Sonntag, 24. Juli 2011

Beherrscher des Chaos

In diesem Monat hat -> Bernd, Taxifahrer- und Bloggerkollege aus Dresden, in einem seiner Posts seinen -> Wehrdienstausweis vorgestellt. In den Kommentaren kamen wir auf unsere „Hundemarken“ zu sprechen. Bernd hat seine Marke der NVA gezeigt. Ich habe versprochen meine damalige Marke der Bundeswehr zu zeigen. Done!
Schon seit Jahren feiern meine kleine Tochter und ich unseren Geburtstag zusammen. Hat sich doch nur fünf Tage nach mir ihren Ehrentag. Das während der Schwangerschaft errechnete Geburtsdatum wäre sogar auf den Tag auf meinen Geburtstag gefallen. Unsere Geburtstage feierten wir ganz zuhause bei Opa und Oma auf dem Land. Ich kann bei der Gelegenheit wie versprochen meine Marke rauskrammen und fotografieren. In meinen alten Kisten und Fächern weiß ich in der Regel wo alles liegt. Aber nur ich! Immer wieder stöbere ich in meinem alten Gerümpel, erinnere und freue mich, packe es wieder weg, und weiß dann beim nächsten mal wo ich hineingreifen muss um das Gesuchte zu finden.
Also, letztes Wochenende öffne ich das Fach mit meinen alten Bundeswehr- und Bremenzeugs. Mich trifft der Schlag, nichts mehr da! Meine Marke lag über 25 Jahre hier, und ist jetzt nicht mehr da. Bei solchen Gelegenheiten pflege ich oft vor dem Umräumverdächtigen vorwurfsvoll den Finger an die Stelle zu legen wo der gesuchte Gegenstand lag. Dazu kommen dann die Worte ( Bitte Betreffendes einfügen) :

“Hier war seit zwei Stunden – einer Woche – vier Monaten – einem Jahr – zwanzig Jahre meine Kopfhörer fürs Handy – Brille – Rechnungsbeleg – Kellerschlüssel – Erkennungsmarke der Bundeswehr Und wo sind die jetzt!?“

Der Betroffene wird dann einwenden, nach so langer Zeit wirst du doch nicht mehr wissen ….
Aber da kennt er uns Chaosbeherrscher nicht. Im Unterschied zum Chaoten kontrollieren wir unser Chaos, vergewissern uns, schauen nach und stellen befriedigt fest, dass alles noch so ist wie in unserem Kopf. Solche Argumente ziehen nicht bei Tagträumern. Die blicken um sich und rekapitulieren wie es in der Vergangenheit gelaufen ist, wie es in der Zukunft laufen wird und auch wo dies und jenes liegt.
Meine Mutter trägt zur Aufklärung bei. Meine kleine Tochter hat hier umgepackt. Das kann heiter werden, ein achtjähriges Mädchen auf der Suche nach Spielzeug in Papas heiligen Erinnerungen stöbernd. Zum Glück bekam ich eine grobe Richtungsangabe:
“Da hat sie alles rübergepackt.“



Ich habe sie dann noch gefunden, meine alte „Hundemarke“. Bei mir ist auch wie bei Bernds Marke, das Geburtsdatum eingestanzt. Dahinter ein S für den ersten Buchstaben des Nachnamens. Im nächsten Feld ist eine fünfstellige Nummer, von der ich nur weiß, dass die erste Ziffer, die 6, Wehrbereich Bayern bedeutet. Meine Blutgruppe, A negativ cde, ist auf der Rückseite eingestanzt. Die lange Kette an dem oberen Teil ist um den Hals zu hängen. An der kurzen Kette unten hängt ein Schlüssel zu einem Vorhängeschloss. Das war das Schloss zu meinem Spind. Die Funktion der Marke ist die Gleiche wie sie Bernd anhand seiner beschrieben hat. Beim Todesfall wäre die Marke an der Perforation zu trennen. Der abgebrochene Teil hätte dann irgendwo abgegeben werden müssen.
Einen Beweis für meine Chaosbeherrschertheorie findet ihr auch auf dem Foto. Damals wurden uns Ersatzkettchen mit der Marke ausgehändigt. Wahrscheinlich haben unsere Vorgänger zu viele von denen zerrissen. Nach 25 Jahren liegt das kleine braune Kuvert mit diesen Ersatzkettchen immer noch neben meiner Marke. Da wo sie hingehört!


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1 Kommentare:

  1. OK. Jetzt hast auch du den Beweis erbracht, daß du amtlich noch am Leben bist! So ein schönes Kettchen hatten wir allerdings nicht. Ich muß mich nochmal rückwirkend darüber beschweren.

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