Mittwoch, 25. Mai 2011

6 x 6

Gestern war es soweit. Nach neun Monaten lernen hatte ich die mündliche Jägerprüfung. Die Einladung zu der mündlichen bekam ich, nachdem ich am 10.5. die schriftliche Prüfung bestanden hatte.
Während der letzten Zeit war mein Kopf, egal wo ich körperlich war, bei den Heintges Unterlagen oder dem Krebs, den Standardwerken für die Vorbereitung zu der Jägerprüfung.
Zu der schriftlichen Jägerprüfung gibt es einen Fragenkatalog vom Bayerischen Staatministerium für Landwirtschaft und Forsten. Der Katalog umfasst 1280 Fragen und Antworten auf die wir uns vorbereiten konnten. Die Antworten zu den 100 Fragen sind während 100 Minuten im Multiple Choice Verfahren anzukreuzen und auf ein Antwortblatt zu übertragen. Es gibt, anders als in anderen Bundesländern, mehrere richtige Antworten. Auf die Frage:

Welche der nachgenannten Federwildarten brüten auf Bäumen?

gibt es zur Auswahl anzukreuzen:
a) Fasan
b) Haselwild
X c) Ringeltaube
X d) Mäusebussard
X e) Graureiher
f) Birkwild

Kreuzt man fälschlicherweise Haselwild an, oder vergisst eine Federwildart die auf Bäumen brütet, wird die ganze Frage als falsch gewertet. Bei dieser Fragestellung und Bewertung macht es das Multiple Choice Verfahren nicht unbedingt leichter. Bei dieser riesigen Menge an Daten war ich mit auswendig lernen auch bald an meiner Grenze angelangt. Zudem rückt ja auch der Termin der gefürchteten Mündlichen unaufhaltsam immer näher. Hier gibt es keinen Fragenkatalog und keine Musterantworten. Es gibt sechs Prüfungsthemen auf jeweils einer Prüfungsstation. An jeder Station (Waffen und Munition / Wildbiologie / Jagdrecht / Jagdliche Praxis / Hunde / Naturschutz ) werden wir von Prüferinnen und Prüfern befragt. Für uns Münchener ist die Prüfung in der Landesjagdschule des Bayerischen Jagdverbandes, BJV, in Feldkirchen östlich von München. Ich bin als Taxifahrer bestimmt schon hundertmal an dem Gebäude vorbeigefahren, nichtsahnend welche Bedeutung dieses Haus in Zukunft für mich haben wird. Ab jetzt werde ich nie wieder gedankenlos durch Feldkirchen rauschen, ohne an meine aufregenden Stunden in der Hohenlindener Straße zu denken.
Die Kandidaten kommen jeweils zu Sechst an einen Termin in einen Vorraum. Ich bin in der ersten Gruppe des Tages. Beginn der Prüfung ist um 9 Uhr angesetzt. Wir sollen alle pünktlich um 8.30 erscheinen. Ich mache mich um 8 Uhr auf den Weg und das Drama beginnt. Baustelle auf der Ingolstädter / Leopoldstrasse stadteinwärts. Entsprechend der Stau. Mein Puls erhöht sich. Ich bin böse auf mich selbst. Wie kann ich nur an einen so wichtigen Tag zu spät kommen. Die Baustelle kenne ich schon 14 Tage. Ausgerechnet heute asphaltieren die die Kreuzung Leopoldstrasse / Mittlerer Ring. In jede Richtung führt nur eine Spur über die belastete Kreuzung. Mein Puls steigt. Auf dem Mittleren Ring Stau auf der Kennedy Brücke Ich brauche 20 Minuten vom Harthof bis an das Ende des Richard-Strauß-Tunnels auf der Passauer Autobahn. Ich freue mich als ich auf der Autobahn bin. Doch was sehe ich; Geschwindigkeitsbegrenzung 60!!! km/h auf der Autobahn! Hat sich heute alles gegen mich verschworen? Ich gebe Gas, brause über die Autobahn, verfluche die Schleicher vor mir. Ich kann es nicht glauben. Um 8.28 fahre ich vor die Landesjagdschule. Der Jägermeister ( so nennen einige von uns scherzhaft unsere Ausbilder) steht auf der Treppe zum Eingang und schaut die Straße entlang. Ich durchhaste das Fojer, dort steht der zweite Jägermeister, der schickt mich in das oberste Stockwerk. Schlag 8.30 Uhr setze ich mich an den großen Tisch. Neben mir sitzt nur eine Kandidatin aus meiner Klasse. Die weiteren vier Kandidaten kommen alle ein paar Minuten zu spät. Ausnahmslos Alle müssen vorher noch auf die Toilette. Als endlich alle versammelt sind geht es los. Wir bekommen noch die letzten Anweisungen. Nach der Kontrolle unserer Personalausweise werden die Lose für die Anfangsstationen gezogen. Ich erwische die Drei; also beginne ich mit Jagdrecht. Ein guter Einstieg denke ich mir. Jeder Prüfling wird zu seinem Platz gebracht. Ein Pfiff eröffnet die Prüfung. Ein Pfiff verkündet das baldige Ende des Themenbereichs. Zwei Minuten später ein Doppelpfiff. Ich stehe auf ein Prüfer begleitet mich an den nächsten Tisch (Tisch 4 – Jagdliche Praxis) . Nach dem Pfeifsignal geht’s dann an den Hundetisch ( Tisch 5 ) u.s.w.
Nach einer guten Stunde waren wir alle Sechs mit unseren Themen durch. Wir versammeln uns im Flur und warten auf die Auswertung. Die Tür öffnet sich und wir hängen gebannt an den Lippen des Prüfungsleiters. Er holt einen von uns in das Zimmer. Wir ahnen schon; leider ist er durchgefallen. Jetzt betreten wir alle das Zimmer. Als wir beglückwünscht werden fallen fünf Steine von fünf Herzen. Für uns bedeutet das jetzt; das Lernen der letzten Monate hat ein Ende. Die letzte Prüfung ist Waffenhandhabung und eine Schießprüfung auf eine 100 Meter entfernt stehende Scheibe. Da gibt es nichts mehr zu lernen. Nur noch trainieren. Die Bücher und Hefte kann ich aus dem Taxi und aus dem Nachtkistchen ins Bücherregal stellen.




Es wird noch ein paar Tage dauern, bis ich die ausgedruckten Excel-Tabellen mit den Vogelarten und den jeweils angekreuzten Eigenschaften aus dem Kopf bekommen.


Ich werde in naher Zukunft ein paar kurzweilige Geschichten aus meiner Jungjägerausbildung zum Besten geben. Die folgenden Posts werden zeitnah die Prüfung, und was es mit dem Vogel-Naturschutzmann, dem Knochentisch und dem Losungskasten auf sich hat, zum Thema haben.
Im Moment bin ich nur heilfroh die größte Hürde auf dem Weg zum Jäger geschafft zu haben.




.

6 Kommentare:

  1. Hi Reinhold,

    herzlichen Glückwunsch !!!

    AntwortenLöschen
  2. @ DirtyD
    Vielen Dank! Nach deinen Stages ist für angehende Jungjäger die letzte Übung nur noch ein Spaziergang.

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Reinhold,

    lange nichts gehört :-) Jetzt weis ich auch warum.

    Herzlichen Glückwunsch!!

    Andreas

    AntwortenLöschen
  4. Glückwunsch.......hoffentlich kommen bei diesem ganzen Jägergedöns, die Taxistorys nicht zu kurz. Oder wird der Blog bald umgenannt? ;)

    AntwortenLöschen
  5. @ Andreas u. Marcus
    Umgenannt wird der Blog noch nicht. Aber Jägergedöns kommt noch, der Taxianteil wird sich aber wieder erhöhen

    AntwortenLöschen
  6. Servus Reinhold. Herzlichen Glückwunsch aus dem
    fernen Thailand sendet Dir Klaus und Phen.
    Das Grüne Abitur ist schon schwer.

    AntwortenLöschen

Kommentarformular-Meldung hier

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...