Samstag, 8. Oktober 2011

Zwei Freistaatshauptstädte

„Du bist dann auch dabei.“

sagte die neue Mitarbeiterin des Isarfunkschalters am Flughafen. Es ist der letzte Tag der EXPO Real. Natürlich habe ich mich am letzten, den Abreisetag, an die lange Schlange am Messegelände gestellt. Die erste Fahrt ging nut bis zum Etap Hotel nach Dornach. Dafür war der Rückweg zur Messe umso kürzer. Schon beim zweiten Anlauf hat es geklappt. Ich habe ihn, meinen Flughafenstich.



Und dort, in der Busreihe, erwischt mich die Isarfunkmitarbeiterin. Es werden sechs Taxibusse gebraucht. Die Fahrt soll nach Dresden gehen. Die Taxibusfahrer geben das Fahrziel in ihre Navigationsgeräte ein. 460 Kilometer einfach. 460 Kilometer x 1,40 € ergibt ungefähr 640 €. Die Steuer, 120,-, weg, ergibt 520,-. Dann noch tanken, dann sind wir bei 400,-. 460 Kilometer einfach bedeutet aber auch 920 Kilometer hin und zurück. Es ist 17.30 Uhr, das Ende eines Messetags, wir sind alle noch von der Tagschicht. Zwei Kollegen wollen in Dresden übernachten. Ich muss unbedingt am nächsten Tag um 13.15 Uhr mit schwarzem Anzug zu einer mir sehr wichtigen Trauerfeier im Nordfriedhof in München sein. Sonst ist mir alles egal. Das ging uns und mir durch den Kopf, als wir über den Auftrag unterrichtet wurden.
Die Fahrgäste, 38 Griechen, kommen nach und nach aus dem Terminal. Eine Lufthansa-Mitarbeiterin winkt uns nach Bedarf an die Eingangstüre. Nur langsam kommen unsere Gäste aus dem Terminal. Wir fragen neugierig nach der Adresse; es geht nach Dresden in das Hotel Steigenberger de Saxe am Neumarkt 9. Obwohl wir im Konvoi fahren wollen, fahren wir nicht gemeinsam los. Ein arabischer Taxikollege startet sofort durch als er seinen Bus voll hat und ward dann nicht mehr gesehen.

Ich bin der vorletzte Bus, hinter mir ist nur noch Hussein. Vor mir ist Ali aus Afghanistan und Mustafa. Ali wartet mit seinen Gästen an der AGIP Tankstelle. Seine Kunden wollen noch einkaufen. Ali ist außer mir der Einzige mit einem alten UKW Funkgerät. Vor der Abfahrt haben wir uns auf Kanal 5 geeinigt. Der erste Anruf kommt von Ali schon nach dem ersten Kilometer. Er ist gerade von Mustafa angerufen worden, der am Autobahnkreuz Nord im Stau steht. Wir beschließen über Freising – Allershausen auf die A9 zu kommen. Hussein, hinter mir, erreiche ich im letzten Augenblick und wir nehmen die Strecke über Freising. Nach dem Autobahnkreuz Holledau, der nächste Anruf von Hussein, er hat Probleme mit seinem Motor, der geht nicht schneller als 100 Km/h. Er will kurz Pause machen, und hofft, dass wenn er wieder startet, sein Taxi schneller geht. Ich informiere ihn, dass er dann ziemlich genau mit Ali auf der Autobahn ist, der ja noch an der Tankstelle gewartet hat.
Nach 15 Minuten rufe ich wieder Hussein an, und erkundige mich nach seinem Motor. Zum Glück ist alles wieder in Ordnung und er ist schon wieder auf der Autobahn.
Ich selbst überhole Mustafa in Höhe Regensburg. Ali, der junge Afghane, informiert uns über eine Autobahnsperrung auf unserer Strecke zwischen Regensburg und Hof. Das angegebene Stück ist über 100 Kilometer weit und wir haben keine genaueren Informationen. Da ich in diesem Moment an der Spitze unserer kleinen Gruppe bin, werde ich sofort nach hinten melden wenn sich auf der Autobahn was tut.
Wir sind jetzt schon 50 Kilometer hinter Regensburg und haben noch immer freie Fahrt. Aus dem ersten Knacken und Rauschen aus meinem Funkgerät entwickelt sich immer mehr erkennbare Sprache. Ich höre bei der Auftragsvermittlung mit. Ich frage ob die Kollegen auf der gleichen Frequenz Weidener Taxifahrer wären. Sie bestätigen. Ich informiere die Kollegen über unsere Strecke und unsere Befürchtung von der gesperrten Autobahn. Die Weidener bestätigen. Ali hört und spricht inzwischen mit, Mustafa ist nahe bei ihm und wird über Telefon informiert. Wir wählen einen kleinen Umweg um die Sperrung zu umfahren. Auf der Autobahn waren wir alle in einem Radius von zwei Kilometern. Ab unserer Umfahrung fahren wir nur noch in geschlossener Kolonne.
Am Autohof Mitterteich machen wir eine kurze Pause. Nach einer schnellen Tasse Kaffe geht es weiter. Müde zähle ich die schwinden Kilometer auf meinem Navi. Nur noch 200 Kilometer, nur noch 100, nur noch 50 … Inzwischen schlafen alle meine Fahrgäste. Mir graut es schon vor dem Rückweg noch mal 460 Kilometer zurück.

Um Mitternacht kommen wir in der schönsten Stadt Deutschlands, in Dresden, an. Die Aufschrift Radebeul erinnert mich an Karl May, den ich in meiner Jugend verschlang. Über die Leipziger Strasse fahren wir in die Stadt. Am Dreyßigplatz sehe ich das erste Dresdener Taxi am Taxistand warten. Im vorbeifahren erkenne ich eine große ESSO Tankstelle mit parkenden Taxis davor. Ich denke an unsere ESSO in München und ich will auf dem Rückweg hier tanken. Rechts über die Carolabrücke. Der Blick über die Elbe von der Carolabrücke auf die beleuchtete Altstadt ist überwältigend. Jetzt müssen wir nur noch am Pirmaischen Platz nach rechts zum Neumarkt.
Wir stehen jetzt mit drei Taxibussen vor dem Hotel de Saxe mitten in Dresden, die Frauenkirche im Blickfeld. Im letzten Jahr stand ich hier mit Robert. Auf unserem ->Weg nach Berlin machten wir einen Schlenker über Dresden. Hätte ich nicht heute Mittag die wichtige Trauerfeier in München, würde ich in Dresden überachten und mich mit dem ->Dresdener Taxiblogger Bernd treffen. Schade – aber ich muss weiter.

Drei Taxibusse, drei Navis, drei Wege. Wir verlieren Mustafa und können es nicht glauben als wir uns im Viertel Zöllmener Straße, Heinz-Steyrer-Straße und Weidentalstraße. Wie die Schwindeligen um die Häuser kreisend wiederfinden. Zum Glück war es dunkel und die Dresdener Taxifahrer haben uns nicht gesehen. Die hätten ihre Gaudi gehabt.

Einem Dresdener Taxibus sind wir dann noch begegnet. Meinen und inzwischen unseren Plan an der ESSO Leipziger Straße zu tanken haben wir aufgegeben. Wir sind froh, wenn wir irgendeine Tankstelle und nach Hause finden. Wir sehen eine ARAL an der Hamburger Straße, dort steht auch schon ein einheimischer Taxibus. Mustafa fährt in die Tankstelle, der tankender Dresdener Taxifahrer blickt auf. Wohin führt der erste Blick eines Taxifahrers, wenn er ein anderes Taxi sieht, Fahrzeug und Fahrer nicht erkennt? Auf das Kennzeichen! So war das auch bei dem sächsischen Kollegen. Gerade als er sich wohl fragt was das ED auf Mustafas Kennzeichen bedeutet, fährt Ali an die nächste Zapfsäule. Das M auf seinem Kennzeichen wird er wohl zuordnen können. Aber jetzt kommt noch ein Taxibus, der dritte Fremde, diesmal wieder ein M im Kennzeichen. Ich kann gerade noch fotografieren wie die ARAL in der Hamburger Straße in Dresden in bayerischer Hand ist, bevor sich der Kollege trollt.

Vollgetankt fahren wir auf die Autobahn. Ali gibt richtig Gas. Unterwegs funken wir uns zusammen und gönnen uns eine kurze Rast. Insgesamt bleibe ich noch 100 Kilometer bis zum Erzgebirge knapp hinter ihm und fresse in Höchstgeschwindigkeit Kilometer um Kilometer auf der menschenleeren Autobahn. Mustafa ist schon weit hinter uns. Er hat sich verabschiedet und schläft im Taxi. Meine Konzentration schwindet und ich fahre mit 120 km/h auf der rechten Spur.

In Wunsiedel parke ich auf einem Autohof. Die Heizung habe ich auf ganz warm gestellt. In der bulligen Wärme dauert es drei Minuten (die Dauer eines Liedes im Radio) bis ich eingeschlafen bin. Eine und eine Viertelstunde später, um 4.00 Uhr wache ich wieder auf. Um 6.30 Uhr kann ich noch den Morgenverkehr in München genießen bis ich hundemüde ins Bett falle. Das waren dann noch mal 960 Kilometer extra auf die Schicht, das reicht dann aber auch.


.

3 Kommentare:

  1. Nimm doch einfach die App INRIX. Da hat man dann zwar vielleicht nicht so viel Spaß mit dem Funken. Aber die Stauangaben deutschlandweit kilometergenau in und in Echtzeit.

    AntwortenLöschen
  2. Die INRIX App hast du mir ja schon mal empfohlen jetzt werde ich sie mal ausprobieren. Ich habe bei dem normalen Karten App, das schon auf dem Telefon war, die Funktion Verkehr einblenden aktiviert. Bei der Sperrung auf der Autobahn Richtung Dresden hat mir das App den Stau auf der Landstrasse vor Weiden, der ja tatsächlich da war, angezeigt. Der Stau wegen der Autobahnsperrung war dort nicht sichtbar.

    AntwortenLöschen
  3. staus sind halt schon so ein ding. deshalb fahre ich solche strecken nicht mehr ohne vorherigen aufschlag. erstens bleibt bei den kosten nicht mehr die welt hängen, andererseits warum sich so billig verkaufen. möcht nicht wissen was die an kohle im steigenberger gelassen haben. noch dazu wenn du bedenkst, es sind acht leute. jeder nen zwani o dreißig draufgelegt spüren die nicht und für die geleistete arbeit ne angemesse entlohnung.

    AntwortenLöschen

Kommentarformular-Meldung hier

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...