Freitag, 11. November 2011

Im Untergrund


In Paris wird Métro gefahren, und Taxi natürlich! In der ansonsten etwas teueren Stadt sind Taxis eher günstig, aber es hat keinen Sinn im Stau dahinzukriechen, während fünf Meter unter dem Asphalt die Métro dahinbraust. 



Unsere Métrostation Brochant der Linie 13 ist von unserem Hotel ca. 600 Meter entfernt. Das ist eine Ausnahme, ansonsten sind die meisten Plätze in Paris nicht weiter als 500 Meter von der nächsten Metrostation entfernt. Die Entfernungen zwischen den Stationen sind im Vergleich zu den U-Bahnen in deutschen Städten sehr gering. Die Métro bildet zusammen mit der RER (eine Art S-Bahn) eines der dichtesten U-Bahnnetze der Welt. Täglich fahren über 3 Millionen (!) Fahrgäste durch die über 200 Kilometer weiten Tunnel unter Paris.

Wir kaufen uns ein Carnet. Das ist das praktischste. Ein Carnet kostet 12,50 € für Erwachsene und besteht aus 10 Einzelfahrkarten. Das Tarifsystem ist einfach. Mit einer Fahrkarte darf man 1,5 Stunden mit jeder Métro und jedem RER-Zug fahren. Egal ob man nur eine Station fährt oder mit dreimal umsteigen durch ganz Paris reist. Das Ticket wird mit dem Magnetstreifen nach unten in einen Schlitz eingeführt. Daraufhin öffnet sich eine Klapptür und gibt den Durchgang frei. Verlässt man eine Station geht man durch ein Drehkreuz, das nur das Verlassen der Station zulässt. Die Pariser haben eine aufladbare Magnetkarte. Wir sehen wie sie ihre Geldbörse (in der wohl die Magnetkarte steckt) auf einen Leser legen und die Klapptür öffnet sich.


 Das war es dann auch schon. Ich bin in den letzten Jahren in Rom, London, Madrid und jetzt wieder in Paris U-Bahn gefahren. Die Städte sind größer als München und haben alle, ohne Ausnahme, ein einfacheres durchsichtigeres Tarifsystem. In München habe ich immer das Gefühl zuviel oder zuwenig bezahlt zu haben. Warum kriegen die es bei uns nicht auf die Reihe ein verständliches Tarifsystem zu einzuführen?
Wir haben unsere Tickets nachdem wir in der Métro waren einfach weggeschmissen. Bis wir eine Kontrolle beobachteten. Obwohl der Zugang ohne zu bezahlen technisch schwer Möglich ist, gibt es uniformierte Kontrolleure. Das die Tickets nur 1,5 Stunden nach dem ersten Entwerten gültig sind haben wir erst später erfahren.

Auf die Métro kann ich nur Loblieder singen. Es gibt keinen Fahrplan. Ab 5 Uhr morgens bis 0.30 Uhr fahren die Züge in engen Taktzeiten. Wir haben nie länger als vier Minuten auf die nächste Bahn gewartet. Die Waggons sind kleiner und enger als die Münchener U-Bahn-Waggons. In den Einstiegsbereichen sind Klappsitze. Bei großem Andrang wird erwartet von den Klappsitzen aufzustehen um mehr Platz zu schaffen. Sitzenbleiben gilt als unhöflich.
Eine Besonderheit sind die gummibereiften Waggons einiger Linien. Das System wurde von Michelin entwickelt. Fährt man mit einer MP (Métro Pneu) kommt man in den Genuß einer erschütterungsfreien, leisen Fahrt durch den Untergrund. Die MF (Métro Fer) sind die eisenbereiften Waggons, die man von überall sonst her kennt. Die Stationen der luftbereiften Linien erkennt man sofort am Geruch der durch den Gummiabrieb entsteht.

Wir haben uns an größeren Stationen mit Fahrkarten eingedeckt. Nicht an jeder Station ist ein mit Personal besetzter Schalter zu  finden.
Als wir am Seineufer vom Louvre zur Insel auf der Seine gingen, habe ich mir LKWs und Busse gemerkt, die neben uns im dichten Verkehr mehr standen als fuhren – wir waren zu Fuß schneller.


Auf der Seineinsel finden wir eine der schönsten Métrostationen. Die Station Cité liegt tief unter der Erde weil die Bahn und somit auch die Station unter dem Fluß liegt. Wir gingen über 100 Jahre alte Metalltreppen durch ein großes senkrechtes Rohr nach unten. An den Wänden des Rohrs erkennt man die Metallplatten die an den Rändern vernietet sind. Die Station erinnerte mich an den alten schwarz-weiß Film Metropolis von Fritz Lang aus den 20iger Jahren.


PS
Wenn ihr Stalingrad vergebens auf der Landkarte sucht  – das ist jetzt in Paris! Die zugehörige Métrostation haben wir schon gefunden.

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