Am Samstag sind sie mir am Renaisance-Hotel eingestiegen. Eine Familie aus den USA. Sie haben mich nach einem Brautmoden-Geschäft gefragt. Obwohl verheiratet, war ich noch nie in einem Brautmodengeschäft. Aber da fällt mir ein Schaufenster ein. Hundertmal bin ich aus der Altstadt Richtung Westen gefahren. Da gibt es in München nur eine Achse, die die Ausfahrt aus dem Kreuzviertel ermöglicht – die Josephsspitalstrasse. Die Josephsspitalstrasse ist eine Einbahnstrasse Richtung Westen. An der Kreuzung zur Sonnenstrasse bin ich auch schon hundertmal an der roten Ampel zur Sonnenstrasse gestanden. Blicke ich nach rechts, sehe ich in ein großes Schaufenster mit den verschiedensten Brautkleidern in der Auslage. Es gibt nicht nur weiße Brautkleider bei Lilly(so heißt der Laden). So ist es kein Wunder, dass mir der Laden bei der Frage nach einem Wedding Shop gleich als erstes einfällt.
Auf dem Weg dorthin kann ich auf der Ludwigstrasse gleich den Witz über das Siegestor anbringen, den jeder Fremdenführer und Taxifahrer auf Lager hat. Zum Glück stören uns die Absperrungen wegen der Sicherheitskonferenz stören uns dieses mal nicht. Beim Aussteigen fragen sie nach meiner Karte, die ich ihnen gerne gebe.
Tatsächlich, am Sonntag Abend um 21.00 Uhr rufen die Amerikaner tatsächlich an. Sie wollen nach Pforzheim. Eine schöne Strecke von München aus, 265 Kilometer in Richtung Stuttgart. Montag scheint ein guter Tag zu werden. Morgens habe ich schon eine Fahrt vom Flughafen nach Miesbach. Zudem mich der Kunde fragt, wann ich ihn abholen könne.
“Um 12 Uhr.“ antworte ich ihm.
„Fine“
Es kommt wie so oft. Ausgerechnet die Maschine aus Hamburg hat eine halbe Stunde Verspätung. Miesbach vom Flughafen ist ein schöner Stich. Pforzheim aber noch besser. Ich werde doch nicht weil ich Miesbach fahre, Pforzheim verlieren? Endlich bin ich mit meinen Gästen auf der Autobahn, da klingelt schon das Telefon. Der Kunde will „confirm our date“ . Bei der Gelegenheit kann ich ihm gleich gestehen, dass ich voraussichtlich eine halbe Stunde später komme. Es macht ihm nichts aus.
Um 12.30 Uhr bin ich dann heilfroh als die Familie an der Rezeption erscheint und auscheckt. Das viele Gepäck ist gleich eingeladen und ich bin schon wieder auf der Autobahn. Diesmal in die entgegengesetzte Richtung, nach Stuttgart.
Gleich hinter München kommen wir an der Ausfahrt Dachau vorbei. Ich frage ob sie schon einmal in der KZ – Gedenkstätte gewesen wären. Nein, waren sie nicht. Sie wollten, hat sich aber nicht ergeben. Mein Angebot einen Abstecher zu machen nehmen sie dankend an. Es ist zwar Montag und Montags haben die meisten Museen geschlossen. Es würde ihnen aber genügen “just to be at this place.” O.K. In Dachau stehen wir dann vor verschlossenen Toren. Es wird trotzdem fleißig geknipst. Mit dem Familienvater unterhalte ich mich über die Aussage Obamas während seiner Präsidentschaftskandidatur. Damals behauptete Obama, sein Großvater wäre bei der Befreiung Auschwitz dabeigewesen. Der Amerikaner sagte mir über 90% seiner Landsleute hätten das geglaubt. Er aber, sichtlich an europäischer Geschichte interessiert, kann sich jetzt noch darüber amüsieren.
Zurück auf der Autobahn bietet mir die Mutter an ein Pause zu machen “whenever you want.“ Ich entscheide mich auf halber Strecke zu einem kurzen Stopp an der Raststätte Burgauer See . Sie wollen die Schnitzel probieren. Typisch amerikanisch, zwischen zwei Semmeln. An der Kuchentheke können sich meine Gäste nicht entscheiden sich für „one from everyone to take away.“ Die Kassiererin packt uns acht Stück Kuchen ein. Wir setzten uns mit unserem Kaffe. Ich entdecke an der Essensausgabe Schaschlik und Spätzle. Ich kaufe eine Portion und stelle sie mit vier Gabeln in die Mitte unseres Tisches. Von den “Noodles“ (den Spätzle) sind sie alle begeistert. Nach der Stärkung geht es ohne Zwischenstopp weiter nach Pforzheim. Vor dem Hotel bekomme ich mein höchstes Trinkgeld, das ich heuer hatte; 75,-€! Ein Hotelpage ist nicht in Sicht. Ich hole aus der Lounge einen Gepäckwagen und lade das Gepäck darauf. Der Familienvater hat sich nach dem einchecken, unabhängig von mir den zweiten Wagen geschnappt und steht jetzt neben mir. Das sind freundliche Gäste - wollen mir trotz des fürstlichen Trinkgeldes noch zur Hand gehen. Der Amerikaner stellt mir noch ein exotischeres Trinkgeld in Aussicht. Er hat in Amerika eigene Mangobäume. Im September sind seine Mangos reif. Wenn ich ihm meine Adresse gebe, will er mir im Herbst welche nach München schicken. Wir wissen wie Amerikaner sind, aber ihm glaube ich aufs Wort. Wenn ich die Mangos tatsächlich bekomme wäre das einen Eintrag in meiner Trinkgeldliste im Blog wert.
Bevor jetzt alle Kollegen glauben, sie müssten mit ihren Taxis nach München kommen, kann ich euch beruhigen. Solche Tage wie gestern sind die absolute Ausnahme. Den Beitrag habe ich heute während der Wartezeit am Bahnhof Nord geschrieben. Davor war ich für 6,90 € am Odeonsplatz und danach für 6,50 € am Bayerischen Hof (den in München, am Odeonsplatz).
.

Auf dem Weg dorthin kann ich auf der Ludwigstrasse gleich den Witz über das Siegestor anbringen, den jeder Fremdenführer und Taxifahrer auf Lager hat.
AntwortenLöschenJa und - wir sind ganz Ohr und Auge.
wie geht der witz? ich kenn ihn nicht...
AntwortenLöschen@ Klaus und Christine
AntwortenLöschenEs ist eigentlich kein Witz, eher eine Scherzfrage.
Taxifahrer zu den Fahrgästen beim Umfahren des Siegestors:
„Das ist das Siegestor.“ – Kunstpause – „Wissen Sie, warum es so neu ausschaut?“
Als Antwort kommt; Stirnrunzeln, Achselzucken, Nein, No, ….
Taxifahrer:
„Weil wir es erst einmal gebraucht haben!“
Als Antwort kommt: Freundliches Lachen, entspannte Gesichter, Schmunzeln …
Probiert es aus. Es funktioniert!
Manchmal kommt die Frage, wann denn das Einemal gewesen sei. Dann muss man zugeben, dass es Keinmal war. Schon ist man mitten in der Historie. Auf der Ludwigstraße kann man gleich munter weitererzählen.
Ja Herr im Himmel,
AntwortenLöschenhast Du erfragt was diese Truppe aus deiner schönen Heimatstadt in meine (nicht so schöne) Heimatstadt verschlagen hat?
Grüße aus PF
Daniel
@Reinhold
AntwortenLöschenDas klappt in Berlin mit der Siegessäule aber nicht. ;-)
@ Anonym
AntwortenLöschenSie haben gesagt, sie wollten im Hotel jemanden treffen. Gestern habe ich eine Postkarte der Familie aus Leipzig bekommen. Scheint die machen einen ausgedehnten Deutschland-Trip.