Freitag, 25. November 2011

Taxi nach/in Paris


Dachzeichen und Eifelturm durch Panoramadach

Während bei uns um die Farbfreigabe gekämpft wird,  bemüht sich die Präfektur in Paris um ein einheitliches Erscheinungsbild der 17.200 Taxis im Großraum Paris.
Vorgeschrieben wird ein schwarzes Dach. Zweifarbige Taxis, wie z.b. in Portugal, sieht man kaum. Wenn die Taxifahrer neue Autos bestellen, bestellen sie sie gleich schwarze  Fahrzeuge. Die neueren Fahrzeuge sind alle schwarz. Früher oder später wird die gesamte Pariser Taxiflotte einheitlich in schwarz erscheinen.
Es gibt drei verschiedene Tarife; A,B, oder C. Zu welchem Tarif gefahren wird, ist abhängig von der Uhrzeit, vom Gebiet und ob Feiertag ist oder nicht.
Der Taxameter zählt die Zeit bis zur Überholgeschwindigkeit, und ab dort zählt er die Kilometer. Der Zeittarif liegt je nach Tarifstufe zwischen 29,25 und 30,90 € /Stunde und der besetzt gefahrene Kilometer kostet zwischen 0,92 und 1,42 €. Die Grundgebühr sind günstige 2,30 €, der Mindestfahrpreis beträgt 6,20 €. Ab dem vierten Fahrgast wird ein Zuschlag von 3,- € fällig. Die Münchener Spezialität, den Gepäckzuschlag, gibt es hier auch. Für jedes Gepäckstück über 5 Kilogramm  berechnet der Pariser Taxifahrer einen Euro.


Im Taxi auf dem Quai Branly
 Unter dem weißen Taxischild sind drei kleine Lämpchen, die anzeigen welcher Tarif eingeschaltet ist. So kann die Tarifstufe  auch von außen kontrolliert werden. Jeder Fahrer darf höchstens  10 Stunden täglich fahren, auch dass kann von außen kontrolliert werden. Im Heckfenster eines jeden Taxis ist eine Digitaluhr die abläuft. Bis in sechs Wochen, bis zum 01.01.2012 muß jedes der 50.000 Taxis in Frankreich mit dem neuen Taxidachzeichen ausgestattet werden. Die neuen Dachzeichen leuchten grün wenn frei und rot wenn besetzt.  Die Taxis stehen unter der direkten Kontrolle der Polizei (Préfecture de Police de Paris)
Ähnlich wie bei uns, braucht der zukünftige Pariser Taxifahrer zwei Jahre Fahrpraxis, Vorstrafenfreiheit, körperliche und geistige Gesundheit und eine zweiteilige Prüfung bevor er ein Taxi fahren darf.
Im ersten, nationalen, Teil der Prüfung werden die Sprachkenntnisse überprüft. Grundkenntnisse im Steuer- und Verwaltungsrecht gehören ebenso zum nationalen Teil. Weiters gibt es da noch Verkehr und Sicherheit als Prüfungsfächer.
Zu dem  nationalen Teil, der in ganz Frankreich gilt, gibt es noch einen lokalen Teil, der ist vergleichbar mit unserem Ortskenntnisnachweis. Hier muss der Fahrer beweisen, dass er sich in Paris auskennt. Geprüft werden verschieden Fahrrouten und Adressen von Sehenswürdigkeiten, Ämtern, Hotels, Firmen, Behörden …
Der erste Teil der Prüfung gilt in ganz Frankreich, will der Taxifahrer in einer anderen französischen Stadt fahren, muss er dort nur noch  den zweiten Teil  der Prüfung ablegen.
Die Vorbereitung zur Prüfung dauert drei Monate und kostet je nach Schule zwischen 1300,- und 2500,- €. 

Taxi am Charles de Gaulle Aéroport
Dann kommt schon die größte Hürde zum Einstieg in das Gewerbe - die Konzession! Zur Zeit kostet die Taxigenehmigung in Paris um die 175.000,- €. Die Übertragung der Genehmigung ist ähnlich kompliziert und zeitaufwändig. Schon wenn der neue und der alte Taxifahrer bei der Polizeipräfektur den Antrag auf Übertragung stellen, sind 15.000,- € zu hinterlegen. Der Kaufpreis, oft durch Bankkredite finanziert, wird dann bei der Übertragung der Lizenz fällig. Der Alte übergibt dann dem Neuen das sein Taxameter und eine Plakette. Die Metallplakette wird an den rechten, vorderen Kotflügel des Taxis genietet. 


Für viele Pariser Taxifahrer ist die Genehmigung auch die Altersvorsorge. Fährt der Eigentümer selbst nicht mehr, kann er die Genehmigung und sein Taxi an einen anderen Taxifahrer verpachten. Die Pacht bringt täglich zwischen 100,- und 130,- €. Abgerechnet wird traditionell alle 10 Tage oder neuerdings auch wöchentlich. Die Höhe der pacht richtet sich nach dem eingesetzten Fahrzeug und wie weit der Taxifahrer an den Reparaturkosten beteiligt ist.
Wie ein Damoklesschwert schwebt die Déréglementation, die Freigabe der Konzessionen, über das Pariser Taxigewerbe. Man stelle sich nur die Auswirkungen vor. Ein Taxifahrer nimmt einen Kredit über 175.000,- € auf, übernimmt seine Lizenz, die über Nacht nichts mehr wert wäre. Zugleich drängen viele frische Taxifahrer auf den Markt, die die finanzielle Belastung durch den Kauf der teueren Lizenz nicht haben. Die können das Geld in ihre Fahrzeuge oder Werbung finanzieren. Unser armer Taxifahrer müsste in diesem Fall unter verstärktem Konkurrenzdruck einen Kredit bedienen, der ihm nichts mehr bringt. 

"Modernes" Pariser Taxi

Zu deren Segen sind die Pariser Kollegen straff organisiert und ihre Arme reichen weit in die Politik. Ihre Aktionen, sie nennen sie Manifestationen, sind bei den Politikern gefürchtet. Ich durfte die französische Streikkultur vor Jahren schon mal hautnah erleben. Die Taxifahrer blockieren organisiert  wichtige Straßen in der Hauptstadt. Die Mehrheit der Franzosen stellt sich hinter die Taxifahrer(im wahrste Sinne des Wortes), erkundigen sich nach der Ursache und schimpfen gemeinsam auf die Zustände. Die Polizei agiert sehr zurückhaltend. 

 Die verschiedenen Ansichten über das Kontingent an zollfreiem Treibstoff für die Taxis waren nach einer solchen Manifestation in Stundenfrist geklärt.
Bei solch hohen Zugangsvoraussetzungen gibt es natürlich viele Alternativen zum klassischen Taxi Parisien. Vor diesen wird aber schon bei der Ankunft am Gepäckband des Flughafens gewarnt.  

   

Es gäbe noch einiges aus Paris zu schreiben, Galeries Lafayette, der Eifelturm, Montmartre, Sacre Coeur, Notre Dame … aber mit dem Taxi in Paris – Thema bin ich wieder zum einem Taxi-Blog zurückgekehrt. Vielleicht kann ich die Paris Erlebnisse, oder Taxifahrten in Madrid, Rom, Palermo … später beschreiben.
Noch etwas habe ich an den  Pariser Kollegen bemerkt – oder besser, etwas ist mir nicht aufgefallen. Keiner der Fahrer, Fahrerinnen haben wir keine gesehen, trug Jeans, Turnschuhe, Sweat- oder T-Shirt. Alle Taxifahrer, mit denen wir Kontakt hatten, trugen Stoffhosen, Lederschuhe und Hemden. Das ist zwar nichts Besonderes, aber immerhin ein Standard.

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