Sonntag, 29. Mai 2011

Noch Eines drauf

Es gibt Tage, an denen möchte ich mich zerreißen. Heuer im Mai war gestern der zweite Tag dieser Art. Schon der erste Maitag fordert wichtige Entscheidungen. Früher war das für mich der Tag des Maibaumaufstellens. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr war klar was ich an dem Tag wohl machen werde Nach der Nacht der Maibaumwache war das feucht-fröhliche Aufstellen des weiß-blauen Baumes angesagt.
Mit einer weiteren Bedeutung des 1.Mai kam ich später in Kontakt. Dieser Tag ist der Kampftag der Arbeiterklasse. Mit der Terminologie der Faschisten und Demokratisten, die den Tag, Tag der Arbeit nennen, werde ich mich nicht anfreunden.
Der erste Mai ist auch jagdlich ein bedeutendes Datum. An diesem Tag geht der Rehbock auf und das Jagdjahr beginnt.
Der Mai birgt heuer noch einen zweiten Tag dieser Art, den gestrigen, den 28. Im Lehrplan meiner Jagdschule ist für diesen Tag Schießtraining in Hattenhofen eingetragen. Mercedes hat schon vor Wochen eine Einladung zum diesjährigen Taxitag verschickt. Vesna hat uns gleich alle vier per Fax angemeldet. Und Taxifahren, das in den letzten Wochen sowieso zu kurz gekommen ist, soll ich auch noch. Der Zufall will es, daß ich in morgens eine Abholung vom Flughafen habe und gleich im Anschluss eine Fahrt zum Flughafen. Die 115,- € Umsatz, die mir die Fahrten bringen, können wir mehr als brauchen. Um 10.15 Uhr lasse ich meine Gäste am Flughafen in Erding aussteigen. Um 10.00 beginnt das Training auf dem Schießstand. Ich habe nur noch eine Prüfung, Waffenhandhabung und 100 Meter Rehscheibe. Ich will mir keine Trainingsmöglichkeit entgehen lassen. Also, zurück auf den Autobahnzubringer, über die A 92 auf die A 8, Ausfahrt Fürstenfeldbruck. Auf die 471, bei Mammendorf runter und über die Dörfer zur Schießanlage. Ich komme fast als Letzter. Den Schießstand haben wir bis um 13.00 Uhr gemietet. Gleich nach meiner zweiten Viererserie und dem Austausch der neuesten Nachrichten verabschiede ich mich kurz und presche wieder zurück. Meine Frau bestätigt mir, daß noch viele meiner Kollegen bei Mercedes sind. Es würde sich lohnen zu kommen. Auf der A 8 einwärts überholt mich ein Taxi. Mit seiner Warnblinkanlage gibt mir der Fahrer zu verstehen, daß er mich kennt. Ich kann von meinem VW Bus den Fahrer des vor mir fahrenden Taxis nicht erkennen. Ich muß gestehen; mit der Genehmigungsnummer im Heckfenster kann ich nichts anfangen. Am Kreisel am Autobahnende in Obermenzing komme ich links neben dem Taxi zu stehen. “ Ah! Er ist es!“ Ich war sogar zu seiner Hochzeit eingeladen. Gleich nach dem Kreisel biegt er rechts ab und stellt sich hinter zwei Taxis an den Schirmmerstand. Ich bleibe auf der Verdi stadteinwärts. Mein Ziel ist die Mercedes Niederlassung in der Arnulfstrasse an der Donnersberger Brücke. Ich telefoniere schnell mit dem Kollegen und unterrichte ihn, daß ich noch die letzten Minuten vom Mercedes Tag mitkriegen will. Der und der soll auch noch da sein. Er hat es sich auch schon überlegt dorthin zu fahren. Jetzt, da er weiß, daß ich auch hinfahre, kommt er auch.

Vor der Niederlassung weist mich ein Sicherheitsposten gleich auf einen Parkplatz direkt vor der Front der Mercedes Hochburg in München. Später bekomme ich mit, die Privatautos werden nach hinten in die Tiefgarage gelotst. Es scheint auch nichts auszumachen, daß ich mit meinem VW Bus Taxi mitten unter Mercedes Taxis vor der Mercedes Niederlassung stehe.
Das Thema des Mercedes Taxi Tages 2011 ist der Motorsport. Dementsprechend sind auch Mercedes – Rennwägen ausgestellt. Jeder Anwesende bekommt einen Gutschein und kann sich mit dem schnellsten Taxi der Welt fotografieren lassen.

Zur Unterhaltung ist eine Carrerabahn aufgestellt. Die kleinen Rennwägen sind alles kleine hellelfenbeinweiße Taxiflitzer. Ein Kollege fordert mich zum Rennen heraus. Wir brauchen noch zwei Mitfahrer. Der Carrera-Mann will dann in den Erwachsenen-Modus schalten. Die beiden Fahrer sind schnell gefunden, das Rennen beginnt. Die Kunst bei der Carrerabahn ist wohl im richtigen Moment zu bremsen. Überschlägt sich der kleine Flitzer in der Kurve ist man auf die Gunst der Umstehenden angewiesen, die das Modelauto wieder in die Spur setzen. Das verfälscht das Ergebnis. Der Herausforderer hat dann auch das Rennen gewonnen. Ich bin, nachdem mein Renntaxi nach der achten Runde im Zieleinlauf stehen blieb, von jedem anderen Rennteilnehmer überrundet worden und dann auf den dritten Platz gerutscht.



Wir waren dann doch noch knapp zwei Stunden bei Mercedes, es hat sich gelohnt zu kommen. Mein Kollege vom Schirmmerstand hat heute noch einen weitern Punkt auf seiner Liste für den heutigen Tag. Nicht weit von der Mercedes Niederlassung, im Postpalast, ist zur Zeit eine Reptilienausstellung. Die größte mobile Reptilienausstellung der Welt soll es sein. Er holt nur noch seine Familie und wir treffen uns im Postpalast. Das kreisrunde Gebäude im Postpalast, das die Ausstellung beherbergt, weckt mein Interesse. Was war wohl die Funktion des Gebäudes bevor es zu einer Event – Location wurde?
Die Ausstellung war wirklich groß. Gezeigt wurden Schlangen, Echsen, Spinnen und Schildkröten aus der ganzen Welt. Skorpione waren mit zwei Arten vertreten. Vermisst habe ich die heimischen Arten wie z.B. eine Kreuzotter oder eine Ringelnatter. Eine Äskulapnatter konnten sie allerdings aufbieten. Die Attraktion war eine Schlange mit zwei Köpfen. Das Exemplar mit dem genetischen Defekt trug den Namen Tom und Jerry. Auf das eindringliche Bitten meiner kleinen Tochter kaufte ich dort noch eine glitschige Gummischlange. Der schmale Gummistrang zittert wie eine echte Schlange über die Hände.
So das war der Tag wie er mir gefällt. Etwas Geld verdient, Schießstand, mit der Familie unterwegs und dann sogar noch eines drauf – die Reptilien beim Postpalast. Was will ich mehr.


Geweckt wurde ich heute früh mit einer Gummischlange im Gesicht und dem Lachen meiner kleinen Tochter. Besser kann es ja nicht werden!




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