Jetzt zur Urlaubszeit werden die Wartezeiten an den Standplätzen immer länger. Ihr habt es wahrscheinlich daran gemerkt, dass ich wieder mehr blogge.
Ich bin über jede Unterbrechung am Standplatz froh, nur zu gern lasse ich mich von meiner Wartezeit erlösen. Heute Vormittag war ich wegen der Waffenhandhabung beim Waffenhändler. Heute Nachmittag treffe ich mich mit meinem Kollegen im Paulaner – Garten am Nockherberg. Am allerliebsten ist mir natürlich wenn die Unterbrechung auch noch etwas Geld in die Kasse spült wie gerade eben.
Der Datenfunk erlöst mich. SEV – Schienenersatzverkehr für die Linie 15. Start am Max- Weber-Platz. Weiter geht’s über die Haltestellen Wörth-/Milchstraße, Rosenheimer Platz, Reger Platz, Tegernseer Landstraße und Ostfriedhof.
Wie immer fragen die ins Taxi zwangsversetzten MVG – Kunden:
“Was ist passiert?“
Ich, der gerade die Tour beginnt, weiß es natürlich auch noch nicht. Aber es liegt in der Natur der Sache, dass wir ja die Strecke abfahren und die Ursache schon finden werden. Ich vertröste dann meine Neugierigen mit den Worten:
“Schauen wir mal!“
Das hört sich ja im Dialekt sehr versöhnlich an. Die Fahrgäste recke die Hälse und für Gesprächsstoff ist gesorgt. Aha – Dort am Rosenheimer Platz steht ein LKW auf den Schienen. Dahinter können wir die am Weiterfahren gehinderten Straßenbahnen erkennen. Jetzt gibt es noch die Frage zu klären warum das blaue Monstrum uns solche Umstände bereitet. Vielleicht ein Unfall?
“Der Fahrer sitzt auch noch drin – der lacht a no!“
so der Kommentar einer Fahrgästin. Wir kommen an dem farblich abgestimmten Ensemble von LKW und Straßenbahnen vorbei und stellen fest, es ist (wahrscheinlich) nur eine Panne. Dahinter eine warnblinkende und hupende Autoschlange in der Franziskanerstraße. Die Reihe, bestehend aus einem Riesen – LKW und zwei aufgefahrenen Straßenbahnen ist im dichten Stadtverkehr unüberholbar. Wir fahren Haltestelle um Haltestelle ab. Genauso wie bei der Straßenahn steigen die Leute zu und aus. Die Taxiuhr läuft. Am Wendepunkt, an der Haltestelle Ostfriedhof, beobachte ich wie eine Dame, bevor sie in das Taxi steigt eine Fahrkarte am Automaten löst.
Eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter will einsteigen. Die Kleine schiebt einen Puppenwagen vor sich her. Ich steige aus um den Puppenwagen im Kofferraum zu verstauen. Ich bemerke vier Puppen in dem Wagen. Als ich wieder einsteige, mache ich eine witzige Bemerkung über die vierfache Puppenmutter. Als Mutter und Tochter wieder aussteigen und ich ihnen den Puppenwagen vor die Füße schiebe, lächelt die Mutter und zählt
“Eins, zwei, drei, vier, fünf.“
Bei eins bis vier deutet sie jeweils auf eine Puppe und bei fünf zeigt sie auf ihre kleine Tochter. Auf dem Rückweg hat die Polizei die Franziskanerstraße schon bei der Rablstraße gesperrt. Über die Rabl- Balanstraße führt auch unsere kleine Ausweichroute.
Bei einer weiteren Tour sehen wir schon einen gelben Schleppwagen, der den defekten LKW an den Haken nimmt. In diesem Moment kommt auch schon die Meldung im Datenfunkdisplay; der Schienenersatzverkehr ist beendet.
Ich fahre meine Gäste noch zur nächsten Haltestelle, melde den Fahrpreis, reihe mich wieder vor dem Holiday Inn ein und warte auf die nächste Unterbrechung – hoffentlich ein Fahrgast.
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