täglich fahren, auch dass kann von
außen kontrolliert werden. Im Heckfenster eines jeden Taxis ist eine Digitaluhr
die abläuft. Bis in sechs Wochen, bis zum 01.01.2012 muß jedes der 50.000 Taxis
in Frankreich mit dem neuen Taxidachzeichen ausgestattet werden. Die neuen
Dachzeichen leuchten grün wenn frei und rot wenn besetzt. Die Taxis stehen unter der direkten Kontrolle
der Polizei (Préfecture de Police de Paris)
Ähnlich wie bei uns, braucht der zukünftige Pariser
Taxifahrer zwei Jahre Fahrpraxis, Vorstrafenfreiheit, körperliche und geistige
Gesundheit und eine zweiteilige Prüfung bevor er ein Taxi fahren darf.
Im ersten, nationalen, Teil der Prüfung werden die
Sprachkenntnisse überprüft. Grundkenntnisse im Steuer- und Verwaltungsrecht
gehören ebenso zum nationalen Teil. Weiters gibt es da noch Verkehr und
Sicherheit als Prüfungsfächer.
Zu dem nationalen
Teil, der in ganz Frankreich gilt, gibt es noch einen lokalen Teil, der ist
vergleichbar mit unserem Ortskenntnisnachweis. Hier muss der Fahrer beweisen,
dass er sich in Paris auskennt. Geprüft werden verschieden Fahrrouten und
Adressen von Sehenswürdigkeiten, Ämtern, Hotels, Firmen, Behörden …
Der erste Teil der Prüfung gilt in ganz Frankreich, will der
Taxifahrer in einer anderen französischen Stadt fahren, muss er dort nur
noch den zweiten Teil der Prüfung ablegen.
Die Vorbereitung zur Prüfung dauert drei Monate und kostet
je nach Schule zwischen 1300,- und 2500,- €.
| Taxi am Charles de Gaulle Aéroport |
Dann kommt schon die größte Hürde zum Einstieg in das
Gewerbe - die Konzession! Zur Zeit kostet die Taxigenehmigung in Paris um die
175.000,- €. Die Übertragung der Genehmigung ist ähnlich kompliziert und zeitaufwändig.
Schon wenn der neue und der alte Taxifahrer bei der Polizeipräfektur den Antrag
auf Übertragung stellen, sind 15.000,- € zu hinterlegen. Der Kaufpreis, oft
durch Bankkredite finanziert, wird dann bei der Übertragung der Lizenz fällig.
Der Alte übergibt dann dem Neuen das sein Taxameter und eine Plakette. Die
Metallplakette wird an den rechten, vorderen Kotflügel des Taxis genietet.
Für viele Pariser Taxifahrer ist die Genehmigung auch die
Altersvorsorge. Fährt der Eigentümer selbst nicht mehr, kann er die Genehmigung
und sein Taxi an einen anderen Taxifahrer verpachten. Die Pacht bringt täglich
zwischen 100,- und 130,- €. Abgerechnet wird traditionell alle 10 Tage oder
neuerdings auch wöchentlich. Die Höhe der pacht richtet sich nach dem
eingesetzten Fahrzeug und wie weit der Taxifahrer an den Reparaturkosten
beteiligt ist.
Wie ein Damoklesschwert schwebt die Déréglementation,
die Freigabe der Konzessionen, über das Pariser Taxigewerbe. Man stelle sich
nur die Auswirkungen vor. Ein Taxifahrer nimmt einen Kredit über 175.000,- €
auf, übernimmt seine Lizenz, die über Nacht nichts mehr wert wäre. Zugleich
drängen viele frische Taxifahrer auf den Markt, die die finanzielle Belastung
durch den Kauf der teueren Lizenz nicht haben. Die können das Geld in ihre
Fahrzeuge oder Werbung finanzieren. Unser armer Taxifahrer müsste in diesem
Fall unter verstärktem Konkurrenzdruck einen Kredit bedienen, der ihm nichts
mehr bringt.
| "Modernes" Pariser Taxi |
Zu deren Segen sind die Pariser Kollegen straff organisiert
und ihre Arme reichen weit in die Politik. Ihre Aktionen, sie nennen sie
Manifestationen, sind bei den Politikern gefürchtet. Ich durfte die
französische Streikkultur vor Jahren schon mal hautnah erleben. Die Taxifahrer
blockieren organisiert wichtige Straßen
in der Hauptstadt. Die Mehrheit der Franzosen stellt sich hinter die Taxifahrer(im
wahrste Sinne des Wortes), erkundigen sich nach der Ursache und
schimpfen gemeinsam auf die Zustände. Die Polizei agiert sehr zurückhaltend.
Die verschiedenen Ansichten über das Kontingent an
zollfreiem Treibstoff für die Taxis waren nach einer solchen
Manifestation in Stundenfrist geklärt.
Bei solch hohen Zugangsvoraussetzungen gibt es natürlich
viele Alternativen zum klassischen Taxi Parisien. Vor diesen
wird aber schon bei der Ankunft am Gepäckband des Flughafens gewarnt.
Es gäbe noch einiges aus Paris zu schreiben, Galeries
Lafayette, der Eifelturm, Montmartre, Sacre Coeur, Notre Dame … aber mit dem
Taxi in Paris – Thema bin ich wieder zum einem Taxi-Blog
zurückgekehrt. Vielleicht kann ich die Paris Erlebnisse, oder Taxifahrten in
Madrid, Rom, Palermo … später beschreiben.
Noch etwas habe ich an den
Pariser Kollegen bemerkt – oder besser, etwas ist mir nicht aufgefallen.
Keiner der Fahrer, Fahrerinnen haben wir keine gesehen, trug Jeans, Turnschuhe,
Sweat- oder T-Shirt. Alle Taxifahrer, mit denen wir Kontakt hatten, trugen
Stoffhosen, Lederschuhe und Hemden. Das ist zwar nichts Besonderes, aber
immerhin ein Standard.
.

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Kommentarformular-Meldung hier