Dienstag, 7. Juni 2011

Kleinlaut ..

… sitze ich im Taxi. Heute Vormittag bin ich durch die praktische Jägerprüfung gefallen. Bei der Waffenhandhabung. Ausgerechnet mit der Waffe, bei der ich die meiste Gelegenheit zum Üben hatte, der Walther PPK.
Ich war bei der Gruppe der ersten Sechs heute Morgen um 8.00 Uhr am Schießstand in Unterdill. Wir bekamen die letzten gutgemeinten Hinweise und Namensaufkleber. Die ersten beiden Kandidaten waren schon bei der Waffenhandhabung.
Ich melde mich als Dritter. Da habe ich es schnell hinter mir, denke ich mir noch. Aufgeregt waren wir schon als wir unsere letzten Informationen zum Prüfungsablauf bekommen. Doch jetzt als ich hinter dem Prüfer zum Prüfungsraum, einer Küche, gehe wird es mir schon seltsam warm im Bauch. Auf dem Küchentisch sind eine Pistole, ein Revolver, ein Drilling, eine Bockflinte, ein moderner Repetierer, ein Repetierer System 98 und ein Bockbüchsflinte ausgelegt. Dazwischen leere Schrotpatronen und Übungsmunition.
Der Prüfer schildert mir einen Sachverhalt.
“Sie bekommen einen Drilling und wollen damit auf die Jagd gehen Was ist zu tun?“
Ich erkundige mich nach der sicheren Richtung, in der ich während der Handhabung den Lauf der jeweiligen Waffe halten kann. Ich sichere den Drilling. Entsteche den französischen Stecher. Breche die Waffe und blicke durch die Läufe des Laufbündels. In allen drei Patronenlagern stecken zwei Schrotpatronen und eine Übungspatrone. Ich entnehme die Patronen. Bevor ich neu lade, vergleiche ich die Kaliberangaben auf dem Patronenlager mit den Angaben auf der Munition. Es passt. Ich stehe mit der geladenen Waffe im Jagdanschlag in der Küche.
Jetzt soll ein Fuchs auf 35 Meter kommen. Ich schieße mit dem linken Schrotlauf. Das imaginäre Reh erlege ich mit dem eingestochenen Kugellauf. Ich darf die Waffe ablegen.
Als Nächstes werde ich auf eine Treibjagd eingeladen. Ich soll die Flinte aufnehmen. Das gleich Spiel wieder, die Sicherheitsüberprüfung – Waffe gesichert, entstochen (die Flinte hat keinen Stecher, ich erwähne aber das Entstechen, weil es wesentlich zur Sicherheitsüberprüfung gehört.), durch die Läufe geschaut und bevor die Patronen geladen werden, die Angaben auf dem Patronenlager und dem Hülsenboden vergleichen. Ein Hase wechselt vom Küchentisch auf unsere Schützenreihe zu. Er durchläuft die Reihe. Ich soll hinterherschießen. Wie gelernt strecke ich den Lauf der Flinte in die Luft, drehe mich, und lege auf den Hasen an. Beim Zurückschwenken verfahre ich genauso, um niemanden in der fiktiven Schützenreihe zu gefährden.
Ich werde zur Reh-, Rot-, oder Gamswildjagd eingeladen. Welches Gewehr ich den wohl dazu nehmen werde? Keine Frage; den Repetierer, ich nehme den System 98. Bei der Sicherheitskontrolle muss ich diesmal den Verschluß entfernen. Nach der Klaiberkontrolle lade ich die Waffe von oben über das Verschlußfenster ins Magazin. Von dort repetiere ich die erste Patrone in das Patronenlager. Ziele, und nach dem Spruch:
„Hintergrund frei, Kugelfang vorhanden.“
drücke ich ab, sofort repetiere ich nach um noch einen für einen weiteren Schuß bereit zu sein. Kommt keine Ansage, sichere ich die Waffe und gehe in den Jagdanschlag.
Bei den Kurzwaffen beginne ich mit dem Revolver. Es ist nicht das Model mit dem wir trainiert haben, aber auch ein .38 Spezial. Auch hier klappt alles. Sicherheitsüberprüfung. Die einzige Ausnahme, bei der ich von vorne durch den Lauf auf meinen Fingernagel blicke. Gerade noch rechtzeitig erinnere ich mich an die Kaliberkontrolle. Bei der Frage in welche Richtung sich die Trommel dreht, muss ich überlegen. Es gibt den Grundsatz, daß sich die Trommel immer rechts herum, im Uhrzeigersinn, dreht, außer bei Smith & Wesson - Revolvern, dort dreht sich das Patronenlager entgegen dem Uhrzeigersinn. Verlässlicher ist es, die Drehrichtung an den Kerben der Trommelaußenseite abzulesen.
Und dann kommt sie, die Walther PPK. Da lieg sie - gesichert. Mit dieser Waffe habe ich am meisten geübt. Inzwischen ist das warme Gefühl in meinem Bauch zu einem Brennen in meinem Kopf geworden. Mein Mund ist trocken wie das Holz des alten Schießstandes. Ich fühle, der größte Teil der Prüfung ist vorbei. Die meisten Waffen hatte ich schon in der Hand.
Den Sicherungshebel kann ich klar sehen. Der rote Punkt ist verdeckt, der Hebel ist schräg nach hinten, deutlich gesichert – und was sage ich.
„Die Waffe ist entsichert. Die muss ich erst mal sichern!“
Dabei greife ich an den Sicherungshebel und entsichere die Waffe. Welcher Teufel hat mich da bloß geritten? Das ist ein Kategorie 1 – Fehler, der führt zum Durchfallen. So war es dann auch. Meine Schießkünste auf die Rehscheibe konnte ich gar nicht mehr zeigen. Der Prüfungsleiter gibt mir gleich ein Formular für die Anmeldung zur nächsten Prüfung in drei Monaten. Ich werde mich baldmöglichst in Landshut beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten anmelden.



Soeben habe ich zufällig eine Kursteilnehmerin getroffen. Von ihr weiß ich, dass ich einer von Sechsen bin, der heute durchgefallen ist. Die -> Deutsche Waidmannsgilde wird auch ein kleines Fest für uns ausrichten. Aber erst in drei Monaten, wenn wir Nachzügler auch bestanden haben. Ein feiner Zug.


.

3 Kommentare:

  1. Hey Reinhold, schade das es bei dir nicht geklappt hat!
    Ich bin auch nur knapp durchgekommen, habe beim Schießen 2x den 8er Rand getroffen und einmal den 9er...
    Aber letztlich mehr Glück als Verstand gehabt.
    Wir sehen uns wenn der Jägerbrief für alle aussteht.
    Gruß
    Arne

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  2. Es bleibt trotz allem unfassbar und ausgesprochen "SCHADE" für mich bist Du in der Waffenhandhabung immer eine "sichere Bank" gewesen.
    VG kt

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  3. Hallo Reinhold,

    auch schließe mich an und sage nur "what a pity!" Ich wünsche Dir für die nächste Runde alles erdenklich Gute! Wir sehen uns hoffentlich ab 19.09.11 in der praktischen Prüfung.

    Viele liebe Grüße
    Janina

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