Meine Vorbestellungen waren abgefahren, d.h. erledigt. Bei
meiner letzten Fahrt wurde ich gestern auch noch in Schwabing frei. Was spricht
dagegen jetzt nach Hause zu fahren?
Trotzdem entschließe ich mich noch eine Fahrt zu machen und
stelle mich als zweiter an meinen Renaissance – Stand auf. Das erste Taxi
verschwindet schon nach drei Minuten. Die nächsten Gäste stehen schon vor der
Hoteltüre. Die Dame fragt mich wie weit es nach Weihenstephan sei und wie teuer
die Fahrt wäre.
„Eine halbe Stunde und die Fahrt kostet so um die
55,- €. „
Gedanklich reibe ich mir schon die Hände vor Freude über so
eine unvorhergesehene Abschlussfahrt. Sie warten nur noch auf einen vierten
Herrn und prompt steigen sie ein. Fahrziel Bräustüberl in der Brauerei Weihenstephan
in Freising. Mein Beifahrer, ein Engländer, probt sein Deutsch:
„Wir fahren nach Geldomat.“
(das hörte sich gesprochen unklarer an als geschrieben)
„Nein, wir fahren nach Freising! Weihenstephan
liegt in Freising. antworte ich ihm.
Es stellt sich heraus, dass er zu einem Geldautomaten will.
Dann aber doch nicht hin muss, weil ich seine American Express akzeptiere. Unterwegs
erzähle ich von der ältesten Brauerei, zu der wir jetzt fahren. Auf der
Rückbank sitzt ein Belgier:
“Die älteste Brauerei ist in Belgien.
Jede Nation hat ihre “älteste“ Brauerei;
denke ich mir und antworte diplomatisch:
„Die Brauerei wurde von Mönchen gegründet“
„Belgische Mönche“ kommt mit Lachen aus
dem Fond.
Gut gelaunt mache ich meine letzte Fahrt. Mein neuer Spaß
ist Bilder mit meiner Ortsangabe auf Facebook hochzuladen. Auf dem Rückweg will
ich das Beifahrerfenster öffnen um mit meinem Telefon durch das geöffnete
Fenster ein Foto von den Schlüter – Werken zu schießen. Ich drücke auf den
Knopf für den rechten elektrischen Fensterheber – nichts passiert. Während der
Fahrt beuge ich mich nach rechts um den Knopf an der Beifahrertüre zu betätigen
– wieder nichts. Ich suche mir einen Platz neben der Straße, stelle das Auto
ab, sperre es zu, mache sozusagen einen Reset, öffne und schließe die Türe.
Erneute Versuche das Fenster herunterzulassen schlagen fehl.
Am nächsten Tag, gestern, habe ich meine erste Fahrt um
10.30 Uhr. Die nächste Pause ist im Nordosten Münchens um 14.00 bis 17.00 Uhr.
In der Pause will ich meine Flinte abholen, die endlich fertig ist. Auf dem
Rückweg vom Waffenhändler in den Nordosten Münchens komme ich bei mir vorbei
und kann dort die Waffe einsperren. Der Mechaniker, den ich dafür als zuständig
auserkoren habe ist in Neuried (im Südwesten Münchens) .
Inzwischen habe ich schon einen Verdacht wie der
Fensterheber kaputt gegangen sein könnte. Das Bräustüberl in Weihenstephan
liegt auf einem Berg. Die Straße vor dem Stüberl ist ziemlich steil. Ich bin
mit der Schnauze des Taxis nach oben zu stehen gekommen. Schon als die
Fahrgäste auf der Rückbank die
Schiebetüre entriegeln rauscht diese nach hinten. Nach dem Bezahlen mit der
Kreditkarte öffnet mein Beifahrer seine Türe angestrengt gegen die Schwerkraft.
Er steigt aus – KAWUMMM! Die Türe knallt mit lautem Knall ins Schloss.
Ich bin genervt. Fahre ich in der Früh nach Neuried, kann es
sein, dass ich unverrichteter Dinge wieder aus der Werkstatt fahren muss, um
pünktlich bei meiner Abholung zu sein. Am Morgen steige ich in mein Taxi. Bevor
ich den Mechaniker anrufe will ich noch
mal den elektrischen Fensterheber probieren. Und siehe da. Das Fenster
funktioniert. Meine Stimmung hebt sich von einer Sekunde auf die andere. Der
Tag ist gerettet.
Bei den Katholiken gibt es anerkannte Wunder, auch noch im
21.Jahrhundert (Bei den Protestanten nicht mehr) . Kann es
sein, dass die wundersame Selbstreparatur deshalb war, weil ich die Mönche als erste Bierbrauer
erwähnt habe, oder weil Freising
Bischofssitz ist?
.
"Kann es sein, dass die wundersame Selbstreparatur deshalb war, weil ich die Mönche als erste Bierbrauer erwähnt habe, oder weil Freising Bischofssitz ist?"
AntwortenLöschenEs liegt an Gottes unermässlicher Gnade mit Dir Ungläubigem. ;o)
Obwohl ich aber das, was gemeinhin als Wunder (im Sinne eines spirituell bedingten Ereignisses) bezeichnet wird für möglich halte, würde ich hier mal eher technische Gründe für die Vorgänge in Betracht ziehen.
Wahrscheinlich ist in den Schalter oder eine Steckverbindung Wasser eingedrungen, das dann verdunstete und den Schalter wieder freigab. Meistens geht sowas, was vorübergehend defekt war, wenig später dann komplett kaputt.
Schade, du holst mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Gestern war ich bei Mercedes bei uns am Frankfurter Ring wegen eines neuen Taxis. Ich habe mir einen Viano konfigurieren lassen. Der käme dann auf 45.000,- netto. Eine Menge Holz - aber dann hätte ich wieder Garantie.
AntwortenLöschen@ Reinhold:
AntwortenLöschenI feel your pain. Um wirklich WISSEN zu können, was der optimale Moment zum "Absprung" von einem alten Auto ist, müsste man wohl dutzende Fahrzeuge haben, und aufwändige Vergleichsstudien betreiben.
Mir ging es zuletzt einfach so, daß das mit den stetig und aus meiner Sicht unberechenbar zuschlagenden Reparaturdefekten einfach zu krass wurde - vor allem eine zu starke nervliche Belastung.
Einerseits müsste man das Auto nach einer >1000 €-Reparatur dann noch soundso lange fahren, "daß man es wieder reinholt", andererseits bedeutet jeder extra gefahrene Kilometer, daß der nächste teure Defekt näher rückt.
Die Garantie bedeutet immerhin, daß man über ein paar Jahre wieder eine gewisse Überschaubarkeit hat. Zudem bei mir Finanzierung bei gewerblich genutzten Autos nie mehr länger als 4 Jahre. Das fünfte Jahr war bei meinem T5 mindestens eines zu viel.
Sixt behält übrigens seine Neuwagen nur bis maximal drei Monate, oder 30.000 Kilometer. Dann werden sie schon wieder verkauft (zumindest war das so, als ich vor einigen Jahren mal bei der Truppe arbeitete).
Nach drei Monaten Nutzung sind jedoch einige Mietwagen bereits völliger Schrott. Nicht von Außen sichtbar, aber das käme raus, wenn man sich mal Kupplung, Getriebe und so weiter von Innen ansehen würde.