Mittwoch, 10. August 2011

Surprise Of The Year

Eine Firma, jahrelange Stammkunden, planen einen Konferenz am Starnberger See. Es geht um Edelmetalle, die Gäste kommen aus der ganzen Welt. Wir übernehmen den Transfer vom Flughafen nach Feldafing am Westufer des Starnberger Sees.
Wir haben die Daten über die Ankunfts- und Abflugzeiten der Konferenzteilnehmer. Wenn zwei Gäste fast zur gleichen Zeit am Terminal ankommen. Sammeln wir Beide in einen Transfer.
Ich bekomme den ersten Gast. Pünktlich stehe ich mit dem Logo der Firma am Terminal und kann den Gast aus Südafrika begrüßen. Die Maschine mit dem zweiten Gast aus New York ist schon gelandet. Nach einer Stunde warten, der NewYorker ist nicht erschienen, telefonisch war niemand zu erreichen, brechen wir auf nach Feldafing. Ich unterhalte mich mit meinem Südafrikaner, ich nenne ich John de Bur, über Deutschland, das Wetter und das Voralpenland. Er erklärt mir er wolle Auschwitz sehen. Mit Auschwitz kann ich ihm nicht dienen, aber Dachau wäre in der Nähe von München. Aber etwas weiter entfernt vom Starnberger See.
Vom Flughafen nach Feldafing sind wir natürlich nicht durch die Stadt gefahren. Unsere Route führt von der A92 auf die A96 Richtung Lindau. Über die Ausfahrt Gilching verlassen wir die Autobahn und kommen über Unterbrunn,Oberbrunn nach Starnberg. Von Starnberg sind es nur noch … Kilometer am Westufer Richtung Süden bis nach Feldafing.
Auf der A92 erkennt John das Wort Dachau auf großen blauen Ausfahrtsschildern. Er hat eine Idee. Wenn wir freitags nach und nach die Gäste vom Starnberger See zurück zum Flughafen bringen, will er im ersten Transfer dabei sein. Auf dem Rückweg zum zweiten Transfer soll ich ihn in Dachau aussetzen. Bei dem letzten Transfer zum Flughafen soll ich ihn wieder von Dachau mitnehmen. Ich verspreche ihm noch nichts, will aber schauen, was sich machen lässt. Auf der Fahrt am Westufer entlang empfehle ich ihm noch die Roseninsel. Ein kleines Boot wartet am Ufer und setzt die Gäste über. Auf der Insel gibt es einen kleinen Palazzo und einen wunderschönen Garten. Zu Fuß sind es vom Hotel zur Anlegestelle nur 15 Minuten. Ich setzte John ab und mache mich auf dem Rückweg. Der nächste Gast, diesmal ein Engländer, muss wieder vom Flughafen nach Starnberg.


Nachdem ich den zweiten Gast in Feldafing abgesetzt habe, beschließe ich meine Mittagspause an der Seepromenade in Starnberg zu verbringen. Ich verdaue meinen Döner, strecke meine Füße aus und schaue auf das Wasser. Das Wetter ist noch etwas diesig – das Alpenpanorama fehlt. Mein Telefon klingelt, auf dem Display eine mir fremde Ländervorwahl. Es meldet sich John aus Südafrika. Er hat erfahren, dass er am Freitag noch in Starnberg arbeiten muss. Ob ich denn nicht jetzt Zeit und Lust hätte um ihn abzuholen und Dachau zu zeigen. Ich schaue auf meinen Fahrplan, überlege kurz, und entscheide:

“ Ich bin jetzt in Starnberg. Ich muss noch tanken. Ich wäre in 40 Minuten bei dir. Um 17.10 Uhr landet der nächste Gast am Flughafen. Wir könnten jetzt schon losfahren und mit dem 17.10 Uhr Gast wieder zurück zu deinem Hotel kommen. Einverstanden?“

John findet das OK!. Wir starten unsere Dachau Tour. Ich will jetzt aber durch die Stadt fahren. Sonst würden wir ja dreimal die gleiche Strecke fahren. John ist müde. Er schläft ein. Soll ich ihn aufwecken? Was ist es wert ihn aufzuwecken? Das größte Schaufenster Europas bei Mercedes in der Arnulfstraße? Wenn man über die Donnersberger Brücke Richtung Norden fährt kann man es ja schön sehen. Das Olympische Dorf? Zudem wir noch über den Steven Spielberg Film Munich gesprochen haben. Ich lasse ihn schlafen. So fahre ich mit meinem schlafenden Südafrikaner auch an der mtu und an der MAN vorbei. Haben die doch neuerdings so ein imposantes Truck- und Coach Forum an der Dachauer Straße in Karlsfeld. Kurz vor dem Konzentrationslager muss ich ihn aufwecken.


Ich bemerke, dass ich innerhalb von einem Monat das dritte Mal in Dachau bin. Zuerst mit ->Hasan, dann mit den -> Amerikanern, mit denen ich auch in Neuschwanstein war, und jetzt mit John de Bur, dem Südafrikaner. Das ist mein Rekord. Wir haben immer die Abholzeit 17.10 Uhr vor Augen. Wir brechen auf um zum Flughafen zu fahren. Unterwegs checke ich die Ankunftszeiten und kann keine Maschine finden die um 17.10 Uhr landet. Ein Anruf bei der Flugauskunft verschafft Klarheit. In unserm Plan steht die Abflugzeit in London. Ein Grund für mich die angegeben Flugzeiten in Zukunft zu kontrollieren. Unsere Maschine landet planmäßig erst um 20.00 Uhr. Was mache ich jetzt mit einem Südafrikaner der seit gestern Abend unterwegs ist und wieder droht neben mir einzuschlafen. Das Wetter ist trocken – mir fällt der Hirschgarten ein.
Am Hirschgarten haben wir wie immer das Parkplatzproblem. Ich finde einen Parkplatz in einer Seitenstraße.
Ich zeige meinem afrikanischen Gast die großen Holzschränke, in denen die Maßkrüge stehen. Ich schnappe mir einen Krug, John tut es mir gleich. Ich muss noch fahren – für mich gibt es nur ein alkoholfreies Bier. Das aber wenigstens in einer Maß. John ist vom Weißbier begeistert. Beides bekommen wir nicht an der ersten Schänke. Wir trollen uns zu einer kleineren in der Mitte des Gartens. Weißbier bekommt John nur in Halbe – Krügerl. Enttäuscht tauscht er seinen Krug um.
Zum Essen will ich Steckerlfisch. Ich gehe zum Seckerlfischstand der Fischer-Vroni. Die kennt man von der Wiesn. Der Steckerlfisch ist noch nicht fertig.

“Warten´s hoit no a poor Minuten, dann hams´n frisch! Brezn? Brezn, habm mir net , de gibt’s do hintn“

Der müde Südafrikaner trottet hinter mir kreuz und quer durch den Hirschgarten. Er versteht kein Wort ist sehr interessiert was jetzt passiert. Mit der Brezen, Radi und Bier in der Hand bekommen wir unseren Fish on Sticks bei der Fischer-Vroni. Wir essen ihn unique; eine Steckerlfisch – Makrele auf dem Papier, an der Rückengräte geteilt, mit zwei Holzgabeln, dazu eine salzige, große Brezn. Mein Südafrikaner blüht auf, er ist begeistert, so etwas Gutes hat er lange nicht mehr gegessen. Wir müssen wiederkommen, unbedingt! Bevor die Konferenzteilnehmer abfliegen, soll ich sie alle zum Steckerlfisch bringen. Er nennt das einfache Mal sogar:

“Surprise of the year!“

Es freut mich natürlich, wenn es meinen Gästen schmeckt und auch natürlich darüber, dass die Zeit vergeht. Um halb acht kontrolliere ich den Flugplan. Die Landung unserer Maschine aus London ist noch nicht bestätigt. Ich rufe wieder bei der Flugauskunft an.:

“Die Maschine ist noch gar nicht in London gestartet.“

Oh je, das wird ein längerer Abend. Was mache ich mit meinem müden Afrikaner, jetzt ist auch noch sein Bauch voll und er hat Weißbier im Kopf. Wir müssen ein paar Schritte gehen. Das Schloß Nymphenburg ist nicht weit. Ich mache John den Garten des Schlosses schmackhaft. Bevor wir aussteigen schaue ich zum dritten Mal auf den Flugplan. Die Landung unserer London – Maschine ist bestätigt. Sie hat nur eine halbe Stunde Verspätung. Die erste Information war falsch. Irgendwie bin ich froh darüber, dass der Spaziergang entfällt. Wir fahren lieber mal zum Flughafen. In der AGIP gebe ich noch zwei doppelte italienische Espressi aus. Die können wir jetzt Beide brauchen. Inmitten der Taxifahrer, immer den Monitor im Auge, warten wir bis zur Landung.
Der Gast kommt zwar jetzt aus London, ist aber ebenfalls Südafrikaner. Die Beiden kennen sich und begrüßen sich herzlich auf africaans. Ich verstehe von der dem flämischen verwandten Sprache kein Wort, außer eines; Makrele.
John musste wohl seine kulinarische Erfahrung mit deutschem Steckerlfisch prompt seinem Landsmann mitteilen.


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