Montag, 28. November 2011

Stimmungswechsel


Gleich um 5.45 Uhr heute früh ging es in der Nordheide los. Die erste Fahrt zum Flughafen. Meine nächste Fahrt ist eine Abholung vom Flughafen nach Baldham. Der Kontakt zum Auftraggeber war nur zwischen Tür und Angel. Auf dem letzten Sprung knallte ich die Bestätigung über E-Mail nach Berlin. Ich hatte weder den Namen, noch die Telefonnummer des Gastes, den ich am Flughafen erwarten sollte. Die Maschine landete planmäßig um 8.20 Uhr und ich stand mit einem Täfelchen mit dem Namen der Firma (das Einzige das ich hatte) unter 100 anderen Abholern am Terminal 2. Jetzt dacht ich mir wäre es eine günstige Zeit die Sekretärin in Berlin anzurufen. Name und Handynummer wären bei dem Andrang sehr hilfreich. ALs ich mit Telefon, Kugelschreiber, Abholschildchen und Papier jonglierte kam schon mein Kunde auf mich zu.
Über Fischerhäuser bringe ich meinen Kunden nach Baldham. Seinen Namen und Handynummer für den morgigen Zurückweg kann ich mir direkt von ihm geben lassen. Das war meine letzte Vorbestellung für heute. Die Pflicht war getan – jetzt kam die Kür.
Die Route für die Fahrt in die Stadt lege ich so, dass ich in Feldkirchen bei der -> Landesjagdschule Bayern des BJV vorbeikomme. Ich war hier schon mal vor drei Wochen. Da wollte ich mir nach einer Fahrt zur Messe Anstecker und Aufkleber des BJV kaufen. Wo ich doch als Mitglied der Deutschen Waidmannsgilde auch Mitglied im Bayerischen Jagdverband e.V. bin. Vor drei Wochen stand ich vor verschlossenen Türen. Nur für Autoaufkleber wollte ich niemanden aus dem Büro klingeln.
Heute rüttele ich wieder an der Tür, aber in der Sekunde höre ich leises Summen. Die Empfangsdame hat den Türöffner betätigt und stehe in dem großen Vorraum. Zuletzt stand ich hier vor meiner mündlichen Jägerprüfung. Damals hatte ich keine Augen für die Bücher, Ferngläser, Broschüren, CDs, Abzeichen, … in dem kleinen Shop. Heute aber weiß ich gleich wohin ich muss. Ich genieße die Situation vor den Jagdlehrbüchern zu stehen und nicht zittern zu müssen ob deren Inhalt abfragebereit in meinem Kopf verankert ist. Völlig unbefangen blicke ich in die Vitrinen. Meine Abzeichen habe ich mir ausgesucht. Ich wähle zwei kleine Anstecknadeln für das Revers, zwei kleine Hutnadeln und zwei Autoaufkleber.
Nach meinem Stopp in Feldkirchen stelle ich mich zufrieden mit der Welt an unseren ICM Stand an der neuen Münchener Messe. Stolz wie Oskar hefte ich mir die kleine Anstecknadel an die Brust meines Trachtenjankers. Die Hutnadel klemme ich zwischen Taxameter und Taxischildtaste an das Armaturenbrett meines Taxis. Den Autoaufkleber klebe ich von innen an die hinterste linke Scheibe meines Taxibusses. Den Gedanken, das dies eine unerlaubte Kenntlichmachung (das Wort gibt es tatsächlich) meines öffentlichen Verkehrsmittels ist, verwerfe ich angesichts der Bedeutung des BJV sofort. Der Bayerische Jagdverband liegt irgendwo zwischen der UN-Vollversammlung und dem Europaparlament – für mich jedenfalls! 


 Mein Taxi, das Geschäft und das Radio laufen. Gut gelaunt putze ich mein Fahrzeug. Die Türholme, den Kofferraum, den Boden, bis ich einen Auftrag bekomme. Von der Astrid-Lindgren-Straße fahre ich zum Käfer in die Prinzregentenstraße. Inzwischen ruft Vesna an. Den Auftrag um 13.30 Uhr, den wir von einem Kollegen angenommen hatten, kann Sie nicht fahren, weil sie was Weiteres  hat. Kein Problem ich kann ja noch in aller Ruhe einen Fahrgast vom Bahnhof Nord schnappen, bis ich mich dann wieder auf dem Weg zum Münchener Osten machen muß, von wo ich den Stammgast meines Kollegen aufnehmen kann. Immer noch gut gelaunt stelle ich mich an die lange Reihe des Taxistandes am Bahnhof. Unter den potentiellen Fahrgästen auf dem Bürgersteig am Kopf des Bahnhofs winkt mir eine fünfköpfige Gruppe zu. Sie brauchen mich und meinen Taxibus. Immer noch gutgelaunt kläre ich meine Nachfolge und fahre an die Spitze des Standes. Fröhlich  reiße ich die Schiebetüre auf, und bitte meine Fahrgäste einzusteigen.  Fahrziel; Domagkstraße (im Norden Münchens) zu einem dieser Büros in dem neuen Areal zwischen Domagkstraße und Schenkendorfstraße, das Parkstadt Schwabing genannt wird.

Ich biege gerade auf die Arnulfstraße als ich meinen Augen nicht trauen will was ich in meinem Tachofeld sehe. Das Motorsymbol leuchtet auf. Das MOTORSYMBOL !!! Am Freitag war ich bei VW wegen des Stellmotors, davor am Donnerstag habe ich es nach einer Woche aus der Werkstatt geholt, einen Monat davor war es 11 Tage in der Werkstatt. Wie soll ich die Rechnungen zahlen, wenn ich nicht arbeiten kann? Und der große Kunde hat immer noch nicht seine fällige Rechnung überwiesen.

Ich brauche Trost und Zuspruch. Die Opfer finde ich im Telefonnummernspeicher meines Handys. Eine/r nach dem/r Andere/n werden angerufen und zugetextet. Meine Fahrgäste sind mir egal. Auch die beiden Polizisten im Streifenwagen, die an der roten Ampel am Oskar-von-Miller-Ring neben mir zu stehen kommen. Sollen sie mich doch am Anfang der Ludwigstraße standrechtlich erschießen, weil ich mit dem Handy in der Hand Auto fahre. So schnell hat sich meine Stimmung geändert. Vor dem Siegestor versuche ich einen Reset. Ich ziehe den Schlüssel aus dem Zündschloss, verschließe das Auto, öffne es wieder und starte erneut. Erfolglos – alle Anzeigen auf dem Tachoblatt verlöschen, nur das gelbe  Motorsymbol verhöhnt mich weiterhin. Nachdem meine Gäste ausgestiegen sind, fahre ich schnell noch vor Mittag zum  -> Stimmer.
Ein Mechaniker steckt das Diagnosegerät an und diagnostiziert, das der Partikelfilter zu ist. Er bestellt sofort eine neue Sonde. Ich bekomme gleich einen Termin morgen Vormittag. Das Motorsymbol ist erloschen und ich kann den Kunden meines Kollegen zum Flughafen bringen.

Irgendwie wird mir langsam klar, dass ein Volkswagen kein geeignetes Auto zum Geldverdienen ist.       

6 Kommentare:

  1. VW T5? Mein Beileid. Zu schade dass die sparsamen T4-Diesel keine Umweltplakette kriegen.

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  2. OK Reinhold, ich kann was Du schreibst perfekt nachvollziehen. Dennoch sage ich: Versuch, auch bei solchen Dingen besonnen zu bleiben. Das mit den Corps hätt´s nicht gebraucht. Auch mit Kabel im Ohr kann man die Telefonseelsorge kontaktieren. ;o)

    Was den Dpf betrifft: Es gibt die Zwangsregenerierung. Man fährt dazu in einem bestimmten Drehzahlbereich einige -zig Kilometer bei konstant 80 km/h (die Werkstatt weiß vermutlich Näheres- ich hab´s auch von meiner als Tipp bekommen).

    Das hilft aber nur für einige tausend Kilometer weiter. Dann kann man den Dpf irgendwann nur noch austauschen. Macht etwa ~1500.- Euro Minimum.

    Wenn Euer Chrysler soweit noch in Ordnung ist - könnte man da das nicht hinten anstellen, und zuerst den T5 ersetzen? Rein vom Pragmatischen her erschiene mir das als sinnvoll. Aber ich halt jetzt mal lieber meine Schnauze. *duck und wech*

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  3. Mit den COPS sollte das natürlich heissen...

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  4. Genau, kauf dir nen Viano, bei Mercedes ist der Taxikundenservice einfach besser als bei VW ( ich hab den direkten Taxi Vergleich ), ich gehe mal davon aus, dass auch eure Mercedes Niederlassung für Garantiefälle ein kostenloses Ersatztaxi hat, welches vielleicht sogar mit eurem Funkgerät ausgerüstet sein wird. Außerdem ist dann sie Freispreche serienmäßig *zwinker*

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  5. @ Christian
    Jetzt habe ich meinen VW wieder. Der Stimmer hat einen Sensor ausgewechselt. Als ich gestern Mittag bei ihm war, war sein Tipp, weil ich noch drei Flughafenfahrten hatte, im Drehzahlbereich um 2500 Umdrehungen/Minute zu fahren. Das habe ich gemacht und das Motorsymbol ist bis heute in der Früh nicht mehr aufgeleuchtet.
    Gestern als ich die Vesna angerufen hatte war das auch gleich unsere erste Idee; erstmal einen Taxi - Viano für mich und dann später (wenn wir es uns leisten können) einen schwarzen für die Vesna. Der Chrysler fährt ja noch gut – der war mein günstigstes und zuverlässigstes Auto!

    @ Mariha
    Als ich, 2002, den ersten VW Bus gekauft hatte, hat mir der VW Verkäufer als ehemaligen Mercedes können auch ein Leihtaxi versprochen. Als es dann soweit war, gab es kein Leihtaxi, ich war mit den beiden VW – Bussen öfter während der Garantiezeit in der Werkstatt und habe nie! ein Leihtaxi bekommen.
    Bei den Mercedes Leihtaxis war im Funkgerät sogar meine Kennung eingequarzt.

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  6. VW = Viel Werkstatt ...
    Haben auch viele schlechte Erfahrungen mit unseren VW Taxen gemacht...

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