Mein erstes Gewehr soll eine Flinte sein. Ich male mir schon aus wie ich in der Tontaubenschießanlage im -> Jagdparcour Hattenhoffen mit meiner ersten eigenen Flinte auf die Tontauben schieße. Ich will unbedingt besser und sicherer werden.
Nachdem ich bei Waffen Krausser so oft die Waffenhandhabung üben konnte, war mir auch klar wo ich zuerst nach einer Jagdflinte suche. Ich hatte noch keine konkreten Vorstellungen. Vom Sport kannte ich die martialisch wirkenden Vorderschaftrepetierflinten. Durchs Fernsehen bekannt als Pumpguns. Durch den Film haben diese eher harmlose Art der Gewehre ihren schrecklichen Ruf. Eine Büchse bietet keinen spektakulären Effekt. Da bietet eine Flinte schon mehr. Die Patronen werden mit Magnesium versetzt und abgeschossen. Das Ergebnis ist dichter Qualm, gleißende Blitzende und ohrenbetäubender Lärm. Kurz – die perfekte Hollywoodwaffe.
So eine Flinte sollte es nicht sein, da war ich mir sicher. Meine Flinte sollte eine Kipplaufwaffe mit zwei Läufen sein. Die beiden Läufe sollten übereinander stehen, also eine Bockflinte. Liegen die Läufe nebeneinander, wie bei den Flinten der Farmer in den amerikanischen Zeichentrickfilmen, spricht man von einer Doppel- oder Querflinte.
Beim Kaliber war ich mir auch sicher, eine 12/70 sollte es sein.
Mit solchen Vorstellungen ging ich also mit meinem noch druckfeuchten Jagdschein ins Waffengeschäft. Die ersten Antwort auf meine Frage nach dem Preis ließ mich schon mal schlucken;
„Das fängt bei 1.500,- € an und hört bei 10.000,- € nicht auf “
Selbst die angebotenen Jungjägersets für 1.500,- bis 1.700,- € wollte und konnte ich mir nicht leisten. Also soll es eine Gebrauchte sein. Der Chef des Ladens nimmt mich mit in die Ecke in der ich vor Wochen noch fleißig mit den Waffen hantierte. Er öffnet eine Schiebtüre, mit einem Griff legt er mir eine Jagdflinte vor mich auf den Tresen. Jetzt muss ich das zweitemal schlucken. So eine schöne Flinte! Ein breiter Vorderschaft, genau passend für meine Bratzn. Die Läufe übereinander. Eine schwarze Basküle, zurückhaltend mit Ornamenten verziert. Der lackierte Holzschaft ist schön gemasert. Ich kenne nicht die Marke, ich kenne nicht den Preis, aber das Gewehr muss es sein!
“ Der Schaft hat keine Backe. Das ist genau richtig für mich, denn ich bin Linksschütze, nicht weil ich Linkshänder bin, sondern weil mein linkes Auge mein Zielauge ist“
“Ich weiß!“ antwortet cool und kurz der Waffenhändler.
Ich breche die Waffe. Die Läufe lassen sich nur streng abkippen. Ein gutes Zeichen. Die Patronenlager und die Ejektoren sind noch blitzblank. Die will ich haben, am liebsten sofort. Jetzt erst sehe ich auf den Preis und erkundige mich nach der Marke.
Es ist eine Winchester, Model 101, Kaliber 12/70. Ich lasse mir die Waffe zurücklegen. Im Internet habe ich schon nach dem Model gestöbert. Die Winchester – Jagdflinten Model 101 werden in Belgien hergestellt. In einem Forum schrieb ein Teilnehmer, dass die Produktion dieses Models seit den 1970er Jahren eingestellt worden wäre, ein anderer Teilnehmer schreibt, dass die Produktion wieder aufgenommen wurde. Er hat sogar einen Link auf die Winchester Homepage gesetzt, der aber leider ins Leere läuft. In einem Forum wird die Robustheit der Waffe gelobt. Weiters habe ich einen Werbefilm von Winchester über das model 101 auf Youtube gefunden:
Nach zwei Tagen stehe ich im Waffenladen um die Flinte zu kaufen. Jetzt muss der Schaft angepasst werden. Der Büchsenmacher misst den Abstand zwischen meinen Augen, die Breite meiner Schultern, die Länge meiner Arme und meines Fingers. Nachdem er sich vergewissert hat, dass die Flinte entladen ist, soll ich ein paar Mal in Anschlag auf ihn gehen. Fachmännisch begutachtet er meinen Anschlag. Es stellt sich heraus; der Schaft ist viel zu kurz. Um ihn für meine langen Arme passend zu machen müssen noch einige Distanzstücke eingefügt werden. Das sieht zwar nicht so gut aus, wenn am Ende des Lackschaftes ein ca. 5 cm breiter schwarzer Streifen entstanden ist. Es tröstet mich aber das den Abschluss eine innenventilierte Pachmayr – Schaftkappe bildet. Die Pachmayr – Schaftkappe wird auch in dem Werbevideo als original erwähnt. Jetzt ist auf der Flinte mit dem kurzen Schaft eine Schaftkappe, die mir bei weitem nicht so gut gefällt.
Beim Büchsenmacher sind jetzt viele Aufträge liegengeblieben. Die Schießbudenbesitzer haben ihm während des Oktoberfestes ihre Gewehre vorbeigebracht, die verständlicherweise sofort repariert werden mussten. Er muss jetzt erst die liegengebliebenen Aufträge abarbeiten. Ich kann ja auf meine Flinte ein paar Tage länger warten, auch wenn es mir sehr schwer fällt.
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Hi Reinhold,
AntwortenLöschenich zitiere :
"Vom Sport kannte ich die martialisch wirkenden Vorderschaftrepetierflinten. Durchs Fernsehen bekannt als Pumpguns."
Damit tust du uns Sportschützen keinen Gefallen, und du solltest eigentlich wissen, dass Pumpguns nach deutschem Waffenrecht nicht für Sportschützen zugelassen sind.
die 101 ist wirklich schön. mir persönlich würd ne pumpgun schon gefallen. ich wüßt nur nicht für was verwenden, da ne bockflinte sowohl für die jagd als wohl auch dem sport die geeignetere waffe ist.
AntwortenLöschenauf federwild beim stöbern, mag der vorderschaftrepitierer wohl besser sein wg der kapazität.
schade daß über den schützensport u waffen leute richten, welche nicht mit vernunft gesegnet sind.
Reinhold,nimm dir Zeit und nicht das Leben.
AntwortenLöschenDu kommst noch früh genug in den Genuß der Waffe. Ist schon eigenartig, für Sportschützen nicht zugelassen,für Wildtöter schon.
Die Unterschaftrepetierflinte wäre schon für die Jagd zugelassen. Aber wird nicht verwendet. Jagdlich dürfen sowieso nur zwei Patronen im Magazin verwendet werden. Der Schütze hat dann einen Schuss mehr, muss aber dann auf die zwei verschiedenen Läufe verzichten. Ich habe auch gehört; mit so einer Waffe bräuchte man sich bei der Jagd nicht blicken lassen.
AntwortenLöschenWahrscheinlich ist meine Flinte schon fertig, nur ich hatte keine Zeit sie abzuholen.
@ Reinhold:
AntwortenLöschenWahrscheinlich kommt so eine Pumpgun unter den ja eher auf "Stil und Gediegenheit" geeichten deutschen Jagdkollegen prolig rüber. ^^
Um das Image zu perfektionieren, solltest Du die Pumpgun unbedingt aus der Hüfte schießen, und auffliegendes Getier stets mit "what the fuck", und sofortigem wilden Herumgeballere kommentieren.
Ach so, und dann zur Jagd immer schön mit einem fetten Pickup fahren, von Ford oder so, und stets ein Baseball-Käppi tragen. ;-b