Essen in Paris ist eine teuere aber gute Angelegenheit. Die
Sitzplätze in den wirklich guten
Restaurants sind schon zehn Tage vorher zu bestellen. Ich bin froh, dass ich im
Internet ein bekanntes Restaurant fand, bei dem nicht vorbestellt werden muss.
Jawohl, ich gehöre zu den Leuten, die bevor sie in unbekannte Gefilde fahren,
sich vorher über die Restaurants informieren. Leider sieht man mir das auch an
;-).
Mein Fundstück in Paris ist das Bouillon Chartier
in 7 rue de Faubourg Montmarte. Gleich am Abend unseres ersten Tages
in Paris, nach dem Besuch der -> Cité , kann ich meine Neugierde nicht mehr im Zaum
halten und bringe uns ins Chartier. In der Metrostation habe
ich mich verlaufen, den falschen Ausgang benützt. Es regnete den ganzen Tag, ich
bin pudelnass und schön langsam habe ich die Nase voll. Plötzlich in einer
Seitenstraße sehe ich die grelle Leuchtreklame des Restaurants. Nun kann mich
nichts mehr bremsen. Frau und Kind im Schlepptau gehe ich mit großen Schritten
durch die Pfützen der Pariser Straße. Die Leuchtreklame zeigt auf einen
Durchgang. In dem Durchgang sind Bänder gespannt, die sonst immer da sind
wo Warteschlangen geordnet werden
müssen. Jetzt ist aber niemand da. Wir
stehen jetzt allein im Hinterhof und ich erhasche den ersten Blick auf die
Drehtüre in der Front der Bouillon.
Seit ich weiß, daß ich nach Paris komme, studiere ich im
Internet die -> täglich wechselnde Karte.
Zwei Favoriten habe ich mir schon ausgesucht; den Gurkensalt als Vorspeise und
etwas mit grüner Pfeffersoße.
| Wozu sind diese Schubladen in der Wand? |
Kaum lasse ich die Drehtür hinter mir, betreten wir ein
Paradies. Draußen, im Dunkeln, prasselt der Regen. Drinnen beleuchten unzählige
gelbliche Kugellampen eine Belle-Epoque-Kulisse. Ein Kellner, so wie er sein
muss, in schwarzer Weste und langer weißer Schürze, begrüßt uns und bringt uns
durch den Speisesaal an unseren Tisch. An der Wand neben uns sind viele kleine
Schubfächer. Die einzelnen Schubläden sind nummeriert. So ähnlich wie bei uns
in Deutschland die Fächer der Sparvereine. Wir können uns den Zweck dieser
kleinen Schubfächer nicht erklären.
Ich entdecke Salade de concombre, meinen
Gurkensalat, auf der gedruckten Tageskarte. Sofort bestelle ich die ersehnte
Vorspeise. Der Kellner enttäuscht mich; er streicht den Salat aus dem Menü. Als
Ersatzvorspeise wähle ich Salade d´endives roquefort und als
Hauptgericht Steack hache sauce poivre vert frites . So
bekomme ich meine grüne Pfeffersoße. Der Kellner, ich weiß von meiner Frau, daß
man den in Frankreich immer mit „Monsieur“ anspricht, kritzelt unsere
Bestellung auf die Papiertischdecke. Meine Frau nimmt ein Steak und meine
Tochter entscheidet sich für das Hühnchen.
Das Bouillon Chartier wurde 1896 als
Restaurant für die Arbeiter und Angestellten von zwei Brüdern mit eben jenem Namen
Chartier gegründet. Nach eigenen Angaben bemüht sich das
Team darum, und jetzt habe ich meine Übersetzungskünste bemüht, eine
Mahlzeit, die den Namen verdient, für bescheidenes Geld anzubieten.
Und ich kann bestätigen, dass ihnen das gelungen ist. Zumindest bei meinem
Menü. Meine Vorspeise bestand nicht nur wie der Name verrät, aus Endiviensalat
und Roquefortkäse, das Ganze war noch mit einer äußerst feinen Senfsoße
angerichtet. Mein Hacksteak war noch fast roh, aber genauso mag ich es. Die
Pfeffersoße war, wie erwartet, alleine schon die Reise nach Paris wert. Die
Sauce war ausgesprochen mild. Der Koch verwendet frischen, grünen Pfeffer. In
Karthago rupfte ich frischen Pfeffer von einem Strauch und kostete mit spitzer
Zunge – davon kenne ich den Geschmack, den ich jetzt wieder erleben darf. Das unverwechselbare, unerwartet feine Aroma
von Pfeffer, ganz ohne Schärfe. Es bedarf eines gewissen kulinarischen Könnens
diesen Geschmack auf den Teller zu bringen. Ich bin wieder mal froh vor sieben
Monaten das Rauchen aufgehört zu haben, sonst hätte ich diese Feinheiten nicht
geschmeckt. Frau und Kind hatten mit ihrem Menü nicht soviel Glück. Das Steak
war meiner froh zu roh. Das ist eine Eigenheit der französischen Küche; bei
Fleisch ist der Teller immer blutig. Die Frage des Monsieurs, wie das Fleisch
zubereitet werden soll, ist eher als Freundlichkeit zu verstehen. Well done
bedeutet halb roh.
| Die Drehtüre im Hinterhof |
Die Dreifaltigkeit des französischen Desserts; Käse, Süßes
und Obst, setze ich wie folgt um:
Fromage
blanc de campagne, Mousse chocolat und Ananas. Alles Drei mehr
als zufriedenstellend. Der Käse auf den Punkt gereift, das Mousse in der
richtigen Konsistenz und nicht zu süß. Süß war die Ananas – und so ist es
richtig.
Der Kellner macht die Rechnung, indem er alles auf der
Papiertischdecke addiert. Wir bezahlen für drei Personen und eine Flasche
Vin du moment mit Trinkgeld 72,- €. Das ist mehr als
günstig.
Als wir nach draußen gehen, sind wir ganz überrascht. In dem
Durchgang stehen vor dem Regen geschützt ca. 70 Gäste und warten auf Einlass.
Bei mir stellt sich die Frage; was ist dieses Bouillon Chartier
eigentlich? Für einen Gourmettempel, besonders in Paris, ist es
nicht gut genug. Der Preis ist sehr gut – aber sich dafür anstellen? Das Flair
ist sehr von Touristen geprägt, die nehmen viel von dem Pariser Gefühl im
Restaurant…
William Lesourd, ein französischer Bloger, schreibt in
seinem -> Périblog über das Chartier. Er bedauert, daß
Paris immer mehr und mehr zu einem Ausstellungsstück wird. Daß immer mehr
Touristen alleine durch ihre Anwesenheit den Pariser Esprit verwässern.
Beim Bouillon Chartier allerdings schaffen es nicht mal die
Américains mit ihrem Geschrei (genau so schreibt Lesourd)
die authenticité zu vernichten. Die geschichtsträchtige Bouillon
sei zu sehr mit den Wurzeln Paris
verstrickt. Ich glaube William Lesourd kann nur zu gut verstehen wie mir beim
Oktoberfest zumute ist.
Ich stelle fest; solange das Chartier so
bleibt wie es ist komme ich wieder. Und keine 48 Stunden später stehen wir wieder vor der
Türe. Diesmal kommen wir vom Louvre. Wieder bekommen wir einen Platz ohne
warten. Wieder steht der Vin du moment auf dem Tisch. Wieder halte ich die Speisekarte
in der Hand. Diesmal wähle ich das Steak. Ich denke, ich brauche nicht zu
schreiben welche Soße ich dazu will! Nur
diesmal hat sich das Schicksal gedreht. Der Ober hat diesmal gleich als er uns die Karte überreichte den Gurkensalat gestrichen. Bis auf zwei Bissen bin ich mit meinem Fleisch nicht
zufrieden. Zufrieden macht mich allerdings meine Ehefrau. Es ist mir eine
Freude mit welchem Genuß sie ihr Confit de canard pommes grenailles
verzehrt.
| Köstliches Vanilledessert |
Heute ist nicht mein Tag. Beim Dessert greife ich wieder
daneben. Meine Creme de marron entpuppt sich als zuckersüße
Pampe. Vesna hat mit ihrem Vanillesouffle die eindeutig bessere Wahl getroffen.
Für unsere kleine Tochter hat der Kellner eigens ein Apfeleis gebracht, das
nicht auf der Karte stand.
Leider, leider werden
sicherlich mehr als 48 Stunden vergehen bis ich wieder in Paris bin und
das Chartier genießen kann. Meinen Gust können mir die
Touristen nicht rauben, sind wir doch selbst welche.
Lesourd hat auch beschrieben welchen Zweck die kleinen
Schubfächer an den Wänden haben. In ihnen wurden die Servietten der Stammgäste
verstaut.
.
Paris scheint eine Reise wert zu sein, v.a. wenn man das von der Gourmetseite aus betrachtet...
AntwortenLöschenWie war eigentlich der Louvre?! ;)
Der Louvre kommt noch. Am ersten Tag waren wir zwar im Innenhof. Da war das Museum geschlossen – aber uns ging es nur um das Datum und die Pyramide. Das Museum wird einer der nächsten Posts.
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