Gestern haben unsere zwei frühesten Kunden zum Flughafen abgesagt. Ein Kunde wurde krank, das zweite Storno erreicht mich im Bierzelt. Ich muss gestehen; ich war nicht wenig froh über die beiden Stornos. So blieb mir nach dem letzten Wiesnabend mehr Zeit zum Schlafen.
Die erste Tour hatte ich so erst um 7.50 Uhr vom Münchener Norden. Es war auch der erste Tag der EXPO Real, einer guten Messe. Das Publikum sind Banker, Investoren und Immobilienmakler. Taxiaffine Besucher. Genau das richtige Sahnehäubchen nach dem Oktoberfest. Am Flughafen ging es gleich richtig zur Sache. Um 8.30 Uhr dort angekommen, stelle ich mich am Acker (der Speicher zum Speicher für das Terminal 2) auf. In nur einer Stunde rutsche ich über den Acker, über den Agip-Speicher, über das Terminal, über das Modul, insgesamt über 300 Taxiplätze nach vorne. Ich überschlage im Kopf; 300 Taxis in einer Stunde, das wären 5 in der Minute, das heißt; alle 20 Sekunden geht ein Taxi. Alleine vom Terminal 2. Oben angekommen, sehe ich die Fluggäste am Taxistand Schlange stehen, ein viel zu seltenes Bild. Ich erwische Skandinavier zum Haupteingang der Messe. Die A9 ist voll, ich fahr über Land. An der Messe so scheint es, haben sie die Sicherheitskräfte verdoppelt. Ein Securitymann steht am Messeeingang West und dirigiert die im sekundentakt ankommenden Taxis wie der Lotse auf einem Flugzeugträger auf den Platz auf den sie ausladen sollen.
Der Hafen brummt. Ausnahmsweise fahre ich von der Messe leer zum MUC und versuche mein Glück wieder auf Terminal 2. Jetzt dauert es schon etwas länger. Nach 1,5 Stunden werde ich von sieben Bankern aus der Busreihe im Modul gepickt.
Die Fahrt geht ins Motel One in Garching. Ob ich dort warten könnte, sie wollten dann noch weiter auf die Messe. Das Hotel kannte ich noch gar nicht. Aber Garching Daimlerstraße sagt mir was. Kaum habe ich die Autobahn über die Ausfahrt Garching Süd verlassen, sehe ich schon die riesige Aufschrift “MOTEL ONE“ auf einem leuchtend weißen Hotelgebäude. Zum Glück kann ich wieder den Profi spielen. Während ich auf meine Leute warte zähle ich die Stockwerke. Sechs Etagen. Daneben ist gleich ein neues Ibis Hotel, das nicht recht viel kleiner ist. An der Messe kassiere ich 90,- €, eine sehr gute Tour.
Ein drittes Mal will ich nicht leer zum Flughafen zurück. Ich stelle mich am Messe Nord Stand auf. Ich mache mir Hoffnung, dass ich über Datenfunk einen Auftrag von einem der Hotels im Osten bekomme, die müssen ja bei so einer Messe voller Gäste sein. Zwei Mitarbeiter der Taxi München eG kommen an den Standplatz und informieren unser über einen schweren Unfall auf der Ostumgehung-Autobahn. Die zweite Information war genauso interessant. Der Bürgermeister von Moskau will die Messe besuchen. Er kommt mit einer Gruppe von Limousinen mit Polizeieskorte an den Eingang West. Die beiden Taxi München eG Mitarbeiter machen sich auf den Weg um die Taxifahrer davon abzuhalten den Standplatz anzufahren. Der Platz würde für den Konvoi des Moskowiter Bürgermeisters gebraucht.
Eine halbe Stunde später mache ich mich auch auf den Weg –besetzt zum Flughafen. Diesmal zu Easy-Jet. Unterwegs rufe ich die Flugauskunft an, damit ich meinen englischen Gast am richtigen Terminal aussteigen lassen kann. Bei Easy-Jet scheint das etwas komplizierter zu sein. In den Zentralbereich, dorthin wo auch die Easy-Jet Schilder führen, sollen nur Gäste gebracht werden, die noch keine Boarding-Karte und mehr als nur Handgepäck haben. Mein Fahrgast, wieder ein Banker, nur Handgepäck und schon eine Boarding-Karte wie die meisten Easy-Jet Kunden. Ihn bringe ich auf Modul C. Am Modul C Gate 4 werden die Flüge nach London Gatewick abgefertigt. Ich habe dabei wieder was gelernt. Bis jetzt habe ich alle Easy-Jet Passagiere allesamt im Zentralbereich aussteigen lassen.
Besetzt zum Flughafen, am Tag einer solchen Messe? Natürlich bleibe ich stehen. Abends geht es schon bedeutend langsamer als am Morgen. Diesmal werde ich nicht aus der Busreihe geholt. Vorne am Modul reihe ich mich wieder zwischen den PKW Taxis ein. Ich erwische einen Gast aus London. Es scheint dass die Messe voller Londoner und Moskowiter ist. Er nennt mir sein Ziel:
“Motel One.“
Schon wieder, denke ich mir. Als ich mich erkundige welches er meine, antwortet er mir:
“Weißenseestraße 140“
Da war ich auch noch nie. Im hintersten Winkel meiner Erinnerungen hab ich noch ein Bild vom Vorbeifahren. Das muss der große AGFA – Block am Mittleren Ring in Obergiesing sein. Prompt so war es auch. Das zweite Mal während eines Tages bin ich das erste Mal an zwei riesige Hotels gefahren – und beide noch von der gleichen Kette. Die müssen ja wie die Shwammerl aus den Boden schießen.
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"...einer guten Messe. Das Publikum sind Banker, Investoren und Immobilienmakler."
AntwortenLöschenDu meinst gut im Sinne von guter Umsatz, oder?
;-)
Ja, ich meinte den Umsatz. Die Gäste sind ein anderes Kapitel. Es sind halt solche, die in dieser Gesellschaft recht hoch aber nicht sehr weit kommen. In ihren Worten ausgedrückt, wäre da enormes Entwicklungskapital im moralischen und charakterlichen Bereich. ;-)
AntwortenLöschenDas hast Du sehr schön formuliert. ;-)
AntwortenLöschenAber ist es nicht seltsam, über welches Publikum wir uns in unserer Branche freuen?